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Im Westen was Neues - Aus dem Nichts

 
Autor: Christoph May Freitag, 15. August 2008
 

Die San Diego Padres, San Francisco Giants und Colorado Rockies haben zusammen eine Bilanz von nur 151 Siegen bei satten 213 Niederlagen. Da liegt es in der Natur der Sache, dass die negativen Momente bei diesen Teams überwiegen. Aber selbst in der schlechtesten Saison gibt es in jedem Verein Lichtblicke. Und zwar in Form von unerwartet guten Leistungen unbekannter Spieler, die Managment und Fans Hoffnung für die Zukunft geben. Heute werfen wir wir einen Blick auf eben solche Spieler, die sich durch sehr respektable Leistungen zumindest in ein kleines Rampenlicht gespielt haben.


Jody Gerut, Outfielder, San Diego Padres


Jody Gerut verkörpert den typischen Kevin Towers-Einkauf. Das erste Mal erblickte er 2003 das Licht der Big Leagues. Nach einer guten Rookiesaison mit 22 Homeruns und 75 RBI, in der er sogar vor Mark Teixeira in der Rookie of the Year-Wahl landete, verschwand er aber lange Zeit unterm Radar. Er verbrachte mehrere Jahre in den Minor Leagues mit wenig Hoffnung auf ein großes Comeback. Die letzten zwei Jahre verpasste er wegen einer Knieverletzung. Mit dieser Geschichte passte er perfekt ins Beuteschema von General Manager Towers, der immer wieder auf der Suche ist nach günstigen Spielern, die der Rest der Liga abgeschrieben hat. Meistens gehen diese Risiko-Transaktionen schief, doch mit Gerut landete er anscheinend einen Volltreffer.
Nach dem Abgang von Mike Cameron und dem Jim Edmonds-Desaster im Centerfield haben die Padres nun einen guten Offensivspieler mit soliden Defensivqualitäten gefunden. Die Centerfield-Position ist dank Geruts guten Leistungen – er schlägt in dieser Saison .289 bei 12 Homeruns – zu einer der wenigen offensiven Pluspunkte der Padres geworden. Zwar ist Gerut schon 30 Jahre alt. Wenn seine Gesundheit mitspielt, dürfte er aber noch einige gute Jahre in den Major Leagues vor sich haben. Nach der Saison ist er Free Agent, Gerut hat aber schon Interesse an einer Verlängerung seines Gastspiels in San Diego bekundet. Die Padres, deren Zukunft im Moment recht düster aussieht, würden gut daran tun, ihm einen neuen Vertrag anzubieten.

Taylor Buchholz, Pitcher, Colorado Rockies


Gerade einmal 399 000 Dollar müssen die Rockies in diesem Jahr an Taylor Buchholz überweisen. Keine schlechte Investition, wenn man bedenkt, dass der 26-Jährige anno 2008 der beste Relief-Pitcher des Teams ist. Nach unspektakulären Jahren im Minor-League-System der Phillies gab er sein Big League-Debüt für die Houston Astros. Als Starting Pitcher machte er sich dort aber nur unter gegnerischen Schlagmännern Freunde, weil man auf seine Pitches so gut Homeruns schlagen konnte. Als quasi-gescheitertes Prospect kam er dann im vergangenen Jahr nach Colorado. Wegen akuter Schwächen im Bullpen fand sich Buchholz in diesem Jahr als Middle Reliever wieder. Er machte seinen Job so gut, dass Manager Clint Hurdle ihn jetzt immer häufiger auch in engen Spielsituationen auf den Mound schickt.
Die Statistiken sprechen für Buchholz. Dank eines flotten Fastballs und scharfen Curveballs hält er seine Gegner bei einem Schlagdurchschnitt von mageren .176. Außerdem hat er den niedrigsten ERA (1.66) und WHIP, also durchschnittlich abgegebene Walks und Hits pro Inning, des gesamten Pitching-Staffs der Rockies. Schon überlegt man in der Führungsetage der Rockies, ob man wegen der Schwäche der Starting Pitcher Buchholz wieder in die Rotation zurück beordern soll. Wahrscheinlicher ist aber, dass er im Bullpen bleibt, vielleicht sogar schon als Closer im nächsten Jahr, denn der Vertrag von Brian Fuentes läuft nach diesem Jahr aus. Das Potential, ein starker Closer zu werden, hat Buchholz auf jeden Fall.

Fred Lewis, Oufielder, San Francisco Giants

Es hat lange für Fred Lewis gedauert, bis er so richtig in den Major Leagues angekommen ist. Erst mit 27 Jahren bekam Lewis die Chance, sich als feste Größe im Team der Giants zu etablieren. Das hatte zwei Gründe: zum einen war das Left Field der Giants über Jahre von einem gewissen Barry Bonds blockiert, so dass es wenig Einsatzchancen für Prospects gab (ab und zu ein Inning als Defensiversatz für Bonds zählt hier nicht). Außerdem spielte Lewis in seiner Zeit an der Southern University hauptsächlich Football, so dass der Zweitrunden-Pick des Jahres 2002 eine Weile für seine Entwicklung als Baseballspieler brauchte. 2008 scheint aber nun das Jahr des Fred Lewis' zu sein. In einem schwachen Giants-Team hat sich Lewis inzwischen als Führungsspieler etabliert. Lewis ist schnell (bisher 20 Stolen Bases), kann Homeruns schlagen und hat ein gutes Gefühl für die Strikezone. Eigentlich alles Eigenschaften eines guten Leadoff-Hitters. Die Giants sehen in Lewis allerdings das Potential, dauerhaft  in der Mitte der Schlagorder zu stehen. Daher testen sie ihn momentan auf den Schlagpositionen 3 und 5.  Dafür muss er aber einen besseren Power-Schwung entwickeln, denn die bisherigen neun Homeruns in diesem Jahr sind dafür ein bisschen zu wenig.
Als so genannter late bloomer,  hat sich Lewis in seiner ersten Saison als guter Major League-Outfielder etabliert, in dem immer noch Entwicklungsmöglichkeiten stecken. Mit 27 Jahren von vielen als zu alt für einen Neuling eingeschätzt, hat Lewis bewiesen, dass auch Spieler mit einer längeren Entwicklungskurve Starpotential besitzen.

Zum Schluss noch ein Lese-Tipp. Auf ESPN war vor einigen Tagen ein sehr interessanter Artikel über einen bewegenden Moment in Fred Lewis' Vergangenheit zu lesen. Wer noch nicht hereingeschaut hat, für den hier der Link.

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.