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Yankee Stadium, eine Ära geht zu Ende

 
Autor: Philipp Würfel Donnerstag, 18. September 2008
 

yankees_small.gifyankee_stadium_logo.jpgAm Freitag begann für die Yankees ihre letzte Heimserie der 2008er Saison gegen die Orioles. Da die Bronx Bombers zum ersten Mal seit 1993 die Playoffs verpassen werden, geht auch eine Ära zu Ende. Zum letzten Mal wurden im Yankee Stadium die Lichter zu einem Baseball-Spiel an geschalten. Am späten Sonntagabend gingen sie dann aus und das Team wird in den neuen Ballpark auf der gegenüberliegenden Straßenseite umziehen. Zurückbleiben werden Erinnerungen an große Erfolge, spektakuläre Spiele und Legenden, nicht nur im Baseball.

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Die Geburtsstunde

Am 18. April 1923 wurde das Yankee Stadium mit einem 4:1 Sieg gegen die Boston Red Sox eröffnet. Babe Ruth schlug dabei einen 3-Run-Home-Run, dem ersten von vielen in der Geschichte des Ballparks. Am Ende der Saison konnte das Team den ersten von mittlerweile 26 World Series Titeln bejubeln.

Vor dem Einzug in eine der Kathedralen des Baseballs, mussten sich die Yankees den Polo Grounds Ballpark an der Nordspitze Manhattans mit den New York Giants teilen. Die waren die Nummer eins der Stadt und in der National League, wenn nicht gar der MLB. So lange die Erfolge bei ihrem Sidekick aus dem Junior Cirquit ausblieben, funktionierte das Zusammenleben der beiden Teams ohne große Probleme.

Doch mit der Verpflichtung von Babe Ruth wurden die Yankees immer besser und nach dem American League Titel und der verlorenen World Series 1921 gegen eben jene Giants forderte deren Besitzer Charles Stoneham die Yankees auf, sich einen eigenen Ballpark zu suchen. Er empfahl den Gang nach Queens, möglichst weit weg. Die Besitzer Tillinghast L’Hommedieu Huston und Jacob Rupert dachten über Standorte in Manhattan und auf Long Island nach, entschieden sich schließlich aber für die Ecke East 161. Street/River Avenue (auch 800 Ruppert Place) in der Bronx, unweit des Polo Grounds auf der anderen Seite des Harlem River.

Für heutige Verhältnisse fast unvorstellbar schnell ging die Planung und der Bau des Stadiums über die Bühne. Am 5. Mai 1922 begann man und wurde in weniger als elf Monaten fertig für geschätzte 2,5 Millionen Dollar. „The House that Ruth built“, wie es schon kurz nach der Eröffnung genannt wurde, hatte ursprünglich eine Kapazität von 58.000 Zuschauern, was deutlich die sonst üblichen Fassungsvermögen für Baseball-Ballparks übertraf. In der Anfangszeit sahen stellenweise 80.000 Leute die Spiele der Yankees.

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Von Anfang an war das Stadion nicht als reine Baseball-Spielstätte ausgelegt, sondern war im Prinzip die erste Multifunktionsarena in den USA. So umrandete das Spielfeld eine Laufstrecke (wenn auch nicht mit den regulären Abmessungen), aus der sich später der erste Warning Track entwickelte. Zudem wurden die nicht überdachten Tribünen hinter den Outfieldbegrenzungen so angeordnet, so dass Football- und Fußballspiele ausgetragen werden konnten.

Um dem Superstar des Teams gerecht zu werden, aber auch um das etwas unförmige Grundstück voll auszunutzen, entschied man sich für die folgenden Maße des Spielfeldes. So war der Foulpole im Right Field nur 295ft. entfernt, die Mauer im Right Field 350ft. und in Right-Center-Field 425ft. Im Gegensatz dazu wurden das Left Field und besonders das Center Field als „Death Valley“ bezeichnet, da Flyballs regelmäßig im Handschuh eines Outfielders verschwanden, aber kaum die Begrenzung für Home Runs übertraf. War der Abstand zum Left Field Pole mit 285ft. wie auch auf der Gegenseite eher gering, ging der Zaun im Left Field von 395ft., über 460ft. bis zu 490ft. (500ft. 1923) im Center Field über.

