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Mike Schmidt - die Phillies-Legende

 
Autor: Michel Romang Donnerstag, 14. Mai 2009
 

phillies_small.gifIn unserer Serie über Legenden ist dieses Mal der bis anhin beste Third Baseman der Philadelphia Phillies, Mike Schmidt, an der Reihe. Schmidt dominierte bei den Phillies in den Jahren von 1972 bis zu seinem Karriereende 1989. Noch heute hält er beinahe jeden Offensiv-Rekord beim Team aus Pennsylvania. Nach dem Ende seiner Karriere hat er sich in Baseball-Kreisen leider äusserst rar gemacht. Doch in diesem Frühjarhr tauchte Schmidt im Coaching-Staff des Team USA, welches an den World Baseball Classic bis ins Halbfinale vorstiess, auf.

Michael Jack Schmidt wurde 27. September 1949 in Dayton, Ohio geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Ohio und begann früh Baseball zu spielen. Während seiner Schulzeit fokussierte Schmidt jedoch nicht nur auf das Ballspiel, sondern auch auf ethische und andere wissenschaftliche Themen. Nach seinem Abschluss an der High School 1967 schrieb er sich an der Universität von Ohio im Fach Architektur ein. Während dieser Zeit war er auch Mitglied der in Nordamerika bekannten Beta Theta Pi Bruderschaft (Informationen unter www.betathetapi.org ). Als Baseball-Spieler wurde er schon im ersten Jahr an der Universität das Rückgrat der Ohio Bobcats. Schmidt war die grösste offensive Waffe des Universitäts-Teams. Damals musste er noch an der ersten Base spielen und es deutete noch wenig darauf hin, was aus Schmidt werden würde.

Bei den Amateurdrafts 1971 wurde Schmidt dann von den Phillies in der zweiten Runde ausgewählt. Die Minor League-Teams waren für den ambitionierten Mike keine grosse Zwischenstation – bereits am 12. September 1972 durfte er im Dress der Phillies in der Major League debütieren. Bereits vier Tage später konnte er seinen ersten Home Run erzielen. Es war ein Walk-off-Home-Run gegen die Montreal Expos. Sein erstes volles Jahr als Rookie durfte Schmidt 1973 erleben. Es wurden ihm damals gute Defensivfähigkeiten an der dritten Base, gute Instinkte beim Baserunning und eine gute Schlagkraft nachgesagt. Die Schlagkraft bewies er mit 18 Home Runs, doch bei der Geduld an der Platte stand es nicht gut um ihn – er schlug nur gerade .196 mit insgesamt 150 Strikeouts in seinem ersten Jahr. Manager Danny Ozark schickte den Rookie nach Puerto Rico, um auch im Winter Spiele zu absolvieren. Dank seinem akademischen Hintergrund studierte Schmidt viel Literatur über die Defensive an der dritten Base und auch übers Hitting. Das zahlte sich schon 1974 aus.

Der Aufstieg 1974

Er führte in seinem zweiten Profijahr die National League in Home Runs an mit 36. Zudem stellen seine 404 Assists von der dritten Base noch heute eine unerreichte Marke dar. Der „Schmidt-Spezial“ waren leichte Groundballs, die er gewöhnlich direkt mit seiner Wurfhand aufnahm und zur ersten Base feuerte, so konnte er wertvolle Zeit gewinnen, indem er nicht den Ball vom Handschuh in die Wurfhand transferieren musste. Ebenfalls im Jahr 1974 erhielt Schmidt seine erste Nomination für das All-Star-Spiel. Diese Ehre wurde ihm in seiner Karriere noch elf weitere Male zu Teil.

Im Jahr 1976 gelang Schmidt ein Start nach Mass. In den ersten 15 Saisonspielen schlug er zwölf Home Runs. Darunter waren auch vier, die er am 17. April in aufeinanderfolgenden At-Bats schlug. Die Leidtragenden dieser vier Home Runs waren die Chicago Cubs, die nach einer 13:2-Führung noch mit 18:16 nach zehn Innings verloren. Es war im selben Jahr als Mike Schmidt seinen ersten von insgesamt zehn Gold-Glove-Awards für seine Defensivkünste erhielt.

Das beste Jahr der Karriere

Das nächste erwähnenswerte Jahr ist 1980. Dies kann guten Gewissens als das Beste in der Karriere von Mike Schmidt bezeichnet werden. Er schlug nicht nur 48 Home Runs (natürlich die Meisten der ganzen Liga), sondern führte seine Phillies auch zum ersten World Series Triumph der Vereinsgeschichte. So ganz nebenbei sahnte Schmidt auch den MVP-Titel – und zwar einstimmig – und den World Series-MVP-Titel ab. Zudem erhielt er zum ersten Mal den Silver Slugger-Award. Dies sollte ihm noch sechs weitere Male in seiner Karriere gelingen. Im Jahr darauf wiederholte Schmidt seinen MVP-Titel. Auch wenn die Major League durch den Spielerstreik nicht ihre normale Saison durchführen konnte, hinderte dies Schmidt wenig, neue persönlich Rekorde (Batting Average, Slugging Percentage, On-Base Percentage) aufzustellen.

