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Im Westen was Neues - Er war nicht mehr der Richtige

 
Autor: Christoph May Samstag, 30. Mai 2009
 


Anderthalb Jahre später ist nur noch wenig von diesem Oktober-Glanz in Denver zu verspüren. Die Rockies ließen ihrem großen Jahr eine enttäuschende Saison folgen, in der sie 16 Spiele weniger als noch 2007 gewannen. Die schwache Bilanz wurde hauptsächlich an Verletzungsproblemen – Shortstop Troy Tulowitzki und Helton fehlten lange – fest gemacht. Daran allein kann es 2008 allerdings nicht gelegen haben, denn auch nach der Rückkehr der beiden Leistungsträger in das Rockies-Lineup hat sich die Situation des Clubs  in diesem Jahr nicht deutlich verändert. Die Rockies sind ganz tief im Keller der National League angelangt. Und da es im Sport nun mal so ist, dass bei schlechten Leistungen nicht die Spieler sondern der für die Mannschaft verantwortliche Angestellte zur Rechenschaft gezogen wird, ist die Ära Clint Hurdle in Denver seit gestern beendet.

Doch ganz so schnell sollte man über diese Entlassung nicht hinweg gehen, war es doch Hurdle, der die vergangenen 15 Jahre der Rockies-Franchise entscheidend mitgeprägt hat. Zunächst in den Minor Leagues, dann als Hitting Coach des Big-League-Clubs und schließlich seit 2002 als Manager der Rockies. Seine Bilanz als Manager ist eigentlich unspektakulär: nur 534 Siege bei 625 Niederlagen, kein Divisionstitel und außer 2007 keine Saison mit einem “winning record”. Doch muss man sich den Kontext vor Augen halten, in dem Hurdle 2002 das Steuer übernahm. Die Rockies waren ein Scherbenhaufen, der sich mit der Verpflichtung der Pitcher Mike Hampton und Denny Neagle ein 170-Millionen-Dollar-Fiasko leistete. Perspektivlosigkeit herrschte in Colorado.

Erst langsam setzte sich die Philosophie durch, dass diese Franchise nur Erfolg haben kann, wenn sie auf eigene Talente setzt. Hurdle war für diese Aufgabe der richtige Mann. Mit viel Beharrlichkeit integrierte er Spieler wie Jeff Francis, Matt Holliday oder Brad Hawpe in das MLB-Team und ließ sich auch trotz zunächst ausbleibenden Erfolgs nicht von diesem Kurs abbringen. Im Jahr 2007 wurden Hurdle und das Rockies-Management für ihre Geduld belohnt. Eine Mannschaft, die mit 16 Eigengewächsen antrat, sorgte für einen der spektakulärsten Playoff-Runs der MLB-Geschichte. Hurdle war plötzlich ein gefeierter Manager, seinem immer noch jungen Team wurde eine große Zukunft vorausgesagt.

Doch ein solcher Erfolg weckt auch Begehrlichkeiten. Der Triumph machte aus Nobodys über Nacht Stars. Spieler wie Garrett Atkins schauten auf einmal mehr auf ihre Verträge als auf ihre Leistungen auf dem Platz. So wurde aus einem homogenen Team eine Mannschaft, in der einige ihr Ego vor die Interessen der Mannschaft stellten. Man könnte sagen, dass die Rockies von einer Einheit zu einer reinen Ansammlung von Spielern wurden. Und hier setzt der Vorwurf an Clint Hurdle an. Während Hurdle zwar der richtige Mann für den behutsamen Aufbau mit unbekannten Spielern war, konnte er mit einem Team, das plötzlich im nationalen Rampenlicht stand, nicht mehr richtig umgehen. Allem Anschein nach griff er nicht entschieden genug durch, als sich innerhalb der Mannschaft Hierarchien bildeten. Dafür war er zu sehr Kumpeltyp.

Mit Clint Hurdle geht den Rockies ein Manager verloren, der viel für die Franchise geleistet hat. Aus dem Baseball-Jammertal hat er den Club auf das allerhöchste Level gebracht – das allerdings nur für eine Saison, oder genauer: für zwei Monate. Wenn man die Ergebnisse betrachtet, die sein talentiertes Team nach dem Höhenflug von 2007 erzielt hat, ist die Entlassung jedoch folgerichtig. Interims-Manager Jim Tracy hat nun die schwere Aufgabe, die Colorado Rockies wieder auf Kurs zu bringen. Es mag zwar sehr autoritär klingen, aber ich denke, dass die Rockies fürs Erste eine harte Hand benötigen. Tracys Aufgabe wird sein, wieder eine Ordnung in die Mannschaft zu bringen. Er muss seinen Spielern klar machen, dass sie ihre Einzelinteressen dem  Mannschaftserfolg unterordnen müssen. Wenn ihm das gelingt, stehen seine Chancen nicht schlecht, auch über 2009 hinaus als Manager bei den Rockies zu bleiben.

Kommentare
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Basti
(Publisher) 31-05-2009 11:50
Schöner Bericht, Christoph:



Seien wir mal ehrlich, ohne diesen Run in den letzten 25 Saison-Spielen 2007, waren die Rockies
immer allenfalls durchschnitt und eher schlechter. In 2007 hatten sie ja vor der Saison schon
gesagt, dass sie sich als Contender fühlen, aber wie gesagt: Wenn man sieht was das Team ausser in
diesen 25 Spielen geleistet hat, so komm ich zu den Schluss, dass es eine Eintagsfliege war, die man
dann noch damit verkaufen konnte, dass die eigenen Leute, also Talente aus der Franchise die World
Series erreicht haben.



Jim Tracy ist ein sehr guter Mann; die erste Änderung im Line Up wird dazu führen, dass Garrett
Atkins die Chance bekommt auf Every-Day-Basis aus sein...
 
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