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Henderson und Rice - Die Hall of Famer 2009

 
Autor: Erich Kuffer Samstag, 25. Juli 2009
 

Hall_of_FameHeute wollen wir Euch die beiden diesjährigen Hall of Famer Rickey Henderson und Jim Rice vorstellen. Die beiden wurden im Januar in die altehrwürdigen Hallen von Cooperstown gewählt und werden nun am 26. Juli im Rahmen einer feierlichen Zeremonie eingeführt. Während Hendersons Wahl unbestritten ist, hält er doch die MLB-Rekorde für Stolen Bases und Runs und gilt dazu als bester Lead-Up-Hitter aller Zeiten, gab es bei der Wahl von Rice durchaus kritische Stimmen. Er war aber über zehn Jahre lang der beste Hitter der Liga und hat dabei einige Schlagrekorde aufgestellt. Von daher sollte auch er verdientermaßen in die Ruhmeshalle des Baseballs einziehen.

athletics_smallRickey Henley Henderson wurde am 25. December 1958 in Chicago, Illinois geboren. Schon während der Geburt bewies er seine Schnelligkeit, war er doch während der Fahrt ins Krankenhaus auf dem Autorücksitz zur Welt gekommen. Nachdem sein Vater die Familie sehr früh verlassen hatte, zog die Mutter mit den Kindern nach Oakland. Dort heiratete sie Paul Henderson, von dem auch Rickey den Nachnamen annahm.

Bereits auf seiner High School in Oakland war Rickey ein ausgezeichneter Athlet, was er beim Basketball, Football und Baseball bewies. So erhielt er dort auch als Running Back zahlreiche Auszeichnungen für seine Leistungen im Football. Als er jedoch 1976 von den Oakland Athletics in der vierten Runde gedraftet wurde, fokussierte er sein sportliches Talent ausschließlich auf den kleinen Lederball.
Bei dem Team aus Kalifornien gab er dann auch 1979 sein MLB-Debüt, wobei er bereits im ersten Jahr sein Talent zeigte, wenn es darum ging Bases zu stehlen. Denn in 89 Spielen gelang ihm dies 33. Mal.

1980 schaffte Henderson dann den großen Durchbruch in der Liga, als er über 100 Stolen Bases verzeichnen konnte und damit den AL-Rekord aus dem Jahre 1915 von Ty Cobb (96) überbot. Ein Jahr später gewann er zum einzigen Mal in seiner Karriere einen Gold Gloves, sowie einen Silver Slugger. 1982 überbot Henderson dann den Rekord von Lou Brock für den modernen Baseball als er 130 Stolen Bases in einer Saison auf seinen Konto verbuchen konnte. Ein Wert den bis heute kein Spieler mehr in der Major League erreicht hat.

Begünstigt wurden seine vielen Stolen Bases durch mehrere Faktoren. So hatte Rickey bei den A´s mit Billy Martin einen Manager, der eine aktive und aggressive Spielweise bevorzugte und deshalb Rickey oft die Erlaubnis zu Base-Steal-Versuchen gab. Henderson selber war aufgrund seiner Dynamik und Schnelligkeit natürlich bestens geeignet um solche Versuche erfolgreich auszuführen. Er konnte in 2,9 Sekunden von einer Base zur anderen Bases sprinten, während der Ball vom Pitcher zum Catcher und von dort zur Base ca. 3,5 Sekunden benötigt. Dazu hatte er die Begabung ein Spiel zu lesen und die Situationen zu erkennen, in denen ein Versuch möglichst erfolgversprechend war. So kam es, dass er in drei Saisons jeweils über 100 SB auf seinen Konto verbuchen konnte und damit den Grundstein für seine Legende als Base-Stealer legte.

Rickey Henderson war aber nicht nur ein guter Baserunner, sondern auch ein guter Hitter. In vier Spielzeiten konnte er mehr als 20 Home Runs erzielen, was für einen Lead-Off-Hitter ungewöhnlich gut ist. Dazu hält er mit 81 Lead-Off-Home-Runs die Bestmarke in dieser Kategorie. Zum Leidwesen der Pitcher nahm Henderson beim Schlagen eine übertrieben gebückte Hockerstellung ein, wodurch die Strikezone sehr klein wurde.

