Im Westen was Neues - Manny und die Dodgers
In meiner letzten Kolumne sah ich die Dodgers als leichten Favoriten im Rennen um den Titel im Westen. Eine Woche später hat sich an der Favoritenrolle an sich wenig geändert. Außer, dass die Dodgers mit einem einzigen Trade plötzlich nicht nur der eindeutige Titelaspirant in der NL West geworden sind, sondern auch als heißer Tipp im „Pennant-Race“ der National League gelten. Ein einziger Spieler macht's möglich, und der heißt Manny Ramirez.
Eigentlich hätten die Arizona Diamondbacks am gestrigen Abend allen
Grund zur Freude gehabt. Durch eine wieder einmal starke Vorstellung
von Brandon Webb sicherten sie sich den Sieg im ersten Spiele der
Vierer-Serie bei den Los Angeles Dodgers. Damit beträgt ihr Vorsprung
vor den Dodgers in der National League West nun zwei Spiele. Doch eine
Nachricht von der Trade-Front dürfte den D-Backs die Laune gründlich
vermiest haben. Selbst waren sie nicht in der Lage, vor dem Ende der
Trade-Deadline eine Verstärkung für die Offense zu verpflichten. Mark
Teixeira, der ganz oben auf ihrer Liste stand, spielt nun in Los
Angeles, bei den Angels versteht sich. Was das Ganze für Arizona jetzt
noch viel schlimmer macht: ihr direkter Konkurrent im Westen, die L.A.
Dodgers, verstanden es, rechtzeitig für die nötige offensive Schubkraft
vor der heißen Phase der Saison zu sorgen.
Man kann GM Ned Colletti nur gratulieren, denn mit der Verpflichtung
von Ramirez ist ihm ein wahrer Coup gelungen – zugleich auch der erste
seines Lebens, wie einige seine Kritiker behaupten werden. Einen Manny
Ramirez nach Hollywood zu lotsen kann man dann aber tatsächlich als
Triumph des viel gescholtenen Managers bezeichnen. Denn der Trade mit
den Boston Red Sox und Pittsburgh Pirates, der die Dodgers die beiden
Talente Andy LaRoche und Bryan Morris kostet, verändert die
Ausgangslage in der Division ganz elementar. Mit Ramirez haben die
Dodgers endlich einen echten Slugger, der die ohnehin im Aufwind
begriffene Dodgers-Offensive ungleich gefährlicher macht. So einen wie
Manny Ramirez haben sie schon vor der Saison gesucht. Sie entschieden
sich für Andruw Jones, was, so viel kann man nach vier Monaten in
dieser Saison schon sagen, die falsche Entscheidung war. Umso besser
für die Dodgers, dass man in Boston den streitbaren Ramirez unbedingt
los werden wollte und bereit war, ihn selbst zu ungünstigen Konditionen
abzugeben. So ist es nun geschehen, dass die Dodgers nicht einmal die
in dieser Saison noch fälligen 7 Millionen Dollar auf Mannys Konto
überweisen müssen. Das machen glücklicherweise die Red Sox.
Also alles Colletti in L.A.? Nicht ganz, denn der Trade hat auch seine
Schattenseiten. Manny Ramirez wird nur zwei Monate (plus möglicherweise
einige Wochen mehr) bei den Dodgers spielen. Nach dieser Saison wird er
sich einen neuen Verein suchen und es ist nicht zu erwarten, dass sich
die Dodgers einen hoch dotierten Vertrag für ihn leisten können. Die
Dodgers setzen also alles auf die Karte 2008. Es ist eher
unwahrscheinlich, dass sie in den nächsten Jahren den Titel holen, wenn
sie es dieses Jahr selbst mit Manny Ramirez nicht schaffen sollten. Der
Druck ist nun enorm gestiegen, dieses Jahr weit zu kommen. Klar, der
Trade ist ohne Zweifel eins sehr guter. Das abschließende Urteil
darüber kann man allerdings erst nach der Saison fällen. Wenn die
Dodgers tief in die Playoffs vorstoßen, ist Colletti ein Genie. Wenn
sie aber früh ausscheiden oder die Postseason erst gar nicht erreichen,
ist er der Depp von ganz Los Angeles, der zwei Talente für nichts
Zählbares abgegeben hat. Man darf bei den Dodgers jetzt auf keinen Fall
leichtfertig werden und denken, man hätte den Titel schon in der
Tasche. Die Diamondbacks sind sicher durch den Trade noch motivierter
und wollen beweisen, dass sie die Dodgers auch mit Manny Ramirez
schlagen können.
