Im Westen was Neues - The Good and the Bad
Wer am 1. Mai auf den Tabellenstand schaut und daraus Schlüsse ziehen will, muss vorsichtig sein. Im Vorjahr war es nach dem überragenden Start der Arizona Diamondbacks wahnsinnig verlockend, das Team von Bob Melvin schon als gemachten Divisions-Sieger zu feiern. Wie die Tabelle dann am Ende des Jahres aussah, wissen wir alle. Es ist wie am Wahltag um 18 Uhr: die erste Hochrechnung zeigt zwar, wo es in etwa hingeht. Entschieden ist aber noch nichts.
Daher will ich mich, was die Teams angeht, auch nur auf einige kurze Tendenzen beschränken, die wie folgt aussehen:
- Die hochexplosive Offensive dürfte die Dodgers lange an der Spitze halten.
- Das hervorragende Starting Pitching könnte die Giants im Rennen halten.
- Der überraschend gute Start der Padres sollte uns nicht zum Narren halten.
- Das schwache Starting Pitching könnte die Rockies aus dem Rennen halten.
- Und schließlich: Die lahme Offensive dürfte die Diamondbacks von der Spitze fern halten.
Dies also meine mehr oder weniger klugen Sätze zur Lage der Division.
Nun wollen wir aber eine Stufe niedriger gehen und uns die Spieler
anschauen, die für diese Bewertungen der Mannschaften
hauptverantwortlich sind.
THE GOOD
Rafael Furcal und Orlando Hudson
Ein gewaltiger Grund, warum die Los Angeles Dodgers bisher die zweit
meisten Runs der National League (131) erzielt haben, ist nicht nur die
Präsenz von Manny Ramirez. Mindestens ebenso wichtig dürften auch
Rafael Furcal und Orlando Hudson sein, die für die Kollegen Ramirez,
Ethier und Loney regelmäßig den Tisch decken. Sie sind bisher der wohl
beste 1-2-Punch der Liga, und das noch vor Jimmy Rollins und Shane
Victorino. Das Duo Furcal/Hudson beweist, wie wichtig die ersten beiden
Positionen im Lineup für den Erfolg einer Offensive sind. Schon werden
erste Vergleiche gezogen: und zwar zur Kombo der 2003er Atlanta Braves,
die aus Marcus Giles und eben Rafael Furcal bestand. Die beiden
schafften es am Saisonende auf 231 Runs. Furcal und Hudson sind
momentan auf einem guten Weg, diese Sphären zu erreichen. Für den
Erfolg der Dodgers wäre dies sicher nicht abträglich.
Matt Cain
Das Starting Pitching der San Francisco Giants zählt derzeit zur
Ligaspitze. Bester
Beleg dafür war in der Vorwoche die Serie von sechs
Quality Starts mit nur drei abgegebenen Runs in 42 2/3 Innings. Doch
während viel über Tim Lincecum und Neu-Giant Randy Johnson berichtet
wird, spielen sich die hervorragenden Leistungen von Matt Cain (26 IP,
6 ER) ein wenig im Abseits ab. Ein Grund dafür mag sein, dass er unter
der schwachen Offense der Giants leidet. Hätte Cain nicht in den
vergangenen beiden Jahren den zweit schlechtesten Run-Support aller
Starter bekommen, würde er womöglich längst als Elite-Pitcher
gehandelt. Stattdessen verläuft seine Karriere immer noch etwas
unterhalb des Radars. Auch in diesem Jahr könnte Cain längst eine
Bilanz von 4-0 statt 2-0 aufweisen. Denn in den beiden Spielen, die für
ihn mit einer No Decision endeten, ließ Cain lediglich drei Runs zu.
Bisher hat sich der 24-Jährige, der sogar übrigens noch jünger als Tim
Lincecum ist, von dieser unfairen Behandlung seiner Offensive nicht
beeindrucken lassen. Wenn er weiterhin so stoisch seine Leistung
abliefert, werden die Wins wohl nicht mehr so lange auf sich warten
lassen.
