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Satchel Paige - Der schwarze Schlüssel zur Major League

 
Autor: Erich Kuffer Dienstag, 11. August 2009
 

In dieser Ausgabe über Baseball-Legenden wollen wir Euch einen der besten Pitcher aller Zeiten vorstellen. Seinen Namen sucht man jedoch vergebens in den Rekordlisten der Major League Baseball, denn er hatte einen zur damaligen Zeit großen Nachteil für einen Sportler in den USA - er war schwarz. Somit war es ihm in der Blütezeit seiner Karriere, in den 30ern und 40ern des letzten Jahrhunderts, nicht erlaubt, in den beiden großen Profiligen zu spielen. Erst im Herbst seiner Karriere, im Alter von 42, gab er sein Rookie-Debüt in der MLB. Neben seinem sportlichen Können machte ihn seine stoische Gelassenheit, mit der er die Ungerechtigkeit der Rassentrennung hinnahm, berühmt. Sein Name war „Satchel" Leroy Paige.

Jugend
Über den Tag seiner Geburt gibt es unterschiedliche Aussagen. Vermutlich ist er aber am 07.06.1906 in Mobile, Alabama als Leroy Robert Page geboren. Das „i" in den Familiennamen ließ seine Mutter nach dem Tode des Vaters einfügen. Auch um seinen Nicknamen Satchel (dt. Tasche) gibt es verschiedene Versionen. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass er ihn erhielt, nachdem er als Jugendlicher beim Versuch eine Handtasche zu klauen erwischt wurde.

Nach dem missglückten Diebstahl wurde er 1918 auf eine Erziehungsanstalt nach Mount Meigs geschickt. Dort kam er dann erstmals mit dem Baseball in Berührung. Unter der Anweisung von erfahrenen Trainern verbesserte er seinen Bewegungsablauf beim Werfen. Nachdem er 1923 in seine Heimatstadt Mobile zurückkehrte, spielte er beim ortsansässigen Team der Tigers, bei denen auch sein älterer Bruder Wilson spielte. Dem wurde übrigens ein größeres Talent für Baseball nachgesagt, er hatte jedoch nicht den Ehrgeiz und die Zeit für eine Baseballkarriere.

Bei den Tigers soll sich dann auch 1924 folgende Begebenheit abgespielt haben. Satchel hatte bereits 25 Spiele in Folge gewonnen und sein Team führte im 26. Spiel 1:0 im neunten Inning. Bei zwei Outs forderte er seine Mitspieler auf, sich auf den Rasen zu setzen. Diese kamen der Aufforderung auch nach und sahen dabei zu, wie Satchel mit drei Pitches den letzten Strikeout zu seinen 26. Sieg in Folge warf.

Negro League

Nachdem sich sein Talent über die Grenzen seines Heimatstädtchens hinaus herumgesprochen hatte, bekam Paige 1926 das Angebot, in der Negro League zu pitchen. In dieser höchsten Spielklasse für Afro-Amerikaner sollte er dann bis 1950 bei insgesamt acht verschiedenen Teams seine Werferqualitäten zeigen. Die erste Station waren 1926 die Chattanooga Black Lookouts, welche er jedoch 1927 wieder verließ, um sich den Birmingham Black Barons anzuschließen. Während dieser Zeit waren seine Würfe noch wild und ungestüm, ehe er sie mit Hilfe seiner Coaches verbesserte. Während der 1929er Saison verbesserte Satchel den Strikeoutrekord der Negro League auf 184.

1930 spielte er für mehrere Teams, ehe er dann 1931 bei den Pittsburgh Crawfords landete. Nachdem 1932 noch Josh Gibson, Oscar Charleston und Ted Radcliffe zum Team dazustießen, besaß man eine der besten Mannschaften in der Geschichte der Negro League. Am 16. Juli dieses Jahres gelang Paige dann auch der erste No-Hitter in seiner Karriere. Im folgenden Jahr setzte er eine weitere Rekordmarke, indem er 62 Innings in Folge warf, ohne einen einzigen Run zu kassieren.

1934 spielte er neben den Monarchs noch für einige andere Teams, wobei er einen Gesamtrekord von 31-4 erreichte. Der ehemalige Sportkolumnist der Chicago Tribune, Dizzy Dean, meinte damals, dass Paige der Pitcher mit dem besten Stuff war, den er jemals pitchen sah. In der Tat war Paige zu dieser Zeit der wohl beste Pitcher Amerikas, auch wenn er nie gegen MLB-Größen wie Babe Ruth oder Lou Gehring antreten konnte, um das zu beweisen. Im Oktober 1934 Jahres heiratete Satchel seine Jugendliebe Janet Howard, ehe er dann ein Jahr später Pittsburgh verließ und wieder nach Bismarck zurück ging. Dort sorgte er dann für Aufsehen als er es schaffte, in einen Monat 29 Spiele zu absolvieren. Kurz darauf wurde er allerdings wegen des Wechsels von der NNL wegen Vertragsbruch suspendiert, so dass er eine Weile nicht in der Negro League pitchen konnte.

Während dieser Zeit, in der sich Paige seinen Ruf als exzellenter Pitcher erarbeitet hatte, spielte sich auch folgende Gegebenheit ab. Der junge Joe DiMaggio durfte 1936 im letzten Spring Training vor seiner MLB Karriere in einen Spiel gegen Paige antreten und erzielte dabei einen Hit bei vier At-Bats. Hinterher meinte er überglücklich: „Ich habe einen Hit gegen Satchel Paige erzielt, nun kann ich es überall schaffen".

