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Im Westen was Neues - Kein Geld in der Wüste

 
Autor: Christoph May Sonntag, 30. November 2008
 

diamondbacks.jpgVergangene Woche habe ich in meiner Kolumne von den finanziellen Sorgen der San Diego Padres berichtet. Nein, es hat sich in dieser Zeit kein neuer Investor gefunden, der frische Millionen in die leeren Vereinskassen pumpt. Vielmehr hat es den Anschein, als müsse auch ein anderer West-Verein im neuen Jahr mit deutlich weniger Geld auskommen. Denn in Arizona deutete in den letzten Wochen alles darauf hin, dass General Manager Josh Byrnes seinem Club einen strikten Sparkurs verordnet hat.


Mit der Entlassung von 31 Angestellten trennte sich der Verein Anfang November auf einen Schlag von fast zehn Prozent des gesamten Mitarbeiterteams. Dieser Schritt sei aus „Effizienzgründen“ nötig geworden, wie der Verein verlauten ließ. Der aufmerksame Beobachter konnte schon an dieser Stelle merken, dass den Diamondbacks in diesem Winter nicht nach großen Investitionen zu Mute ist. Die bisherigen Gerüchte auf dem Transfermarkt bestätigen dies, denn keiner der teuren Free Agents wird mit den D'Backs in Verbindung gebracht. Stattdessen hört man eher Namen wie Vazquez, Loretta und Easley. Das sagt einiges aus.

Von den fünf interessantesten Free Agents, die im letzten Jahr noch für Arizona aufliefen, wird wohl  keiner einen neuen Vertrag unterschreiben. Selbst für eine verdiente Klapperschlange wie Randy Johnson ist kein Geld da, obwohl dieser eine Halbierung seines Vorjahressalärs von 13 Millionen Dollar akzeptieren würde. Seine Jagd auf Sieg Nr. 300 wird er nun in einem anderen Trikot fortsetzen. Auch Orlando Hudson, dessen neuer Vertrag ihm vermutlich mehr als sieben Millionen Dollar jährlich einbringen wird, gilt als sicherer Abgang. Nach einem herausragenden Jahr 2008 wird es für die Diamondbacks zur Top-Priorität, einen vernünftigen Ersatz für Hudson auf der zweiten Base zu verpflichten. Und weil der nicht zu viel kosten darf, ist dies keine leichte Aufgabe.

Ramon Vazquez ist der Name, der derzeit am häufigsten mit den Diamondbacks in Verbindung gebracht wird. Ich war ehrlich gesagt überrascht, als ich vor kurzem gelesen habe, was für ein gute Saison der 32-Jährige für die Rangers gespielt hat. Mit einem Schlagdurschnitt von .290 und einer On-Base-Percentage von .365 hatte er 2009 mit Abstand sein bestes Karrierejahr. Ob Vazquez allerdings ein adäquater Ersatz für Orlando Hudson wäre, muss bezweifelt werden. Es stellt sich einfach die Frage, ob er ein solches Jahr tatsächlich noch einmal wiederholen kann, zumal sich seine diesjährigen Stats wirklich deutlich von seinen bisherigen Leistungen abheben. Statistik-Guru Bill James verneint dies eindeutig, seine „Projection“ für 2009 sieht Vazquezs Average um fast 50 Punkte niedriger als anno 2008.

Den Diamondbacks bleibt aber wenig übrig, als die Verpflichtung von Ramon Vazquez zu wagen. Zusammen mit einem Damion Easley oder Mark Loretta, die im Gegensatz zu Vazquez Rechtshänder sind, könnte man für eine ordentliche Lösung auf der zweiten Base sorgen, die sich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten bewegt. Einen Leistungsabfall für diese Position muss man dabei aber auf jeden Fall in Kauf nehmen.

Neben Hudson und Randy Johnson geht auch Adam Dunn als Free Agent in die Offseason. Der erst zur Mitte der Saison verpflichtete Slugger wird mit großer Sicherheit ein gutes Angebot außerhalb von Phoenix finden, so dass er bald in einem anderen Outfield seine Verteidigungskünste präsentieren wird. Mit der Rückkehr von Eric Byrnes und der sowieso recht komfortablen Situation im Outfield lässt sich dieser Verlust jedoch einigermaßen verschmerzen, obwohl den Diamondbacks ein ausgewachsener Homerun-Hitter natürlich wieder fehlt.

Schwerer würde der Verlust zweier etablierter Bullpen-Arme wiegen. Juan Cruz hatte ein überragendes Jahr 2008, von dem jedoch nur wenige Leute Notiz nahmen. Jetzt, wo er auf dem Free Agent-Markt ist, gewinnen seine Zahlen (2.61 ERA, 71 Ks in 51 2/3 Innings) deutlich an Wert. Sein neuer Vertrag wird von den Diamondbacks wohl kaum zu stemmen sein. Der einzige Free Agent, bei dem ich eine gute Chance für einen neuen Kontrakt sehe, ist Brandon Lyon. Nach gutem Saisonstart zeigte sich in der letzten Saison, dass Lyon wohl nicht das Zeug zum Closer hat. Die Diamondbacks wissen aber nur zu gut, was Lyon als Setup-Man für den neuen Closer Chad Qualls wert wäre. Dass er in dieser Rolle ein guter Mann ist, hat er bereits 2007 bewiesen. Aus den Äußerungen seines Agenten konnte man heraushören, dass er auch gerne wieder im Diamondbacks-Trikot auflaufen würde. Die Chancen für einen neuen – bezahlbaren – Vertrag stehen also gut.

Insgesamt muss man aber mit einer Light-Version des diesjährigen Kaders rechnen, denn Josh Byrnes kann sich wirklich große Verstärkungen von außen einfach nicht leisten. Durch das starke Grundgerüst des Vereins mit Webb und Haren in der Starting Rotation und jungen Spielern wie Drew, Upton und Chris Young werden die Diamondbacks aber keinen Komplettabsturz erleben, wenn Manny Ramirez, CC Sabathia oder Mark Teixeira nicht in Arizona unterschreiben. Wer wirklich in den Top-Regionen der National League mitspielen will, muss aber eigentlich ein bisschen mehr investieren, als es die D'Backs in diesem Winter planen.

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