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Im Westen was Neues - Acewatch

 
Autor: Christoph May Freitag, 18. April 2008
 

Gerade zu Beginn einer Saison kommt es in schöner Regelmäßigkeit zum Duell zweier Aces. Unter einem Ace versteht man den vermeintlichen Top-Pitcher einer Starting Rotation. Er verdient oft das meiste Geld aller Pitcher des Teams, kann auf erfolgreiche Jahre in der Liga zurückblicken und hat nicht selten auch schon einen Cy-Young-Award gewonnen. In den letzten beiden Tagen trafen in der NL West jeweils zwei Pitcher aufeinander, die das Prädikat „Ace“ tragen. Ein guter Anlass, um einmal die bisherige Saison dieser Pitcher unter die Lupe zu nehmen und zu fragen, ob sie diesem Status überhaupt gerecht werden.

Mittwoch: Barry Zito (Giants)  (L) vs. Brandon Webb ( Diamondbacks) (W)

Dieses Duell könnte man auch Ace vs. Anti-Ace nennen. Ace ist in diesem Fall der Pitcher, der deutlich weniger Geld verdient: nämlich Brandon Webb. Gut neun Millionen Dollar weniger als Barry Zito kann Webb 2008 auf seinem Bankkonto verbuchen. Und doch pitcht er momentan mindestens zwei Klassen besser als Zito. Wenig ist übrig vom Barry Zito aus Oakland-A's-Zeiten, für er 2002 den Cy-Young-Award der National League gewinnen konnte. Die triste Realität anno 2008: Vier Spiele, vier Niederlagen und Frust pur. Im Vergleich zu seinem Fastball aus besseren Zeiten fehlen Zito mindestens fünf Meilen. Während er in seine ersten (erfolgreichen) Jahren seinen Fastball noch auf 90 mph hochschrauben konnte, schafft er heutzutage kaum noch 85. Ein schwerwiegender Grund für seine schwachen Leistungen. Zudem beklagt er immer wieder, dass er seine Pitching-Bewegung nicht konstant in den Griff bekommt. Fehlerhafte mechanics nennt man so etwas dann. Die Folge ist, dass er in vielen Counts in Rückstand gerät und sich viele Walks einholt.
Brandon Webb ist das exakte Gegenstück zu Zito. Webb dominierte die Giants am Mittwoch über acht Innings und fuhr mit dieser Leistung seinen vierten Saisonsieg ein. Das ist absolute Spitze in den Major Leagues. Bei Webb sind keine mechanischen Schwächen zu erkennen. Wie ein Schweizer Uhrwerk produziert er mit seinem harten Sinker einen Groundball nach dem anderen. Vielleicht sollte jemand Bob Melvin einmal raten, demnächst einen Outfielder abzuziehen und ihn zwischen Shortstop und Second Baseman zu stellen. Eric Byrnes merkte einmal an, dass in den Spielen, in den Webb auf dem Mound steht, jedes Mal überrascht sei, wenn ein Flyball in seine Richtung komme. Zusätzlich zu seinem Sinker hat Webb auch einen exzellenten Changeup entwickelt, der die Giants-Hitter am Mittwoch vor unlösbare Aufgaben stellte. Wenn Webb auch nur annährend so weiter wirft, dann ist er auch dieses Jahr ein ganz heißer Anwärter auf den Cy-Young-Award. Und das trotz Johan Santana und Jake Peavy.

Zwischenfazit nach vier Starts:

Webb: Durch den über den Winter verbesserten Changeup noch gefährlicher; 20 Siege sind dank starker Offense möglich.

100 % Ace

Zito: Muss hoffen, dass seine Offense auch mal für ihn punktet; braucht bessere Kontrolle über seine Pitches, um wie 2005 nach 0-4 Start noch eine positive Bilanz zu erreichen.

20 % Ace

Donnerstag: Jeff Francis (Rockies) vs. Jake Peavy (Padres)

Die verkürzte Pause durch die World-Series-Teilnahme der Rockies scheint Jeff Francis nicht gut bekommen zu sein. Denn sein Saisonstart lief alles andere als optimal. Zwei Mal traf er auf die Arizona Diamondbacks, die ihm in 11.1 Innings insgesamt 19 Hits und fünf Home Runs um die Ohren schlugen. Dazu die schlechte Leistung im ersten Spiel der Saison in St. Louis, das aus Francis' Sicht glücklicherweise abgebrochen wurde, und der verkorkste Einstand in die Saison war perfekt.
Ganz anders Jake Peavy. Nach drei Starts standen drei Wins für ihn auf der Habenseite – bei einem ERA von weniger als zwei. Der Cy-Young-Award-Gewinner des letzten Jahres ist auch 2008 wieder in gewohnt dominanter Form. Gestern Nacht bzw. heute Morgen trafen Jeff Francis und Jake Peavy in San Diego direkt aufeinander. Als das Marathon-Spiel nach 22 (!) Innings letzlich mit 2:1 an die Rockies ging, waren die beiden Aces schon lange aus dem Spiel. Francis ging sieben Innings, Peavy acht. Sie lieferten sich das, was man ein klassisches pitcher's duel nennt. Francis, der bisher so gut wie immer im PETCO Park schwach pitchte, bot seine mit Abstand beste Leistung der Saison an. Nur drei Hits konnten ihm die Padres abringen, sieben Friars fertigte er mit Strikeouts ab. Nach zwei Schrecksekunden in den ersten beiden Innings, als er jeweils zwei Baserunner zuließ, konnte er im Anschluss 16 Padres in Folge abfertigen. Für Jeff Francis könnte dies der Wendepunkt des Jahres gewesen sein. Es wird ihm sicherlich moralischen Auftrieb geben, gegen den besten Pitcher der National League bestanden zu haben. Womit wir wieder bei Jake Peavy wären, der auch gestern Abend wieder beeindruckte. Fast schon standesgemäße elf Strikeouts bei vier Hits: das ist seine beeindruckende Bilanz des langen Abends.

Zwischenfazit nach vier (bzw. drei) Starts:

Francis: Schwacher Saisonstart, aber deutliche Steigerung gegen Padres; man muss abwarten, ob die lange Saison nicht doch Spuren hinterlassen hat.

60 % Ace

Peavy: Scheint auch dieses Jahr wieder in dominanter Form zu sein; wird sich mit Brandon Webb und Johan Santana heißen Kampf um Cy-Young-Award liefern.

100% Ace

 

 

 

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