Im Westen was Neues - Aus dem Nichts
Die San Diego Padres, San Francisco Giants und Colorado Rockies haben zusammen eine Bilanz von nur 151 Siegen bei satten 213 Niederlagen. Da liegt es in der Natur der Sache, dass die negativen Momente bei diesen Teams überwiegen. Aber selbst in der schlechtesten Saison gibt es in jedem Verein Lichtblicke. Und zwar in Form von unerwartet guten Leistungen unbekannter Spieler, die Managment und Fans Hoffnung für die Zukunft geben. Heute werfen wir wir einen Blick auf eben solche Spieler, die sich durch sehr respektable Leistungen zumindest in ein kleines Rampenlicht gespielt haben.
Jody Gerut, Outfielder, San Diego Padres
Jody Gerut verkörpert den typischen Kevin Towers-Einkauf. Das erste Mal
erblickte er 2003 das Licht der Big Leagues. Nach einer guten
Rookiesaison mit 22 Homeruns und 75 RBI, in der er sogar vor Mark
Teixeira in der Rookie of the Year-Wahl landete, verschwand er aber
lange Zeit unterm Radar. Er verbrachte mehrere Jahre in den Minor
Leagues mit wenig Hoffnung auf ein großes Comeback. Die letzten zwei
Jahre verpasste er wegen einer Knieverletzung. Mit dieser Geschichte
passte er perfekt ins Beuteschema von General Manager Towers, der immer
wieder auf der Suche ist nach günstigen Spielern, die der Rest der Liga
abgeschrieben hat. Meistens gehen diese Risiko-Transaktionen schief,
doch mit Gerut landete er anscheinend einen Volltreffer.
Nach dem Abgang von Mike Cameron und dem Jim Edmonds-Desaster im
Centerfield haben die Padres nun einen guten Offensivspieler mit
soliden Defensivqualitäten gefunden. Die Centerfield-Position ist dank
Geruts guten Leistungen – er schlägt in dieser Saison .289 bei 12
Homeruns – zu einer der wenigen offensiven Pluspunkte der Padres
geworden. Zwar ist Gerut schon 30 Jahre alt. Wenn seine Gesundheit
mitspielt, dürfte er aber noch einige gute Jahre in den Major Leagues
vor sich haben. Nach der Saison ist er Free Agent, Gerut hat aber schon
Interesse an einer Verlängerung seines Gastspiels in San Diego
bekundet. Die Padres, deren Zukunft im Moment recht düster aussieht,
würden gut daran tun, ihm einen neuen Vertrag anzubieten.
Taylor Buchholz, Pitcher, Colorado Rockies
Gerade einmal 399 000 Dollar müssen die Rockies in diesem Jahr an
Taylor Buchholz überweisen. Keine schlechte Investition, wenn man
bedenkt, dass der 26-Jährige anno 2008 der beste Relief-Pitcher des
Teams ist. Nach unspektakulären Jahren im Minor-League-System der
Phillies gab er sein Big League-Debüt für die Houston Astros. Als
Starting Pitcher machte er sich dort aber nur unter gegnerischen
Schlagmännern Freunde, weil man auf seine Pitches so gut Homeruns
schlagen konnte. Als quasi-gescheitertes Prospect kam er dann im
vergangenen Jahr nach Colorado. Wegen akuter Schwächen im Bullpen fand
sich Buchholz in diesem Jahr als Middle Reliever wieder. Er machte
seinen Job so gut, dass Manager Clint Hurdle ihn jetzt immer häufiger
auch in engen Spielsituationen auf den Mound schickt.
Die Statistiken sprechen für Buchholz. Dank eines flotten Fastballs und
scharfen Curveballs hält er seine Gegner bei einem Schlagdurchschnitt
von mageren .176. Außerdem hat er den niedrigsten ERA (1.66) und WHIP,
also durchschnittlich abgegebene Walks und Hits pro Inning, des
gesamten Pitching-Staffs der Rockies. Schon überlegt man in der
Führungsetage der Rockies, ob man wegen der Schwäche der Starting
Pitcher Buchholz wieder in die Rotation zurück beordern soll.
Wahrscheinlicher ist aber, dass er im Bullpen bleibt, vielleicht sogar
schon als Closer im nächsten Jahr, denn der Vertrag von Brian Fuentes
läuft nach diesem Jahr aus. Das Potential, ein starker Closer zu
werden, hat Buchholz auf jeden Fall.
Fred Lewis, Oufielder, San Francisco Giants
Es hat lange für Fred Lewis gedauert, bis er so richtig in den Major
Leagues angekommen ist. Erst mit 27 Jahren bekam Lewis die Chance, sich
als feste Größe im Team der Giants zu etablieren. Das hatte zwei
Gründe: zum einen war das Left Field der Giants über Jahre von einem
gewissen Barry Bonds blockiert, so dass es wenig Einsatzchancen für
Prospects gab (ab und zu ein Inning als Defensiversatz für Bonds zählt
hier nicht). Außerdem spielte Lewis in seiner Zeit an der Southern
University hauptsächlich Football, so dass der Zweitrunden-Pick des
Jahres 2002 eine Weile für seine Entwicklung als Baseballspieler
brauchte. 2008 scheint aber nun das Jahr des Fred Lewis' zu sein. In
einem schwachen Giants-Team hat sich Lewis inzwischen als
Führungsspieler etabliert. Lewis ist schnell (bisher 20 Stolen Bases),
kann Homeruns schlagen und hat ein gutes Gefühl für die Strikezone.
Eigentlich alles Eigenschaften eines guten Leadoff-Hitters. Die Giants
sehen in Lewis allerdings das Potential, dauerhaft in der Mitte der
Schlagorder zu stehen. Daher testen sie ihn momentan auf den
Schlagpositionen 3 und 5. Dafür muss er aber einen besseren
Power-Schwung entwickeln, denn die bisherigen neun Homeruns in diesem
Jahr sind dafür ein bisschen zu wenig.
Als so genannter late bloomer, hat sich Lewis in seiner ersten Saison
als guter Major League-Outfielder etabliert, in dem immer noch
Entwicklungsmöglichkeiten stecken. Mit 27 Jahren von vielen als zu alt
für einen Neuling eingeschätzt, hat Lewis bewiesen, dass auch Spieler
mit einer längeren Entwicklungskurve Starpotential besitzen.
Zum Schluss noch ein Lese-Tipp. Auf ESPN war vor einigen Tagen ein sehr interessanter Artikel über einen bewegenden Moment in Fred Lewis' Vergangenheit zu lesen. Wer noch nicht hereingeschaut hat, für den hier der Link.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

