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Sonntag, 08. Mai 2011
 

TWIBB - This Week in Braves Baseball (5-11)

braves_smallDie National League East ist wieder etwas näher zusammen gerückt. Die drei Kellerkinder aus Atlanta (6:1), Washington (4:3) und New York (4:2) beendeten die erste Maiwoche allesamt mit einer positiven Bilanz, während der Überraschungszweite aus Florida zuletzt ein wenig schwächelte (3:4). Nur den Klassenprimus aus Philadelphia interessiert das Geschehen hinter ihm wenig, die Phillies siegen und siegen (4:2), wodurch sie zusammen mit den Cleveland Indians mittlerweile die beste Bilanz in der Major League Baseball haben.

Die Division 

Platz  Team           Siege   Niederlagen   Streak
1      Philadelphia   22       10           7-3
2      Florida        19       13           4-6
3      Atlanta        19       16           7-3
4      Washington     12       14           6-4
5      NY Mets        11       16           5-5 


Wie man sieht, haben sich die Ränge im Vergleich zur Vorwoche nicht verschoben. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Selbstverständlichkeit die Phillies vorneweg marschieren. Da haben sie mit Chase Utley und nun auch noch Roy Oswalt zwei Schlüsselspieler auf der DL, und trotzdem beenden sie auch die fünfte Woche der Saison mit einer positiven Bilanz. Wenn man sich die erzielten Runs ihrer Gegner ansieht (2, 1, 4, 3, 5, 0), dann muss man sich noch wundern, dass sie überhaupt zwei Spiele verloren haben.

So langsam sieht man die absolute Dominanz der Phillies beim Pitching auch in der Statistik: Ihre 103 "Runs Allowed" sind absolute Spitze in der MLB. Zum Vergleich: Im letzten Jahr hatten die Phillies zum selben Zeitpunkt immerhin 117 Runs abgegeben - auch sehr gut, aber damals waren noch sechs Teams besser. 

Da können die Marlins nicht mehr ganz mithalten. Selbst Josh Johnson schwächelte am Donnerstag gegen die Cardinals (L, 7.1 IP, 8 H, 5 ER, 4 BB, 7 K). Sein ERA verdoppelte sich fast von 0.88 auf 1.68. Dennoch werden die Marlins mit der Auswärtsserie gegen die Cardinals nicht unzufrieden gewesen sein, ein Split von 2:2 aus vier Spielen beim unangefochtenen Spitzenreiter der NL Central ist aller Ehren wert. Weniger glücklich sind sie mit Sicherheit über die folgenden beiden Heimniederlagen gegen die Nationals (2:3, 2:5).
 
Überragend ist aber nach wie vor ihre Bilanz in knappen Spielen (8:4 Siege mit einem Run), nur San Francisco ist hier noch besser (9:3). Schon in der letzten Woche wies ich darauf hin, dass es den Marlins irgendwie gelingt, immer gerade gut genug zu sein um zu gewinnen. Dieser Trend hat sich nun zwar etwas verlangsamt, eine Wochenbilanz von 3:4 ist aber alles andere als der Anfang vom Ende.
 
Die Nationals hatten eine unglaubliche Woche: Zwei Siege gegen den Titelverteidiger San Francisco, danach wurden sie von den Phillies mit 0:3 weggefegt, und anschließend gewannen sie wieder zwei Spiele bei den Marlins. Gegen diese Konkurrenz eine Wochenbilanz von 4:3 zu erzielen, ist mehr als beachtlich. Zu verdanken haben sie diesen Erfolg ihren Pitchern, die in den vier Siegen nur 2, 0, 2 und 2 Runs zuließen. Das sind sechs Runs in 36 Innings! (Hier zeigt sich übrigens einmal mehr die Klasse der Phillies, die gegen eben jene Nationals bei ihren drei Siegen nicht weniger als 18 Runs in 27 Innings erzielten).
 
Bester unter den Guten war Tom Gorzelanny, der beim Shutout gegen die Giants am Dienstag in 8 Innings nur 3 Hits zuließ und am Samstag gegen die Marlins sieben Innings mit 2 ER nachlegte. Wirklich eine gute Woche für ihn. 
 
Am Schlag sind die Nationals hingegen noch immer grottenschlecht: Vorletzte der NL beim AVG (.227), Drittletzte bei Home Runs (24), Doubles (45) und SLG (.348), Letzte gar in der OBP (.298). Auf die Dauer wird das nichts!

Und was machen die Mets? Nun, nach schwachem Saisonstart haben sie sich mittlerweile ganz gut erholt. Auch die Jungs aus der Hauptstadt hatten mit den Phillies, Giants und Dodgers nicht eben gegen Laufkundschaft zu spielen, und zumindest die Dodgers haben sie bisher klar beherrscht (6:3, 4:2). Grund für die Erfolge zuletzt war auch bei den Mets das Pitching: 1, 7, 2, 2, 3 und 2 Runs in sechs Spielen oder 54 Innings ergeben einen Wochen-ERA von 2.73. Nicht schlecht für ein Team auf Platz 5.  
 
Am Schlag macht sich vor allem bemerkbar, dass Jose Reyes wieder richtig fit ist: ein .329 AVG und eine .378 OBP sind sehr gute Werte für einen Leadoff Hitter. 
 
