Im Westen was Neues - Vom Agenten zum Eigentümer
Eine kuriose Entwicklung der Besitzverhältnisse macht in der NL West derzeit Schlagzeilen. Jeff Moorad, vormals Spieleragent, später CEO und Miteigentümer der Arizona Diamondbacks, hat sich dazu entschieden, den Verein zu wechseln und schickt sich an, ausgerechnet den Division-Rivalen San Diego Padres als Eigentümer zu übernehmen. Nach Monaten des freien Falls bedeutet dies für die Padres die erste gute Nachricht seit langer Zeit. Den Diamondbacks hingegen geht ausgerechnet die Person verloren, der es 2004 gelang, den Verein geschickt aus seinen finanziellen Nöten zu manövrieren.
Jeff Moorad kann wohl eine der erstaunlichsten Karrieren des gesamten
Baseballzirkus' vorweisen. Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollege,
die ihr Geld mit Öl, Immobilien oder anderen schmutzigen Geschäften
gemacht haben, stammt Moorads Vermögen ausschließlich aus den Gagen,
die er für die Vermittlung von Spielerverträgen erhalten hat. Zusammen
mit seinem Partner Leigh Steinberg gründete Moorad Mitte der 80er eine
eigene Sportagentur. Schnell wurden die beiden zum mächtigsten
Agenten-Duo des Sports. Steinberg handelte Verträge für Football-Stars
wie Troy Aikman und Steve Young aus, Moorad zog die Strippen für
MLB-Größen wie Will Clark, Pudge Rodriguez, Shawn Green oder Mo
Vaughn. Sein Meisterstück lieferte Moorad ab, als er 2000 den
Monster-Deal von Manny Ramirez mit den Red Sox über die Bühne brachte.
In den 18 Jahren ihrer gemeinsamen Tätigkeit handelten Steinberg und
Moorad Verträge im Wert von 3 Milliarden Dollar aus. Dass von dieser
unglaublichen Summe auch ein paar Dollar für das Agenten-Duo übrig
geblieben sind, dürfte jedem klar sein.
2004 suchte sich Moorad dann eine neue Herausforderung. Er tat einen
ungewöhnlichen Schritt, indem er in die Sphären derer wechselte, mit
denen er zuvor jahrelang mühselige Verhandlungen führen musste. Der
Wechsel vom Agenten zum Eigentümer sorgte für einigen Wirbel, letztlich
brachte ihm sein guter Ruf allerdings die Genehmigung seitens der Liga,
als Teilhaber und CEO bei den Arizona Diamondbacks einzusteigen. Moorad
fand an seiner neuen Wirkungsstätte ein Team vor, das sich in desolater
finanzieller Verfassung befand. Die Diamondbacks hatten sich mit einem
kostspieligen Team, das 2001 die World Series gewann, schlichtweg
übernommen und standen kurz vorm finanziellen Kollaps. Moorad schaffte
es jedoch, das Team wieder auf solidere Beine zu stellen. Von teuren
Free Agents ließ man in der Folge zumeist die Finger weg – das
Russ-Ortiz-Fiasko hier einmal ausgenommen -, was sich als erfolgreiche
Strategie für ein „Small-Market-Team“ wie die Arizona Diamondbacks
herausstellen sollte. Wenn Moorad die Diamondbacks jetzt verlässt, gilt
er nicht ohne Grund als der maßgebliche Architekt einer Mannschaft, die
in den vergangenen beiden Jahren wieder erfolgreichen Baseball gespielt
und dabei fast ausschließlich auf günstige, dem eigenen Farm System
entstammende Spieler vertraut hat.
Der Wechsel nach San Diego ist nun ein weiterer, beinahe zwangsläufiger
Schritt nach oben auf der Karriereleiter des zielstrebigen Jeff Moorad.
Während er in Arizona nur mit etwa 20 % am Verein beteiligt war, kann
er sich berechtigte Hoffnungen machen, bei den Padres neuer
Mehrheitseigner zu werden. Die Situation, die er in San Diego
vorfindet, dürfte ihn dabei an seine Anfangszeit bei den Diamondbacks
erinnern. Der Verein befindet sich im Keller der Division mit wenig
Hoffnung auf einen raschen Aufstieg. Der monatelange Scheidungszwist
zwischen John und Becky Moores, die jeweils 45 % des Teams besitzen,
ließ die Padres orientierungslos durch das Baseball-Universum segeln
und führte dazu, dass radikale Sparmaßnahmen notwendig wurden. Selbst
für einen der verdientesten Padres der letzten 20 Jahre, Trevor
Hoffman, konnte man nicht mehr als 4 Millionen $ freimachen. Mit der
Lösung der Eigentümerfrage lösen sich die Probleme der Friars zwar
nicht in Luft auf, doch Moorad wird dem leidgeprüften Verein neue
Stabilität geben.
Aber wie wird sich die „Casa Moorad“ nun konkret auf die Zukunft der
Padres auswirken? Erst einmal muss er natürlich die Rechte an den
Padres erwerben, was wohl in den nächsten Wochen geschehen wird. Wenn
Moorad seinen neuen Einfluss dann geltend machen kann, wäre er für
meine Begriffe gut damit beraten, das nötige Geld locker zu machen, um
Jake Peavy zu halten. Nachdem man in den letzten Wochen sowieso nur
noch wenig über einen möglichen Trade von Peavy gehört hat, dürften
sich die Chancen, dass der Star-Pitcher 2009 für ein Team aufläuft, das
nicht San Diego Padres heißt, weiter verringert haben. Ich denke, dass
Moorad es in San Diego wie zu seiner Zeit bei den Diamondbacks machen
wird, wo er eine schlagkräftige Mannschaft rund um den besten Pitcher,
Brandon Webb, aufgebaut hat. Ein weiteres Feld, auf dem er sich
engagieren wird, ist der jährliche Draft. Schon als Spieleragent war
Moorad sehr aktiv auf dem Draft-Markt und verhandelte den Signing Bonus
für den ein oder anderen Superstar von heute. Auch bei den Diamondbacks
scheute er nicht davor zurück, große Summen für die Verpflichtung von
Nachwuchsspieler zu bewilligen. So geschehen 2005, als er über 6
Millionen $ für Justin Upton locker machte. Ein Grund für die Misere
der Padres ist u.a., dass sie zu wenig eigene Talente aus dem Farm
System in die Major Leagues gebracht haben. Moorad hat bewiesen, dass
dies aber für eine Mannschaft mit eher bescheidenem Budget der
sinnvollste Weg ist, eine gute Mannschaft aufzubauen. Im kommenden
Juni, wo die Padres den 3. Pick haben, werden also größere Ausgaben als
in den Jahren unter Moores zu erwarten sein.
So wie ich die Lage beurteilen kann, können sich die San Diego Padres
glücklich über ihren neuen Eigentümer schätzen. Moorad weiß, wie man
ein Team aus dem Schlamassel ziehen kann und bringt außerdem die
richtige Eigentümer-Philosophie mit nach San Diego. Der Abwärtstrend
ist zunächst einmal gestoppt. Allerdings sind die Padres in den letzten
Monaten so tief gefallen, dass es ein langer und beschwerlicher Weg
zurück in die Höhenregionen der NL West werden wird – selbst mit Jeff
Moorad.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