Da Paige es mit seinen Verträgen nicht so genau nahm, hatte er es sich in der NNL mit einigen Teambesitzern verscherzt, so dass ihn niemand mehr einen Vertrag anbot. Schließlich hatte der Eigentümer der Kansas City Monarchs, J.L. Wilkinson, 1939 Erbarmen mit den begnadeten Pitcher und nahm ihn in sein Team auf. 1941 nahm Satchel nach fünf Jahren Abwesenheit wieder am Ost-West All-Star-Spiel teil, wobei er das Voting mit großem Vorsprung gewann.

Während des zweiten Weltkriegs absolvierte Paige, wie so viele Athleten der damaligen Zeit, Spiele, um Geld für die Armee zu sammeln. So kam es auch, dass er mit seinen schwarzen Team zum ersten Mal im berühmten Wrigley Field von Chicago spielen durfte.

Ausland
Paige spielte jedoch nicht nur in den USA, sondern verbrachte einige Zeit oftmals in der Winter Saison in Südamerika. Bei seiner ersten Station 1933 in Kuba wurde er nicht glücklich, die fremden Lebensumstände machten ihn zu schaffen, so dass er nach nur elf Spielen wieder in die Staaten zurückkehrte. Seine Auftritte in der Dominikanischen Republik, später dann in Mexiko sowie schließlich in Puerto Rico waren wesentlich erfolgreicher. Hier spielte er vor allem Ende der 30er Jahre.

Major League
1947 fiel dann endlich die Barriere, die schwarzen Sportlern jahrzehntelang den Weg in die Major League versperrt hatte. Jackie Robinson war der geschichtsträchtige Spieler, der als erster Schwarzer in der MLB spielen durfte. Schon ein Jahr später folgte Paige, der 1948 bei den Cleveland Indians sein Debüt in der Major League gab. Satchel wurde als Relief Pitcher eingesetzt und gewann mit den Indians noch im selben Jahr den World Series Titel. Seine Saisonbilanz war 6-1 mit einen ERA von 2.48. Dabei war Paige mit 42 Jahren der älteste Rookie der MLB-Geschichte. Da sich die Liga aber nicht lächerlich machen wollte, verzichtete man darauf, ihn zum Rookie of the Year zu nominieren, obwohl es von den Leistungen her möglich gewesen wäre. Dazu kam, dass einige seiner Würfe sehr umstritten waren. Der Radioreporter Jack Brickhouse meinte damals, sie sind nicht illegal aber auch nicht legal. 1949 wechselte er dann zu den St. Louis Browns, wo er der Lichtblick in einer schwachen Mannschaft war. Schließlich wechselte er noch zu den Kansas City Athletics, bei denen er dann 1953 seine Karriere beendete. Paige spielte aber noch einige Jahre sporadisch bei kleineren Teams.

1965 nahmen die A´s den mittlerweile 59 Jahre alten Paige nochmals unter Vertrag, Dieser absolvierte dann noch drei fehlerfreie Inning ohne Run, ehe er die Major-League-Bühne endgültig verließ. In 179 MLB-Spielen fabrizierte er keinen einzigen Error und hatte dazu einen ERA von 3.29.

Karriere
Satchel Paige absolvierte in seiner Karriere geschätzte 2500 Spiele. Dabei erzielte er 300 Shutouts und 55 No-Hitter. Er soll mehr Siege als Cy Young und mehr Strikeouts als Nolan Ryan erzielt haben, auch wenn es exakte Zahlen von seiner Karriere nicht gibt.
1971 wurde Satchel als erster schwarzer Spieler überhaupt in die Hall of Fame aufgenommen. Dies war eine späte Anerkennung für seine Karriereleistungen, auch wenn er die größten davon außerhalb der MLB erbracht hatte.
1982 starb er schließlich in Kansas City.

Satchel Paige genoss nicht nur wegen seiner sportlichen Leistungen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sein Lebensmut und die stoische Gelassenheit mit der er die Unterdrückung der schwarzen Rasse hinnahm gab den Schwarzen in Amerika die Zuversicht auf eine bessere Zukunft. Seine Bedeutung beim Zugang für die afro-amerikanischen Spieler in die MLB kann man in etwa so umschrieben: „Jackie Robinson war die Tür zur Major League, Satchel Paige war der Schlüssel dazu".

Satchel Paiges persönliches Lebensmotto lautete: „Blicke nie zurück, denn es könnte dich krank machen".

Kommentare
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9o9o
(Registered) 11-08-2009 21:04
Schade das dere nicht in der MLB Pitchen durfte ! <img src=ide:' title=':side:' class='postemoticon' />
 
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Basti
(Publisher) 12-08-2009 11:36
Er hat zu seiner Zeit in allen Frühlings, Sommer und Winterligen geworfen: Bis zu 160 Spiele im
Kalenderjahr! Sowas ist heute absolut unvorstellbar...2500 Spiele, davon um die 2000 Siege, einfach
nur Wahnsinn, wenn das stimmen sollte.

Was mich wundert, wenn man sich über ihn informiert, dass er wohl selber nicht 100 pro sagen kann
wie alt er ist, bzw. lenkt er gerne von seinem Alter ab. Er behauptete sogar im TV, dass er schon 42
in die MLB gekommen ist, obwohl das zweifelsfrei ja 1948 war.

Joe DiMaggio traf in einem Spiel einmal auf Paige und sagte anschliessend, dass es der bisher beste
Pitcher war, dem er gegenüber stand. DiMaggio schlug 1 von 4 und entschied natürlich das SPiel mit
...
 
Erich
(Publisher) 12-08-2009 20:15
Die 2000 Siege entspringen wohl mehr der Phantasie seiner Verehrer als das sie stimmen. Zu Negro
League Spieler gibt es leider wenig Statisitken, so dass hier Realität und Fiction oft vermischt
werden.
 
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