Die Braves
Als ich meine letzte Kolumne schrieb, hatten die Braves gerade den Monat April mit einer Bilanz von 13:15 Siegen und einer katastrophalen Schlagbilanz abgeschlossen (und lagen im laufenden Spiel gegen die Cardinals bereits im 2. Inning wieder mit 0:3 zurück). Ein 13:16 zum Beginn des Monats Mai schien also mehr als wahrscheinlich. Aber dann geschah das Unglaubliche: Nicht nur wurde jenes Spiel gegen die Cards noch gedreht (6:5), nein, die Braves rafften sich zu einer Siegesserie von sechs Spielen auf, bevor sie am Samstag in Philadelphia ihr erstes Spiel im Monat Mai verloren (0:3). Jene Niederlage war übrigens der erste Auftritt von Supertalent Julio Teheran in den Major Leagues. Mit 4.2 IP, L, 3 ER und nur einem Strikeout legte er zwar ein sehr durchwachsenes Debut hin, doch was heißt das schon? (Kleiner Vergleich gefällig: Tom Glavine 3.2 IP, 10 H, 6 ER, 5 BB, 1 K, 14.73 ERA).
 
Aber das Unglaubliche am Unglaublichen war, dass die Braves nicht nur ihr ohnehin hervorragendes Pitching noch einmal verbesserten, nein, auch am Schlag erwachten sie plötzlich zum Leben! 35 Runs erzielten sie in 7 Spielen, also genau 5 im Schnitt. Wenn man gleichzeitig nur 14 Runs abgibt, gewinnt man eben so gut wie alles!

Team Hitting
Ist das die Wende? Die Braves haben sich in nur einer Woche in so gut wie allen Schlagkategorien deutlich verbessert. Zwar belegen sie in vielen Bereichen noch immer hintere Plätze, aber der Trend zeigt klar nach oben, wie folgende Tabelle verdeutlicht (in Klammern der Rang in der NL unter 16 Teams):

Stat  30.04.2011   07.05.2011
AVG   .231 (13)    .240 (11)
OBP   .302 (15)    .308 (13)
SLG   .377 (13)    .384 (8)
OPS   .679 (13)    .692 (12)
TB     344 (10)     452 (4)
HR      28  (4)      34 (3)


Was man sieht: Die Braves nähern sich am Schlag langsam aber sicher dem Durchschnitt. Und das mit Riesenschritten, denn trotz des 0:3 gegen die Phillies am Samstag war ihr Schlagdurchschnitt in der letzten Woche (.286) der beste der gesamten NL.
 
Team Pitching
Und Durchschnitt am Schlag für den Rest der Saison würde bedeuten, dass die Braves ab sofort extrem erfolgreich spielen würden, denn ihr Pitching ist überragend - sogar noch etwas besser als das der Phillies. Nachstehend die Pitching-Statistiken der MLB (also von 30 Teams), Stand 7.5.2011:

Stat  Braves  Rang  MLB    NL
ERA   2.87    1.    3.83   3.80
SHO   6       1.    2      2
IP    316.2   1.    296    296
BB    90      2.    108    109
QS    23      2.    18.5   18
K     272     3.    233    243

Besser geht es nicht. 

Who's hot
- Tim Hudson. Sein komplettes Spiel gegen die Milwaukee Brewers war so dominant, wie ein Starting Pitcher nur sein kann (9.0 IP, 1 H, 0 R, 1 BB, 6 K). Schade für Tim, dass angesichts der No-Hitter von Liriano und Verlander kaum jemand von seinem 1-Hitter Notiz nahm. Derek Lowe muss ich an dieser Stelle natürlich auch erwähnen, der in Philadelphia - dem vielleicht heißesten Pflaster der gesamten NL - einen No-Hitter im 7. Inning verlor und am Ende immerhin ein "W" für einen 5:0-Sieg gutgeschrieben bekam.
 
- Dieses "W" hat Lowe übrigens vor allem Eric O'Flaherty zu verdanken, der beim Stand von 3:0 in jenem 7. Inning bei keinem Aus und Läufern auf den Bases 2 und 3 ins Spiel kam. Natürlich kamen passend die besten Schlagmänner der Phillies an die Platte. Und so wäre man aus Sicht der Braves schon froh gewesen, wenn am Ende des Innings noch eine knappe 3:2-Führung gestanden hätte. Doch 15 Pitches und drei Strikeouts später stand es noch immer 3:0. Besser als Eric O'Flaherty in diesem Inning kann man unter Druck einfach nicht pitchen. Eigentlich gilt das für seine ganze Woche (4.1 IP, 8K, 0 BB, 0 R). 
 
- Eine bessere Woche als Eric O'Flaherty kann ein Reliever eigentlich gar nicht haben. Aber Jonny Venters stand ihm in nichts nach: 3 IP, 5K, 0 R, 0 BB. Venters' ERA steht jetzt bei 0.51, er hat im ganzen Jahr einen (!) Runn abgegeben - am 2. Spieltag bei einem 11:2-Sieg.

- Martin Prado. Nach 10 Spielen blieb er gegen die Phillies am Samstag erstmals wieder ohne Hit. In dieser Zeit verbesserte er seinen Schlagdurchschnitt von schwachen .240 auf respektable .268. Zudem gelang ihm beim 2:1 gegen Milwaukee am Mittwoch ein entscheidender Home Run. 
 
- Alex Gonzalez. Auch er hatte keine schlechte Woche am Schlag, aber ich erwähne ihn an dieser Stelle einmal, weil er schon die ganze Saison hindurch überragende Defense spielt. Und damit meine ich nicht nur Highlight Plays, wie sie jedem Spieler irgendwann einmal gelingen, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der er Bälle erreicht und kontrolliert zur 1B wirft, nach der sich andere Shortstops nicht einmal gestreckt hätten. 
 