Der Umbau


Schon wenige Jahre nach der Eröffnung fing man damit an Nachbesserungen am Yankee Stadium durchzuführen. So wurde in den 1920er Jahren im Left Field der untere Rang erweitert. Zwischen 1936 und 38 wurden die Holzbänke in den Tribünenbereichen im Outfield durch Beton ersetzt, womit sich zum ersten Mal die Entfernungen (u.a. Center Field von 490ft. auf 460ft.) änderten. Zudem wurde im Right und im Left Field Platz zwischen der dreistöckigen Haupttribüne und den sogenannten Bleachers gelassen, um dort die Bullpens der beiden Teams unterzubringen. Nach diesem ersten größeren Umbau, kam es in den 1970er Jahren schließlich zu der großen Renovierungsaktion.

CBS hatte die Yankees gekauft und brachte Anfang der 1970er Jahre Renovierungspläne auf den Weg, nachdem sich der Zustand des Ballparks im Laufe der Zeit doch sehr verschlechtert hatte. Diese Pläne sahen aber vor, dass die Yankees ihre Heimspiele im Shea Stadium, zusammen mit dem Mets, austragen müssen, wogegen sich diese aber sträubten. CBS dachte daher über ein Stadion in New Jersey nach, verkaufte dann aber das Team an George Steinbrenner und die Stadt um Bürgermeister John Lindsay übernahm für 24 Millionen Dollar das Yankee Stadium von der Rice University (Texas) (die den Ballpark 1927 als Geschenk erhalten hatte) und vermietete es zurück an den Club. Da sie auch Besitzer des Shea Stadiums waren, mussten sich die Mets beugen und der Umbau konnte beginnen.

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Am 30. September 1973 schloss das Stadium für zweieinhalb Jahre die Pforten. 167 Millionen Dollar kostete die Renovierung, bei der große Teile des Stadions abgerissen und neu aufgebaut wurden. So veränderte sich das Aussehen der Fassade vollends. Die Säulen im Inneren, die die Tribüne stützten, verschwanden genauso, wie auch das Dach über den Zuschauerplätzen. Der obere Rang wurde erweitert und der traditionelle Fries verschwand und wurde als Nachbildung in der neuerbauten Stadionbegrenzung im Outfield wieder angebracht. Letztere sorgte zudem, dass das Spielfeld nicht mehr von den U-Bahn-Gleisen eingesehen werden konnte. Das Spielfeld an sich, wurde um gut zwei Meter nach unten abgesenkt und die Outfieldmaße zum Teil deutlich verringert. Der Monument Park und der Flaggenmast verschwanden aus dem Outfield hinter den Zaun, wo sich nun zudem beide Bullpens befinden. Die Kapazität in den Bleachers wurde halbiert. Zudem wurden die Plätze im Center Field schwarz gestrichen und dienten von nun an als Batters Eye. Zudem wurde die Infrastruktur im Stadion an moderne Verhältnisse angepasst und umgebaut.

1976 war man fertig und eröffnete gegen die Minnesota Twins wieder neu. Seit dem gibt es Diskussionen, ob es sich nun um einen komplett neuen Ballpark handelt und man damit eigentlich von einem Yankee Stadium II sprechen muss. Auch wenn man größtenteils Materialien des alten Stadions verwendete, gab es doch weitreichende Veränderungen. Allerdings blieb der Charakter des Yankee Stadiums mit seinen unsymmetrischen Maßen bestehen. Bis Ende der 1980er Jahre gab es noch ein paar mehr Veränderungen, vor allem am Left Field Zaun, der von 430ft. (1976) bis auf 399ft. (1988) herein gerückt wurde, um Platz für eine Erweiterung des Monument Parks zu schaffen. Zudem wurde in den letzten Jahren dort Plexiglas im Zaun installiert, so dass direkt dahinter auch noch ein paar Zuschauer Platz finden. 

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Die Erfolge, Spiele, Legenden


Das Yankee Stadium wäre aber nichts ohne die Erfolge der Yankees. 37 der bisher insgesamt 84 World Series machten in der Bronx Station, wovon das heimische Team 26 gewann. Nahezu jede Dekade seit der Eröffnung hatte seine Persönlichkeiten, die jedem Baseball-Fan bekannt sind. Waren es zu Beginn Babe Ruth und Lou Gehrig, die die Massen mit ihren Home Runs begeisterten, so folgten später Yogi Berra und Joe DiMaggio mit World Series Titeln. Mickey Mantle und Whitey Ford sorgten für die Highlights vor dem Umbau, Reggie Jackson, Ron Guidry und Goose Gossage danach. Mit der Ära um Derek Jeter und Mariano Rivera in den 1990er Jahren geht die Geschichte des Yankee Stadiums zu Ende.

Unvergessen sind die teaminternen Home-Run-Duelle zwischen Ruth und Gehrig, sowie Mantle und Roger Maris. Das einzige Perfect Game in der Geschichte der World Series, was Don Larsen 1956 gegen die Brooklyn Dodgers schaffte. DiMaggios Hitting Streak für die Ewigkeit 1941. Mantles Triple Crown Saison 1956. Reggie Jacksons drei Home Runs in Spiel sechs der World Series 1976. Oder auch Aaron Boones Walk-Off-Home-Run in Spiel sieben der ALCS 2003. Zudem war das Stadium Austragungsort für vier All-Star Spiele (1939, 1960, 1977 und 2008).

Die Besonderheiten


Wie jeder Ballpark hat auch das Yankee Stadium seine Besonderheiten, die den Charme ausmachen. Am bekanntesten dürfte der Monument Park hinter dem Zaun im Left Field sein. Dort befinden sich Denkmäler der ganz großen Yankees Babe Ruth, Lou Gehrig, Miller Huggins, Mickey Mantle und Joe DiMaggio. Bis zum Umbau 1970 befanden sie sich noch im Spielfeld und die Outfielder mussten damit zurechtkommen. Zudem gibt es Plaketten weiterer Spieler wie Yogi Berra, Don Mattingly, Jackie Robinson, und dem Rest des who-is-who der Yankees. Zudem werden die „Retired Numbers“ dort geehrt. Der Monument Park kann von den Zuschauer vor Beginn der Spiele besichtigt werden und wird gemeinsam mit dem Team in das neue Yankee Stadium umziehen.

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Das wirkliche Charakteristika des Yankee Stadium ist aber der Fries, welcher sich ursprünglich am Dach der Haupttribüne befand, ehe er als Nachbildung seit dem Umbau nun das Stadion über den Bleachers und Anzeigetafeln schmückt. Diese Fassade bildet im Prinzip die Grundlage für das Logo des Stadions.

Seit 1951 haben die Yankees mit Bob Shepard den wohl einzigartigsten Sprecher im Baseball, wenn nicht im gesamten Sport. Der Kang seiner Stimme bei der Ansage der Spieler löst bei vielen Gänsehaut aus und wurde bspw. von Reggie Jackson, als die Stimme Gottes bezeichnet. Die Verehrung geht so weit, dass Derek Jeter sich vor jedem At-Bat eine Aufnahme von Shepards Stimme abspielen lässt, wenn der nicht im Stadion anwesend ist. Zuletzt war Shepard, der auch für die Football-Giants als Sprecher aktiv war, aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht in der Lage die letzte Saison im Yankee Stadium anzusagen, hofft aber in der 2009er Saison wieder hinter das Mikrofon zurückzukehren.

Die Bleacher Creatures in Section 39 führten den sogenannten „Roll Call“ ein, mit dem sie zu Beginn jeder Partie die Spieler der Yankees pro Position einzeln begrüßen. Sie rufen dabei so lange den Namen, bis der Spieler winkt oder sich anders bemerkbar macht.

Seit dem 11. September 2001 wird beim Seventh Inning Stretch vor „Take me out to the Ballgame“ noch “God Bless America” gespielt oder live gesungen.

Nach jedem Spiel wird “New York, New York” von Frank Sinatra gespielt und begleitet die Fans zu den U-Bahn-Stationen oder zum Parkplatz auf dem Weg nach Hause. Bei Niederlagen wurde in der Vergangenheit auf Liza Minellis Version des Liedes gespielt.

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Football, Boxen, Fußball, Päpste


Wie schon anfangs erwähnt wurde das Yankee Stadium nicht nur zum Baseball benutzt. Schon kurz nach der Eröffnung teilten sich die Yankees das Spielfeld mit diversen Football-Teams der American Football League und der National Football League. Das bekannteste Team sind zweifelsohne die New York Giants, die von 1956 bis 1973 ihre Heimspiele im Yankee Stadium austrugen. 1958 schlugen die Baltimore Colts um Johnny Unitas die Giants im „The Greatest Game Ever Played“  mit 23:17 in Overtime. Zudem trugen einigen College Teams ihre Spiele im Stadium aus. Die New York University führt die Liste mit 96 an vor der Army University (38), Notre Dame (24) und Fordham (19).

