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Josh Gibson - Der schwarze Babe Ruth

 
Autor: Erich Kuffer Sonntag, 08. November 2009
 
Negro_League
Negro League Logo - CC-BY - Foto von dbking

Er wird der schwarze Babe Ruth genannt, seine Fans sind jedoch der Meinung dass man Ruth als weißen Josh Gibson hätte bezeichnen müssen.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Baseball-History. Mit Josh Gibson wollen wir Euch den besten Catcher und einen der besten Hitter aller Zeiten vorstellen. Aber wie so viele hervorragende Baseballspieler der damaligen Zeit durfte Gibson sein Können nie in der MLB zeigen, da deren Teameigentümern seine Hautfarbe zu dunkel war.

Jugend
Josh Gibson wurde am 21. Dezember 1911 als ältestes von drei Kindern in Bueno Vista, Georgia geboren. Die Familie zog 1923 nach Pittsburgh, da dort Josh Vater Arbeit in einen der Stahlwerke fand. Gibson bezeichnete dies später als größtes Geschenk, was sein Vater ihm machte. Konnte er doch im industriellen Pittsburgh eine Schule besuchen und später eine Ausbildung zum Luftbremsenmechaniker machen, was im Süden nie möglich gewesen wäre. Der athletische Gibson war ein guter Roller-Skater und hervorragender Schwimmer. Dennoch begeisterte er sich früh für das Baseballspiel und schloss sich deshalb mit 16 Jahren dem örtlichen Amateurteam der Gimbels A.C. an, wo er als Third Baseman spielte. 1928 wechselte er sich dann zu den Pittsburgh Crawfords, einem halbprofessionellen Team des ehemaligen Unterwelt-Ganoven Gus Greenlee. Dort übernahm er auch den Posten des Catchers, allerdings hatte er anfangs noch einige Probleme vor allem beim Fangen von Foul-Pop-up Bällen die er in der Luft schwer ausmachen konnte. Deswegen zeigten ihn seine Mitspielers öfters wo er hinlaufen musste. Es gibt mittlerweile Mutmaßungen, dass der Tumor, der ihm später das Leben kostete, bereits damals der Grund für die Sehschwäche war.


Grays
Gibsons wechselte 1930 zu den Homestead Grays, den damals besten Team der Negro League und gab dort sein Debüt in der höchsten Spielklasse für Afro-Amerikaner. Dort traf er auch auf Manager-Legende Judy Johnson der vielen schwarzen und weissen Spielern der damaligen Zeit den nötigen Feinschliff beibrachte. Im selben Jahr ereilte ihn jedoch eine große Tragödie, denn seine Frau Helen die er im Jahr zuvor geheiratet hat, starb bei der Geburt der Zwillinge Josh jr. und Helen. Dennoch schlug er in dieser Saison .338 für die Grays und erreichte mit ihnen die Endrunde. In der Playoffserie gegen die Giants sorgte er dann für Furore, als er zweimal Home Runs über die Marke von 460 Foot hämmerte.

Crawfords
1932 wechselte er dann wieder zu den Crawfords, für die er bis 1936 spielte. Diese erhielten zuvor 1931 den Status eines Profiteams in der Negro League. Mit jungen, aufstrebenden Spielern wie Gibson, Paige oder Charleston wurden sie dann auch bald darauf das beste Team in der NNL. Mit seiner dominanten Schlagkraft war Gibson einer der produktivsten Spieler der damaligen Zeit. So schlug er im gesamten Jahr 1933 .467 mit 55 Home Runs in 137 Spielen. Höhepunkt der Saison 1935 war das Ost-West-Spiel der NNL welches vergleichbar war mit dem All-Star-Game der MLB. Der gegnerische Manager ließ dem Spieler vor Gibson durch einen intentional Walk auf Base, da er sich bei Gibson mehr Chancen auf ein Out ausrechnete. Dies ließ sich der Catcher mit dem kraftvollen Arm jedoch nicht bieten und schlug einen Home Run zum Sieg seines Teams in die Zuschauerränge. In seinen letzten Homestad-Jahr 1936 erzielte er dann 72 Home Runs bei 550 At-Bats. Nachdem die Crawford eine schwere Zeit durchmachten (sie lösten sich 1938 auf), wechselte Gibson 1937 wieder zu den Grays.


