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Im Westen was Neues - Warum Pythagoras nichts wert ist

 
Autor: Christoph May Sonntag, 23. März 2008
 

Manchmal sind Statistiken wirklich nicht mehr als Schall und Rauch. Dafür waren die Arizona Diamondbacks 2007 der beste Beweis. Denn anders hätten sie die NL West nicht gewinnen können – zumindest rechnerisch. Ob das vermeintliche Glück auch 2008 hält? 

 

Wie gewinnt man eine Division mit der drittschlechtesten Offense der Liga? Wie, wenn man über die gesamte Saison 20 Runs weniger erzielt als der Gegner? Und wie, wenn man laut dem Pythagorean Theorem of Baseball, einer auf Siegen und Niederlagen basierenden Berechnung der Saisonbilanz,  rein rechnerisch eine Bilanz von 79 Siegen und 83 Niederlagen aufweisen müsste? Ganz einfach: mit   rechtzeitigem Clutch-Hitting, einem herausragenden Bullpen und natürlich auch einer gehörigen Portion Dusel. Genau das war die Formel, die den Diamondbacks den NL West-Titel 2007 bescherte.

Ein Spiel aus den ersten Wochen der Saison ist mir in Erinnerung geblieben, das die Saison der Mannschaft aus dem Grand Canyon State passend widerspiegelt. Es ging gegen die Padres mit Jake Peavy auf dem Mound. Zwei Hits und keinen einzigen Run hatten die Diamondbacks gegen den besten Pitcher der National League über sieben Innings zustande bekommen – und insgesamt 16 Strikeouts kassiert.. Doch dank Brandon Webb konnten sie das Spiel eng halten, und im 9. Inning mit zwei Aus auf ihrem Konto gegen Closer Trevor Hoffman eiskalt zuschlagen. Rookie Stephen Drew, bis dato ohne Hit im Spiel, bugsierte einen der berüchtigten Hoffman-Changeups über die rechte Outfieldmauer – Home Run! Ein verloren geglaubtes Spiel war gewonnen – es sollte nicht das einzige auf dem Weg zum Division-Titel bleiben. 

Ein souveräner Sweep gegen die Cubs in der ersten Playoffrunde nährte schon die Hoffnungen, nach dem Triumph 2001 wieder in die World Series einzuziehen. Doch in der NL Championship Series versagten (mal wieder) die Schläger ihren Dienst. Magere acht Runs erzielte man in vier Spielen gegen die Rockies. Selbst mit einem starken Pitching Staff war das einfach zu wenig.

Logische Konsequenz für die Offseason wäre nun ja eigentlich gewesen, dass General Manager Josh Byrnes die Offensive des Teams wie von vielen Seiten gefordert verstärkt. Er tat es nicht – im Gegenteil, er gab sogar drei seiner besten Nachwuchs-Hitter ab! Einige Kritiker werfen ihm das vor. Dennoch hört sich die Verpflichtung von Dan Haren, zunächst jedenfalls, sehr gut an. Haren ist ein Pitcher von All-Star-Kaliber, hatte im vergangenen Jahr einen ERA in den niedrigen 3ern und ist außerdem noch die nächsten drei Saisons an die D-Backs gebunden. Zusammen mit Brandon Webb wird er eines der besten Pitching-Duos der Major Leagues bilden und den Pitching Staff der D-Backs noch stärker machen.

Ein Blick auf die Schattenseiten des Trades zeigt aber auch: Josh Byrnes hat viel junges Kapital abgeben müssen.  Vor allem Outfielder Carlos Gonzalez dürfte in den kommenden Jaren die Fans des Trade-Partners aus Oakland begeistern. Man sagt dem 22-jährigen das Potenzial nach, schon ziemlich bald über 30 Home Runs für die A's zu schlagen. Auch muss Haren nun die Hälfte der 162 Spiele im doch eher die Hitter bevorteilenden Chase Field pitchen. Ein weitere Punkt, der dem Trade ein wenig Glanz aus Sicht der D-Backs nimmt . Schon letztes Jahr war sein Auswärts-ERA um einen halben Punkt höher als der im heimischen McAfee Coliseum, das laut ESPN eines der pitcherfreundlichsten Stadien der Liga ist.

Aber vielleicht muss Haren gar nicht wie ein Elite-Pitcher werfen, wenn sich die Offense verbessert und die Diamondbacks nicht mehr am Tropf des Pitchings hängen. Wichtig für die Diamondbacks wird in dieser Saison, dass Stephen Drew, Chris Young und Justin Upton den nächsten Schritt machen und zu den Topspielern werden, für die sie die meisten Experten halten. Dann sind Carlos Gonzalez & Co. schnell vergessen. Egal, wie viele Home Runs sie für die A's schlagen. Und noch viel wichtiger: die Diamondbacks müssen sich dann auch nicht mehr so sehr auf Bullpen und Glück verlassen.  Denn dass sie zwei Jahre in Folge mit einer negativen „Pythahoras-Bilanz“ die Divison gewinnen, ist dann doch fast unmöglich...

Kommentare
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Sebastian
(88.75.84.xxx) 24-03-2008 10:37
Sehr schöner Artikel, nur funktioniert der Link zu "Pythagorean Theorem of Baseball" nicht.
 
Christoph
(Registered) 24-03-2008 16:06
Das Problem wäre gelöst.. :)
 
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