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Im Westen was Neues - Kenne deine Schwächen!

 
Autor: Christoph May Montag, 30. März 2009
 

Eines kann man kurz vor Saisonbeginn schon mit ziemlicher Sicherheit sagen: eine alles überragende Mannschaft wird es in der National League West in diesem Jahr nicht geben. Denn ein komplettes Team, das in allen Mannschaftsteilen zum oberen Drittel der Liga gehört, ist einfach nicht auszumachen. Selbst die Divisions-Favoriten aus Arizona und Los Angeles gehen mit einigen erheblichen Mängeln in die Saison. Wer die Division in diesem Jahr gewinnen will, muss seine Schwächen so gut es geht überwinden. In meiner heutigen Kolumne will ich versuchen, die Problemzonen der einzelnen Teams zu identifizieren, ganz nach dem Motto: Kenne deine Schwächen!

diamondbacks.jpgSchwäche: Clean-Up-Hitter

Die Probleme der Diamondbacks sind eindeutig in der Offensive zu finden. Zwar stehen Manager Bob Melvin einige durchaus fähige Hitter (Drew, Jackson, Tracy) zur Verfügung, doch mangelt es einfach an einem Schlagmann auf absolutem Top-Niveau. Gerade in der Mitte der Schlagaufstellung wirkt sich das negativ auf die Offensivkraft des Teams aus. Ohne einen guten Clean-Up-Hitter, der an Nummer vier schlagend sowohl ein guter Allround-Hitter sein als auch die nötige Power mitbringen soll, geht jedem Verein ein großes Stück an offensiver Feuerkraft verloren. Stephen Drew könnte sich einmal zu einem solchen Hitter entwickeln, ebenso wie Justin Upton. Bei Chris Young und Mark Reynolds werden wohl immer der niedrige Schlagdurchschnitt und die hohen Strikeout-Werte im Weg stehen.

So kommt es, dass erneut Connor Jackson als Nummer-4-Hitter vorgesehen ist. Natürlich ist Jackson ein hervorragender und oft unterschätzter Schlagmann. Doch er ist einfach kein Clean-Up-Hitter. In drei kompletten MLB-Saison konnte er noch nie mehr als 15 Home Runs in einer Spielzeit erzielen, wodurch er dem Anforderungsprofil seiner Position im Lineup nicht gerecht wird. Doch aus Mangel an Alternativen wird Jackson auch die neue Saison als Clean-Up-Hitter verbringen, obwohl er weiter vorne im Lineup deutlich besser aufgehoben wäre. Einzige Hoffnung für die Diamondbacks: Jackson finden seinen „Home-Run-Swing“ oder bei Stephen Drew oder Justin Upton entwickelt sich die seltene Kombination von Power und Average, die einen richtigen Clean-Up-Hitter ausmacht.

rockies_small.gifSchwäche: Starting Rotation

Im Winter machte es noch den Anschein, als müssten die Rockies aus der Masse der ihnen zur Verfügung stehenden Starting Pitcher doch irgendwie eine passable Rotation zusammenschustern können. Gegen Ende des Spring Training sieht die Lage etwas anders aus. Außer Aaron Cook konnte nämlich kein Pitcher konstant seine Tauglichkeit für die Rockies-Rotation unter Beweis stellen. Die große Hoffnung Ubaldo Jimenez zeigte nach seiner Rückkehr von der World Baseball Classiv schwankende Leistungen. Jason Marquis ERA im Spring Training von über 14 sagt eigentlich schon alles. Und bei Jorge De La Rosa ist die Unkonstanz so gewaltig, dass man nur schwer eine Prognose für den Nummer-4-Starter erstellen kann. Einzig Franklin Morales, der nach einer Verletzung von Greg Smith nun als fünfter Starting Pitcher feststeht, zeigte bislang sehr ordentliche Leistungen (23 IP, ERA 4.30). Ärgerlich ist hier jedoch, dass Morales bis Ende April gar nicht gebraucht wird, weil die Rockies bis dahin mit vier Rotations-Pitchern auskommen. Der Druck liegt jetzt also zunächst auf Jimenez, Marquis und De La Rosa, die Starting Rotation der Rockies vor einem großen Debakel zu bewahren.

dodgers_small.gifSchwäche: Pitching Staff

In der langen Geschichte der Dodgers wird die kommende Saison etwas ganz besonderes. Denn nur selten gab es ein Dodgers-Team, das so offensivlastig aufgestellt ist wie das diesjährige. Dodgers-Baseball hieß viele Jahre lang: „Pitching first!“. In diesem Jahr trifft das genaue Gegenteil auf die Mannschaft von Joe Torre zu. Die großen Stärken des Teams liegen in der Offensive, während die Starting Rotation und der Bullpen mit einigen Mankos behaftet sind. Die Dodgers-Rotation, nach aktuellem Stand bestehend aus Chad Billingsley, Hiroki Kuroda, Randy Wolf, Clayton Kershaw und James McDonald, weist zumindest eine gute Mischung aus Jung und Alt auf. Doch fehlt der absolute Top-Pitcher, den die Diamondbacks (Webb, Haren), Giants (Lincecum) oder Padres (Peavy) besitzen. Sicher, Billingsley oder Kershaw könnten sich schon in diesem Jahr in diese Sphären hineinbewegen – doch eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Starting Rotation der Dodgers ist momentan nur Liga-Durchschnitt, obwohl eine Menge Potenzial in ihr steckt.