In Deutschland eher bekannt, dürften die Boxkämpfe im Yankee Stadium sein. Und speziell das Duell zwischen Joe Louis und Max Schmeling 1938 produzierte Schlagzeilen. Schmeling kämpfte diverse Male in New York. Lewis boxte achtmal um die WM im Yankee Stadium. Doch auch lokale Helden wie Rocky Graziano durfte in der Bronx ran. Später folgten auch Sugar Ray Robinson und Muhammed Ali. Mit letzterem endete 1976 auch die Ära des Boxsports im Yankee Stadium.

Franz Beckenbauer und Pele glänzten mit New York Cosmos Ende der 1970er Jahre, als sie ebenfalls im Yankee Stadium ihre Spiele austragen durften, ehe sie zusammen mit den Giants in die Meadowlands in New Jersey abwanderten.

Neben Sportevents war das Yankee Stadium auch Gastgeber einer Vielzahl anderer Veranstaltungen. So hielten die Päpste Paul VI (1965), Johannes Paul II (1979) und zuletzt Benedikt XVI (2008) Messen ab. Seit 1969 wurde das Stadion auch für Konzerte von Billy Joel, U2, Pink Floyd und anderen genutzt. Es ist zudem im Gespräch, dass das Yankee Stadium im November von Bruce Springsteen und Paul McCartney im Rahmen einer Gala in den Ruhestand verabschiedet wird. 

Das neue Yankee Stadium


Nachdem 1998 Teile der Flutlichtanlage vor einer Partie der Yankees in die Zuschauerränge krachten, wurden die Stimmen nach einem Neubau eines Ballparks lauter. Wie auch schon zum Bau des ersten Yankee Stadiums wurde darüber geredet, ob die Yankees nach Manhattan umziehen oder in New Jersey ihre neue Heimstätte bauen werden. Doch nach langen Diskussionen entschied man sich für den Verbleib in der Bronx und zieht nur einen Block weiter. Auf dem Gelände eines Parks wird nun das neue Yankee Stadium errichtet. Im Sommer 2006 begann man mit dem Bau und will im Februar 2009 fertig sein. Die Yankees werden das erste offizielle Heimspiel am 16. April gegen die Cleveland Indians austragen. 

Beim Design orientiert man sich an dem von 1923, natürlich ohne die störenden Stützen im Blickfeld der Zuschauer und mit dem modernsten was es an Infrastruktur gibt. Die Maße und Ausrichtung des Spielfelds bleiben erhalten, so dass die Bauherren hoffen, den Charakter des alten Stadions zu erhalten. Der Monument Park wandert ins Center Field. Zwei Restaurants darüber, sollen 365 Tage im Jahr geöffnet sein und den Fan in die Bronx locken, wenn nicht gespielt wird. Wie auch das Citi Field der New York Mets erhalten die Yankees massive Zuwendungen der Stadt und des Staates New Yorks, so dass das Projekt in der Öffentlichkeit in die Kritik geraden ist. Angesichts der Ausmaße des Bauvorhabens (1,3 Milliarden Dollar) wenig verwunderlich. Zudem wird die Kapazität von derzeit ca. 58.000 Zuschauern auf 53.000 sinken.

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Das alte Yankee Stadium wird abgerissen und einem neuen Park weichen. Wie dies genau aussehen wird, steht noch nicht fest. Aber man kann davon ausgehen, dass die Umrisse in irgendeiner Form erhalten werden.

Für Fotos des alten Yankee Stadiums empfehle ich Digitialballparks.com oder Stadiumpage.com . Unter der letzteren Adresse findet man zudem aktuelle Bilder des neuen Yankee Stadiums.

Fotos: © Würfel

Kommentare
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melog
(Registered) 19-09-2008 08:59
Wow, was für ein Artikel, da fehlen mir einfach die Worte...

Sehr viele interessante Details für mich jungen Hüpfer und auch sehr angenehmn zum Lesen, also gut
geschrieben ;-)

Auch wenn es (wahrscheinlich) viel Arbeit macht, aber über mehr Artikel dieser Sorte würden sich
bestimmt auch mehr Personen als mich selber freuen...



Markus K.
 
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