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Im Westen was Neues - So einfach ist Hitting

 
Autor: Christoph May Montag, 20. April 2009
 

padres_small.gifDas Überraschungsteam der Saison, so weit man davon nach weniger als zwei Wochen überhaupt sprechen kann, sind bisher die San Diego Padres. Der positive Saisonstart von neun Siegen und vier Niederlagen verblüfft all diejenigen, die munter in den Gesang des Schwarzmaler-Chors miteinstimmten, der schon seit Monaten die schlimmsten Horror-Szenarien für das Team verkündet hat. Natürlich ist es immer noch möglich, dass die Padres über 90 Spiele in dieser Saison verlieren und in den Keller der National League verschwinden. Doch vorerst müssen fast alle “Experten” Abbitte leisten und den Padres wieder etwas mehr Respekt entgegenbringen.


Neben des wieder erstarkten Pitching Staff überrascht vor allem die Offense durch solide Leistungen. Im besten Falle reicht das Talent des Padres-Angriffs dazu aus, sich im Liga-Mittelfeld zu bewegen. Genau das erreicht das Team von Bud Black derzeit. Geradezu überdurchschnittlich und für Padres-Verhältnisse hochexplosiv waren die jeweils 20 Runs, die San Diego in vier Spielen gegen die Mets und in drei Spielen gegen die Phillies gelangen. Im Vergleich zum Vorjahr, wo das Team den letzten Platz in den Kategorien Runs und On-Base-Percentage belegte, ist die Verbesserung nicht zu übersehen. Doch wer ist verantwortlich für den Aufwärtstrend dieser Offensive, die im Winter nicht substantiell verbessert wurde und nach wie vor am Tropf von Adrian Gonzalez hängt?

Ich denke, dass man diesen Teilerfolg vor allem dem neuen Hitting Coach Jim Lefebvre zuschreiben kann. Für die Padres ist der ehemalige Manager der Mariners (1989-1991), Cubs (1992-1993) und Brewers (1999) ein Glücksfall. Nach drei gescheiterten Hitting Coaches in drei Jahren scheint General Manager Kevin Towers endlich einen Trainer gefunden zu haben, der wirklich etwas bewegen kann. Lefebvres neue Hitting-Philosophie beruht auf einer einfachen Erkenntnis: in einem Stadion wie dem Petco Park lässt es sich nur schwerlich Home Runs schlagen. Also sollte man es einfach 'mal mit etwas anderem probieren, statt ewig die Verhältnisse im eigenen Ballpark zu bejammern. In einem Interview mit dem San Diego Union-Tribune hat Lefebvre, der in den vergangenen fünf Jahren Baseball-Entwicklungshilfe in China geleistet hat, seine Strategie etwas näher erläutert.

Der wichtigste Punkt, den Lefebvre seinen Spielern im Winter vermittelt hat, lautet “put the ball in play!”. Mit 1259 Strikeouts belegten die Padres im Vorjahr den drittletzten Platz der Liga. Es bestand also genügend Bedarf nach mehr produktiven At-Bats. Der Druck auf die Defensive sollte erhöht werden, weshalb Lefebvre die Formel “line drive down” ausgab. Das bedeutet: über dem Ball bleiben, den Ball satt treffen und lieber den Ball hart auf den Boden als kraftlos in die Luft schlagen. Diese recht einfache Philosophie wirkt. Statistisch gesehen liegen die Padres mit einem Anteil an Line Drives von 22,4 % aller ins Feld gebrachten Bälle auf dem dritten Rang der National League. Und auch bei meinen subjektiven Beobachtungen hatte ich den Eindruck, als hätten die Padres Levfbvres Idee schon sehr gut verinnerlicht. Die Padres machen bisher die kleinen Dinge richtig. Viele At-Bats sind produktiv, selbst wenn sie nicht in einem Base Hit enden. Der konstante Druck auf die Defensive des Gegners macht sich bezahlt, was die besseren Offensiv-Statistiken dieses Jahres beweisen.

Zum Schluss muss ich allerdings auch noch persönlich Abbitte leisten. Denn ich muss zugeben, dass ich diesen ersten (Teil-)erfolg nicht erwartet hätte. Beim ersten Lesen klangen mir Lefebvres Pläne zu simpel, als dass sie eine miese Offense wieder auf Trab bringen könnten. Doch manchmal sind es eben die einfachen, schnell zu verinnerlichenden Veränderungen, die zum Erfolg führen. Noch steht der Lefebvre-Plan auf dem Prüfstand. Die Stichprobe ist noch zu klein, von einem Erfolg kann man daher vorerst noch nicht reden. Was man jetzt allerdings schon sagen kann: die Padres-Spieler haben die Veränderungen angenommen und fahren derzeit sehr gut damit. Sollte es Jim Lefebvre wirklich schaffen, aus den Padres eine mittelmäßige Offensiv-Mannschaft zu machen, wäre dies – so komisch es klingt – ein erstaunlicher Erfolg.

Kommentare
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Basti
(Publisher) 21-04-2009 01:56
Hey Christoph,

schöner Bericht. Man sollte sich durch die Frühform der Padres nicht sonderlich blenden lassen. Sie
werden es schwer haben in dieser Saison 70 Spiele zu gewinnen. Allerdings werden sie auf jeden Fall
besser als die von allen "Experten" genannten Prognosen abschneiden, sollten die Dbacks und
Giants sich auf weiterhin grottenschlechten Niveau wie in der Weekend Serie in SF präsentieren.



LG

Basti
 
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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.