Who's not
- Jason Heyward. Heyward hat offensichtlich das Ziel, in jeder TWIBB-Folge als "Hot" oder "Not" aufzutauchen. Diesmal hat er es wieder geschafft, nur leider auf der dunklen Seite der Macht. Völlig gegen den Trend hat er in der letzten Woche total abgebaut. Zwei mickrige Hits gelangen ihm in 22 AB. Unter seinen 20 Outs waren zudem 9 Strikeouts. Man fragt sich, ob er wieder verletzt ist oder was eigentlich nicht stimmt. Ein AVG von .231 ist jedenfalls nicht gut genug (auch wenn die etwas wichtigeren Stats wie .785 OPS und .455 SLG besser aussehen). Bei seinem Talent muss da einfach mehr kommen.

- Freddie Freeman. Auch "Franchise Freddie" hatte keine gute Woche. Zwar gab er am Schlag ein nicht ganz so schwaches Bild ab wie Heyward (4 Hits in 16 AB, alle Singles), aber sein AVG von .222 ist auch inakzeptabel für einen First Baseman. Wäre schön, wenn er seiner hervorragenden Defense zeitnah auch etwas Offense hinzufügen würde. 
 
Fazit
Letzte Woche schrieb ich, dass die Braves schnell den Turnaround am Schlag schaffen müssen, wenn sie in diesem Jahr noch etwas reißen wollen. Kaum standen diese Zeilen, taten sie eben dies in beeindruckender Weise, wobei sie gleichzeitig ihr exzellentes Pitching noch weiter verbesserten (böse Zungen sagen: nicht trotz, sondern wegen der Sperre von Pitching Coach Roger McDowell). Es bleibt abzuwarten, ob diese 6:1-Woche der Auftakt zu einer glänzenden Restsaison ist oder ein Strohfeuer bleibt. Die kommenden Gegner heißen 3x Nationals und 3x Phillies. Ein 4:2 aus diesen Spielen würde ich sofort mitnehmen, wenn man es mir heute anböte. Ehrlich gesagt auch ein 3:3.
 
Nächsten Sonntag wissen wir mehr.

 
Autor: Frank Schildheuer
 

Kolumnen

Samstag, 07. Mai 2011
 

Fact or Fiction? #29

factofictionHerzlich willkommen zur 29. Ausgabe von Fact or Fiction? auf binsider.de.

Unsere Redakteure diskutieren heute über den Wert der Los Angeles Dodgers und die unterschiedlichen Saisonstarts der Boston Red Sox und Cleveland Indians.

Des Weiteren stellen sich die Fragen, ob eine Entlassung von Manager Ozzie Guillen die White Sox beflügeln würde und ob Jered Weaver auch am Ende der Saison die meisten Wins in den Major Leagues auf seinem Konto haben wird.

Die kurze Erklärung für neue Leser: Eine kontroverse Behauptung wird in den Raum gestellt, und anschließend begründet der jeweilige Redakteur, ob diese Behauptung für ihn Fact (wahr) oder Fiction (falsch) ist.

 
 

Kolumnen

Sonntag, 01. Mai 2011
 

TWIBB - This Week in Braves Baseball (4-11)

braves_small

Nachdem nun ein Monat der Saison 2011 vorüber ist, hat sich die Zweiklassengesellschaft in der NL East weiter verfestigt. Die Philadelphia Phillies und - überraschend - die Florida Marlins stehen bereits mit erheblichem Abstand an der Spitze, während sich die Atlanta Braves, Washington Nationals und New York Mets um Platz 3 bis 5 streiten.

Die Division
 
Platz  Team           Siege   Niederlagen   Streak
1      Philadelphia   18        8           8-2
2      Florida        16        9           7-3
3      Atlanta        13       15           5-5
4      Washington     12       14           3-7
5      NY Mets        11       16           6-4 

Dass die Phillies schon wieder eine Woche mit mehr Siegen als Niederlagen beendet haben (diesmal: 4:2), müsste ich eigentlich gar nicht mehr erwähnen, denn das war bisher in jeder Woche der Saison so. Besondere Erwähnung verdient aber Roy Halladay, dessen Wochenbilanz sich wie folgt liest: 17.2 IP, 2-0, 2 ER, 22 K, 2 BB. Bis auf ein Aus waren das also zwei komplette Spiele, jeweils mit nur einem abgegebenen Run.
Nicht meckern kann man auch über die Produktivität von Ryan Howard, der mit 27 RBI die gesamte MLB anführt. Wenn er so weiter macht, kommt er am Saisonende auf 162 RBI - also einen pro Spiel.

Diese überragende Leistung war aber auch nötig, um die Phillies an der Spitze zu halten, denn von hinten drücken die Marlins mächtig nach. Trotz ihres schweren Programms gegen die Rockies, Dodgers und Reds beendeten sie ihre Woche mit einer stolzen Bilanz von 4:2, wobei ihr Ass Josh Johnson in seiner Leistung der von Halladay kaum nachstand: 14.0 IP, 1 ER, 12 K. Schönheitsfehler: Bei einem ERA von 0.88 (!) nach sechs Spielen lautet die persönliche Bilanz von Johnson "nur" 3-0, und die Marlins haben immerhin zwei seiner Spiele verloren, zuletzt gestern Abend gegen die Reds mit 3:4. 
Noch ein Nachtrag: Letzte Woche schrieb ich, dass man die Marlins ernst nehmen muss, wenn sie Ende April noch immer oben stehen. Also nehme ich sie jetzt ernst. Anders als die Braves, die immer genau gut genug sind um zu verlieren (dazu sogleich), sind die Marlins immer genau gut genug um zu gewinnen. In der ganzen Saison haben sie noch nie zweistellig gepunktet, aber auch noch nie mehr als neun Runs abgegeben (und jene neun Runs auch nur einmal, dazu einmal sieben und zweimal sechs; anders ausgedrückt: in 25 von 29 Spielen haben die Gegner fünf Runs oder weniger erzielt). Durchschnitt am Schlag und gutes Pitching - So gewinnt man eine Menge Spiele!

