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Shoeless Joe Jackson

 
Autor: Erich Kuffer Samstag, 02. Mai 2009
 

In unserer heutigen Ausgabe über große Baseball-Legenden wollen wir Euch mit Joe Jackson einen Baseballspieler des frühen 20. Jahrhundert vorstellen.Seinen Spitznamen „Shoeless Joe“ erhielt Jackson bereits in frühen Jahren, als er während eines Spiels seine Schuhe auszog und Barfuß auf das Feld lief. Traurige Berühmtheit erlangte er jedoch als Mitglied der so genannten Black Sox, die 1919 World-Series-Spiele verschoben haben und damit für den bis heute größten Skandal in der Geschichte der MLB sorgten.

Joseph Jefferson Jackson wurde am 16. Juli 1888 als ältestes von acht Kindern in Pickens County, South Carolina geboren. Er verlebte eine Kindheit, die voller Armut und Entbehrungen war. So musste er schon mit sechs Jahren mit seinem Vater in einer Textilfabrik in Brandon Mills schuften, wo die Familie hinzog, als Joe fünf Jahre alt war. Durch die ärmlichen Verhältnisse konnte Jackson nie eine Schule besuchen und dort Lesen und Schreiben lernen. Während seiner Profikarriere unterschrieben deshalb seine Frau oder sein Manager die Verträge für ihn. Er gab auch sehr selten Autogramme, da seine Unterschrift nur einer Kritzelei glich. Von ihm signierte Gegenstände besitzen deswegen aber heutzutage einen sehr hohen Sammlerwert.

Im Jahr 1901, im Alter von 13 Jahren, spielte Jackson zum ersten mal als Pitcher Baseball beim Brandon Mill Team. Obwohl er der Jüngste in der Mannschaft war, avancierte er schnell zum besten Spieler der sogenannten Textil-Liga. In dieser Liga spielten Teams aus Ortschaften der von der Textilindustrie geprägten Region. Während einer dieser Begegnungen erhielt er auch seinen Spitznamen, der ihn dann sein Leben lang begleiten sollte. Da ihn seine Schuhe drückten und er sich bereits eine Blase holte, zog er sie kurzerhand aus, bevor er das Spielfeld betrat. Die Zuschauer johlten, einige riefen Schmährufe und als jemand schließlich "Shoeless son of a gun" rief, war sein Nickname geboren.

1906 wurde Jackson Halbprofi bei den Greenville Near Leaguers. Zwei Jahre später startete er schließlich seine professionelle Baseball-Karriere, zuerst bei den Greenville Spinners, dann bei den Philadelphia Athletics, zu denen ihn der legendäre Manager Connie Mack geholt hatte. Im selben Jahr heiratete er auch seine langjährige Jugendliebe Katie Wynn. Bei den A´s wurde Shoeless Joe aber nie so richtig glücklich. Jackson hatte Eingewöhnungsprobleme in der großen Stadt und kam mit den Teamkollegen nicht klar, die ihn aufgrund der fehlenden Bildung oftmals hänselten.
Diese Umstände hatten dann auch negativen Einfluss auf seine Leistung. Deswegen musste Jackson ständig zwischen dem Major-League-Team sowie den Minor-League-Teams der A´s hin- und herwechseln. Insgesamt absolvierte er für Philadelphia nur zehn Spiele in der MLB.

1910 wurde er zu den Cleveland Naps getradet, die sich 1915 in Indians umbenannten. Dort gelang ihm dann der Durchbruch in seiner Baseball-Karriere. In seiner Rookie-Saison 1911 gelang ihm ein Schlagdurchschnitt von .408. Dies ist der höchste Wert, der bis heute von einem Neuling erzielt wurde und der sechsthöchste der jemals in einer Saison erreicht wurde. In der folgenden Saison schlug er .395 und führte die AL in Triples an. Im nächsten Jahr schlug er .373 und erzielte dabei die meisten Hits in der American League.

Durch seine lehrbuchhaltige Schlagtechnik traf er den Ball meist im perfekten Winkel, so dass er auch in den Folgejahren seiner Karriere einen außergewöhnlichen Schlagdurchschnitt erzielte. Babe Ruth gestand später, dass er versuchte, die Schlagtechnik von Jackson zu kopieren. Während seiner ersten erfolgreichen Jahre entwickelte sich auch eine Freundschaft zu seinen großen Rivalen in der Liga, Ty Cobb von den Detroit Tigers. Dieser meinte einmal: "Wenn ich denke, die perfekte Schlagposition gefunden zu haben, betrachte ich Joe und weiß, dass ich noch hart an mir arbeiten muss."

1915 wechselte Shoeless Joe dann zu den Chicago White Sox, wo er weiterhin erfolgreich Baseball spielte. 1917 schließlich holte er mit dem Team seinen ersten World Series Titel gegen die New York Giants. Jackson war bei den Fans sehr beliebt, da er im Gegensatz zu vielen Baseballprofis dieser Generation kein glamouröses Leben führte, sondern trotz seiner Erfolge sehr bescheiden blieb. Er verzichtete auf Auftritte im Fernsehen und hatte kaum Werbeverträge. Er wollte einfach nur ein normaler Baseballspieler sein. So konnten sich die Fans mit ihm als einfachen Menschen identifizieren. Sogar eine damals sehr unpopuläre Entscheidung, nicht für die USA in den Weltkrieg zu ziehen, haben ihn die Fans sehr schnell verziehen.

1919 folgte ein weiteres starkes Jahr von Jackson. Er schlug .351 in der regulären Saison, sowie .375 in der World Series. Diese wurde dennoch unerwartet gegen die Cincinnati Reds verloren, obwohl die White Sox bei den Buchmachern klarer Favorit waren. Nach der World Series wurden acht Spieler der White Sox - darunter auch Jackson - beschuldigt, die Serie verschoben zu haben. Da es seltsam war, dass das Team mit der geringeren Anzahl an Saisonsiegen Wettfavorit war und dann auch noch verloren hat, trat 1920 eine Jury zusammen, um die Vorfälle zu untersuchen.

Jackson hatte in der Serie zwölf Hits bei einen AVG von .375. In den Spielen jedoch, die Chicago verlor, schlug er nur .286 ohne einen RBI. Auffallend war aber die Tatsache, dass den Reds ungewöhnlich viele Triples ins Leftfield gelangen. Eben dort, wo Jackson spielte, der bis dahin als ausgezeichneter Defensivspezialist galt. 1921 wurde er schließlich mit sieben weiteren Spielern schuldig gesprochen und lebenslang gesperrt. Daraufhin wurde er auch auf eine schwarze Liste von Spielern gesetzt, die nicht in die Hall of Fame gewählt werden dürfen.

In späteren Jahren kamen jedoch Zweifel auf, ob Jackson wirklich an dem Skandal beteiligt war. Die anderen sieben Verurteilten sagten zumindest aus, dass Jackson nie an einer der Besprechungen teilgenommen hat, in denen der Betrug eingefädelt wurde. Sein Schuldeingeständnis hatte er zudem unter Alkoholeinfluss unterschrieben. Hier sei nochmals daran erinnert, dass er nicht lesen konnte und somit nicht wusste, was genau er unterschrieb. Seine sportlichen Leistungen während der Serie lassen ebenfalls nicht vermuten, dass er absichtlich schlecht spielte. Er hatte einen AVG von .375, sowie keine Fehler im Feldspiel. Mittlerweile gibt es die Theorie, dass Jackson zwar vom Betrug wusste und wohl auch Bestechungsgeld angenommen hat, aber nicht absichtlich schlecht gespielt hat.

Nach seiner Verbannung aus der Major League spielte und trainierte er noch bei verschiedenen Minor Leagues Teams in Georgia und South Carolina. 1922 zog er schließlich nach Savannah und eröffnete eine Reinigung. 1933 zog er weiter nach Greenville, wo er mit seiner Frau zuerst ein Barbecue-Restaurant und anschließend einen Likörladen eröffnete, welchen er bis zu seinen Tod betrieb. In diesem besuchte ihn eines Tages Ty Cobb mit Sportreporter Grantland Rice. Jackson ignorierte Cobb, als dieser den Laden betrat. Dieser fragte: „Kennst du mich nicht mehr Joe?". „Klar kenne ich dich,Ty“, kam die Antwort. „Ich wollte nur wissen, ob du mich noch grüßen würdest, denn viele Leute tun das nicht mehr“.

Im Alter bekam Jackson zunehmend Probleme mit seinen Herzen. Am 5. Dezember 1951 starb er schließlich mit 63 Jahren an einem Herzinfarkt. Jackson erzielte in seiner Karriere einen Batting Average von .357. Dies ist der dritthöchste Wert in der Geschichte der MLB, nach Ty Cobb und Rogers Hornsby. Der Left Fielder Jackson erzielte, wie die meisten Spieler dieser Zeit, während seiner Karriere nur relativ wenige Home Runs (54). Die Power-Hitter-Ära begann erst kurz darauf mit Babe Ruth.

Sein Lieblings-Bat „Black Betsy“, das ihm seine ganze Karriere über begleitete, erzielte bei einer Auktion im Jahre 2001 die Summe von 557.610 Dollar. Im Film „Field of Dreams“ von Kevin Costner spielen der Black Sox Skandal und „Shoeless Joe“ eine Rolle.

Kommentare
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paffi
(Registered) 02-05-2009 10:06
Wieder ein toller Artikel!! :zzz
 
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Bijan
(Registered) 02-05-2009 15:29
Seit "Field of Dreams" eine meiner absoluten Lieblings-Baseballlegenden...



Danke für den Artikel
 
leeroy kincaid
(Registered) 04-05-2009 20:17
1917 gabs schon fernsehen? :upset
 
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