www.amazon.de
buch.de - einfach schnell
 

Wer ist online?

 
Gäste: 26 | Insider: 2
 
 

Neue Kommentare

 
 
 

Neuester Insider

 
 
 

Im Westen was Neues - Die Häutung der Schlangen

 
Autor: Christoph May Freitag, 11. April 2008
 

Schon der große Philosoph Friedrich Nietzsche sagte einmal, dass die Schlange, die sich nicht häuten kann, zugrunde geht. Offenbar gibt es im Team der Diamondbacks einige Nietzsche-Liebhaber, die sich diesen Satz zu Herzen genommen haben. Das könnte zumindest erklären, warum die D-Backs bisher einen so radikal anderen Stil pflegen im Vergleich zur letzten Saison. 

In einer meiner letzten Kolumnen ging es um die Arizona Diamondbacks anno 2007.  Ein Team, das von Clutch-Hitting und einem dominanten Bullpen lebte und damit auch Erfolg hatte. Sie erzielten nicht viele Runs, konnten aber immer wieder knappe Siege einfahren. Doch dieses Jahr ist bisher alles anders gelaufen. Denn auf einmal führen die D-Backs die Liga in den Kategorien Home Runs und Runs an. Apropos Home Runs: Was ist bloß mit Mark Reynolds los? In gerade einmal 36 At Bats hat er nun schon fünf Home Runs geschlagen und führt damit die Liga an. Auch bei den RBI (13) ist er Spitzenreiter. Der Mann aus Kentucky ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Diamondbacks die beste Bilanz der National League haben. Seinen momentanen Schlagdurchschnitt von knapp über .300 wird er zwar nicht halten können. Aber feieren wir ihn einfach, so lange es noch Grund dazu gibt. Denn Reynolds ist bisher die Story der National League West. Eigentlich verbindet man mit „jung“ und „Diamondbacks“ ja sonst eher Spieler wie Chris Young oder Justin Upton. Momentan aber beherrscht der 24-jährige Reynolds die Schlagzeilen. Als Beleg für seine guten Leistungen: die Wahl zum “MLBI Spieler der Woche” .

Es wäre jedoch ungerecht, an dieser Stelle nur Mark Reynolds hervorzuheben. Denn das Team schlägt momentan im Kollektiv gut. Anders kann man die Bilanz von sieben Siegen bei nur zwei Niederlagen nicht erklären. Das Ungewöhnliche im Vergleich zu der letzter Saison ist aber, dass die D-Backs auf einmal auf völlig andere Weise gewinnen. Letztes Jahr zählte die Punkte-Produktion und das Home-Run-Schlagen ja nicht gerade zu den Stärken des Teams von Bob Melvin. Dieses Jahr jedoch führen sie die Liga in diesen Kategorien an. Insgesamt 17 Home Runs und 54 Runs konnten sie schon erzielen. Neben Reynolds sind besonders Justin Upton und Conor Jackson hervorzuheben. Der erst 21 Jahre alte Upton zeigt bisher, warum er zu den größten Talenten des gesamten Baseballs zählt. Drei Home Runs und einen Average von .382 hat er nach neun Spielen auf seinem Konto. Damit spielt er von den drei großen Talenten der D-Backs – Stephen Drew, Chris Young und eben Upton – momentan den mit Abstand besten Baseball. Einzig die vielen Strikeouts lassen noch auf seine Unerfahrenheit zurückschließen. Conor Jackson bietet bis jetzt das, was man von ihm erwartet. Nämlich solide Leistungen. Schon in den vergangen beiden Jahren hat er auf unheimlich konstant gutem Level gespielt und war einer der viel übersehenen Eckpfeiler der Mannschaft.

Aber nicht nur auf dem Feld gab es in den letzten Tagen viel Grund zu feiern für die Diamondbacks. Abseits des Platztes konnte GM Josh Byrnes eine ganz wichtige Vertragsunterzeichnung für die Zukunft des Teams erreichen. Chris Young, einer der besten jungen Outfielder der National League, unterschrieb einen mit über 30 Millionen Dollar dotierten Vertrag bis 2013. Young besitzt das Potential, auf Dauer über 30 Home Runs pro Jahr zu schlagen. Letztes Jahr ist ihm das schon gelungen. Diese Power in Kombination mit seiner ungeheuren Explosivität und Dynamik, die ihn auch zu einem starken Base-Stealer und gutem defensiven Outfielder machen, sind alles exzellente Gründe für diese vorzeitige Vertragsverlängerung. Zwei Schwächen hat Young aber noch. Er hat erstens noch nicht das richtige Gefühl für die Strikezone. Insgesamt 15 Mal kassierte er dieses Jahr schon ein Strike Out. Daran muss er noch arbeiten, denn die vielen Punch-Outs wirken sich natürlich auch auf seinen Schlagdurchschnitt aus. Außerdem ist Young in seinen Leistungen noch nicht konstant genug. Bestes Beispiel letzte Woche. Montag schlägt er noch einen Home Run und zwei Runs ins Ziel, am nächsten Tag schafft er keinen Hit bei sechs Versuchen. Dazu kamen drei Strikeouts. Aber man darf nicht vergessen, dass Young erst 24 ist und noch viel Zeit hat, diese Schwächen abzustellen. Young wird in drei Jahren einer der besten Spieler der National League sein. Das ist denke ich keine riskante Prognose.

Einen sehr emotionalen Moment erlebten die Fans im Chase Field am letzten Dienstag. Da nämlich absolvierte Pitcher Doug Davis sein letztes Spiel vor seiner unmittelbar bevorstehenden Krebs-Operation an der Schilddrüse. Niemand hätte es ihm wohl verübelt, wenn er die ersten beiden Starts der Saison abgesagt hätte. In seiner Situation wäre es leicht nachzuvollziehen gewesen, wenn er anderes als Baseball im Kopf gehabt hätte. Er entschied sich aber zu pitchen und besiegte die Dodgers. Für diese Leistung bekam Davis bei seinem Abgang vom Mound lange Standing Ovations von seinen Fans. Völlig zu recht nannte Bob Melvin Davis' Leistung “ziemlich heldenhaft”. Die Erfolgschancen der OP sind glücklicherweise sehr gut. Der Krebs ist in einem frühen Stadium und anscheinend sehr gut behandelbar. Er plant sogar, schon wenige Tage nach der Operation wieder einen Baseball in die Hand zu nehmen. In vier bis sechs Wochen will er wieder auf dem Mound stehen. Wünschen wir ihm alles Gute bei seiner OP und hoffen, dass seine Genesung so läuft, wie er und die Ärzte sich das vorstellen.

Kommentare
RSS
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

Kolumnen