Die wackeren Nationals kommen langsam aber sicher in den Bereich, in dem viele Prognosen sie vor der Saison angesiedelt hatten. Nur drei Siege gelangen in den letzten zehn Spielen. Ihr Problem liegt überwiegend am Schlag, wo sie mit einem Teamdurchschnitt von .226 nur auf Platz 29 von 30 Teams der MLB liegen (sogar noch einen Platz hinter den Braves).
Allerdings gibt es auch immer wieder Lichtblicke, so zum Beispiel den 3:0-Sieg gegen die San Francisco Giants am Freitag, wo Pitcher Jason Marquis ein Shutout gelang (9.0 IP, 5 H, 0 R, 0 BB, 7 K). Alles in allem deuten die Zeichen darauf hin, dass Washington vielleicht keine gute (d.h. in die Playoffs führende), aber zumindest eine respektable Saison spielen wird.

Die Mets überraschten zu Beginn der Woche mit einer Siegesserie von sechs Spielen. Aus der miserablen 5:13-Bilanz wurde so ein 11:13. Allerdings haben sie sich in den letzten drei Spielen wieder schlafen gelegt und stehen nun bei 11:16. Okay, zwei dieser Niederlagen kamen gegen die Phillies zustande, gegen die man verlieren kann. Aber die Siegesserie gelang auch "nur" gegen Houston, Arizona und Washington, also drei der schlechtesten Teams des letzten Jahres. In den nächsten zehn Spielen heißen die Gegner Philadelphia, San Francisco, Los Angeles und Colorado. Danach sprechen wir uns wieder. 

Die Braves
In der letzten Woche schrieb ich, die gute Nachricht bei den Braves sei, dass es nicht mehr schlechter werden könne. Welch ein Irrtum! Dabei fing alles so gut an: Die Verletzung von Chipper Jones am Knie stellte sich nicht als besonders schlimm heraus. Jedenfalls hat er bisher nur ein Spiel verpasst. Auch gewannen die Braves entgegen meiner Prognose das dritte Spiel gegen die Giants und beendeten damit die Dreierserie gegen die World Champions mit einem "Sweep". Und nachdem sie auch bei den San Diego Padres mit 2:1 Siegen die Oberhand behielten, standen sie mit einer Bilanz von 13:13 Siegen wieder ausgeglichen da - zum ersten Mal seit einer 3:3-Bilanz am 6. Spieltag. Aber dann:

- Unter der Woche kam heraus, dass Pitching Coach Roger McDowell sich in San Francisco mit pöbelnden Fans angelegt und einem Familienvater in Gegenwart dessen minderjähriger Töchter angedroht hatte, ihm mit einem Baseballschläger die Zähne auszuschlagen. Besagter Vater nahm sich eine prominente Anwältin, die eine Pressekonferenz veranstaltete, in der er mit seinen Töchtern auftrat und die Sache so öffentlich machte. Ergebnis: McDowell ist für zwei Wochen vom Dienst suspendiert, muss eine Geldstrafe zahlen und ein Anti-Aggressionstraining absolvieren. Damit ist er noch sehr glimpflich davon gekommen, meine ich. Reaktionen auf Äußerungen von Fans - völlig egal, WAS sie rufen - sind ein No-No in jedem professionellen Sport.
 
- Aber damit nicht genug. Donnerstag Nacht lieferte sich zu allem Überfluss auch noch Pitcher Derek Lowe in seinem Porsche Panamera ein Straßenrennen mit einem anderen Fahrer. Beide wurden von der Polizei angehalten, wobei sich herausstellte, dass Lowe angetrunken war. Nach dem Vorfall mit McDowell konnten die Braves einen weiteren Zwischenfall wie diesen natürlich besonders gut gebrauchen.

- Aber nicht nur abseits des Spielfeldes sorgten die Braves für Negativschlagzeilen. Die ersten beiden Spiele daheim gegen die Cardinals gingen nämlich völlig unnötig verloren. Im ersten Spiel führte man 3:2 im 9. Inning, nur um im 11. Inning mit 3:5 zu unterliegen. Und in Spiel 2 reichte ein 2:0 nach sieben Innings nicht - 2:3 hieß diesmal das Endergebnis. Gewohnt schwache Offensive und ungewohnt schwaches Relief Pitching - so verliert man eine Menge Spiele! Selbstverständlich müssen diese Niederlagen nichts mit den o.g. Vorfällen außerhalb des Feldes zu tun haben, aber geholfen haben diese Ablenkungen sicher nicht. 

Team Hitting
Die ersehnte Wende zum Guten ist nach wie vor nicht zu erkennen. In den meisten Schlagkategorien stehen die Braves weiterhin am Ende der Tabelle: Von 30 Teams in der MLB belegen die Braves beim Batting Average Platz 28 (.229), bei der On Base Percentage Platz 27 (.298). Im Power Ranking sieht es etwas besser weniger schlecht aus, Platz 23 steht hier zu Buche. Nur, was nützen Home Runs, wenn nie ein Spieler auf Base ist? Weniger als mit Spielern auf Base, soviel ist mal klar. Das Laufen haben die Braves übrigens ganz eingestellt, bei den gestohlenen Bases sind sie Letzte (fünf Steals). Gut so, sagen viele Fans, denn diesen fünf Steals stehen neun CS gegenüber!

Team Pitching
Dass die Braves die Woche noch mit einer ausgeglichenen Bilanz von 3:3 über die Bühne brachten, haben sie ausschließlich ihrem Pitching zu verdanken. Genauer: Dem Starting Pitching, denn die Reliever schwächelten erheblich. Ganze acht Runs in 41.0 Innings (!) ließen sie zu, das entspricht einem ERA von 1.76. Besonders tat sich Jair Jurrjens hervor, dem ein komplettes Spiel (9.0 IP, 2 ER, W, 2 BB, 4 K) gegen die Padres gelang.
Weniger gut verlief die Woche für die Reliever, die nicht weniger als drei Spiele nach Führung noch aus der Hand gaben. Typisch für die Braves ist, dass sie auf niedrigem Niveau eine Führung erspielen (2:1, 3:2 oder dergleichen), diese dann kurz vor Schluss abgeben und das Spiel dann knapp in Extra Innings verlieren. So allein in der letzten Woche zweimal geschehen, ein weiteres Mal im 9. Inning. Wie gesagt, wenn zu grottigem Hitting auch noch Fehler beim Pitching kommen, kann man keinen Blumentopf gewinnen. Dass Manager Fredi Gonzalez erneut mit mehreren zweifelhaften Entscheidungen während des Spiels keine Hilfe für sein Team war (um es sehr vorsichtig zu formulieren, mehr dazu sogleich), sei hier nur am Rande erwähnt.

Who's Hot
- Jason Heyward. Hätten alle Schlagmänner ihre Leistung so verbessert wie J-Hey, stünden die Braves glänzend da. Unter der Woche gelangen ihm 10 Hits in 29 AB, darunter zwei Doubles und drei Home Runs. Seinen Batting Average verbesserte er von .225 auf .263, seine SLG von .437 auf ausgezeichnete .525. Ihm hat der Wechsel von Platz 6 auf 2 in der Batting Order offensichtlich sehr gut getan (ein Wechsel, den die Fans schon zu Saisonbeginn gefordert hatten, für den Manager Fredi Gonzalez aber knapp 20 Spiele benötigte).
- Brandon Beachy. Im Spring Training stach Beachy überraschend Mike Minor als 5. Starter aus, und nach kleinen Anlaufschwierigkeiten demonstriert er nun, dass er ein sehr guter Pitcher ist, sicherlich nicht nur eine Nummer 5. Man sieht einfach, dass er "nasty stuff" hat, wie die Amis sagen. Nach 13.0 IP in zwei Starts stehen für ihn unter der Woche nur 4 ER zu Buche (2.77 ERA), wobei er für zwei davon nur zum Teil verantwortlich war, denn die entsprechenden Läufer standen noch auf den Bases 1 und 2, als Jonny Venters für ihn am Samstag gegen die Cardinals eingewechselt wurde. 12 K bei nur einer BB sind außerdem hervorragend.
- Jair Jurrjens. Sein oben erwähntes komplettes Spiel gegen die Padres hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können, hatten die Braves doch Tags zuvor in 13 Innings nahezu alle Reliever eingesetzt. 16 Strikeouts und ein ERA von 1.23 nach drei Spielen zeigen, dass Jurrjens offensichtlich wieder völlig fit ist.

Who's not
- Craig Kimbrel. In den ersten Saisonspielen schien es nahezu unmöglich, gegen ihn einen Hit zu erzielen. Nach der letzten Woche stehen für Kimbrel nun bereits zwei Blown Saves und eine Niederlage zu Buche. In seinen beiden letzten Spielen hat Kimbrel jeweils Runs abgegeben, die unmittelbar zu Niederlagen für die Braves führten. Gut, seine fundamentalen Werte (15 K in 11.2 IP bei nur 4 BB) sind noch immer extrem gut, aber in den letzten fünf Spielen gelang ihm insgesamt nur noch ein Strikeout.
- Freddie Freeman. Ganze zwei Hits in 27 At-Bats stehen für ihn unter der Woche zu Buche (beides Doubles). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Freeman zu viel will. Seine Kameraden bringen am Schlag nichts zustande, und ausgerechnet er als Rookie will die Kohlen mit einem Homerun aus dem Feuer reißen. Dadurch verkrampft er. Sein Batting Average liegt nur noch bei .217, seine OBP bei .314, sein OPS bei .695 - alles unterirdisch für einen First Baseman.
- Cristhian Martínez. Bei seinen letzten drei Einsätzen gab er jeweils Runs ab (4.2 IP, 5 ER, 9.64 ERA), darunter drei Home Runs, von denen zwei unmittelbar zu Niederlagen der Braves führten. Zum Teil war an dieser Misere wiederum Fredi Gonzalez schuld, zum Beispiel am Montag in San Diego, als er Martinez nach zwei guten Innings noch für ein drittes Inning aufs Feld schickte. Vorausgegangen war, dass Martinez an den Schlag musste, nach einem - natürlich - verpatzten Bunt auf der ersten Base stand, und sich dort selbst Aus machte, indem er auf ein Flyout hin nicht wieder auf die Base zurückging, sondern einfach zwischen erster und zweiter Base stehen blieb. Dümmer geht's nimmer. Dass er nach dieser Blamage nicht mehr richtig konzentriert sein konnte, musste doch jedem klar sein. Und schon am Ende seines zweiten Innings pumpte Martinez mächtig, das konnte man sehen. Er hatte neben nachlassenden Kräften offensichtlich auch seine Nerven nicht im Griff. Nur Gonzalez kümmterte dies nicht - er wartete in aller Seelenruhe ab, bis Martinez im 13. Inning nach einem Lineout (das schon ein Double hätte sein und allerspätestens zu seiner Auswechslung führen müssen) noch einen Walk und einen Home Run abgab. Game over, 3:5 verloren. Aber neben dem krassen Versagen des Managers bleiben eben auch die 3 HR in 3 Spielen und der Fauxpas auf den Bases stehen.

Dass in dieser Rubrik nicht noch ein halbes Dutzend weitere Spieler auftauchen, liegt nur daran, dass die "üblichen Verdächtigen" sich in der letzten Woche nicht besonders negativ hervorgetan haben, sondern konstant auf ihrem niedrigen Niveau verharrten (Uggla, Gonzalez, Prado, Linebrink.).

Fazit
Die Braves beenden den Monat April 2011 mit einer Bilanz von 13:15 Siegen und bereits sechs Spielen Rückstand auf die Phillies. Während ich diese Zeilen tippe, steht es im ersten Spiel des Monats Mai gegen St. Louis auch schon wieder 0:3. Wenn sich am Schlag nicht rasch Besserung einstellt, wird dies ein verlorenes Jahr für die Braves. Immerhin, zwei Hoffnungsschimmer gibt es: Letztes Jahr lautete die Aprilbilanz sogar 9:14, und dennoch erreichte man die Playoffs, und Freeman und Uggla sind als schwache Starter bekannt. Mögen sie sich zusammenreißen. Schnell.

Nächsten Sonntag wissen wir mehr.

 
Autor: Frank Schildheuer
 

Kolumnen

Mittwoch, 27. April 2011
 

Macht der Gelassenheit

sliderGestern abend zückten die Geschichtsschreiber der Major League Baseball mal wieder ihre Federn, Historisches hatte sich ereignet. Und immer wenn in der MLB Geschichte geschrieben hat, ist der Wahnsinn nicht weit entfernt - wie Sidearm Slider herausgefunden hat.

 
 

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Sonntag, 24. April 2011
 

TWIBB - This Week in Braves Baseball (3-11)

braves_smallIn der dritten Saisonwoche hat sich die NL East zu einer Zweiklassengesellschaft entwickelt. Auf Platz eins thronen nach wie vor die Phillies, dicht gefolgt von den überraschend starken Marlins. Die Teams aus Philadelphia und Florida sind gleichzeitig die einzigen in der Division mit einer positiven Bilanz. Die Nationals auf Platz drei liegen bereits drei Siege hinter den Marlins zurück. Was für sie noch angehen mag, nämlich eine leicht negative Bilanz, ist für die Braves auf Platz vier bereits eine herbe Enttäuschung. Und die Mets auf Rang fünf werden sich den Saisonstart erst Recht anders vorgestellt haben.

Die Division
Im Einzelnen sieht die Tabelle der NL East nach den Spielen vom letzten Samstag so aus:

Platz  Team           Siege   Niederlagen   Streak
1      Philadelphia   14        6           7-3
2      Florida        12        7           7-3
3      Washington      9       10           5-5
4      Atlanta        10       12           5-5
5      NY Mets         8       13           4-6

Für die Phillies war ihr Gastspiel in Milwaukee eine völlig neue Erfahrung: Erstmals in diesem Jahr verloren sie eine Serie (1:2), darunter das zweite Spiel sogar mit 0:9, obwohl "Doc" Halladay auf dem Mound stand (6.2 IP, 10 H, 6 ER). Sollte dies der Anfang vom Ende der Dominanz der Phillies gewesen sein? Natürlich nicht, lautet die überflüssige Antwort auf diese rhetorische Frage, denn seitdem haben sie alle vier Spiele gewonnen, wobei sie nie mehr als drei Runs abgaben (zweimal spielten sie sogar "zu null"). Wenn man Pitcher wie Halladay, Cliff Lee, Roy Oswalt und Cole Hamels hat, gewinnt man eben meistens.

Die Marlins (12:7) haben die drittbeste Bilanz der National League nach den Phillies und Rockies (jeweils 14:6). Bei ihrem traditionell extrem niedrigen Budget ist das ein stolzer Erfolg. Mittlerweile kann man auch nicht mehr von Glück sprechen, denn wenn man sich die erzielten (80) und abgegebenen (69) Runs ansieht, ist die Differenz von +11 immerhin auch die fünftbeste der Liga. Und mit Josh Johnson haben sie den momentan wohl besten Pitcher der ganzen National League in ihren Reihen (3-0, 1.00 ERA, 27 K in 27.0 IP). Weniger freundlich sehen die nächsten Gegner aus, nach den Rockies folgen Auswärtsspiele bei den Dodgers und Reds. Sollten die Marlins danach immer noch den Phillies auf den Fersen sein, wird man sie in diesem Jahr wohl ernst nehmen müssen.

Die Nationals hatten eine verregnete Woche: Gleich drei Spielabsagen warfen ihren Terminkalender ordentlich durcheinander. Davon ließen sich die Jungs aus der Hauptstadt aber zunächst nicht irritieren und fegten die Milwaukee Brewers mit 3:0 Spielen aus dem Stadion. Besonders erstaunlich war bis dato die Leistung von Livan Hernandez, der nach Spiel 3 der Brewers-Serie, das mit 5:1 für die Nationals endete, eine Bilanz von 2:1 Siegen und einen ERA von 2.88 aufzuweisen hatte. Gut, gestern hat er gegen die Pirates eine arge Schlappe bezogen (2:7 verloren, dabei 7 Runs in 6.0 Innings abgegeben), aber dass er mit seinem 84mph-Fastball überhaupt noch mit einigem Erfolg in der MLB aktiv ist, grenzt schon an ein Wunder. Wahrscheinlich setzt er Nebel und Spiegel ein.

Die Mets schließlich schienen es sich auf Platz 5 gemütlich gemacht zu haben - 5:13 lautete ihre Bilanz unter der Woche, die schlechteste in der ganzen MLB. Okay, ihre jetzige Bilanz von 8:13 ist noch immer die Schlechteste in der ganzen MLB, aber die letzten drei Spiele haben sie gewonnen, und es gibt noch mehr Grund zur Hoffnung, denn Jason Bay spielt wieder! Gar nicht einmal so schlecht übrigens, in drei Spielen kommt er bereits auf drei RBI, einen Schlagdurchschnitt von .333, zwei Doubles und eine Home Run. Einen guten Schlagmann brauchen die Mets so nötig wie die Luft zum Atmen - es wäre ihnen zu wünschen, dass Bay endlich die Leistung bringt, für die er bezahlt wird (2011: coole 16 Mio. Dollar).

Die Braves
Bei den Braves lief in der letzten Woche schief, was nur schief laufen konnte. Ein Drama in drei Akten:
1. Man wollte mit einem Heimsieg am Sonntag gegen die Mets auf die schwere Reise gen Westen gehen (10 Auswärtsspiele gegen die Dodgers, Giants und Padres) - daraus wurde schon einmal nichts, obwohl die Mets mit Dillon Gee einen Nobody als Verlegenheitsstarter aufboten (2:3 verloren).
2. Dann wollte man in der Viererserie bei den Dodgers mindestens ein 2:2 erreichen - auch das klappte nicht (1:3), obwohl man im 9. Inning des vierten Spiels bei zwei Aus und zwei Strikes gegen den letzten Schlagmann mit 3:2 führte. Die Dodgers glichen aus und gewannen das Spiel durch einen Homerun von Matt Kemp noch mit 5:3.
3. Danach ging es in die Dreierserie mit den Giants, wobei man sich gegen den starken Linkshänder Madison Bumgarner und den zweimaligen Cy-Young-Award-Gewinner Tim Lincecum wenig bis nichts ausgerechnet hatte. Dass die beiden Spiele trotzdem gewonnen wurden (4:1, 5:2) hätte also eigentlich Grund zu Jubel und Optimismus sein sollen - hätte sich nicht Chipper Jones am Knie verletzt! Zwar nicht am operierten linken Knie, aber es macht ja nun keinen Unterschied, welches Knie Chipper aus dem Team zwingt. Noch ist nicht ganz klar, was er genau hat (bei den Braves heißt es erst immer "nichts Schlimmes", dann müssen "genauere Untersuchgunen" vorgenommen werden, dann geht es "sicherheitshalber" auf die 15-Day-DL, und dann wird das Saisonaus verkündet, verbunden mit der "guten Nachricht", dass der betreffende Spieler "zum nächsten Spring Training wieder fit sein könnte"). Hoffentlich bleibt Chipper dieses Schicksal erspart. Im Moment sitzt er jedenfalls draußen, und eine ganz leichte Sache scheint es auch nicht zu sein, immerhin gab Jones selbst zu, sich schon seit ca. 10 Tagen mit dem Problem herumzuschlagen, wobei es immer schlimer geworden sei, bis er am Samstag schließlich nicht mehr habe spielen können.

Team Hitting
Diese Rubrik sollte ich eigentlich "vom Regen in die Traufe" nennen". Nachdem die erste Woche schon nicht berauschend war, kann man nach den Wochen zwei und drei mittlerweile von Totalversagen sprechen. Auch hier die gute Nachricht vorweg: Schlechter kann es kaum noch werden. Von 16 Teams der National Leage belegen die Braves beim Batting Average Platz 14 (2.30), bei der On Base Percentage Platz 15 (.301), im Power Ranking Platz 13 (.366 SLG) und bei den Doubles - eigentlich eine Spezialität der Braves - Platz 14 (28). Zu allem Überfluss sind sie auch noch die einzige Mannschaft, die weniger Stolen Bases (5) als Caught Stealings (8) aufzuweisen hat. Ist man also mal auf Base, läuft man sich selbst noch ins Aus.

Team Pitching
Die Pitcher halten die Braves immerhin knapp unter der Wasserkante. In so gut wie jedem Spiel liefert der Starter einen "Quality Start" ab (min. 6.0 IP, max. 3.00 ERA), und zumindest auf Jonny Venters (leicht angeschlagen, leider) und Craig Kimbrel ist im 8. und 9. Inning ebenfalls Verlass. Zum Problem könnte nach der Verletzung von Peter Moylan das 7. Inning werden, denn eigentlich kann man außer bei Jonny und Craig nur noch bei Eric O'Flaherty einigermaßen sicher sein, dass er seiner Aufgabe (nämlich gegen gegnerische Linkshänder zu bestehen) gerecht wird. Trotz dieser Schwäche kann man aber insgesamt mehr als zufrieden sein: Ganze 3.18 Runs haben die Braves pro Spiel bisher zugelassen - das ist Ligaspitze! In der letzten Woche (20 Runs in sieben Spielen) sah es sogar noch etwas besser aus. 

Team Coaching
Diese Rubrik ist hier eigentlich nicht vorgesehen, die Ereignisse der vergangenen Woche machen sie aber dennoch notwendig. Zunächst werfen die oben genannten Schlagstatistiken kein gutes Licht auf den neuen Hitting Coach Larry Parrish. Natürlich ist es noch früh in der Saison, aber dass er bisher einen guten Job gemacht hätte, kann man nun wirklich nicht sagen. 
Vor allem aber hat der neue Manager Fredi Gonzalez sich mit einigen seltsamen Entscheidungen, die definitiv Siege gekostet haben, beim Anhang der Braves unbeliebt gemacht. Warum er beispielsweise bei einem Zwischenstand von 1:1 in Spiel 4 gegen die Dodgers ausgerechnet Scott "over the fence" Linebrink einwechselte, wird sein Geheimnis bleiben. Den obligatorischen Home Run später stand es 2:1 für die Dodgers. Aber das war noch nichts gegen das Spiel am Sonntag gegen die Mets (2:3): Die Braves hatten im 2. Inning die Bases geladen, ein Out, und Pitcher Tommy Hanson am Schlag. Bei zwei Strikes (!) gegen den notorisch schwachen Bunter Hanson ordnete Gonzalez ein Squeeze Play an, infolge dessen Hanson, der den Bunt nicht legen konnte, mit drei Strikes aus war und Läufer Eric Hinske zwischen der dritten Base und der Home Plate eine leichte Beute der Defensive wurde. Double Play, Inning over. 

Who's hot
- Freddie Freeman ist der einzige wirklich würdige Vertreter in dieser Rubrik in dieser Woche. Seinen Schlagdurchschnitt verbesserte der Rookie von äußerst mäßigen .227 auf respektable .269. Dabei gelangen ihm zwei Home Runs und fünf RBI. Dass er dazu überragende Defense an der ersten Base spielt, hatte ich in einem früheren Beitrag bereits erwähnt, und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Freeman sollte in seiner Karriere einige "Gold Gloves" gewinnen, wenn es normal läuft. 
- Eine ehrenvolle Erwähnung verdient Jair Jurrjens, der auch in seinem zweiten Start nach seiner Verletzung überzeugte (6.0 IP, 1 ER, 6 K), wenngleich die Braves dieses Spiel mit 2:3 verloren. 
- Auch Eric Hinske hatte eine gute Woche, verzeichnete er doch 4 Hits in seinen letzten 7 At-Bats, darunter einen Home Run mit 3 RBI. Nicht schlecht für einen Einwechselspieler.

Who's not
- Dan Uggla. Mein lieber Schwan. Ganze 5 Hits in 27 At-Bats gelangen dem Second Baseman der Braves in der letzten Woche. Sein Schlagdurchschnitt liegt jetzt bei .176, seine On-Base-Percentage bei unterirdischen .213 und seine Slugging Percentage bei ganzen .365 (zum Vergleich seine Karrierewerte: .261/.346/.488; der NL-Durchschnitt beträgt gegenwärtig .255/.324/.392). Und das bei einem Fünfjahresvertrag für im Schnitt über 12 Millionen Dollar im Jahr! Noch dazu macht er auch optisch einen derart hilflosen Eindruck an der Platte, dass man sich wirklich fragt, wie er jemals einen Ball getroffen hat. Ich bin sehr gespannt, ob er den berühmten Schalter umlegen kann.
- Chipper Jones. 21 At-Bats, zwei (!) Hits lautet seine Schreckensbilanz aus den letzten sieben Spielen. Sein Schlagdurchschnitt sank dadurch von .321 auf .274. Dass er zu allem Überfluss jetzt auch noch verletzt ist, hatte ich bereits oben erwähnt.  
- Jason Heyward. Das Supertalent der Braves hatte unter der Woche einen ganz üblen Lauf: 0-for-14. Sein Schlagdurchschnitt lag danach nur noch bei .188. Dass er mit vier Hits in sieben At-Bats in den letzten zwei Spielen etwas erholt schien, hat er vermutlich der Denkpause zu verdanken, die ihm Manager Fredi Gonzalez zwischenzeitlich verordnete. Immerhin gibt diese Verbesserung Anlass zur Hoffnung, auch wenn ihm nach wie vor jegliche Power abhanden gekommen zu sein scheint: Ein (!) Extra-Base-Hit in den letzten elf Spielen sind viel zu wenig für einen Mann mit seinem Talent.

Fazit
Wenn drei der vier potenziell besten Schlagmänner der Braves eine solche Grottenwoche hinlegen, dann muss man noch zufrieden sein, dass man "nur" zwei Spiele unter .500 steht und "nur" fünf Spiele hinter den Phillies zurückliegt. Nun stehen noch das Abschlussspiel gegen die Giants heute Abend und drei Auswärtspartien gegen die San Diego Padres an, bevor daheim die Cardinals und Brewers empfangen werden. Um den April tatsächlich noch mit einer ausgeglichenen Bilanz zu beenden (so meine Zielvorgabe aus der letzten Woche), müssten vier der verbleibenden sechs Spiele gewonnen werden. Das wird kaum klappen, ein 3:3 erscheint mir wesentlich wahrscheinlicher, ja sogar schon optimistisch gedacht. Ich tippe auf eine Niederlage heute Abend gegen die Giants, dann ein 2:1 gegen die Padres und ein 1:1 gegen die Cardinals. Hoffentlich bin ich zu pessimistisch.

Nächsten Sonntag wissen wir mehr.

 
Autor: Frank Schildheuer
 

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