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Im Westen was Neues - Ein einfaches Rennen

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 21. August 2008
 

Seit mehreren Wochen schon befinden sich die Arizona Diamondbacks und Los Angeles Dodgers in einem beinahe toten Rennen um den Divisions-Titel. Die Führung beträgt selten mehr als ein Spiel, so dass ein spannender September-Endspurt so gut wie garantiert ist. Ich werde heute auf zwei Faktoren eingehen, die letztlich entscheiden könnten, welches der beiden Teams in die Playoffs einzieht und welches sich gleich nach Ende der regulären Saison in die Ferien verabschieden kann. Bei diesen Faktoren handelt es sich zum einen um das Restprogramm, zum anderen um die mentale Fitness der Teams.


Was steht und noch bevor?

Das Restprogramm der beiden Teams beinhaltet noch sechs direkte Vergleiche. Drei davon finden in Arizona statt, die anderen drei in Los Angeles. In diesen Spielen könnte sich eines der Teams einen richtigen Vorsprung herausarbeiten. Da aber viel wahrscheinlicher ist, dass bei der Ausgeglichenheit der D-Backs und Dodgers, die sich schon die gesamte Saison zeigt, die Siege in den restlichen Spielen geteilt werden, kommt es auf die Spiele gegen die anderen Mannschaften an. Die nackten Zahlen zeigen uns, dass Arizonas Gegner eine durchschnittliche Winning Percentage von 0.47 haben, die Gegner der Dodgers von nur 0.394.

Die Diamondbacks haben da also wohl das schwierigere von zwei relativ einfachen Losen gezogen. Zwar sind nur neun ihrer restlichen 36 Spiele gegen Teams, die ebenfalls noch voll im Playoffrennen sind. Vor allem aber die sechs Spiele gegen die Cardinals sind ein echt Gradmesser. Besonders schwierig wird die Vier-Spiele-Serie in St. Louis Ende September. Niemand spielt so wirklich gerne dort, vor allem dann, wenn es für die Cardinals noch um alles geht und die Fans den Ballpark zum Hexenkessel werden lassen.

Nur den September betrachtet haben die Dodgers den einfacheren Spielplan. Im letzten Monat der Saison spielen sie – von Arizona abgesehen – ausschließlich gegen Teams mit einer negativen Bilanz. Neun Spiele gegen die San Diego Padres hören sich auf dem Blatt wie ein klarer Vorteil der Dodgers an. Man kann aber davon ausgehen, dass die Padres in diesen Spielen noch einmal alle Kräfte mobilisieren werden, um ihren Rivalen aus dem Süden Kaliforniens einen Strich durch die Playoff-Rechnung zu machen.

Der richtige Härtetest kommt für die Dodgers schon im August. Zehn Auswärtsspiele in Folge erwarten das Team, darunter Begegnungen bei den Phillies und Diamondbacks. Es ist der wichtigste Road-Trip der Saison, bei dem man sich keine großen Schwächen leisten darf. Drei Auswärtsspiele mit besondere Brisanz stehen den Dodgers auch noch am letzten Saisonwochenende bevor, wenn es in San Francisco gegen den großen Rivalen, die Giants,  geht. Was wäre das für eine Krönung der ersten 50 Jahre beider Teams in Kalifornien, wenn es im letzten Spiel der Saison für die Dodgers noch um alles ginge.

Kopfprobleme?

Zwei Spiele haben die Dodgers also Rückstand auf die Diamondbacks. Ein unnötiger Rückstand, denn mindestens dreiSpiele der letzten 10 Tage haben sie durch auffällige Unkonzentriertheiten verloren, andere dadurch in Gefahr gebracht.

Rückblende. Vor zehn Tagen hatten die Dodgers in San Francisco im 3. Spiel der Serie die Möglichkeit, die Serie für sich zu entscheiden. Im 10. Inning gingen sie in Führung, doch danach ging es steil abwärts. Die Giants schlugen in der unteren Hälfte des Innings nur einen Ball aus dem Infield, schafften es aber begünstigt durch die Feldverteidigung der Dodgers, zwei Runs ins Ziel zu bringen. Casey Blake bekam einen einfachen Groundball nicht zu fassen, das Middle Infield konnte einen routinemäßigen Double-Play-Ball nicht verwerten. Das Spiel war verloren. Was diesen Kollaps noch viel ärgerlicher machte: nur einen Tag zuvor erlebte das Team im 9. Inning ein ähnliches Debakel, als sie ein Error von Closer Jonathan Broxton den Sieg kostete.

Auch gestern Nacht im Spiel gegen die Rockies schadete sich das Team mit mentalen Aussetzern wieder selber. Vier Errors brachten den Gegner wieder ins Spiel zurück und schenkten Colorado praktisch den Sieg. Ich will natürlich nicht sagen, dass Errors nicht sein dürfen. Sie gehören zum Spiel dazu, passieren immer wieder und müssen einkalkuliert werden. Die Häufung an Fehlern, die bei den Dodgers in letzter Zeit zu beobachten ist, ist aber ungewöhnlich, zumal man in einem solch engen Rennen immer volle Konzentration erwarten muss. Dies ist sicherlich ein Problem, an dem Joe Torre mit seinen Spielern arbeiten muss. Immer 100%ig wach sein, nie ein Spiel zu früh als gewonnen abhaken. Der Kopf kann vieles entscheiden. Vielleicht auch, ob die Dodgers in die Playoffs einziehen.

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.