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Im Westen was Neues - Five Up, Five Down

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 03. April 2008
 

Die erste Woche der Saison ist meist wenig aufschlussreich. Die Teams kommen gerade frisch aus dem Spring Training, viele Spieler haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden und brauchen noch ein paar Wochen, um in ihre gewohnte Form zu finden. Trotzdem lassen sich schon einige Trends erkennen. Einige davon werde ich heute in meiner Kolumne diskutieren. Hier sind als die fünf Fragen, die die Welt der National League West bewegen: 

 
Konnte Trevor Hoffman in der Offseason sein Oktober-Trauma überwinden?

Hoffman hat während des Spring Trainings zugegeben, dass ihn die Niederlage gegen die Rockies, an der er maßgeblich Mitschuld trägt, immer noch schwer beschäftigt. Hoffman vergab damals den Save im entscheidenden Spiel um die Playoffteilnahme. Gestern hatte man das Gefühl, dass er die Verarbeitung dieser Erlebnisse noch nicht ganz hinter sich hat. Zwei Outs hatte er schon auf der Habenseite, als ihm die Astros im 9. Inning doch noch vier Runs um die Ohren schlugen und er den Blown Save kassierte. Man kennt es aus vielen Sportarten, auch aus dem Baseball: ein Spieler trägt die Schuld an der Niederlage seines Clubs, verliert völlig sein Selbtsvertrauen und kehrt nie wieder zu alter Form zurück. Könnte das bei Hoffman auch so sein? Zumal er im Winter auch noch eine Ellenbogen-OP hatte. Ich denke nicht. Hoffman hat seinen Zenith sicherlich überschritten. Er ist aber immer noch ein solider Closer – nicht mehr ganz an der Spitze der Liga, aber sicher noch nicht auf den hinteren Rängen. Er hat in seiner Karriere ja schon etliche Blown Saves erlebt. Das ist das Los eines jeden Closers. Allerdings wird es für ihn wichtig, in den nächsten Woche Stabilität zu finden und einige Saves in Folge zu erzielen. Dann wird er den Knacks überwinden.

Reicht das Pitching der Rockies aus, um wieder um den Titel mitzuspielen?

Viele Experte haben vor der Saison angemerkt, dass die Rockies ein mittelmäßiges Team waren, bevor sie im September letzten Jahres heiß liefen. Deshalb glauben auch die wenigsten, dass die Rockies dieses Jahr wieder die Playoffs erreichen. Die Offense ist natürlich absolute Extraklasse, da sind sich auch alle einig. Ddas Pitching wirft jedoch einige Fragen auf. Jeff Francis war im ersten (abgesagten) Spiel noch nicht in Form, Aaron Cook bot ebenfalls eine mittelmäßige Leistung gegen die Cardinals. Und Luis Vizcaino, zweitteuerster Reliever der Vereinsgeschichte, bot gestern eine Leistung zum Vergessen. Dennoch wird das Pitching der Rockies für meine Begriffe etwas schlechter geredet, als es tatsächlich ist. Schließlich hat Jeff Francis in den letzten Jahren seine Qualitäten als guter Major-League-Pitcher bewiesen, Aaron Cook bietet meist unspektakulär gute Spielzeiten an. Was dahinter kommt, ist jung, aber durchaus talentiert. Ich erwarte vor allem von Linkshänder Franklin Morales eine starke Saison. Zusammen mit dem guten Bullpen um Manny Corpas und Brian Fuentes ist das Pitching sicher schwächer als in Arizona oder San Diego, die starke Offense dürfte dies aber abfedern. Ich halte das Pitching der Rockies für stark genug, um wieder um den NL-West-Titel mitspielen zu können.

Sind die Dodgers das Team, das es in dieser Saison im Westen zu schlagen gilt?

