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Im Westen was Neues - Opfern die Giants ihr Ace?
Der Anti-Modernist
Dieser eher altmodische Ansatz übertragt sich auch auf den
Umgang mit seinen Pitchern. Wie kaum ein anderer Manager ist Bochy
bereit, seinen Werfern weit mehr als 100 Pitches pro Spiel
abzuverlangen. Dabei lautet die Devise: „Früher waren hohe Pitch Counts
gang und gäbe – warum sollte ich meine Philosophie den anderen Managern
anpassen?“. Es liegt ein wenig Sturheit in diesem Verhalten. Ein
Widerwille, sich den Trends der Moderne anzupassen und äußerst
vorsichtig mit den eigenen Pitchern umzugehen. Gerade im Umgang mit Tim
Lincecum musste sich Bochy im Vorjahr viel Kritik anhören, weil er das
Pitching-Phänomen der Giants immer wieder sehr lange auf dem Mound ließ.
Besonders
die Entscheidung, Lincecum im September – die Giants lagen zu diesem
Zeitpunkt meilenweit abgeschlagen in der National League West – noch
138 Pitches in einem Complete Game werfen zu lassen, brachten Bochy
mächtig unter Beschuss. Berechtigterweise wurde meiner Meinung nach die
Frage gestellt, ob Bochy den erst 24-jährigen Lincecum in seiner ersten
kompletten MLB-Saison nicht besser schützen müsste? Die Fakten gaben
zunächst Bochy recht. Lincecum warf die gesamte Saison wie von einem
anderen Stern und ließ sich die hohe Belastung nicht anmerken. Am Ende
sprang der Cy Young Award für ihn heraus, aber auch gefährliche
Indikatoren: mit 227 geworfenen Innings über 80 Innings mehr als noch
im Vorjahr, fast 110 Pitches pro Spiel und die meisten Pitcher Abuse
Points der gesamten Liga.
Verducci-Effekt oder alles beim Alten?
Kein
Wunder, dass Lincecum vor der Saison als mögliches Opfer des
Verducci-Effekts gehandelt wurde. Diese Theorie besagt, dass junge
Spieler unter 25 Jahren, deren Belastung sich im Vergleich zum Vorjahr
erheblich erhöht hat, in der nächsten Saison unter ihren Möglichkeiten
bleiben und zudem verletzungsanfälliger sind. Im Zusammenhang mit
Lincecum wurde allerdings auch immer noch angeführt, unter anderem von
Bruce Bochy, dass Lincecum schlichtweg ein „freak of nature“ sei und
solche Gesetzmäßigkeiten auf ihn nicht anzuwenden wären. Beim ersten
Blick auf die Statistiken scheint auch alles beim Alten: Lincecum bleibt
weiterhin eine Strikeout-Maschine. In diesem Jahr hat er seine
Strikeout-Rate sogar erhöht. Außerdem hat sich die Zahl der Walks im
Vergleich zu den Strikeouts verringert.
Augenscheinlich also
wirklich alles in bester Ordnung. Wer Lincecum gestern Nacht aber gegen
die Mets gesehen hat, kann den Statistiken nicht ganz trauen. Auffällig
oft verschwand Lincecums Fastball unter der 90-Meilen-Marke, seine
Kontrolle war nur mittelmäßig und die Mets-Hitter machten oft gute
Kontakte. Zwar waren sie trotz ihrer zehn Hits weit davon entfernt,
Lincecum die Bälle um die Ohren zu schlagen. Doch ein Tim Lincecum in
Cy-Young-Form stand an diesem Abend nicht auf dem Mound. Ein möglicher
Grund für das Schwächeln von Tiny Tim: er hat in diesem Jahr beinahe
zwei Meilen bei seinem Fastball verloren, der von 94 auf etwa 92 Meilen
im Durchschnitt gesunken ist. Parallel dazu stieg der Batting Average
der Gegner um fast 40 Punkte auf .260 an. Die Stichprobe ist noch recht klein, doch ein Warnzeichen sind diese Daten allemal.
Mehr Schonzeit für Lincecum nötig
Doch was hat das Ganze mit Bruce Bochy zu tun? Nun, selbst Bochy dürfte aufgefallen sein, dass Lincecum ein wenig von seiner Dominanz verloren hat – natürlich ausgenommen, er pitcht gegen die D-Backs. Gerade in dieser Phase müsste er besonders vorsichtig mit Lincecum ungehen. Ihn vielleicht sogar etwas schonen und Lincecums Arbeitstag auch schon einmal nach 95 Pitches beenden. Mit einigen etwas weniger stressigen Auftritten würde vielleicht auch wieder die Geschwindigkeit seines Fastballs zurückkommen, die ihn zu dem wirklich dominanten Pitcher macht, der er 2008 war.
Stattdessen tut Bochy aber
genau das Gegenteil und zieht sich damit den Unmut der Giants-Fans zu.
Obwohl Bochy nach dem Spiel gegen die Mets eingestehen musste, dass
Lincecum an diesem Abend nicht seinen besten „Stuff“ hatte, schickte er
Lincecum nach 104 Pitches im siebten Inning erneut auf den Mound. Das
Resultat: Lincecum erlaubt zwei Baserunner, wird nach 114 Pitches aus
dem Spiel genommen und der Bullpen verliert das Spiel.
Natürlich ist es schwer nachzuweisen, ob Lincecums Schwächeln wirklich
mit den vielen Pitches zu tun hat, die er Woche für Woche werfen muss.
Doch so lange nicht das Gegenteil bewiesen ist, sollte Bochy die
Vernunft walten lassen und seinem Ace einige Verschnaufpausen mehr
gönnen. Momentan opfert Bochy den langfirstigen Erfolg von Tim Lincecum
dem kurzfristigen Erfolgsstreben der Giants. Für einen Manager, der
wahrscheinlich keinen neuen Vertrag bekommt, wenn er in diesem Jahr
nicht gewinnt, mag dies verständlich sein. Ihm muss allerdings auch
klar sein, dass Tim Lincecum das Wertvollste ist, das die Giants
momentan besitzen. Mit diesem Pitcher auch nur ansatzweise ein Risiko
einzugehen, das ihm auf Dauer schaden könnte, ist ein grobes
Fehlverhalten des Managers.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.
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Und wieder einmal geben die Indians einen Key-Player ab.
(29-07-2010 10:14)Amanic
au mann :-D
(28-07-2010 16:53)Johannes
re: - Video? Nur das hier...sieht schon ungesund aus wie er da reinspringt...AUA. image:htt...
(28-07-2010 15:03)Basti
Video?
(28-07-2010 14:12)Johannes
Du hast Chris Coughlan vergessen
(28-07-2010 09:46)Basti