Adrian Gonzalez
Man muss die Frage immer wieder stellen: Was wären die Padres bloß ohne
Adrian Gonzalez? Um die Frage zu beantworten, lassen wir am besten die
Statistiken sprechen und ziehen Gonzalez' „value over replacement“,
kurz: VORP, in Betracht (genaueres dazu hier). Danach ist Gonzalez über
15 Runs besser als ein ligadurchschnittlicher Ersatzspieler. Unter den
regulären Spielern der Padres kommen David Eckstein (4.4) und Luis
Rodriguez (3.1) am „nächsten“ an Gonzalez heran. Brian Giles' Wert
liegt übrigens bei -10.2. Diese eindrucksvollen Zahlen sind wohl auch
schon ins Büro des neuen Padres-CEO Jeff Moorad geflattert. Denn in
einem Chat mit Padres-Fans antwortete er auf die Frage, ob Gonzalez'
Vertrag schon in nächsten Jahr verlängert werden könnte, mit: „Why wait
till 2010“. Das sagt doch eigentlich alles.
THE BAD
Jake Peavy und Chris Young
Von einem besonders guten 1-2-Punch war in dieser Kolumne bereits die Rede. Kommen wir nun zu einem eher schlechten – zumindest bis zu diesem
Tag. Eigentlich galten Jake Peavy und Chris Young vor der Saison ja als
zwei der wenigen Stützen im Team der Padres. Ihr identischer ERA von
5.74 nach einer Handvoll Starts deutet aber an, dass sie diese Rolle
derzeit noch nicht ausfüllen. Beim Blick auf die Konkurrenten zeigt
sich, dass es bei Peavy nicht gerade die stärksten Gegner waren, die
gegen ihn kräftig punkteten. So gab er in den letzten beiden Spielen
gegen die Giants und Pirates jeweils über fünf Runs ab, was durchaus
ein Grund zur Besorgnis ist. Für Chris Young gilt zumindest noch als
Ausrede, dass er zuletzt in Colorado und Philadelphia auf den Mound
musste. Ein Young in Bestform gibt in diesen Spielen allerdings auch
keine insgesamt 15 Runs ab. Wenn die Padres sich irgendwie auf dem
zweiten Platz der Division halten wollen, muss die Peavy-Young-Kombo
schnell anfangen, Leistungen anzubieten. Denn die restlichen Pitcher
der Padres-Rotation können solch schlechte Leistungen auf die Dauer
einfach nicht abfedern.
Conor Jackson
Eigentlich hätten hier auch Chris Snyder, Eric Byrnes oder Chris Young
exemplarisch
für die schwächelnde Offense der D-Backs (letzter Platz in
On-Base-Percentage und Batting Average) stehen können. Doch während
Snyder noch nie ein guter Hitter war, Byrnes den Großteil des Vorjahres
fehlte und Young aus einer verpatzten Saison kommt, reden wir bei
Jackson über den vielleicht besten Hitter der Diamondbacks. Zwar ist
Jackson nicht als großer Schnellstarter bekannt, doch sein bisheriger
Average von .203 bei einem Home Run ist schon sehr enttäuschend. Das
große Problem für die Diamondbacks daran ist, dass momentan außer
Felipe Lopez niemand Jacksons Quasi-Ausfall kompensieren kann. Bei
einer geschwächten Starting Rotation ohne Brandon Webb wäre es umso
wichtiger, wenn die Offensive diesen Verlust wett machen können. Ohne
eine deutliche Leistungssteigerung von Conor Jackson wird dies nur
schwer zu erreichen sein.
Ubaldo Jimenez
Erinnert sich noch jemand an den dominanten Power-Pitcher aus dem
zweiten Saisonspiel, der auf den Namen Ubaldo Jimenez hörte?
Möglicherweise nicht, denn bisher ward dieser Pitcher nicht mehr
gesehen. Nach seinem dominanten Auftritt gegen die D-Backs ging es
rapide abwärts mit der großen Hoffnung der Colorado Rockies: drei
Spiele, drei Niederlagen, ERA von glatt 12 lautet die vernichtende
Bilanz. Die Konstanz war in seiner kurzen Karriere schon immer ein
Problem. Zu fragil ist die Pitching-Bewegung des 1,94-Meter-Manns
derzeit, um den 98-Meilen-Fastball dauerhaft in die Strikezone zu
bringen. Mit Pitching Coach Bob Apodaca hat Jimenez zwischen seinen
Starts viel gearbeitet, um sein Hauptproblem – die Balance – in den
Griff zu bekommen. Für den katastrophalen Pitching Staff der Rockies
ist ein guter Jimenez überlebensnotwendig. Aaron Cook hat vorgestern
gezeigt, wie man sich aus einer Krise wirft. Gegen die Giants hat
Jimenez heute die Chance, es seinem Rotations-Kollege gleichzutun.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.


