Im Westen was Neues - Letzte Chance Spring Training
In diesen ersten Tagen des Spring Trainings gleichen die Frühjahrs-Camps der MLB-Teams einer groß angelegten Jobvermittlungsmaßnahme für ältere Arbeitnehmer. Viele Spieler, die man eigentlich schon eher auf dem Golfplatz als auf einem Baseballfeld wähnte, erscheinen noch einmal auf den Roster-Listen der 30 Vereine. Die ungezählten Sal Fasanos und Seth Ethertons der Liga laufen dort unter der Bezeichnung Non-Roster Invitee.
Das sind zumeist jene Spieler, die keinen regulären Major
League-Vertrag ergattern konnten, nun aber auf Einladung nach Florida
oder Arizona gereist sind, um dort am Spring Training teilzunehmen –
alles jedoch ohne Jobgarantie. Mit im Gepäck haben sie die vage
Hoffnung, es dank günstiger Umstände vielleicht doch noch einmal auf
die große Bühne zu schaffen. Ein jüngstes Beispiel dafür ist Chan Ho
Park, der im vergangenen Jahr bei den Dodgers anheuerte, sich in den
Kader spielte und im Winter nun einen neuen, besser dotierten Vertrag
bei den Phillies unterschrieben hat – diesmal mit Jobgarantie. Im Fall
von Fasano (Rockies) und Etherton (Diamondbacks) stehen die Chancen
jedoch objektiv betrachtet eher schlecht. Doch unter den vielen
Non-Roster Invitees in de NL West tummeln sich auch einige Namen, die
eine nähere Betrachtung wert sind.
Im Camp der Colorado Rockies hat sich mit Josh Fogg ein alter Bekannter
aus dem World Series-Jahr 2007 eingefunden. Damals erwarb sich der
inzwischen 32-Jährige den legendären Ruf des “Dragon Slayer”, da er
sich im direkten Duell mit den besten Pitchern der Liga immer
außergewöhnlich gut anstellte. Spätestens seit seiner bravourösen
Leistung in der National League Championship Series gegen die D-Backs
zählte er zu den beliebtesten Rockies. Für einen neuen Vertrag im
letzten Jahr reichte es jedoch nicht mehr, Fogg unterschrieb in
Cincinatti, wo er aber alles andere als glücklich wurde. Den
Rockies-Fans muss zwar klar sein, dass Fogg nie mehr als ein
durchschnittlicher Pitcher war, der zu einem günstigen Zeitpunkt die
beste Phase seiner Karriere erlebte. Nach dem Trade des ebenfalls sehr
beliebten Matt Holliday würde Foggs Präsenz im Rockies-Kader jedoch
einigen Kredit bei den Fans zurückgewinnen. Als Middle Reliever wäre er
für die Rockies auch sicherlich zu gebrauchen, für einen Platz in der
Starting Rotation wird es aber sicherlich nicht mehr reichen.
Ebenfalls einer Einladung seines ehemaligen Vereins gefolgt ist
Infielder Rich Aurilia. Die Giants, bei denen Aurilia die besten Tage
seiner Karriere als schlagstarker Shortstop verbracht hat, haben dem
gebürtigen New Yorker die Chance gegeben, sich im Spring Training für
einen Platz im Kader anzubieten. Diese Entscheidung macht durchaus
Sinn, zeigte sich Aurilia im letzten Jahr doch als guter Pinch-Hitter
und flexibler Infielder. Besonders gegen linkshändige Pitcher schlug er
sehr stark, was sein Batting-Average von .321 gegen “Southpaws”
verdeutlicht. Sollte es dabei bleiben, dass Travis Ishikawa am Opening
Day an der ersten Base der Giants steht, würde sich für Aurilia eine
Nische im Kader öffnen. Denn bisher trauten sich die Giants noch nicht,
Ishikawa gegen Linkshänder aufs Feld zu schicken. Aurilias härtester
Konkurrent im Spring Training ist sicherlich Co-NRI Josh Phelps. Wenn
er sich gegen Phelps beweist, könnte Aurilia 2009 in seine 15.
MLB-Saison starten.
Ein weiterer Spieler, der seiner Karriere noch einmal neuen Schwung
verleihen möchte, ist Jeff Weaver. Nach seinen heroischen Taten für die
Cardinals in der Postseason 2006 ist die Karriere des ehemaligen
Erstundenpicks unglaublich steil abgestürzt. Trauriger Höhepunkt dieser
Entwicklung war die vergangene Saison, als er für die AAA-Teams der
Indians und Brewers jeweils mit einem 6er ERA aufwarten konnte. Die
Dodgers haben sich nun erbarmt, Weaver eine letzte Chance zu geben. In
Los Angeles, das nur eine halbe Autostunde von Weavers Geburtsstadt
Northridge entfernt liegt, hatte der 32-Jährige die letzten beiden
guten Jahre seiner Karriere. In den Spielzeiten 2004 und 2005 pitchte
er insgesamt 444 Innings und holte 24 Siege für die Dodgers. Mit neuer
alter Delivery will er es nun Pitcher-Kollegen wie Jose Lima, Tom
Martin, Rudy Seanez und eben Chan Ho Park gleichtun, die es alle in den
letzten Jahren als NRI in den Dodgers-Kader geschafft haben. Die
Chancen für die Wiederbelebung der Karriere sind also da, doch wie bei
den meisten Non-Roster Inivtees ist das Ende der Laufbahn auch bei Jeff
Weaver näher als der zweite oder dritte Frühling im MLB-Dress.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

