Im Westen was Neues - Die Brüder Gonzalez
Adrian und Edgar Gonzalez sind zwei sehr unterschiedliche Brüder. Sie sind ein wenig wie unsere Schumacher-Brüder. Der eine der gefeierte Superstar, der andere der erfolglose Mitläufer, der einfach meilenweit von der sportlichen Größe des Bruders entfernt bleibt. Edgar Gonzalez war lange Zeit dieser relativ erfolglose Spieler. Doch Anfang dieser Woche war es für ihn mit 29 Jahren endlich so weit: er wurde zum ersten Mal in seiner Karriere in die Big Leagues berufen.
Würden sich die beiden Gonzalez-Brüder im Gesicht nicht so unglaublich
ähnlich sehen, man würde sie nicht für Geschwister halten. Auf der
einen Seite der kraftvolle Adrian mit seinen 1,86 m und 100 Kilogramm,
die er Woche für Woche gewinnbringend, also in Form von Home Runs,
einsetzt. Auf der anderen Seite der eher schmächtige Edgar, der bei
gerade einmal 1,80 m zwanzig Kilo weniger als sein Bruder auf die Waage
bringt. Diese physischen Unterschiede manifestieren sich auch im Spiel
der beiden. Während Adrian der athletische Home-Run-Hitter an der
ersten Base ist, schlägt sich Edgar auf so gut wie allen Positionen
durch, die das Feld zu bieten hat. Wenn man nicht mit den physischen
Möglichkeiten eines Top-Athleten gesegnet ist, muss man sich eben
anders behaupten und so vielseitig wie möglich sein.
Die Karriere der beiden Brüder begann an gleicher Stelle. In San Diego
gingen sie auf die Eastlake High School. Doch von da an nahmen ihre
Karrieren eine ziemlich unterschiedliche Richtung. Adrian Gonzalez
wurde im 2000er Draft von den Marlins an erster Stelle gezogen und gab
sein Major-League-Debüt im Alter von 22 Jahren. Edgar Gonzalez war auch
22 Jahre alt. Jedoch machte er da erst sein erstes Spiel in den Minor
Leagues. Er wurde genau wie sein Bruder im Jahr 2000 gedraftet, aber
erst 885 Picks nach Adrian. Seine Minor-League-Karriere verbrachte er
bei fünf verschiedenen Organisationen, ehe er von den Padres im letzten
November verpflichtet wurde. Acht Jahre in den Minor Leagues hatte er
zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich. Es war eine frustrierende Zeit
in den Stadien der Provinz. Trotz oft guter Leistungen wollte ihn
einfach kein Team in den Major Leagues sehen. In einem dieser
frustrierenden Jahre hatte er einen Average von .392 – aber auch das
half nichts. Schließlich dauerte es erstaunliche 3000 At-Bats in den
Minors, bis sich die Padres vergangenen Montag entschieden, Callix
Crabbe zu entlassen und Edgar Gonzalez in den Major-League-Kader zu
berufen.
In seiner Heimat Mexiko war Edgar Gonzalez auch vor seinem Call-Up
schon so etwas wie eine Berühmtheit. 2006 spielte er nämlich für sein
Land in der Carribean Series mit und brach dort den Rekord von
Latino-Legende Roberto Alomar mit neun Hits in Serie. Und apropos
Roberto Alomar. Der bildete 1988/89 mit seinem Bruder Sandy das erste
Brüder-Gespann, das zur gleichen Zeit für die Padres spielte. Marcus
und Brian Giles sowie Tony und Chris Gwynn sollten folgen. Jetzt heißt
es also Adrian und Edgar Gonzalez für die San Diego Padres. Und die
Chancen für Edgar stehen nicht schlecht, dass er die Minor Leagues so
schnell nicht wiedersehen muss. Mit seiner Vielseitigkeit füllt er die
Lücke, die Callix Crabbe hinterlassen hat. Er bringt Schnelligkeit mit,
an der es bei den Padres hinten und vorne fehlt. Außerdem ist er ein
guter Hitter . In seinem ersten Spiel gegen die Cubs gelang ihm dann
auch gleich in seinem ersten Anlauf an der Platte ein RBI-Single. In
einem Team, das nicht mit vielen guten Hittern gesegnet ist, hat Edgar
Gonzalez nun endlich die Möglichkeit, sich in den Majors zu behaupten.
Nach seinem langen und oftmals steinigen Weg würde ich ihm diesen
Erfolg wünschen.
Christoph May
Christoph May ist 21 Jahre alt und studiert in Mainz Publizistik, Amerikanistik und Politikwissenschaft. Bei Baseballinsider.de führt er die wöchentliche Kolumne Im Westen was Neues, die aktuelle Themen aus der National League West behandelt. Der langjährige Fan der San Francisco Giants schreibt ebenfalls für eine regionale Tageszeitung und spielt selbt begeistert Baseball.

