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Im Westen was Neues - Vom Agenten zum Eigentümer

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 08. Januar 2009
 

padres_small.gifEine kuriose Entwicklung der Besitzverhältnisse macht in der NL West derzeit Schlagzeilen. Jeff Moorad, vormals Spieleragent, später CEO und Miteigentümer der Arizona Diamondbacks, hat sich dazu entschieden, den Verein zu wechseln und schickt sich an, ausgerechnet den Division-Rivalen San Diego Padres als Eigentümer zu übernehmen. Nach Monaten des freien Falls bedeutet dies für die Padres die erste gute Nachricht seit langer Zeit. Den Diamondbacks hingegen geht ausgerechnet die Person verloren, der es 2004 gelang, den Verein geschickt aus seinen finanziellen Nöten zu manövrieren.

 

Jeff Moorad kann wohl eine der erstaunlichsten Karrieren des gesamten Baseballzirkus' vorweisen. Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollege, die ihr Geld mit Öl, Immobilien oder anderen schmutzigen Geschäften gemacht haben, stammt Moorads Vermögen ausschließlich aus den Gagen, die er für die Vermittlung von Spielerverträgen erhalten hat. Zusammen mit seinem Partner Leigh Steinberg gründete Moorad  Mitte der 80er eine eigene Sportagentur. Schnell wurden die beiden zum mächtigsten Agenten-Duo des Sports. Steinberg handelte Verträge für Football-Stars wie Troy Aikman und Steve Young aus, Moorad zog die Strippen für MLB-Größen wie Will Clark,  Pudge Rodriguez, Shawn Green oder Mo Vaughn. Sein Meisterstück lieferte Moorad ab, als er 2000 den Monster-Deal von Manny Ramirez mit den Red Sox über die Bühne brachte. In den 18 Jahren ihrer gemeinsamen Tätigkeit handelten Steinberg und Moorad Verträge im Wert von 3 Milliarden Dollar aus. Dass von dieser unglaublichen Summe auch ein paar Dollar für das Agenten-Duo übrig geblieben sind, dürfte jedem klar sein.

2004 suchte sich Moorad dann eine neue Herausforderung. Er tat einen ungewöhnlichen Schritt, indem er in die Sphären derer wechselte, mit denen er zuvor jahrelang mühselige Verhandlungen führen musste. Der Wechsel vom Agenten zum Eigentümer sorgte für einigen Wirbel, letztlich brachte ihm sein guter Ruf allerdings die Genehmigung seitens der Liga, als Teilhaber und CEO bei den Arizona Diamondbacks einzusteigen. Moorad fand an seiner neuen Wirkungsstätte ein Team vor, das sich in desolater finanzieller Verfassung befand. Die Diamondbacks hatten sich mit einem kostspieligen Team, das 2001 die World Series gewann, schlichtweg übernommen und standen kurz vorm finanziellen Kollaps. Moorad schaffte es jedoch, das Team wieder auf solidere Beine zu stellen. Von teuren Free Agents ließ man in der Folge zumeist die Finger weg – das Russ-Ortiz-Fiasko hier einmal ausgenommen -, was sich als erfolgreiche Strategie für ein „Small-Market-Team“ wie die Arizona Diamondbacks herausstellen sollte. Wenn Moorad die Diamondbacks jetzt verlässt, gilt er nicht ohne Grund als der maßgebliche Architekt einer Mannschaft, die in den vergangenen beiden Jahren wieder erfolgreichen Baseball gespielt und dabei fast ausschließlich auf günstige, dem eigenen Farm System entstammende Spieler vertraut hat.

Der Wechsel nach San Diego ist nun ein weiterer, beinahe zwangsläufiger Schritt nach oben auf der Karriereleiter des zielstrebigen Jeff Moorad. Während er in Arizona nur mit etwa 20 % am Verein beteiligt war, kann er sich berechtigte Hoffnungen machen, bei den Padres neuer Mehrheitseigner zu werden. Die Situation, die er in San Diego vorfindet, dürfte ihn dabei an seine Anfangszeit bei den Diamondbacks erinnern. Der Verein befindet sich im Keller der Division mit wenig Hoffnung auf einen raschen Aufstieg. Der monatelange Scheidungszwist zwischen John und Becky Moores, die jeweils 45 % des Teams besitzen, ließ die Padres orientierungslos durch das Baseball-Universum segeln und führte dazu, dass radikale Sparmaßnahmen notwendig wurden. Selbst für einen der verdientesten Padres der letzten 20 Jahre, Trevor Hoffman, konnte man nicht mehr als 4 Millionen $ freimachen. Mit der Lösung der Eigentümerfrage lösen sich die Probleme der Friars zwar nicht in Luft auf, doch Moorad wird dem leidgeprüften Verein neue Stabilität geben.

Aber wie wird sich die „Casa Moorad“ nun konkret auf die Zukunft der Padres auswirken? Erst einmal muss er natürlich die Rechte an den Padres erwerben, was wohl in den nächsten Wochen geschehen wird. Wenn Moorad seinen neuen Einfluss dann geltend machen kann, wäre er für meine Begriffe gut damit beraten, das nötige Geld locker zu machen, um Jake Peavy zu halten. Nachdem man in den letzten Wochen sowieso nur noch wenig über einen möglichen Trade von Peavy gehört hat, dürften sich die Chancen, dass der Star-Pitcher 2009 für ein Team aufläuft, das nicht San Diego Padres heißt, weiter verringert haben. Ich denke, dass Moorad es in San Diego wie zu seiner Zeit bei den Diamondbacks machen wird, wo er eine schlagkräftige Mannschaft rund um den besten Pitcher, Brandon Webb, aufgebaut hat. Ein weiteres Feld, auf dem er sich engagieren wird, ist der jährliche Draft. Schon als Spieleragent war Moorad sehr aktiv auf dem Draft-Markt und verhandelte den Signing Bonus für den ein oder anderen Superstar von heute. Auch bei den Diamondbacks scheute er nicht davor zurück, große Summen für die Verpflichtung von Nachwuchsspieler zu bewilligen. So geschehen 2005, als er über 6 Millionen $ für Justin Upton locker machte. Ein Grund für die Misere der Padres ist u.a., dass sie zu wenig eigene Talente aus dem Farm System in die Major Leagues gebracht haben. Moorad hat bewiesen, dass dies aber für eine Mannschaft mit eher bescheidenem Budget der sinnvollste Weg ist, eine gute Mannschaft aufzubauen. Im kommenden Juni, wo die Padres den 3. Pick haben, werden also größere Ausgaben als in den Jahren unter Moores zu erwarten sein.

So wie ich die Lage beurteilen kann, können sich die San Diego Padres glücklich über ihren neuen Eigentümer schätzen. Moorad weiß, wie man ein Team aus dem Schlamassel ziehen kann und bringt außerdem die richtige Eigentümer-Philosophie mit nach San Diego. Der Abwärtstrend ist zunächst einmal gestoppt. Allerdings sind die Padres in den letzten Monaten so tief gefallen, dass es ein langer und beschwerlicher Weg zurück in die Höhenregionen der NL West werden wird – selbst mit Jeff Moorad.

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.