Im Westen was Neues - So einfach ist Hitting
Das Überraschungsteam der Saison, so weit man davon nach weniger als zwei Wochen überhaupt sprechen kann, sind bisher die San Diego Padres. Der positive Saisonstart von neun Siegen und vier Niederlagen verblüfft all diejenigen, die munter in den Gesang des Schwarzmaler-Chors miteinstimmten, der schon seit Monaten die schlimmsten Horror-Szenarien für das Team verkündet hat. Natürlich ist es immer noch möglich, dass die Padres über 90 Spiele in dieser Saison verlieren und in den Keller der National League verschwinden. Doch vorerst müssen fast alle “Experten” Abbitte leisten und den Padres wieder etwas mehr Respekt entgegenbringen.
Neben des wieder erstarkten Pitching Staff überrascht vor allem die
Offense durch solide Leistungen. Im besten Falle reicht das Talent des
Padres-Angriffs dazu aus, sich im Liga-Mittelfeld zu bewegen. Genau das
erreicht das Team von Bud Black derzeit. Geradezu überdurchschnittlich
und für Padres-Verhältnisse hochexplosiv waren die jeweils 20 Runs, die
San Diego in vier Spielen gegen die Mets und in drei Spielen gegen die
Phillies gelangen. Im Vergleich zum Vorjahr, wo das Team den letzten
Platz in den Kategorien Runs und On-Base-Percentage belegte, ist die
Verbesserung nicht zu übersehen. Doch wer ist verantwortlich für den
Aufwärtstrend dieser Offensive, die im Winter nicht substantiell
verbessert wurde und nach wie vor am Tropf von Adrian Gonzalez hängt?
Ich denke, dass man diesen Teilerfolg vor allem dem neuen Hitting Coach
Jim Lefebvre zuschreiben kann. Für die Padres ist der ehemalige Manager
der Mariners (1989-1991), Cubs (1992-1993) und Brewers (1999) ein
Glücksfall. Nach drei gescheiterten Hitting Coaches in drei Jahren
scheint General Manager Kevin Towers endlich einen Trainer gefunden zu
haben, der wirklich etwas bewegen kann. Lefebvres neue
Hitting-Philosophie beruht auf einer einfachen Erkenntnis: in einem
Stadion wie dem Petco Park lässt es sich nur schwerlich Home Runs
schlagen. Also sollte man es einfach 'mal mit etwas anderem probieren,
statt ewig die Verhältnisse im eigenen Ballpark zu bejammern. In einem Interview
mit dem San Diego Union-Tribune hat Lefebvre, der in den vergangenen
fünf Jahren Baseball-Entwicklungshilfe in China geleistet hat, seine
Strategie etwas näher erläutert.
Der wichtigste Punkt, den Lefebvre seinen Spielern im Winter vermittelt
hat, lautet “put the ball in play!”. Mit 1259 Strikeouts belegten die
Padres im Vorjahr den drittletzten Platz der Liga. Es bestand also
genügend Bedarf nach mehr produktiven At-Bats. Der Druck auf die
Defensive sollte erhöht werden, weshalb Lefebvre die Formel “line drive
down” ausgab. Das bedeutet: über dem Ball bleiben, den Ball satt
treffen und lieber den Ball hart auf den Boden als kraftlos in die Luft
schlagen. Diese recht einfache Philosophie wirkt. Statistisch gesehen
liegen die Padres mit einem Anteil an Line Drives von 22,4 % aller ins
Feld gebrachten Bälle auf dem dritten Rang der National League. Und
auch bei meinen subjektiven Beobachtungen hatte ich den Eindruck, als
hätten die Padres Levfbvres Idee schon sehr gut verinnerlicht. Die
Padres machen bisher die kleinen Dinge richtig. Viele At-Bats sind
produktiv, selbst wenn sie nicht in einem Base Hit enden. Der konstante
Druck auf die Defensive des Gegners macht sich bezahlt, was die
besseren Offensiv-Statistiken dieses Jahres beweisen.
Zum Schluss muss ich allerdings auch noch persönlich Abbitte leisten.
Denn ich muss zugeben, dass ich diesen ersten (Teil-)erfolg nicht
erwartet hätte. Beim ersten Lesen klangen mir Lefebvres Pläne zu
simpel, als dass sie eine miese Offense wieder auf Trab bringen
könnten. Doch manchmal sind es eben die einfachen, schnell zu
verinnerlichenden Veränderungen, die zum Erfolg führen. Noch steht der
Lefebvre-Plan auf dem Prüfstand. Die Stichprobe ist noch zu klein, von
einem Erfolg kann man daher vorerst noch nicht reden. Was man jetzt
allerdings schon sagen kann: die Padres-Spieler haben die Veränderungen
angenommen und fahren derzeit sehr gut damit. Sollte es Jim Lefebvre
wirklich schaffen, aus den Padres eine mittelmäßige Offensiv-Mannschaft
zu machen, wäre dies – so komisch es klingt – ein erstaunlicher Erfolg.
schöner Bericht. Man sollte sich durch die Frühform der Padres nicht sonderlich blenden lassen. Sie
werden es schwer haben in dieser Saison 70 Spiele zu gewinnen. Allerdings werden sie auf jeden Fall
besser als die von allen "Experten" genannten Prognosen abschneiden, sollten die Dbacks und
Giants sich auf weiterhin grottenschlechten Niveau wie in der Weekend Serie in SF präsentieren.
LG
Basti
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.