Ähnliches gilt für den Bullpen, der mit Takashi Saito, Joe Beimel, Chan Ho Park und Scott Proctor einige prominente Abgänge zu verzeichnen hat. Hinter Closer Jonathan Broxton und Hong-Chih Kuo fehlt es daher etwas an Tiefe. Dass altgediente Veteranen wie Jeff Weaver und Eric Milton oder beinahe vergessene Weggefährten von Joe Torre wie Tanyon Sturtze alle im Bullpen der Dodgers landen könnten, sagt schon einiges aus. General Manager Ned Coletti würde gut daran tun, den immer noch arbeitlosen Relief-Pticher Will Ohman zu verpflichten, der in den vergangenen Tagen ein Tryout bei den Dodgers bestritt. Sonst läuft er nämlich die Gefahr, dass der ein oder andere Vorsprung in den Händen des Bullpen dahinschmilzt.

giants_small.gif Schwäche: Power

Nach dem großen Problem, dass die Giants in der Vorsaison – dem Jahr eins nach Bonds – hatten, braucht man nicht lange zu suchen. Es waren die Home Runs. In der kompletten Abwesenheit eines Power-Hitters – Bengie Molina war mit 16 Home Runs der große „Home-Run-König“ - gelangen den Giants insgesamt 94 „Long Balls“ in der Saison. So wenig wie keinem anderen Team seit den 1993er Marlins. Nachdem die zaghafte Jagd nach Manny Ramirez am Ende erfolglos geblieben ist,  kann Manager Bruce Bochy in diesem Jahr nur auf eine leichte Verbesserung der Situation hoffen. Zum einen wird Shortstop Edgar Renteria sicherlich etwas mehr Power als Omar Vizquel oder Brian Bocock beisteuern können. Außerdem ist mit Pablo Sandoval ein Spieler von Beginn an mit dabei, der für zweistellige Home-Run-Werte gut ist. Und auch von Aaron Rowand darf man etwas mehr als 13 Home Runs erwarten. Aber dennoch: trotz all dieser zu erwartenden Verbesserungen werden sich die Giants wohl die ganze Saison mit einem Power-Problem herumschlagen, sollte nicht auf einmal ein neuer Bonds erscheinen und die Bälle reihenweise in die Bucht von San Francisco schlagen.

padres_small.gifSchwäche: Bullpen

Wäre ich ein gemeiner Zyniker, hätte ich bei „Schwäche“ sicherlich noch einige Punkte mehr genannt. Doch - man mag es wirklich kaum glauben - ein einzelner Mannschaftsteil ragt als größter Schwachpunkt der Padres heraus: der Bullpen. Während in der Offensive mit Adrian Gonzalez, Brian Giles, Chase Headley und Kevin Kouzmannoff wenigstens noch einige Hoffnungsträger zu finden sind und die Rotation mit Jake Peavy und Chris Young immerhin zwei starke Pitcher hat, sieht es beim Relief-Pitching zappenduster aus. Mit Closer Heath Bell und Cla Meredith verfügt der Bullpen nur über zwei etablierte Kräfte. Bei Bell  (bisher zwei Saves in seiner Karriere) ist nicht einmal klar, ob er wirklich das Zeug für das neunte Inning hat. Meredith sah in „high pressure“-Sitation zudem häufig nicht sonderlich gut aus. Das größte Problem aber: wer die restlichen fünf Plätze im Bullpen bekommen wird, ist momentan völlig unklar. Selbst die Macher der offiziellen Padres-Seite sind derzeit offenbar so verwirrt von dieser Situation, dass sie im Depth Chart derzeit nur vier Relief-Pitcher auflisten. Rund um den Bullpen herrscht also Konfusion pur. Knapp eine Woche vor Saisonstart kann es einfach nicht leistungsfördernd sein, wenn mehr als die Hälfte des Bullpen noch nicht besetzt ist. Von einer konkreten Rollenvergabe mal ganz zu schweigen.Was ist bloß aus einer der großen Stärken der vergangenen Padres-Jahre geworden?

 

Kommentare
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melog
(Registered) 30-03-2009 18:07
Also in Sachen Rockies muss ich dir widersprechen...

Die Rotation weiß durchaus zu gefallen!

Aaron Cook hattest du schon angesprochen!

Jimenez hatte nach der All Star-Break 8-3 mit einem 3.68 ERA, befindet sich also auf dem
aufsteigenden Ast, ebenso wie De La Rosa, der 7-3 mit einem 3.08 ERA nach der Break hat.

Dazu kommen noch starke 68 K's in 73 Innings!

Und die Leistungen im Spring Training sind höchstens eine Tendenz, ich gebe da nicht allzu viel
drauf!



Ich denke, die Rockies sind dieses Jahr ganz ordentlich aufgestellt. Wenn Holliday nicht gegangen
wäre, wären sie sogar fast mein NL West-Favorit!
 
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Tulo
(Registered) 30-03-2009 19:02
Das Problem ist einfach die extreme Unbeständigkeit von De La Rosa. Er ist ein Pitcher der
sicherlich fähig ist +10 Siege in der Saison heimzufahren, dem gegenüber kann er auch bereits im 1.
Inning das Spiel verlieren...



Falls er und Marquis zu Beginn der Saison ihre Spring Training Leistungen nicht verbessern, kann es
schnell passieren, dass Morales nachrückt, da er im Moment doch den besseren Eindruck hinterlässt...
 
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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.