Im Westen was Neues - Ein einfaches Rennen
Seit mehreren Wochen schon befinden sich die Arizona Diamondbacks und Los Angeles Dodgers in einem beinahe toten Rennen um den Divisions-Titel. Die Führung beträgt selten mehr als ein Spiel, so dass ein spannender September-Endspurt so gut wie garantiert ist. Ich werde heute auf zwei Faktoren eingehen, die letztlich entscheiden könnten, welches der beiden Teams in die Playoffs einzieht und welches sich gleich nach Ende der regulären Saison in die Ferien verabschieden kann. Bei diesen Faktoren handelt es sich zum einen um das Restprogramm, zum anderen um die mentale Fitness der Teams.
Was steht und noch bevor?
Das Restprogramm der beiden Teams beinhaltet noch sechs direkte
Vergleiche. Drei davon finden in Arizona statt, die anderen drei in Los
Angeles. In diesen Spielen könnte sich eines der Teams einen richtigen
Vorsprung herausarbeiten. Da aber viel wahrscheinlicher ist, dass bei
der Ausgeglichenheit der D-Backs und Dodgers, die sich schon die
gesamte Saison zeigt, die Siege in den restlichen Spielen geteilt
werden, kommt es auf die Spiele gegen die anderen Mannschaften an. Die
nackten Zahlen zeigen uns, dass Arizonas Gegner eine durchschnittliche
Winning Percentage von 0.47 haben, die Gegner der Dodgers von nur 0.394.
Die Diamondbacks haben da also wohl das schwierigere von zwei relativ
einfachen Losen gezogen. Zwar sind nur neun ihrer restlichen 36 Spiele
gegen Teams, die ebenfalls noch voll im Playoffrennen sind. Vor allem
aber die sechs Spiele gegen die Cardinals sind ein echt Gradmesser.
Besonders schwierig wird die Vier-Spiele-Serie in St. Louis Ende
September. Niemand spielt so wirklich gerne dort, vor allem dann, wenn
es für die Cardinals noch um alles geht und die Fans den Ballpark zum
Hexenkessel werden lassen.
Nur den September betrachtet haben die Dodgers den einfacheren
Spielplan. Im letzten Monat der Saison spielen sie – von Arizona
abgesehen – ausschließlich gegen Teams mit einer negativen Bilanz. Neun
Spiele gegen die San Diego Padres hören sich auf dem Blatt wie ein
klarer Vorteil der Dodgers an. Man kann aber davon ausgehen, dass die
Padres in diesen Spielen noch einmal alle Kräfte mobilisieren werden,
um ihren Rivalen aus dem Süden Kaliforniens einen Strich durch die
Playoff-Rechnung zu machen.
Der richtige Härtetest kommt für die Dodgers schon im August. Zehn
Auswärtsspiele in Folge erwarten das Team, darunter Begegnungen bei den
Phillies und Diamondbacks. Es ist der wichtigste Road-Trip der Saison,
bei dem man sich keine großen Schwächen leisten darf. Drei
Auswärtsspiele mit besondere Brisanz stehen den Dodgers auch noch am
letzten Saisonwochenende bevor, wenn es in San Francisco gegen den
großen Rivalen, die Giants, geht. Was wäre das für eine Krönung der
ersten 50 Jahre beider Teams in Kalifornien, wenn es im letzten Spiel
der Saison für die Dodgers noch um alles ginge.
Kopfprobleme?
Zwei Spiele haben die Dodgers also Rückstand auf die Diamondbacks. Ein
unnötiger Rückstand, denn mindestens dreiSpiele der letzten 10 Tage
haben sie durch auffällige Unkonzentriertheiten verloren, andere
dadurch in Gefahr gebracht.
Rückblende. Vor zehn Tagen hatten die Dodgers in San Francisco im 3.
Spiel der Serie die Möglichkeit, die Serie für sich zu entscheiden. Im
10. Inning gingen sie in Führung, doch danach ging es steil abwärts.
Die Giants schlugen in der unteren Hälfte des Innings nur einen Ball
aus dem Infield, schafften es aber begünstigt durch die
Feldverteidigung der Dodgers, zwei Runs ins Ziel zu bringen. Casey
Blake bekam einen einfachen Groundball nicht zu fassen, das Middle
Infield konnte einen routinemäßigen Double-Play-Ball nicht verwerten.
Das Spiel war verloren. Was diesen Kollaps noch viel ärgerlicher
machte: nur einen Tag zuvor erlebte das Team im 9. Inning ein ähnliches
Debakel, als sie ein Error von Closer Jonathan Broxton den Sieg
kostete.
Auch gestern Nacht im Spiel gegen die Rockies schadete sich das Team
mit mentalen Aussetzern wieder selber. Vier Errors brachten den Gegner
wieder ins Spiel zurück und schenkten Colorado praktisch den Sieg. Ich
will natürlich nicht sagen, dass Errors nicht sein dürfen. Sie gehören
zum Spiel dazu, passieren immer wieder und müssen einkalkuliert werden.
Die Häufung an Fehlern, die bei den Dodgers in letzter Zeit zu
beobachten ist, ist aber ungewöhnlich, zumal man in einem solch engen
Rennen immer volle Konzentration erwarten muss. Dies ist sicherlich ein
Problem, an dem Joe Torre mit seinen Spielern arbeiten muss. Immer
100%ig wach sein, nie ein Spiel zu früh als gewonnen abhaken. Der Kopf
kann vieles entscheiden. Vielleicht auch, ob die Dodgers in die
Playoffs einziehen.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

