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Im Westen was Neues - Albert, der Schreckliche

 
Autor: Christoph May Donnerstag, 22. Mai 2008
 

Injuries Added to Insult – so titelte heute morgen der San Diego Union-Tribune. Frei könnte man diese Überschrift mit der alten Fußballweisheit „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“ übersetzen. Und genau so stellt sich die momentane Situation der Padres dar. Drei Verletzte innerhalb einer Woche muss das Team beklagen. Gestern verletzten sich gleich zwei Leistungsträger während eines Innings. Schuld daran ist ausgerechnet einer der "nice guys" der Liga: Albert Pujols.


Die Vorzeichen waren ausnahmsweise einmal günstig für die krisengeschüttelten Padres, als es gestern Abend im PETCO Park gegen die Cardinals ging. Adrian Gonzalez brachte sein Team per Home Run mit 2:0 in Führung. Außerdem stand mit Chris Young einer der besseren Pitcher der National League auf dem Mound – das allerdings nur bis zum dritten Inning, denn dann streckte es ihn brutal nieder. Was war passiert? Albert Pujols gräbt einen Slider von Young aus und befördert den Ball gerade in Richtung Outfield – scheinbar! Denn wie gesagt, der fast 2,10 Meter große Chris Young steht auf dem Hügel. Jedem anderen Pitcher wäre der wohl Ball locker über den Kopf geflogen, Greg Maddux hätte den Ball wahrscheinlich  nicht einmal erreicht, wenn er mit gehobenen Armen gesprungen wäre. Doch Young erwischt der Ball mit voller Wucht. Das Resultat ist ein Nasenbeinbruch und viel Blut rund um Young und den Mound. Der Heimsender der Padres empfand die Szene sogar als so erschreckend, dass er seinen Zuschauern  keine Bilder zumuten wollte. Ob Young seinen nächsten Start absolvieren kann (vielleicht mit Gesichtsmaske á la Rip Hamilton?) oder ob er auf die DL muss, wird sich wohl erst heute im Laufe des Abends klären. Nach der Ellenbogen-Verletzung von Cy-Young-Gewinner Jake Peavy wäre es der nächste Schlag für die Padres in einer Saison, die bisher schon einige Pleiten und Patten gesehen hat.

Pleiten und Pannen ist also das Stichwort. Und das leitet ganz leicht uns zu einem weiteren Ereignis  über, das noch im gleichen Inning geschah. Wir erinnern uns:  Albert Pujols ist nach seinem „Infield Hit“ auf Base gekommen. Ein paar Batter später befindet er sich nach einem Single von Troy Glaus auf dem Weg zur Home Plate. Da wartet bereits Padres-Catcher Josh Bard auf ihn und versucht, mit seinem Fuß die Platte zu blocken. Jedoch vergeblich, denn Pujols rollt einfach über ihn weg. Bard knickt dabei unglücklich um und zieht sich eine Knöchelverletzung zu. Er muss aus dem Spiel und wird den Padres wahrscheinlich eine Weile fehlen. Auch hier war eine gehörige Portion Pech dabei. Ausgerechnet gegen den 100-Kilo-Koloss Pujols musste Bard versuchen, den Run zu verhindern. Das ging natürlich gehörig schief, denn Pujols nutzte seine Masse, um Bards Blockade zu durchbrechen. Die Aktion an sich war vollkommen regelkonform, für die Padres endete das Inning allerdings mit zwei Verletzten und drei kassierten Runs. Man könnte ein Inning wie dieses gut und gerne als Prototyp eines Horror-Innings beschreiben.

 

Nach so viel Negativem soll es zum Abschluss der dieswöchigen Kolumne aber auch noch ewas Positives mit auf den Weg geben. Doug Davis kehrt morgen für die Diamondbacks nach  überstandener Krebs-Operation wieder auf den Mound zurück. Während des Spring Trainings wurde bei ihm Schilddrüsenkrebs diagnostiziert. Trotzdem pitchte Davis bis kur vor der Operation weiter. Nun ist es von vorne herein nicht einfach, nach einer solchen OP wieder zurückzukommen. Dass der Linkshänder Davis dies aber schon nach sechs Wochen schafft, macht seinen morgigen Start zu etwas ganz Besonderem. Zwar wurde die Krankheit im frühen Stadium erkannt, doch Davis musste in der Reha teils schwere Medikamente einnehmen. Einem Kämpfer wie Davis scheint aber selbst das nicht viel auszumachen. Von Beginn an hat er angekündigt, so schnell wie möglich auf den Mound zurückkehren zu wollen. Das hat er nun geschafft. Man kann ihm bei seiner Rückkehr nur viel Erfolg wünschen.

Davis' Rückkehr stellt die Verantwortlichen der D-Backs allerdings auch vor eine schwere Entscheidung. Wohin mit Supertalent Max Scherzer? Die Erstrundenwahl der Diamondbacks im 2006er Draft konnte bisher mit vielversprechenden Leistungen in den Big Leagues überzeugen. In 19.1 Innings gelangen ihm 23 Strikeouts. Doch da Doug Davis nun seinen Platz in der Rotation einnehmen wird, stellt sich die Frage, wie man mit dem 23-jährigen Scherzer verfährt. Er hat in der kurzen Zeit, die er in den Major Leagues verbracht hat, gezeigt, dass er wohl schon bereit für das Oberhaus ist. Wenn ich bei den Diamondbacks etwas zu sagen hätte, würde ich ihn jedoch zurück nach Tucson in die Minor Leagues schicken und nicht in den eigenen Bullpen. Natürlich würde er auf AAA-Level  wie vor seinem Call-Up die Liga dominieren. Dieses Risiko (wenn man es überhaupt so nennen kann) würde ich aber eingehen. Ich halte nicht viel davon, gerade junge Pitcher alle paar Wochen zwischen der Rolle als Starter und der als  Reliever hin- und herwechseln zu lassen. Arizona kann es sich leisten, einige Wochen auf Scherzer zu verzichten. Der Bullpen der D-Backs ist momentan stark genug. Mit einem Riesentalt wie ihm sollte man so vorsichtig wie möglich umgehen. Wenn man es sich als Erstplatzierter leisten kann, dann sollte man das auch tun.

 

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Kolumnen - Im Westen was Neues

Christoph May

 
christoph65x90Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt.
Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.