Ich denke schon. In der ersten Serie gegen die Giants haben die Dodgers gezeigt, dass mit ihnen unbedingt zu rechnen ist. Viele Dodgers-Fans würden sich vermutlich wünschen, mehr als 18 Spiele dieses Jahr gegen die Giants bestreiten zu können. Dominant war in der ersten Serie vor allem das Pitching. Vier Runs nur erlaubten die Dodgers-Werfer in den ersten drei Spielen. Besonders Brad Penny und Chad Billingsley konnten mit starken Auftritten überzeugen. Dazu kommt ein wieder unheimlich explosiv wirkender Rafael Furcal, der das Team in Offense und Defense ungemein belebt. Auch muss man Joe Torre zu der Entscheidung beglückwünschen, Andre Ethier zu seinem Starter im Left Field gemacht zu haben. Ohne Juan Pierre zu nahe treten zu wollen, Ethier ist nun mal der bessere Spieler. Pierre ist jedoch ein wertvoller, wenn auch teurer Bankspieler, der durch seine Schnelligkeit gerade in den späten Innings für Gefahr sorgen wird.

Die Ausgeglichenheit aller Mannschaftsteile ist, so scheint es, bei den Dodgers am ausgeprägtesten. Auf eine ganze Saison gesehen ist das ein sehr bedeutender Faktor für den Erfolg.

Haben die D-Backs einen Fehler gemacht, als sie im Winter Jose Valverde abgaben?


Werfen wir doch einfach einen Blick auf die Statistiken. Valverde gelang gestern ein 2-Inning-Save gegen die Padres, bei dem er einen Run abgab. Lyon pitchte Montag ein perfektes Inning gegen die Reds, gab gestern aber den spielentscheidenden Home Run gegen Edwin Encarnacion ab. Valverde ist insgesamt gesehen sicher der bessere Pitcher als Lyon. Die D-Backs haben jedoch mit Tony Pena einen hervorragenden Reliever in der Hinterhand, den sie als Closer einsetzen werden, falls Lyon weiter strauchelt.

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass die D-Backs durch den Trade mit Chris Burke einen äußerst vielseitige Spieler bekamen und mit Chad Qualls einen guten Reliever. Bisher macht der Trade noch Sinn, wenn Valverde aber eine Saison wie letztes Jahr spielt, muss GM Josh Byrnes sich wohl einige Kritik anhören müssen.

Sind die Giants das schlechteste Team der Liga?

Bisher haben sie zumindest nicht versucht, uns eines besseren zu belehren. Entgegen  aller Ankündigungen in der Offseason, als eine Verjüngungskur des Teams versprochen wurde, hatten die Giants am ersten Spieltag das älteste Starting Lineup der ganzen MLB auf dem Platz. Das Durchschnittsalter lag bei über 31 Jahren.

Pitching und Defense schrieb man sich vor der Saison ganz groß als Erfolgsrezept auf die Fahnen. Das Pitching ist da. Matt Cain, Tim Lincecum sowie in größten Teilen der Bullpen waren bisher in guter Form. Die Defense aber ist weit unter dem Major-League-Durschnitt. Bestes Beispiel vorgestern: Ray Durham, einer von der älteren Fraktion und sowieso nicht als glänzender Fielder bekannt, will im 9. Inning gegen die Dodgers bei Gleichstand einen Groundball aufnehmen. Der Ball gleitet ihm aber aus den Händen, er braucht eine halbe Ewigkeit, um den Ball zu kontrollieren, und wirft dann ein lockeres Bällchen zur ersten Base. Der Runner ist safe, und was viel schlimmer ist: Rafael Furcal bringt von der zweiten (!) Base den siegbringenden Run nach Hause. Eine Spielsituation, die irgendwie wie ein Sinnbild für das stehen könnte, was die Giants in diesem Jahr noch erwartet. Das Pitching wird da sein, Defense und Offense jedoch nicht. Insofern muss man davon ausgehen, dass die Giants heißer Anwärter auf die rote Laterne der National League sind.

 

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