Ausland
In dieser Zeit machte er auch mehrere Abstecher ins Ausland, vor allem um dort seine Finanzen aufzubessern. So verschlug es ihn 1937 in die Dominikanischen Republik wo er zum ersten Mal außerhalb der USA sein Schlagtalent zeigte. Dort gewann er mit einen AVG von .453 auch auf Anhieb den Batting-Titel der Liga.
Aber auch in Kuba, wo Gibson in der dortigen Winter-Liga 1938 spielte, stellte er auf Anhieb mit elf Home Runs in 163 At-Bat einen neuen Rekord auf.
In Puerto Rico schlug er 1941 mehr Home Runs (13) als der Zweit- und Drittplazierte zusammen und wurde folgedessen zum MVP der Liga gewählt. Dabei soll er einen Home Run 600 Foot weit geschlagen haben, der größten jemals ermittelten Weite.
In der gleichen Saison spielte Gibson auch in Mexiko, dabei erzielte er in 94 Spielen einen Schlagdurchschnitt von .374 mit 33 Home Runs und 124 RBIs. Der bisherige Home Run Rekord lag bis zu seinen Auftritt im südlichen Nachbarland bei zwölf.

1942 wechselte er dann zum dritten mal zu den Grays wo er bis zu seinen Karriereende 1946 blieb. Zuvor hatte er jedoch Ärger mit dem Teambesitzer Cum Posey, da er das Team vor Ablauf seines Vertrages verließ, weil er ihn Mexiko mehr verdienen konnte. Mit einen monatlichen Gehalt von $1000 wurde er nach Paige der am besten verdienende Spieler der Negro League. Mit dem Grays konnte er in dieser Zeit dreimal den Negro League World Series Titel gewinnen. Er selber gewann 1942 und 1943 abermals den Home Run Titel der NNL.

Krankheit
Mit 31 Jahren trank Gibson zunehmend mehr Alkohol, sogar der Konsum von Drogen, die er sich in Mexkio besorgt haben soll, wurde ihm nachgesagt. Deswegen wurde er schließlich in ein Sanatorium in Washington D.C. eingeliefert. Seinen Leistungen wurden dadurch aber nicht beeinträchtigt, so schlug Gibson 1943 in der NNL .449 und 22 Home Runs, dies waren mehr waren als die drei nächstbesten Spieler zusammen erzielten. 1944 gewann Gibson dann zum letzten Mal die Negro League World Series, wobei er mit acht Hits in 16 At-Bats maßgeblich am Sieg beteiligt war. In seiner letzten Saison 1946 schlug er .397 mit 17 Home Runs. Bei Gibson wurde bereits 1943 ein Gehirntumor festgestellt. Eine Operation lehnte er jedoch ab, da er Angst hatte hinterher nie mehr spielen zu können. So lebte er noch vier Jahre mit ständigen Kopfschmerzen, ehe er dann 1947 im Alter von 35 Jahren starb. Drei Monate nach seinen Tod sollte Jackie Robinson dann der erste schwarze Spieler in der Major League werden.

Karriere
Wie die meisten Schwarzen musste Josh Gibson die Ungerechtigkeit der Rassentrennung ertragen, aber im Gegensatz zu einen Satchel Paige der das ziemlich locker sah, litt er sehr darunter dass die Major-League-Pforten für ihn nicht offen standen.
Angeblich wollten ihn die Pirates 1943 unter Vertrag nehmen, also vier Jahre vor Robinson, doch der MLB-Commisioner soll dies unterbunden haben. Dazu fürchteten einige NNL-Besitzer, das dies das Aus für ihre Liga bedeuten würde, wenn die besten schwarzen Spieler in die weiße MLB abwanderten. Gibson, der 17 Jahre lang die NNL sowie lateinamerikanische Ligen dominierte, konnte sich nur in diversen Vorbereitungsspielen mit Major League Pitchern messen. Dabei erzielte er aber in 60 At-Bats einen beachtlichen Schlagdurchschnitt von .429.

