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Willie Mays - Der Alleskönner

 
Autor: Christoph May Freitag, 28. November 2008
 

Wenn es darum geht, die Stärke eines Baseballspielers einzuschätzen, passiert dies gewöhnlich anhand von fünf Fragen. Kann der Spieler Homeruns schlagen? Kann er einen hohen Schlagdurchschnitt erzielen? Ist er ein guter Basestealer? Hat er einen guten Wurfarm? Und: Ist er ein guter Verteidiger? Bei Willie Mays konnte man alle diese Fragen mit einem eindeutigen „Ja!“ beantworten. In unserer Legenden-Serie blicken wir heute auf die einmalige Karriere des „Say-Hey-Kid“ zurück.

Wer Willie Howard Mays, Jr. in seinen ersten Wochen in der Major League beobachtete, konnte nicht unbedingt damit rechnen, dass gerade einer der besten Spieler aller Zeiten die große Bühne betreten hatte. Es war im Sommer des Jahres 1951, als der damalige Giants-Manager Leo Durocher den 20-jährigen Mays unbedingt in seinem Club sehen wollte. Der junge Mays hatte sich in den Minor Leagues schon einen Namen gemacht, vor Selbstvertrauen strotzte er komischerweise aber nicht gerade. Er wollte Durocher sogar ausreden, ihn zu den Giants zu berufen. „I can't hit that kind of pitching“, sagte er. Dieser unbegründete Mangel an Selbstvertrauen schlug sich zunächst auch in seinen Leistungen wieder, denn in seinen ersten 26 At-Bats gelang ihm nur ein ein Hit – das war jedoch immerhin ein Homerun gegen den legendären Warren Spahn. In dieser ersten Karrierekrise von Mays stand ihm sein Manager bei Seite, der im Laufe der Jahre zu einer Art zweiten Vaterfigur wurde. Das Vertrauen von Derocher bestätigte Mays mit immer weiter ansteigender Formkurve. Schon in seiner ersten Saison konnte er mit 20 Homeruns, einer World Series-Teilnahme und der Rookie of the Year-Auszeichnung beweisen, dass er in den New Yorker Polo Grounds – dem Stadion der Giants –  am exakt richtigen Ort war.

Sein Können entwickelte Mays im tiefen Süden der Staaten. Dort, in Alabama, wurde er 1931 geboren und kam durch seinen Vater schon früh in Kontakt mit dem Baseballsport. In seinem Heimatstaat begann auch seine professionelle Karriere, als er im Alter von 17 Jahren bei den Birmingham Black Barons in der Negro American League anheuerte. Unter Trainer Lorenzo „Piper“ Davis lernte er die Feinheiten des Spiels kennen und erwarb sich den Respekt seiner meist älteren Mitspieler. Bis 1950 spielte er für die Black Barons in der Negro League, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits am Rande des Ruins befand. Nachdem Jackie Robinson die Tür zur Major League für schwarze Baseballspieler langsam geöffnet hatte, bot sich auch für Willie Mays die Möglichkeit, bei einem der großen Clubs zu unterschreiben. Letztlich entschied er sich seinem Bauchgefühl vertrauend für die New York Giants. Dort kam er zunächst in den Minor Leagues unter, wo er sich schnell einen Spitznamen erwarb, der ihn seine ganze Karriere hinweg begleiten sollte: "The Say-Hey-Kid". In einem Team voller Unbekannter begann Mays, seine Mitspieler mit der Formel  „Say-hey“ anzusprechen. Das mag zunächst unhöflich klingen, wurde aber wegen Mays' freundlicher und umgänglicher Art (und seinem schlechten Namensgedächtnis) als liebenswerter Wesenszug aufgenommen und so zu seinem Spitznamen.

Nach seiner Rookie-Saison verbrachte Mays beinahe zwei Jahre in der Armee. Viele Experten sind sich einig, dass Mays wohl Babe Ruths Homerun-Rekord von 714 geknackt hätte, wenn er diese beiden Spielzeiten nicht verpasst hätte. Nach seiner Rückkehr zu den Giants begann er dann 1954 endgültig zum Superstar zu avancieren. Mit 41 Homeruns und einem .345er Schlagdurchschnitt wurde er zum Most Valuable Player der National League gewählt und führte seine Giants in die World Series gegen die Indians. Im Nachhinein wurde der Triumph der Giants durch ein anderes Ereignis beinahe zur Nebensache: Willie Mays' sensationeller Catch im ersten Spiel der Serie (siehe Video). Was diesen Catch auch aus heutiger Sicht noch so besonders macht, sind die Dimensionen der Polo Grounds. Denn Mays fing den Line Drive von Indians-First Baseman Vic Wertz ungefähr an der 460-Fuß-Marke –eine unvorstellbare Distanz, wenn man auf die Stadien unserer Zeit blickt. Dass Mays den Ball anschließend auch noch reaktionsschnell zur zweiten Base feuerte, macht diese athletische Höchstleistung nur noch bemerkenswerter. Und noch eines offenbart das Video. Mays war auch ein kleiner Showman. Der Legende nach hat Mays seine Mützen immer eine Nummer zu groß getragen, damit sie bei seinen spektakulären Aktionen auch ebenso spektakulär vom Kopf fliegen. Man muss sich eben auch vermarkten.

     THE CATCH

 

Der Sieg in der '54er World Series sollte seine einzige Meisterschaft bleiben. Doch persönliche Titel konnte er auch nach dem Wechsel der Giants nach San Francisco weiter sammeln. Nach einer Saison mit 52 Homeruns wurde er 1965 zum zweiten Mal in seiner Karriere zum MVP der National League gewählt. Das nächste Ziel war danach, den Homerun-Rekord der National League, der bis dahin von Mel Ott gehalten wurde, zu knacken, was ihm wenig später in einem Spiel gegen die Dodgers auch gelang. Auch die Marke 600 erreichte er, als er 1969 in San Diego vor nur knapp 5000 Fans einen Ball über das Outfield jagte. Und wo wir gerade bei Homeruns sind: Mays hält immer noch den (geteilten) Rekord für die meisten "Long Balls" in einem einzigen Spiel. Obwohl er von einer Krankheit geschwächt war, schlug er 1961 vier Homeruns gegen die Milwaukee Braves. Nach diesem Spiel posierte er mit vier Baseballs in einer Hand. Da offenbarte sich vielen ein weiterer Teil seines Erfolgsrezepts, seine übergroßen Hände nämlich.


Wenn jemand zum Baseballspielen geboren wurde, dann war es Willie Mays.

- Ted Williams

 
Ende der 60er Jahre passierte dann das, was bei großen Sportlern immer passiert. Als man sich schon fast sicher war, dass Mays auch in den nächsten 20 Jahren noch auf Top-Niveau spielen wird, geschah das Unvermeidliche. Auch die Leistungen von Willie Mays ließen nach, der Zahn der Zeit begann auch an einer lebenden Legende zu nagen. Mays erkannte das selbst und gab zu: „Growing old ist just a helpless hurt.“ Dazu kam die prekäre finanzielle Situation der Giants, die dazu führte, dass Mays im Alter von 41 Jahren zu den New York Mets getradet wurde. Die letzten anderthalb Saisons verbrachte er an seiner alten Wirkungsstätte, wo eine große Karriere 1951 begann und 660 Homeruns,  3283 Hits, zwei MVP-Titel, zwölf Gold Gloves und 21 All-Star-Nominierungen später im Jahre 1973 endete.

Was war nun das Besondere an Willie Mays? Ganz einfach beantwortet: er konnte alles und war ein netter Kerl dazu. Sein Mentor Leo Durocher drückte es wohl am besten aus: „He could do the five things you have to do to be a superstar: hit, hit with power, run, throw, and field.“ Mays war der erste Five-Tool-Player der Geschichte. Er konnte Homeruns schlagen, hatte einen Karriere-Schlagdurschnitt von über .300, war ein exzellenter Basestealer, hatte laut Joe DiMaggio den besten Wurfarm von allen und konnte das Center Field verteidigen, wie keiner vor ihm und vielleicht nur eine Handvoll Spieler nach ihm. Das alles war Willie Mays, darum wurde er von Sporting News hinter Babe Ruth zum zweitbesten Spieler aller Zeiten gewählt. Um mit Ted Williams zu enden: „Wenn jemand zum Baseballspielen geboren wurde, dann war es Willie Mays.“ 

Die Legenden-Serie, in der wir die besten Spieler in der Geschichte des Baseballs vorstellen wollen, setzt sich in den kommenden Wochen und Monaten fort. 

Kommentare
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Patrick Krämer
(213.61.190.xxx) 28-11-2008 13:03
schöner Artikel und Willie MAys war wirklich ein klasse Kerl!!!
 
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paffi
(Registered) 29-11-2008 08:47
Ein toller Artikel, vielen Dank.



Bitte schreibt mehr Berichte über legendäre Spieler. :zzz
 
Best Player
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Hans
(Registered) 06-12-2008 15:02
Für mich der beste Spieler aller Zeiten, oder wer kennt einen besseren?
 
Phil
(SAdministrator) 07-12-2008 12:09
Einer der besten Spieler sicherlich. Der Beste? Das kann man pauschal so nicht sagen. Du kannst
nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass er der beste Center Fielder aller Zeiten war. Da wirst du
Joe DiMaggio, Mickey Mantle oder Duke Snider nicht gerecht.
 
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