Im Westen was Neues - Albert, der Schreckliche
Injuries Added to Insult – so titelte heute morgen der San Diego Union-Tribune. Frei könnte man diese Überschrift mit der alten Fußballweisheit „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“ übersetzen. Und genau so stellt sich die momentane Situation der Padres dar. Drei Verletzte innerhalb einer Woche muss das Team beklagen. Gestern verletzten sich gleich zwei Leistungsträger während eines Innings. Schuld daran ist ausgerechnet einer der "nice guys" der Liga: Albert Pujols.
Die Vorzeichen waren ausnahmsweise einmal günstig für die
krisengeschüttelten Padres, als es gestern Abend im PETCO Park gegen
die Cardinals ging. Adrian Gonzalez brachte sein Team per Home Run mit
2:0 in Führung. Außerdem stand mit Chris Young einer der besseren
Pitcher der National League auf dem Mound – das allerdings nur bis zum
dritten Inning, denn dann streckte es ihn brutal nieder. Was war
passiert? Albert Pujols gräbt einen Slider von Young aus und befördert
den Ball gerade in Richtung Outfield – scheinbar! Denn wie gesagt, der
fast 2,10 Meter große Chris Young steht auf dem Hügel. Jedem anderen
Pitcher wäre der wohl Ball locker über den Kopf geflogen, Greg Maddux
hätte den Ball wahrscheinlich nicht einmal erreicht, wenn er mit
gehobenen Armen gesprungen wäre. Doch Young erwischt der Ball mit
voller Wucht. Das Resultat ist ein Nasenbeinbruch und viel Blut rund um
Young und den Mound. Der Heimsender der Padres empfand die Szene sogar
als so erschreckend, dass er seinen Zuschauern keine Bilder zumuten
wollte. Ob Young seinen nächsten Start absolvieren kann (vielleicht mit
Gesichtsmaske á la Rip Hamilton?) oder ob er auf die DL muss, wird sich
wohl erst heute im Laufe des Abends klären. Nach der
Ellenbogen-Verletzung von Cy-Young-Gewinner Jake Peavy wäre es der
nächste Schlag für die Padres in einer Saison, die bisher schon einige
Pleiten und Patten gesehen hat.
Pleiten und Pannen ist also das Stichwort. Und das leitet ganz leicht
uns zu einem weiteren Ereignis über, das noch im gleichen Inning
geschah. Wir erinnern uns: Albert Pujols ist nach seinem „Infield Hit“
auf Base gekommen. Ein paar Batter später befindet er sich nach einem
Single von Troy Glaus auf dem Weg zur Home Plate. Da wartet bereits
Padres-Catcher Josh Bard auf ihn und versucht, mit seinem Fuß die
Platte zu blocken. Jedoch vergeblich, denn Pujols rollt einfach über
ihn weg. Bard knickt dabei unglücklich um und zieht sich eine
Knöchelverletzung zu. Er muss aus dem Spiel und wird den Padres
wahrscheinlich eine Weile fehlen. Auch hier war eine gehörige Portion
Pech dabei. Ausgerechnet gegen den 100-Kilo-Koloss Pujols musste Bard
versuchen, den Run zu verhindern. Das ging natürlich gehörig schief,
denn Pujols nutzte seine Masse, um Bards Blockade zu durchbrechen. Die
Aktion an sich war vollkommen regelkonform, für die Padres endete das
Inning allerdings mit zwei Verletzten und drei kassierten Runs. Man
könnte ein Inning wie dieses gut und gerne als Prototyp eines
Horror-Innings beschreiben.
Nach so viel Negativem soll es zum Abschluss der dieswöchigen Kolumne aber
auch noch ewas Positives mit auf den Weg geben. Doug Davis kehrt morgen
für die Diamondbacks nach überstandener Krebs-Operation wieder auf den
Mound zurück. Während des Spring Trainings wurde bei ihm
Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Trotzdem pitchte Davis bis kur vor
der Operation weiter. Nun ist es von vorne herein nicht einfach, nach
einer solchen OP wieder zurückzukommen. Dass der Linkshänder Davis dies
aber schon nach sechs Wochen schafft, macht seinen morgigen Start zu
etwas ganz Besonderem. Zwar wurde die Krankheit im frühen Stadium
erkannt, doch Davis musste in der Reha teils schwere Medikamente
einnehmen. Einem Kämpfer wie Davis scheint aber selbst das nicht viel
auszumachen. Von Beginn an hat er angekündigt, so schnell wie möglich
auf den Mound zurückkehren zu wollen. Das hat er nun geschafft. Man
kann ihm bei seiner Rückkehr nur viel Erfolg wünschen.
Davis' Rückkehr stellt die Verantwortlichen der D-Backs allerdings auch
vor eine schwere Entscheidung. Wohin mit Supertalent Max Scherzer? Die
Erstrundenwahl der Diamondbacks im 2006er Draft konnte bisher mit
vielversprechenden Leistungen in den Big Leagues überzeugen. In 19.1
Innings gelangen ihm 23 Strikeouts. Doch da Doug Davis nun seinen Platz
in der Rotation einnehmen wird, stellt sich die Frage, wie man mit dem
23-jährigen Scherzer verfährt. Er hat in der kurzen Zeit, die er in den
Major Leagues verbracht hat, gezeigt, dass er wohl schon bereit für das
Oberhaus ist. Wenn ich bei den Diamondbacks etwas zu sagen hätte, würde
ich ihn jedoch zurück nach Tucson in die Minor Leagues schicken und
nicht in den eigenen Bullpen. Natürlich würde er auf AAA-Level wie vor
seinem Call-Up die Liga dominieren. Dieses Risiko (wenn man es
überhaupt so nennen kann) würde ich aber eingehen. Ich halte nicht viel
davon, gerade junge Pitcher alle paar Wochen zwischen der Rolle als
Starter und der als Reliever hin- und herwechseln zu lassen. Arizona
kann es sich leisten, einige Wochen auf Scherzer zu verzichten. Der
Bullpen der D-Backs ist momentan stark genug. Mit einem Riesentalt wie
ihm sollte man so vorsichtig wie möglich umgehen. Wenn man es sich als
Erstplatzierter leisten kann, dann sollte man das auch tun.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

