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Sidearm Slider - Ausraster à la Pacino
Emotionen, Ausraster gehören zum Sport dazu, ja, sogar das meist so albern anmutende "Bench-Clearing" ist aus dem Baseball gar nicht mehr wegzudenken. Meistens bleiben derartige Ausfälle ohne Folgen. Doch wehe, sie passieren nach Ablauf der Spielzeit.
er elektrische Kurzschluss ist wie folgt definiert: Sobald man(n) sich beim Tapezieren der neuen Bude dazu entschließt, die elektrischen Leitungen in Eigenregie zum Leben zu erwecken („Wir brauchen jetzt endlich mal Strom hier, ich hab’ kein Bock mehr, ohne Musik zu tapezieren“) kommt es zum Kurzschluss. Das passiert bereits dann, wenn man(n) am blanken Ende des blauen Drahts rumspielt, der aus dem frisch verputzten Rigips lugt, um dann rein versehentlich gegen das Ende des braunen Nachbardrahts zu stoßen. „Klack“, Kurzschluss. Das knackige Geräusch aus dem Sicherungskasten liefert den akustischen Beweis.
Für das Malheur gibt es, neben der män(n)lichen Ungeduld, auch eine physikalische Erklärung. Durch die Verbindung der beiden Drähte ist der Plus- und Minus-Pol der Spannungsquelle direkt miteinander verbunden. Somit kommen Spannung und der elektrische Widerstand völlig zum Erliegen. Der Stromfluss schießt derweil ins Grenzenlose, was sich oft in Schmelze oder Überhitzung ausdrückt. Das ganze kann man sich ungefähr so vorstellen: Zwischen zwei Frauen (Minus- sowie Pluspol) ist ein Liebhaber (Widerstand) zwischengeschaltet. Treffen die beiden Frauen aufeinander, fällt der Liebhaber (Widerstand) gegen Null, es kommt zur hitzigen Wortgefechten und schließlich zur Beziehungs-Schmelze.
Blumen für die Betrogene
Glücklicherweise gibt es mittlerweile Mechanismen, die eine zu starke Überhitzung nach dem Kurzschluss vereiteln. Der Sicherungskasten ist ein Beispiel, die menschliche Vernunft ein anderes. Sind beide intakt, folgt auf den Kurzschluss der komplette Stromabfall. Beim Menschen äußert sich das meistens so, dass man(n) seine eben noch begangene Schandtat (Seitensprung) sofort wieder bereut (Blumenstrauß für die Betrogene).
Kurzschlüsse passieren überall, auch oder gerade auf dem grünen Rasen des Baseballsports. Vergangenen Freitag schmorten die Gehirnwindungen von Fernando Rodney, Aushilfs-Closer der Detroit Tigers, für ein paar Sekunden durch. Rodney hatte gerade 35 Würfe benötigt, zwei Punkte verschuldet und den 4:3-Vorsprung seiner Mannschaft gerade noch ins Ziel gerettet, als er sich den Baseball von Teamkollege Miguel Cabrera schnappte. Rodney setzte eine Miene auf wie Hollywood-Schauspieler Al Pacino bei schlechter Laune und feuerte das Spielgerät auf die Pressetribüne. Zum Glück war Rodneys Zielgenauigkeit bei diesem Wurf so unterirdisch wie während seines vorangegangenen Auftritts. Er traf niemanden.
Nach einem derartigen Kurzschluss gibt es zwei Möglichkeiten. Man(n) repariert den Kreislauf, indem man(n) vollständig Abbitte leistet oder man(n) lässt das Stromnetz vergammeln und redet sich raus.
Volley ins Gesicht
Rodney tat am Samstag eher letzteres. Er gab zwar zu, er habe „einen schlechten Tag“ gehabt und sei „wütend“ gewesen, beteuerte aber auch, er habe niemanden treffen wollen. „Ich hab ihn den Fans zugeworfen“, sagte Rodney. Angesichts der Wucht, die Rodney in seinen Wurf gelegt hatte, käme das aber in etwa einem Fußballspieler gleich, der einem Fan einen Ball als Souvenir aus drei Meter Entfernung per sattem Volleyschuss zuschießt.
Rodney hat also weiterhin ein Problem. Seine Sicherung hat nach dem Kurzschluss einigermaßen funktioniert, doch der gute Draht zu den Reportern ist zunächst mal durchgeschmort.
Echt schöner Artikel. Aber diese Kurzschlüsse kenn ich von mir auch. z.B. hab ich früher
"ausversehen" beim Abschlag im Tor den Gegnerischen Spieler im Strafraum getrofen....aber
hey, er hätte sich ja ducken können.
Bei solchen Aktionen denkt man erst später nach.
bestimmt auch mal ins eigene Netz gelegt, oder?
Franz vielleicht
In Sachen den Kategorien literarisch-sprachliche Qualität und Unterhaltungswert steht mein Sieger
jedenfalls fest!
Aber wie gesagt, der Ball ist mir ausversehen ausgerutscht und er hätte sich ducken können
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.




Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich