Im Westen was Neues - Traumhafte Tage
Die ersten Tage der MLB-Saison sind für alle Fans eine großartige Zeit. In den frühen April-Tagen kann jeder Anhänger noch vom großen Erfolg des Teams seiner Wahl träumen. Selbst wenn die Mannschaft dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt liefert, findet man auf jeder Fan-Seite massenhaft „Belege“, warum es doch 'was werden könnte in der neuen Saison. Wir sind mittendrin in den Tagen des Optimismus und der großen Hoffnungen, die in den meisten Fällen nicht viel länger als ein paar Wochen andauern. Gerade weil für viele Fans die Ernüchterung sehr schnell kommt, dass die eigene Mannschaft wirklich so schlecht ist wie von den Experten vorausgesagt, ist der April im Leben vieler Baseball-Fans wohl der glücklichste Monat. Wie die Mannschaften der National League in diesen ersten Saisontagen bewegt hat, wird das Thema in der heutigen Ausgabe meiner Kolumne sein.
Die größte Sorge aller Diamondbacks-Fans dürfte im Moment wohl nicht
die verlorene Auftakt-Serie gegen die Rockies sein, sondern vielmehr
Brandon Webb gelten. Nach seinem glanzvollen Saisonbeginn im Vorjahr
gab es zum Start der neuen Saison vorwiegend schlechte Nachrichten rund
um den Cy-Young-Gewinner von 2006. Erst die schwache Leistung gegen
Colorado am Montag (4 IP, 6 ER), dann, daraus resultierend, die
Probleme mit seiner rechten Schulter, wegen der er schon im Winter den
Medizin-Guru James Andrews aufsuchte. Natürlich ist das alles noch kein
Grund, gleich panisch zu werden. Doch eines weiß man in Arizona: ohne
Webb läuft in dieser Saison gar nichts. Bereits in der ersten Serie
gegen die Rockies wurde die Inkonstanz der Offensive deutlich. Auf fünf Home Runs im Opener folgten jeweils magere fünf Hits in den weiteren
beiden Spielen. Deshalb die besondere Wichtigkeit des Ausnahmewerfers
Webb. Sein nächster Auftritt in einer Woche (Webb setzt morgen aus)
wird deshalb mit besonderer Spannung beobachtet werden.
Das Fazit der Rockies nach der ersten Serie der Saison muss lauten:
Saisonstart
geglückt! Colorado ließ der Aufaktniederlage zwei Siege
folgen und schaffte es dadurch zum ersten Mal seit 2007, wieder eine
Serie gegen die Diamondbacks zu gewinnen. Im letzten Jahr lautete die
Bilanz gegen Arizona 3-15. Die beiden Erfolge hatte das Team vor allem
Ubaldo Jimenez und Franklin Morales zu verdanken, deren Pitching
Arizona kaum Chancen ließen. Jimenez wird sich wohl schon früh in der
Saison als das wahre Ace des Pitching Staff etablieren. Morales
hingegen muss weiterhin um seinen Platz in der Rotation bangen.
Außerdem fiel positiv auf: Troy Tulowitzki. Nach verkorkster
2008-Saison scheint Tulo wieder voll da zu sein. Zwei Home Runs und
hervorragende Defensivleistungen sind dafür ein starkes Indiz. Und da
wäre natürlich noch Dexter Fowler. Dem Top Prospect gelang am Mittwoch
im ersten Inning sein erster Karriere-Home-Run – mit dem ersten Pitch,
den er sah. Eine Sache wundert mich allerdings. Nach seiner wirklich
hervorragenden Vorstellung im Spring Training und im ersten Saisonspiel
(6 IP, 4 H, 1 ER, 4K) gibt es keine Job-Garantie für Franklin Morales,
der für die nächsten zwei Wochen erst einmal in die Minor Leagues
verschwindet. Ein wenig mehr Vertrauen in den eigenen Nachwuchs könnte
man doch erwarten, Mr. Hurdle!
Das Fazit der Dodgers nach der ersten Serie der Saison muss lauten:
Saisonstart leicht verpatzt! Manchem mag dieses Urteil ein wenig hart
erscheinen, wenn man betrachtet, dass L.A. die Saison im fremden
Ballpark startete. Doch gegen die schon vor der Saison für tot
erklärten Padres hatten sich die Dodgers sicher einen überzeugenderen
Saisonbeginn erhofft. Alle vier Spiele in San Diego waren äußerst
knapp, zwei davon wurden im sechsten Inning oder später abgegeben.
Ärgerlich vor allem die Niederlage gestern, als der in seiner Karriere
bisher nicht als großer Hitter aufgefallene Luis Rodriguez den Dodgers
den Garaus machte. Die erste Serie der Dodgers im Kurz-Überblick:
Kuroda und Billingsley stark, Kershaw mit Fastball jenseits der
Schallmauer, aber noch zu wild, und Manny Ramirez, nunja, holt wohl
noch ein wenig Vorbereitungszeit nach, die ihm im Spring Training nicht
vergönnt war.
Als geradezu offensive Explosion muss man den 10:6-Erfolg der Giants
zum Auftakt
gegen die Brewers bezeichnen. Dass ich hier nicht
übertreibe, beweisen die Zahlen. Im vergangenen Jahr benötigte das Team
von Bruce Bochy ganze fünf Spiele, um die 10-Run-Marke zu übertreffen.
Und bis sie wie Dienstag drei Home Runs geschlugen hatten, dauerte es
sogar bis ins achte Spiel der Saison. Eine leichte Verbesserung in den
Offensiv-Kategorien kann man für die Giants also erwarten – was
natürlich nicht sonderlich schwer ist. Eine fast noch faszierendere
Erkenntnis aus dem Bereich der Statistik lieferte Randy Johnson in
seinem ersten Start im neuen Trikot ab. Nach starker Leistung in den
ersten Innings verlor Johnson das Spiel durch einen 3-Run-Home-Run.
Diesen gab er weder gegen Ryan Braun, Prince Fielder oder Corey Hart
ab. Nein, es war Pitcher Yovani Gallardo, der einen Fehler der Big Unit
bestrafte. Das wirklich faszierendere daran: nach über 500 Plate
Appearances und 252 Strikeouts seiner Kollegen war Gallardo der erste
Pitcher überhaupt, dem ein Home Run gegen Johnson gelang. Diesen Tag
sollte sich Gallardo wirklich dick-fett im Kalender anstreichen. So
schnell wie möglich vergessen würde den gestrigen Tag vermutlich Joe
Martinez. Der Giants-Rookie bekam – ein Out vor Spielende – einen Line
Drive von Mike Cameron direkt an den Kopf (wer sich das anschauen
möchte, klickt hier). Martinez, der erst Montag seinen ersten Sieg in
den Major Leagues feiern konnte, musste stark blutend ins Krankenhaus
eingeliefert werden. Ersten Informationen zufolge zog er sich wohl
„nur“ eine Gehirnerschütterung zu. Man kann dem jungen Pitcher wirklich
nur alles Gute wünschen, dass er bald wieder gesund auf dem Mound
stehen kann.
Das Fazit der Padres nach der ersten Serie muss lauten: Saisonstart –
wohoooo! Bei den beiden Siegen gegen die Dodgers präsentierten die
Padres wohl den Baseball, der sie vor dem ganz großen Debakel in dieser
Saison bewahren könnte. Er lautet folgendermaßen: gutes Pitching als
Grundvoraussetzung, die wenigen Chancen mit einem der wenigen Hits
ausnutzen und dann auf einen nervenstarken Closer vertrauen. Genauso
lief es Dienstag und Donnerstag: die Pitcher Chris Young und Kevin
Correia lieferten überzeugende Leistungen ab, der No-Name-Bullpen warf
überraschend solide und die wichtigen Hits kamen zum genau richtigen
Zeitpunkt (siehe Luis Rodriguez). Die schlechte Nachricht für die
Padres lautet aber, dass – wie gesehen – schon einiges zusammen kommen
muss, um eine Serie so ausgeglichen zu gestalten wie gegen die Dodgers.
Wendet sich einer der fragilen Variablen ins Negative, werden die
Niederlagen-Serien nicht mehr sehr weit entfernt sein. Wenn aber doch
ab und an eine Serie gewonnen werden soll, muss die Offensive, die
jetzt schon an letzter Stelle der Liga steht, einen wundersamen
Aufstieg erleben. Das ist zwar nicht wahrscheinlich. Doch gerade zum
Saisonbeginn ist das Träumen ja bekanntlich noch allen Fans erlaubt.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

