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Im Westen was Neues - Von NASA-Köchen und Angel-Trips

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 29. Januar 2009
 

Zwei Wochen dauert es noch etwa, bis die neue Baseball-Saison ihr erstes Lebenszeichen von sich gibt.   Dann müssen nämlich Pitcher und Catcher spätestens in den Trainingsanlagen ihrer Teams erscheinen, wo die Vorbereitungen auf die neue Saison offiziell beginnen. Die meisten Spieler haben zu diesem Zeitpunkt schon ein mehr oder weniger großes Pensum an Workouts hinter sich. Manche sind dabei recht extravagant in der Wahl ihrer Methoden, andere bereiten sich eher konventionell vor. Ein kleiner Ausschnitt aus den verschiedenen Vorbereitungsprogrammen der MLB-Pitcher.

 

Das kurioseste Duo geben in der Offseason wohl Barry Zito und Brian Wilson von den San Francisco Giants ab. Wilson ist beinahe schon legendär für seine speziellen Übungen, mit denen er sich vor und während der Saison (mit großem Erfolg) fit hält. Barry Zito war anscheinend beeindruckt von seinem Teamkollegen und kampierte ihn in seinem Haus in Hollywood ein, wo beide nun eine Art Sportler-WG gegründet haben. Sechs Tage pro Woche trainieren sie gemeinsam im sonnigen Südkalifornien, was für Wilson nichts besonderes ist, für Zito jedoch eine gehörige Umstellung darstellt.

Ihr Trainingsplan sieht wie folgt aus: Montags, mittwochs und freitags werden gezielt bestimmte Muskelgruppen trainiert, dienstags gibt es Schnellkrafttraining, donnerstags wird Yoga gemacht und am Samstag Aggressionsabbau beim Kickboxing betrieben. Und auch bei der Ernährung überlassen die beiden nichts dem Zufall, denn Barry Zito – er kann sich's ja erlauben – hat extra einen früheren Ernährungsberater der NASA engagiert, der das Duo jeden Tag bekocht. Sollte Zito tatsächlich einmal passabel in die Saison starten, müsste er sich bei zwei Personen bedanken: bei Brian Wilson und dem NASA-Koch.

Brandon Webb von den Arizona Diamondbacks würde dieses Programm vermutlich für Hokuspokus halten. Statt ungewöhnlichen Trainingsprogammen widmete er sich stattdessen seiner “K Foundation”, die Gelder für erkrankte Kinder sammelt, und veranstaltete in Mexiko jüngst ein “Fishing Tournament”. Mit dabei waren sein Teamkollege Chris Synder, sein ehemaliger Teamkollege Adam Dunn und Hall of Famer Wade Boggs, dessen Angelmannschaft mit der erstaunlichen Bilanz von 14 gefangenen Marlins (damit sind selbstverständlich die Fische gemeint!) das Turnier gewann. Nebenbei sprangen 100 000 US-Dollar für die Stiftung heraus.

Bei allem finanziellen Erfolg erinnert mich die Veranstaltung dennoch stark an das Motto “Rettet den Wald, esst mehr Biber!”. Wer sich am erfolgreichsten dabei anstellt, das Meer auszubeuten, tut am meisten für erkrankte Kinder. Aber über diese verquerte Logik hat sich bei der geselligen Veranstaltung wohl keiner der Teilnehmer Gedanken gemacht.

Nach diesen beiden Episoden kommen wir nun zum tristen und traurigen Part dieser Kolumne. Denn es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, dass die Offseason nur WG-Leben in Kalifornien und Angel-Gaudi an der Küste von Mexiko bereit hält. Die meisten Pitcher verbingen die Winterzeit in staubigen Trainingsräumen, wo sie ihre körperliche Verfassung verbessern oder nach Verletzungen wieder in Form kommen wollen. Ein Beispiel dafür wäre Manny Corpas von den Colorado Rockies, der frei von der Leber zugibt: “Ich war zu fett im letzten Jahr!”. Vielleicht war das auch ein Grund für seine enttäuschende Saison 2008. Er will wieder zurück zu alter Leistungsstärke, weshalb er sich jeden Morgen auf das Laufband in den Katakombden des Coors Field schleppt, um an Gewicht zu verlieren – mit gutem Erfolg bisher.

Deutlich frustrierender verlief die Offseason dagegen für Corpas' Teamkollegen Jeff Francis, dem Rockies-Helden von 2007. Seine linke Schulter, die ihm bereits die ganze letzte Saison übel mitspielte, macht nach wie vor große Probleme. Zwar konnte bei weiteren Untersuchungen kein gravierender Schaden an Francis' Schulter festgestellt werden. Doch von einem Mound konnte er in diesem Winter immer noch nicht werfen. Die ungewisse Zukunft der eigentlichen Speerspitze der Rockies-Rotation macht die Sammelleidenschaft des Vereins für Starting Pitcher ein wenig verständlicher.

Für Chad Billingsley von den Los Angeles Dodgers begann dieser Winter gar nicht gut. Er rutschte vor seinem Wohnhaus auf eisigem Grund aus und brach sich das linke Bein. Keine schöne Sache, doch für die Karriere eines Baseball-Pitchers ist selbst ein Beinbruch besser als das leichte Zwicken im Wurfarm. Die Rekonvaleszenz lief bisher auch optimal, so dass er Anfang Februar wieder vom Mound werfen kann. Für die Dodgers ist das ungeheuer wichtig, denn so wie sie bisher auf dem Free-Agent-Markt für Starting Pitcher tätig waren, können sie auf einen Billingsley unter keinen Umständen verzichten.

Bei all den unterschiedlichen Wegen, wie sich die Pitcher auf die neue Saison vorbereiten, fällt eines auf. Jeder Spieler hat sich nach Eigen- und Vereinsaussage in die Form seines Lebens gebracht. Auch in diesem Jahr steht uns also wieder eine Saison mit ganzen Rotationen Cy Young-würdiger Pitcher ins Haus.

Kommentare
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Johannes
(Publisher) 29-01-2009 17:17
Sehr cool, den NASA-Artikel hatte ich für diese Woche auch schon im Blick. Aber jetzt ist ja das
kulinarische Programm abgedeckt :)
 
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Kolumnen - Im Westen was Neues