Als die Phillies 1983 ihr 100jähriges Bestehen feierten, wählten die Fans Mike Schmidt zum besten Spieler, den die Franchise bis dahin je gesehen hatte. Angestachelt durch diese Ehre führte der Third Baseman sein Team erneut in die World Series. Doch leider verlor man dort gegen die Baltimore Orioles.

1985 verschoben die Manager der Phillies Schmidt an die erste Base, damit Rick Schu am Hot Corner spielen konnte. Das Experiment zahlte sich nicht aus. Im Jahr darauf war Mike Schmidt wieder an seiner gewohnten Position und holte sich denn auch den MVP-Titel. Grund dazu waren seine 37 Home Runs und 119 RBI. Es war das achte Mal, dass Schmidt die meisten Bälle über den Zaun drosch und zum vierten Mal die meisten RBI der Liga verzeichnen konnte. Am 18. April 1987 erzielte er gegen die Pittsburgh Pirates seinen 500. Home Run.

Das Karriere-Ende

Aufgrund von Schulterproblemen, muss Mike Schmidt am 29. Mai 1989 seine Karriere beenden. Immer wieder schmerzte ihn die Schulter während seiner Karriere, doch er biss meist auf die Zähne und spielte regelmässig über 150 Spiele pro Saison. Nach seinem Karriereende wechselte Schmidt die Seite: Er kommentierte 1990 die Phillies-Spiele fürs Fernsehen. Knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt kündigten die Philadelphia Phillies an, dass sie Schmidts Nummer 20 nie wieder vergeben würden.

Nach der 90er Saison als Kommentator verabschiedete sich Schmidt fast gänzlich vom Baseball. Er wollte nicht Manager, Coach oder Kommentator werden. Eine grosse Ehre kam ihm 1995 zu als er mit 96.52% aller Stimmen in die Hall of Fame des Baseballs gewählt wurde. Dieser Wert ist der vierthöchste bislang erreichte Wert. Die Phillies haben ihrem Idol danach ausserhalb des Citizens Bank Park eine Statue gewidmet.

Im neuen Jahrtausend trat Schmidt dann doch noch einige Male in den Dienst der Phillies. Er übernahm für einige wenige Jahre das Triple-A Team und fungierte auch als Hitting Instruktor. In vergangenen Februar war Mike Schmidt dann Teil des Coaching-Staff von Team USA, welches an der World Baseball Classic bis in den Halbfinal vorgestossen ist.

Auf die Frage, warum er an der Platte so erfolgreich war, antwortete Schmidt einst: „Ich halte es ähnlich wie Wade Boggs mit seinen Hühnchen. Ich esse vor jedem Spiel drei Scheiben Weizentoast mit Butter drauf und dann klappt es.“ Wäre doch alles im Leben nur so einfach (Anm. d. Red.).

Kommentare
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Erich
(Publisher) 15-05-2009 17:30
Schöner Artikel!

An seinen HR-Rekord werden Utley und Howard ganz schön lange hinknappern müssen.



Naja und schade, dass es immer weniger Spieler gibt, die vom Beginn bis zum Ende ihrer Karriere bei
einen Team spielen.
 
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dancariaz
(Registered) 15-05-2009 18:25
@Erich: solche Spieler gibts nur noch bei den Yankees :)
 
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Michel
(Publisher) 15-05-2009 18:59
Wenn Howard weiterhin 40+ Home Runs schlägt und noch eine Weile bei den Phillies bleibt, dann seh
ich da nicht ganz so grosse Probleme. Aber ich möchte hier auf keinen Fall Howard mit Schmidt
vergleichen, denn das sind ziemlich verschiedene Spielertypen!



@dancariaz: Logisch, denn Hughes, Posada und den Melkmann will momentan auch niemand *g*
 
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dancariaz
(Registered) 15-05-2009 19:17
@Michel: ich mein ja auch Jeter, Mo und Pettitte (jaja, ich weiß das mit Houston).



Melky würde ich mittlerweile gar nicht mehr abgeben wollen, der spielt ne Supersaison :)





zu Howard: ich persönlich glaub nicht, dass der nochmal an Schmidt rankommt was die HRs angeht.
 
Michael
(Registered) 15-05-2009 19:37
Das liegt auch daran, dass die Yankees mitunter kräftig überbezahlen. Jeter ist da ein schönes
Beispiel. Andere Teams können sich solche Sentimentalitätsmilliönchen für den Publikumsliebling
nicht leisten.
 
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Uncle_Charlie
(Registered) 15-05-2009 20:03
Sehr Guter Artikel, nur eine Anmerkung: Könnte man nicht einmal einen Artikel über
Negro-League-Spieler schreiben? Bob Gibson, Satchel Paige etc.
 
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Uncle_Charlie
(Registered) 15-05-2009 20:36
Tut mir leid, nicht Bob sondern JOSH Gibson
 
Erich
(Publisher) 15-05-2009 22:17
Jackie Robinson war ja schon dran.

Weitere werden sicher folgen.
 
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