Josh Gibson absolvierte wie die meisten Schwarzen zur damaligen Zeit neben den Negro-League-Spielen zahlreiche Partien in Winterligen, in Lateinamerika oder gegen örtliche Vereine wie z.B. Polizei-Baseballteams. Die NNL ermöglichte so den Spielern in lukrativen Begegnungen oder Turnieren sich Extra-Geld dazuzuverdienen.
Dies und die unvollständigen Aufzeichnungen über die NNL-Spiele machen es allerdings unmöglich, exakte Karrierezahlen zu liefern. Für Gibson wurde ein Karriere-AVG von mindestens .350 und 800 geschlagene Home Runs ermittelt, dies steht zumindest auf seiner HoF-Plakette. Dazu soll Gibson dafür bekannt gewesen sein, Home Runs sehr weit zu schlagen. Distanzen von über 500 Foot sollen keine Seltenheit gewesen sein, ein Home Run wurde sogar mit 575 Foot gemessen.

Josh Gibson wurde 1972, als zweiter Negro-League-Star nach Satchel Paige, in die Hall of Fame aufgenommen. Bereits 1971 wurde er in den Salon de la Fama (Mexikos HoF) aufgenommen.

Kommentare
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Larsen
(Registered) 09-11-2009 11:53
"Er wird der schwarze Babe Ruth genannt, seine Fans sind jedoch der Meinung dass man Ruth als
weißen Josh Gibson hätte bezeichnen müssen."

Irgendwie unlogisch, denn die Karriere von Babe began viel früher....da hat er noch in seine Windeln
gemacht.

Aber schöner Artikel, müsste mich echt mal mit der Negro League beschäftgen. Ich kenne nur einige
Fakten durch die Ken Burns Doku.
 
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Cecil_Rhodes
(91.67.247.xxx) 09-11-2009 12:44
Das soll wohl eher den Status beschreiben, da eine Anlehnung ja immer eine gewisse Minderwertigkeit
impliziert. So ist der "weiße Pelé" zwar auch ein überragender Fußballer gewesen, aber kommt
an Pelé halt nicht ganz ran. Und angesichts "In seinem letzten Homestad-Jahr 1936 erzielte er
dann 72 Home Runs bei 550 At-Bats" kann man das mit Ruth als "weißen Gibson" wohl
vertreten.
Klasse Artikel. Ist echt schon beeindruckend, was in den Negro Leagues für Granaten unterwegs waren.
 
Michael
(Registered) 09-11-2009 23:31
Zitat:
Josh Gibson wurde 1972, als zweiter schwarzer Spieler nach Satchel Paige, in die Hall of Fame
aufgenommen.

Wurde Jackie Robinson nicht schon Anfang der 60er aufgenommen?
 
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Larsen
(Registered) 10-11-2009 09:40
Jep Jackie wurde 1962 ind die HoF aufgenommen, scheinbar ein Schreibfehler.
 
Erich
(Publisher) 10-11-2009 17:42
Ein MLB-Komitee hat Anfang der siebziger beschlossen, vier ehemalige Negro-League-Spieler
nachträglich in die Hall of Fame aufzunehmen. Auch als eine Art wiedergutmachung, da man ihnen den
Zugang zur MLB lange Zeit verwehrt hatte.

Diesen Nachteil hatte Robinson nicht, konnte er doch einen Grossteil seiner Karriere in der MLB
absolvieren.

Formal ist Robinson sicher der erste Schwarze in der HoF (wenn man nur die Hautfarbe betrachtet).
Aber Paige war der erste Schwarze, der aus einer Zeit stammt wo man Menschen noch nach Rassen
(Schwarz/Weiss) trennte und damit festlegte wer in der MLB spielen durfte und wer nicht.

Heute würde kein Mensch mehr auf die Idee kommen und sagen R. Hender...
 
re:
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Larsen
(Registered) 10-11-2009 17:51
Erich schrieb:

Diesen Nachteil hatte Robinson nicht, konnte er doch einen Grossteil seiner Karriere in der MLB
absolvieren.


Naja ob Nachteil da die gute Wahl ist weiß ich nicht. Er als erster Schwarzer in der MLB musste sehr
sehr sehr viel einstecken. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei
 
Erich
(Publisher) 10-11-2009 18:18
Diesen Nachteil, dass er nicht in der MLB spielen durfte hatte er nicht.

Aber er hatte andere Nachteile. Er wurde beschimpft und bepöbelt, dazu von Mitspielern oftmals
überhart angegangen.

Du hast Recht, gut das diese Zeiten vorbei sind.
 
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