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Sidearm Slider - Ätschbätsch, Versager!
Nicht nur Sportler können sich mit großartigen Leistungen unsterblich machen. Auch Sportreporter ziehen im Sog der Sportler gerne in die Ruhmeshalle des Sportmikrofons ein. Am vergangenen Donnerstag hatten zwei Amerikaner wieder die Chance dazu.
mmer dann, wenn der deutsche Fußballkommentator Günter Koch das für die Fußballberichterstattung nicht unwichtige Wort „Ball“ während seiner Reportagen vergaß, erlebten die Hörer an den Radios eine Sternstunde. Als Prototyp dieser Koch’schen Eigenheit gibt es kaum ein besseres Beispiel als das Pokalfinale 2007 zwischen dem VfB Stuttgart und den „Klubberern“, dem von Günther Koch verehrten 1. FC Nürnberg.
Beide Mannschaften hatten sich ein Duell auf Augenhöhe geliefert. 2:2 lautete der Spielstand nach 90 Minuten. Die Verlängerung musste entscheiden. Dann schnappte sich Kristiansen, der unscheinbare Däne, in der 106. Minute der Nachspielzeit den Ball. Koch holte tief Luft. Kristiansen und er sollten gleich eine Sternstunde erleben.
„Ooooooh wie ist das schön“, brüllte er ins Mikrofon, „Kristiansen mit einer Glocke…unter die Decke…der Hütte…““. Wobei Koch die Worte „Glocke“, „Decke“ und „Hütte“ jedes Mal mit der Wucht eines Glockenschlags betonte. 114 Minuten später war der FC Nürnberg Pokalsieger.
Sternstunden am Mikrofon
Sportfans haben Günther Koch für derartige Ausbrüche geliebt und verteufelt. Trotzdem sprangen viele neutrale Beobachter bei Günther Kochs Reportagen nicht gleich wutentbrannt an die Decke ihrer Hütte. Denn Koch war ein hervorragender Leidender, der mit fliegenden Fahnen und mit seinem Verein unterging („Hallo hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund, ade liebe Freunde, es ist nicht zu fassen “). Solche Typen erregen zumeist erst Mitleid, dann Sympathie und schließlich Anerkennung, wenn der kriselnde Klub doch mal einen Titel gewinnt. Außerdem stellte Koch die Liebe für das Fußballspiel (fast) immer über die Liebe für seinen Klub, wie beim Kristiansen-Tor anno 2007. So wurden aus den Nürnberger Sternstunden auf dem Platz manchmal auch Sternstunden am Mikrofon.
Am vergangenen Donnerstag erlebte eine der größten amerikanischen Sportligen eine Sternstunde. Zumindest auf dem Platz. Mark Buehrle, linkshändiger Schmeisser der Chicago White Sox, schickte die 27 Schlagmänner der Tampa Bay Rays am Stück wieder auf die Ersatzbank. Per Definition darf sich ein Werfer in Amerika nach einem derartigen Kunststück als „perfekt“ bezeichnen und wer perfekt ist, dem wird in den nächsten 50 Jahren ständig gedacht, meistens per Originalclip mit perfektem Kommentar des damaligen Fernsehreporters.
Doch der perfekte Kommentar blieb am Donnerstag aus. Ken Harrelson saß nämlich am Mikrofon.
Harrelson ist ehemaliger Geschäftsführer der Weißsocken und hat einer Zeitung einmal gesagt, dass er die White Sox ums Verrecken gewinnen sehen möchte. Zahlreiche Sportfans haben ihn dafür geliebt und verteufelt. Die Liebenden attestieren ihm waschechte Emotionen und schleudern Andersdenkenden gerne eine Ladung nicht zitierbarer Verwünschungen an den Kopf. Vielleicht liegt es daran, dass die Andersdenkenden ihn für einen Amateur halten.
Verwünschungen mit einer Portion Spinat
Am Donnerstag war Harrelson mal wieder ein Amateur. Nach Josh Fields' Grand-Slam-Homerun ertönte das obligatorische “You can…putitontheboooooooard….yeessss”, wobei das “yeesss” bei Harrelson noch nicht so sehr nach tiefer Selbstvergöttlichung klingt wie bei seinem ehemaligen Partner Darrin Jackson. Jedem potentiellen Basehit des Gegners schleuderte Harrelson eine Verwünschung hinterher („Get foul!“), jeden Beinahe-Hit „seiner Jungs“ betete er an, doch bitte ins Fair Territory zu rollen („Come back!“). Kam der Ball nicht zurück, klang Harrelson wie ein kleiner Junge, der eine Portion Griesbrei mit Spinat von seiner Mutter einbeholfen bekommt. Sein „He gone“ nach jedem Strikeout des Gegners hätte man gut und gerne mit „Ätschbätsch du Versager“ übersetzten können und weil Buehrle mit zunehmender Spielzeit immer mehr Strikeouts verbuchte, wuchs Harrelsons Freude auf die Größe einer außer Kontrolle geratenen Finanzmarktblase an.
Dann warf Alexei Ramirez den letzten Schlagmann der Rays aus. Harrelson schrie „Yes“, nicht einmal, nicht zweimal, nein, fünf Mal. Spätestens jetzt war kein Unterschied mehr erkennbar zwischen dem Kommentator und dem mild angetrunkenem Fan auf der Tribüne.
Harrelson hatte es wieder einmal nicht geschafft, die Liebe für die Sox der Liebe für das Baseballspiel unterzuordnen. Als am Donnerstag eine Sternstunde des Sports schlug, war der Stern am Mikrofon schon längst erloschen.
diesem "YES" wohl gedacht hat...wenn die White Sox spielen, höre ich mir in der Regel NICHT
ihren Feed, sondern den des anderen Teams an...
Ich hab das Perfect Game von Randy Johnson damals komplett live verfolgt. Thom Brenneman und Mark
Grace sind da wohl eine ganz andere Klasse. Jedenfalls fand ich ihre Reaktion nach dem letzten Out
von The Big Unit angemessener als 5mal YES zu sagen...Wie immer sehr schön zu lesen Johannes, die
Einleitung mit Koch ist Weltklasse
Grüße,
Basti
Johannes Knuth
Johannes Knuth ist 23 Jahre alt und von Beginn an für Baseballinsider.de tätig. Der Red Sox Fan berichtet über Spiele, aktuelle Ereignisse und beleuchtet die Baseballszene in seiner wöchentlichen Kolumne Sidearm Slider. Johannes wanderte 2007 vom niedersächsischen Göttingen ins schwäbische Tübingen aus und nahm dort das Studium der Sportpublizistik auf. Nebenbei ist freier Mitarbeiter zweier Lokalzeitungen und bei der Deutschen-Presse-Agentur.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass