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Im Westen was Neues - Traumhafte Tage

 
Autor: Christoph May Freitag, 10. April 2009
 

Die ersten Tage der MLB-Saison sind für alle Fans eine großartige Zeit. In den frühen April-Tagen kann jeder Anhänger noch vom großen Erfolg des Teams seiner Wahl träumen. Selbst wenn die Mannschaft dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt liefert, findet man auf jeder Fan-Seite massenhaft „Belege“, warum es doch 'was werden könnte in der neuen Saison. Wir sind mittendrin in den Tagen des Optimismus und der großen Hoffnungen, die in den meisten Fällen nicht viel länger als ein paar Wochen andauern. Gerade weil für viele Fans die Ernüchterung sehr schnell kommt, dass die eigene Mannschaft wirklich so schlecht ist wie von den Experten vorausgesagt, ist der April im Leben vieler Baseball-Fans wohl der glücklichste Monat. Wie die Mannschaften der National League in diesen ersten Saisontagen bewegt hat, wird das Thema in der heutigen Ausgabe meiner Kolumne sein.

 

diamondbacks.jpgDie größte Sorge aller Diamondbacks-Fans dürfte im Moment wohl nicht die verlorene Auftakt-Serie gegen die Rockies sein, sondern vielmehr Brandon Webb gelten. Nach seinem glanzvollen Saisonbeginn im Vorjahr gab es zum Start der neuen Saison vorwiegend schlechte Nachrichten rund um den Cy-Young-Gewinner von 2006. Erst die schwache Leistung gegen Colorado am Montag (4 IP, 6 ER), dann, daraus resultierend, die Probleme mit seiner rechten Schulter, wegen der er schon im Winter den Medizin-Guru James Andrews aufsuchte. Natürlich ist das alles noch kein Grund, gleich panisch zu werden. Doch eines weiß man in Arizona: ohne Webb läuft in dieser Saison gar nichts. Bereits in der ersten Serie gegen die Rockies wurde die Inkonstanz der Offensive deutlich. Auf fünf Home Runs im Opener folgten jeweils magere fünf Hits in den weiteren beiden Spielen. Deshalb die besondere Wichtigkeit des Ausnahmewerfers Webb. Sein nächster Auftritt in einer Woche (Webb setzt morgen aus) wird deshalb mit besonderer Spannung beobachtet werden.

Das Fazit der Rockies nach der ersten Serie der Saison muss lauten: Saisonstart rockies_small.gifgeglückt! Colorado ließ der Aufaktniederlage zwei Siege folgen und schaffte es dadurch zum ersten Mal seit 2007, wieder eine Serie gegen die Diamondbacks zu gewinnen. Im letzten Jahr lautete die Bilanz gegen Arizona 3-15. Die beiden Erfolge hatte das Team vor allem Ubaldo Jimenez und Franklin Morales zu verdanken, deren Pitching Arizona kaum Chancen ließen. Jimenez wird sich wohl schon früh in der Saison als das wahre Ace des Pitching Staff etablieren. Morales hingegen muss weiterhin um seinen Platz in der Rotation bangen. Außerdem fiel positiv auf: Troy Tulowitzki. Nach verkorkster 2008-Saison scheint Tulo wieder voll da zu sein. Zwei Home Runs und hervorragende Defensivleistungen sind dafür ein starkes Indiz. Und da wäre natürlich noch Dexter Fowler. Dem Top Prospect  gelang am Mittwoch im ersten Inning sein erster Karriere-Home-Run –  mit dem ersten Pitch, den er sah. Eine Sache wundert mich allerdings. Nach seiner wirklich hervorragenden Vorstellung im Spring Training und im ersten Saisonspiel (6 IP, 4 H, 1 ER, 4K)  gibt es keine Job-Garantie für Franklin Morales, der für die nächsten zwei Wochen erst einmal in die Minor Leagues verschwindet. Ein wenig mehr Vertrauen in den eigenen Nachwuchs könnte man doch erwarten, Mr. Hurdle!

dodgers_small.gifDas Fazit der Dodgers nach der ersten Serie der Saison muss lauten: Saisonstart leicht verpatzt! Manchem mag dieses Urteil ein wenig hart erscheinen, wenn man betrachtet, dass L.A. die Saison im fremden Ballpark startete. Doch gegen die schon vor der Saison für tot erklärten Padres hatten sich die Dodgers sicher einen überzeugenderen Saisonbeginn erhofft. Alle vier Spiele in San Diego waren äußerst knapp, zwei davon wurden im sechsten Inning oder später abgegeben. Ärgerlich vor allem die Niederlage gestern, als der in seiner Karriere bisher nicht als großer Hitter aufgefallene Luis Rodriguez den Dodgers den Garaus machte. Die erste Serie der Dodgers im Kurz-Überblick: Kuroda und Billingsley stark, Kershaw mit Fastball jenseits der Schallmauer, aber noch zu wild, und Manny Ramirez, nunja, holt wohl noch ein wenig Vorbereitungszeit nach, die ihm im Spring Training nicht vergönnt war.

Als geradezu offensive Explosion muss man den 10:6-Erfolg der Giants zum Auftakt giants_small.gifgegen die Brewers bezeichnen. Dass ich hier nicht übertreibe, beweisen die Zahlen. Im vergangenen Jahr benötigte das Team von Bruce Bochy ganze fünf Spiele, um die 10-Run-Marke zu übertreffen. Und bis sie wie Dienstag drei Home Runs geschlugen hatten, dauerte es sogar bis ins achte Spiel der Saison. Eine leichte Verbesserung in den Offensiv-Kategorien kann man für die Giants also erwarten – was natürlich nicht sonderlich schwer ist. Eine fast noch faszierendere Erkenntnis aus dem Bereich der Statistik lieferte Randy Johnson in seinem ersten Start im neuen Trikot ab. Nach starker Leistung in den ersten Innings verlor Johnson das Spiel durch einen 3-Run-Home-Run. Diesen gab er weder gegen Ryan Braun, Prince Fielder oder Corey Hart ab. Nein, es war Pitcher Yovani Gallardo, der einen Fehler der Big Unit bestrafte. Das wirklich faszierendere daran: nach über 500 Plate Appearances und 252 Strikeouts seiner Kollegen war Gallardo der erste Pitcher überhaupt, dem ein Home Run gegen Johnson gelang. Diesen Tag sollte sich Gallardo wirklich dick-fett im Kalender anstreichen. So schnell wie möglich vergessen würde den gestrigen Tag vermutlich Joe Martinez. Der Giants-Rookie bekam – ein Out vor Spielende – einen Line Drive von Mike Cameron direkt an den Kopf (wer sich das anschauen möchte, klickt hier). Martinez, der erst Montag seinen ersten Sieg in den Major Leagues feiern konnte, musste stark blutend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ersten Informationen zufolge zog er sich wohl „nur“ eine Gehirnerschütterung zu. Man kann dem jungen Pitcher wirklich nur alles Gute wünschen, dass er bald wieder gesund auf dem Mound stehen kann.

padres_small.gifDas Fazit der Padres nach der ersten Serie muss lauten: Saisonstart – wohoooo! Bei den beiden Siegen gegen die Dodgers präsentierten die Padres wohl den Baseball, der sie vor dem ganz großen Debakel in dieser Saison bewahren könnte. Er lautet folgendermaßen: gutes Pitching als Grundvoraussetzung, die wenigen Chancen mit einem der wenigen Hits ausnutzen und dann auf einen nervenstarken Closer vertrauen. Genauso lief es Dienstag und Donnerstag: die Pitcher Chris Young und Kevin Correia lieferten überzeugende Leistungen ab, der No-Name-Bullpen warf überraschend solide und die wichtigen Hits kamen zum genau richtigen Zeitpunkt (siehe Luis Rodriguez). Die schlechte Nachricht für die Padres lautet aber, dass – wie gesehen – schon einiges zusammen kommen muss, um eine Serie so ausgeglichen zu gestalten wie gegen die Dodgers. Wendet sich einer der fragilen Variablen ins Negative, werden die Niederlagen-Serien nicht mehr sehr weit entfernt sein. Wenn aber doch ab und an eine Serie gewonnen werden soll, muss die Offensive, die jetzt schon an letzter Stelle der Liga steht, einen wundersamen Aufstieg erleben. Das ist zwar nicht wahrscheinlich. Doch gerade zum Saisonbeginn ist das Träumen ja bekanntlich noch allen Fans erlaubt.

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.