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Im Westen was Neues - Ohne Shortstop nichts los

 
Autor: Christoph May Sonntag, 08. Juni 2008
 

Die Position „Shortstop“ war im Baseball viele Jahre lang für Artisten mit dem Handschuh reserviert. Ein akzeptabler Shortstop musste kein überragender, eigentlich nicht einmal ein mittelmäßiger, Schlagmann sein, solange er es zu verhindern wusste, dass die Bälle das Infield verlassen. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass sich Spieler wie Mario Mendoza, nach dem vermutlich die bekannte „Mendoza Line“ benannt ist, in den 70ern und 80ern fast zehn Jahre in den Major Leagues gehalten haben.. Unter die „Mendoza Line“ zu fallen, also einen Average von jämmerlichen unter .200 zu haben, kann sich in modernen Baseball kein Spieler mehr auf Dauer leisten, egal wie gut er defensiv ist.


Heute ist die Position des Shortstops auch eine offensive Position. Troy Tulowitzki und Rafael Furcal stehen für diesen neuen Stil. Sie sind nicht nur talentierte Verteidiger, sondern auch offensive Leader ihrer Teams. Ohne Tulowitzkis 27 Homeruns und 99 RBIs wären die Rockies im vergangenen Jahr niemals in die World Series gelangt. Und ohne Rafael Furcals .367er Schlagdurchschnitt im April wäre die Offense der Dodgers noch lebloser als ohnehin schon gewesen.Wie wichtig beide Spieler für ihre Teams sind, zeigte sich in den vergangenen Wochen. Nämlich in der Zeit, als sie verletzungsbedingt nicht auf dem Feld stehen konnten. Tulowitzki zog sich Ende April eine Oberschenkelverletzung zu, die sich als langwierig entpuppte. Für Furcal war es einige Tage später eine Rückenverletzung, die ihn lahm legte.

Der ohnehin schon nicht sehr gelungene Start in die neue Saison wurde für die Rockies nach „Tulos“ Verletzung noch weiter ausgedehnt und sogar verschlimmert. 11-16 war ihre Bilanz vor seiner Verletzung, also noch nicht aussichtslos. Doch statt des erhofften Aufwärtstrends folgten weitere Niederlagenserien in Abstinenz des Shortstops. Mit 24 Siegen und 38 Niederlagen stehen die Rockies nun ganz am Ende der Division da. Wie wichtig Rafael Furcal als Katalysator der Dodgers-Offense ist, zeigte sich für die Dodgers nach seinem verletzungsbedingten Abgang. Im April waren die Dodgers offensiv noch das sechstbeste Team der Liga mit einem Average von .278. Im Mai, den sie zu weiten Teilen ohne Furcal absolvierten, rutschten sie auf Platz 20 in dieser Kategorie ab und punkteten über 20 Runs weniger. Da zeigt sich mal wieder, was ein starker Leadoff-Hitter für eine Offense so alles bewirken kann. Ob es nun ein Chin-lung Hu und Luis Maza in Los Angeles oder Jonathan Herrera und Omar Quintanilla in Denver waren, die die beiden Stammkräfte vertreten sollten: es gelang bei beiden Teams natürlich nicht. Die Dodgers haben inzwischen den ehemaligen American League Rookie of the Year Angel Berroa von den Royals verpflichtet, der bis zu Furcals Rückkehr als Shortstop in L.A. spielen soll. Aber Berroa hat seit seiner guten Rookie-Saison in Kansas City auch nicht mehr viel geleistet, so dass die Hoffnungen in ihn wohl auch unter Dodgers-Fans nicht unrealistisch groß sind.

Zum Schluss aber das Positive: womöglich müssen die Fans aber nicht mehr allzu lange auf ihre Star-Shortstops warten. Ursprünglich ging man bei Tulowitzki davon aus, dass er mindestens bis zum All-Star-Game fehlen würde. Doch jetzt ging alles schneller. Er wird eventuell schon in der nächsten Woche in den Minor Leagues auflaufen und könnte noch in diesem Monat wieder das Trikot der Rockies tragen. Auch Furcal erholt sich gut. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er am 17. Juni in Cincinatti wieder im Lineup der Dodgers steht. Für die Rockies kommt Tulowitzkis Rückkehr wohl zu spät in einer bisher verkorksten Saison. Denn alleine wird er die Rockies auch nicht aus dem Tabellenkeller schlagen. Für die Dodgers aber könnte Furcals Comeback  wohl gerade rechtzeitig kommen, um einen Angriff auf die erstplatzierten D-Backs zu starten. 

 

 

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.