Bill Plaschke hat in der L.A. Times heute darauf hingewiesen, dass die
Dodgers für Manny fast nichts ausgeben mussten. Das ist für meine
Begriffe ein wenig voreilig geurteilt. Natürlich spielt Andy LaRoche
keine besonders gute Saison. Aber eines ist auch klar: er war nicht
umsonst in den letzten Jahren auf allen Prospect-Listen ganz oben zu
finden. Trotzt der schlechten Satistiken. LaRoche ist 1.) erst 24 Jahre
alt und hat 2.) auf allen Minor-League-Leveln sehr gute Leistungen
gezeigt. Er hat ein gutes Gefühl für die Strike-Zone (wie anders lässt
sich eine On-Base-Percentage von über .300 bei einem Schlagdurchschnitt
von .203 erklären?) und könnte sich immer noch zu einem sehr guten
Hitter entwickeln. Mit Bryan Morris hat man dazu noch einen guten
Nachwuchspitcher abgegeben. Insofern hat Colletti erneut das Farm
System der Dodgers geschwächt und verfolgt weiterhin den Kurs, den er
im „Pre-2008 San Francisco Giants Book of Managing“ gelernt hat, als er
noch unter Brian Sabean Assistenzmanager der Giants war. Das Farm
System ist demnach nur eine Art Kleinteillager, das man zum Eintausch
gegen alte, aber schon zusammengesetzte Maschinen nutzt.
Zudem hat der General Manager seinen Trainer vor eine schwierige
Aufgabe gestellt. Vor einem Jahr noch tätig als Trainer des erbitterten
Rivalen von Mannys Red Sox, muss Torre nun selbst mit dem schwierigen
Charakter von Ramirez als Trainer klar kommen. Außerdem stehen ihm nun
verschiedene Möglichkeiten offen, wie er sein Outfield aufstellt. Ein
rationaler Mensch würde von links nach rechts Ramirez, Kemp und Ethier
spielen lassen. Allerdings hätte er dann mit Jones und Juan Pierre zwei
Reserve-Outfielder auf der Bank, die zusammen mehr als das ganze Team
der Florida Marlins verdienen. Colletti hat Joe Torre also vor eine
delikate Aufgabe gestellt. Es wird spannend zu sehen sein, wie Torre
diese löst.
Nun aber genug mit der Kritik. Fürs Erste wollen wir Ned Colletti
seinen Ruhm gönnen. Ihm ist ja schließlich ein guter Trade gelungen.
weit vorn sehen könnte. Sicherlich gibt es jetzt erstmal einen Manny Hype in LA. Ich denk den Dbacks
wirds recht sein...weiterhin Außenseiter und die ersten beiden Spiele durch gutes Pitching und
solide Defense knapp gewonnen. Die letzten 5 Spieler dieser beiden Teams wurden jeweils durch einen
Run entschieden. Das wird am Ende ne ganz knappe Sache.
sie einen Manny Ramirez verpflichtet haben, sehe ich da schon einen etwas deutlicheren Unterschied.
Man darf nicht vergessen, dass mit Ramirez der einzige echte Slugger (vielleicht von Holliday und A.
Gonzalez mal abgesehen) in die NL West gekommen ist. Das könnte meiner Meinung nach am Ende schon
einen ziemlichen Unterschied machen. Aber naja, natürlich kann es wie immer im Baseball am Schluss
wieder ganz anders kommen..
Die beiden (Manny und Blake) haben immerhin das Spiel von Gestern durch ihre HR fast alleine
entschieden.
Die Offensive ist auf jeden Fall nun wesentlich stärker. Aber knapp wird es trotzdem bleiben.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.


