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Im Westen was Neues - Warum Peavy San Diego verlassen wird

 
Autor: Christoph May Dienstag, 18. November 2008
 

padres_small.gifAuf den ersten Blick erscheint das Unternehmen „Trade Peavy!“ der San Diego Padres unsinnig. Jake Peavy zählt zu den zehn besten Pitchern der Liga, ist erst 27 Jahre alt und als Eigengewächs sehr beliebt bei den Fans. Doch der finanzielle San Andreas-Graben, der sich in Sam Diego aufgetan hat und den Verantwortlichen derzeit schwer zu schaffen macht, wird keine andere Option bieten als das Gesicht des Vereins abzugeben. Die potenziellen Tauschpartner verhalten sich jedoch geschickt und konnten es bisher vermeiden, den Preis für Peavy gegenseitig nach oben zu treiben.


General Manager Kevin Towers ist derzeit nicht zu beneiden. Er sieht sich vor der schweren Aufgabe, ein schlagkräftiges Team für das nächste Jahr zusammenzustellen, während das ihm zur Verfügung stehende Geld sich vermutlich halbieren wird. Die Payroll könnte von etwa 73 Millionen auf bis zu 35 Millionen Dollar schrumpfen. Die weltweite Finanzkrise geht auch an den Padres nicht spurlos vorüber und veranlasst Towers zu drastischen Sparmaßnahmen. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn möglicherweise noch viel schwieriger wiegt die Ankündigung des Team-Besitzers John Moores, sein Engagement bei den Padres zu beenden und sein Geld aus dem Verein zu nehmen. Grund für diese Entscheidung des durchaus beliebten Moores ist ein hässlicher Scheidungskrieg, der ihn am Ende locker die Hälfte seines Vermögens kosten könnte. Dass ihm da momentan der Kopf nicht nach Baseball steht, ist verständlich, hat aber katastrophale Folgen für die Padres.

Die finanziellen Probleme des Vereins gehen soweit, dass Towers nun sein bestes Pferd im Stall loswerden will oder, besser gesagt, - muss. Peavys Vertrag, den er erst im vergangenen Dezember unterschrieben hat, garantiert ihm für die nächsten fünf Jahre insgesamt etwa 60 Millionen Dollar. Für einen Pitcher seines Kalibers gar nicht mal so viel, für San Diego aber im Moment eindeutig zu viel. Peavy ist der einzige Spieler, der einen soliden Gegenwert bei einem Trade in Aussicht stellt und Einsparungen ermöglicht. Ein Trade von Adrian Gonzalez, dem zweiten Gesicht des Vereins, scheint ausgeschlossen. Gonzalez verdient nur ein Bruchteil von Peavys Gehalt und wird daher ein Padre bleiben.

Das Blöde an einer weltweiten Krise wie wir sie derzeit erleben ist jedoch, dass auch andere Mannschaften den Gürtel etwas enger schnallen müssen und mit ihren Prospects, die auf Jahre nur ein geringes Gehalt beziehen, geizen. Zudem steht Towers vor dem Problem, dass sich die Finanznöte des Teams auch bei den anderen GMs herumgesprochen haben. Sie wissen, dass er Peavy eigentlich verkaufen muss, was natürlich führt zu bescheideneren Angeboten. Die Atlanta Braves beispielsweise waren bisher nicht bereit, ihre Top-Talente wie Jason Heyward oder Tommy Hanson abzugeben. Stattdessen wurden ihnen Spieler wie Yunel Escobar, Gorkys Hernandez und Jo-Jo Reyes im Paket angeboten. Zwei Gründe haben dazu geführt, dass dieser Deal geplatzt ist: zunächst will Kevin Towers weitere Angebote abwarten. Dieser Tausch wäre passabel gewesen, wenn man aber betrachtet, welchen Spieler die Padres abgeben wollen, muss sich Towers gedacht haben, dass da noch mehr zu holen sein muss. Außerdem war Jake Peavy gegen Escobar in diesem Trade-Paket, da dies aus seiner Sicht die Braves zu sehr geschwächt hätte. Sein Veto-Recht gegen jeden Trade erlaubt ihm eine solche Einflussnahme.

Die Situation ist verfahren. Da Peavy nur zu einem Team aus der National League wechseln möchte, bleibt die Zahl der Bieter überschaubar, zumal er auch innerhalb der NL seine Präferenzen hat. Die Cubs könnten es sich vermutlich leisten, Peavys Salär über die nächsten Jahre zu stemmen. Meiner Meinung nach verfügen sie aber nicht über die starken Prospects, die sich die Padres wünschen würden. Dazu kommt Ryan Dempsters neuer Vertrag in Chi-Town, der die Starting Rotation der Cubs zu einer vernachlässigbaren Baustelle werden lässt. Ob die Padres mit den Cardinals einen Tausch auf die Beine stellen können, halte ich auch für fraglich. Ryan Ludwick, der als Herzstück des Angebots der Cardinals gilt, ist nicht der Spieler, den man in San Diego so dringend benötigt. Mit Brian Giles sind sie im Left Field gut aufgestellt. Andere Positionen (Bullpen, Middle Infield) sind die viel größeren Probleme des Vereins.

Zwei Szenarien sehe ich als mögliche Auswege aus diesem Dilemma. Die Padres sollten mit Peavy und dessen Agent Barry Axelrod ins Gespräch treten und um die Erweiterung seiner möglichen Ziele bitten. Wenn die Yankees und Angels mit ins Spiel kämen, sind bessere Angebote als die bisherigen in Sicht. Dann könnte die „Trade Peavy!“-Kampagne doch noch zu einem versöhnlichen Ende kommen. Gelingt dies nicht, gehe ich davon aus, dass die Padres sich wieder in Richtung Atlanta wenden werden und auch ein Angebot, das weder Heyward noch Hanson beinhaltet, annehmen werden. So traurig es für den Verein ist: sie müssen Peavy loswerden, am besten schon in diesem Winter. Es kommt nur noch darauf an, wie viel sie im Tausch für ihn herausholen können. Die Zukunft der Padres-Organisation wird zu einem guten Teil davon abhängen.

Kommentare
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Erich
(Publisher) 18-11-2008 21:31
Treffend analysiert.



Wenn ich mal betrachte was die Twins letztes Jahr für Santana bekommen haben, wären Escobar, Reyes,
Hernandez und Boyer wahrlich kein schlechter Tausch.

Die Braves sind gut beraten hier nicht zu viel zu bieten. Ist doch der Free Agent Markt dieses Jahr
ergiebiger als letztes Jahr.

(Und die Yankees können auch nicht alle Free Agent holen)
 
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