1985 verließ Henderson Oakland Richtung New York zu den ruhmreichen Yankees die ihn in einem Trade für fünf Spieler verpflichtet hatten. Allerdings konnte er dem Team aus der Bronx nicht den ersehnten Titelgewinn bescheren. Dafür egalisierte er aber in nur vier Spielzeiten den Club-Rekord für Stolen Bases, ehe er 1989 wieder zu den Athletics zurückkehrte. Dort gewann er dann gleich im ersten Jahr seinen ersten World Series Titel. Die Athletics fertigten den Ortsrivalen aus San Francisco mit einem Sweep ab, wobei Henderson mit einer überragenden Leistung maßgeblichen Anteil an den Triumph hatte. So gelangen ihm in 19 At-Bats acht Hits, ein Home Run und drei Stolen Bases.
Sein größter persönlicher Erfolg folgte dann 1990, als er zum ersten und letztendlich auch einzigen Mal zum MVP der American League gewählt wurde. In dieser Saison schlug Henderson .325 mit 28 Home Runs und holte dazu 119 Runs und 65 Stolen Bases. In der World Series unterlagen die Athletics aber trotz eines starken Henderson den Cincinnati Reds.
Höhepunkt der Saison 1991 war der 1. Mai, da nämlich überbot Henderson die All-Time-Rekordmarke in Stolen Bases von Lou Brock, der in seiner Karriere derer 939 erzielte. Leider ging dieses Rekordereignis an diesen Tag ein wenig unter, da Nolan Ryan seinen siebten No-Hitter warf. Über diesen meinte Rickey nach einem Strikeout das er von Ryan kassierte, du bist ein niemand, wenn du nicht einmal in deiner Karriere von Nolan ausgestrikt wirst.

1993 konnte Henderson dann seinen zweiten und letzten World Series Triumph feiern. Er war mittlerweile zu den Blue Jays gewechselt, die mit ihm zum zweiten Mal in Folge die Baseballkrone nach Toronto holen konnten.
Nach dem Intermezzo in Kanada wechselte Henderson mehrmals die Vereine, so spielte er unter anderen für die Mets, Padres, Mariners und die Angels. Aber bereits hier zeichnete sich ab, dass seine beste Zeit vorbei war. So ließen sowohl seine Lauf- wie auch Schlagleistungen im Vergleich zu seinen ersten Karrierejahren deutlich nach. Nichtsdestotrotz gelang ihm in der Saison 2001 in San Diego ruhmreiches, als er drei MLB-Rekorde ehemaliger Baseball-Ikonen überbot. Dies waren die 2062 Walks von Babe Ruth, die 2246 Runs von Ty Cobb und die 2328 Spiele im Left Field von Zack Wheat. Am letzten Spieltag der Saison schlug er dazu noch seinen 3000. Karriere-Hit. Dabei bildete er mit Padres-Legende Tony Gwynn das bisher einzige MLB-Duo in einen Lineup das jeweils über 3000. Hits erzielte.
2002 ging Rickey schließlich nach Boston wo er als 43-Jähriger der älteste Spieler der AL wurde. Dazu hatte er mehr Stolen Bases auf dem Konto, wie die Red Sox in ihrer gesamten Geschichte erzielen konnten.

Nachdem Henderson 2003 kein Team fand, dass ihm einen Vertrag anbot, spielte er in unterklassigen Ligen weiter. Der großartige Baseballer konnte noch nicht akzeptieren, dass seine Karriere vorbei war.
Am 13. Juli 2007 hatte Henderson dann endlich ein Einsehen. Der Spieler, der mit 1406 Stolen Base diese All-Time-Statisitk überlegen anführt und dazu mehr Karriere-Runs erzielt hat wie jeder andere MLB-Spieler, gab seinen offiziellen Rücktritt bekannt.

Rickey Henderson war eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die jemals ein Baseballfeld in der Major League betraten. So hatte er die Angewohnheit über sich nur in der dritten Person als Rickey zu sprechen. Dazu kursieren eine Unmenge von Legenden und Anekdoten die seinen seltsamen aber doch liebenswürdigen Charakter beschreiben.

Über seinen ersten Bonusscheck den er von den A´s erhielt, war Rickey so stolz, dass er ihn zuhause aufhängte. Erst als die Buchhaltung Ärger mit dem Finanzamt bekam, da kein Geld abgebucht wurde, kam man ihm auf die Schliche.
Als seine Mitspieler bei einem Auswärtsspiel vom nahe gelegenen Hotel zum Stadion gingen, bzw. mit den Teambus hinfuhren überholte sie eine Stretchlimousine, von deren Rücksitz aus ihnen Rickey zuwinkte.
Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass 50 Prozent der Spieler gedopt sind, antwortete er, Rickey ist nicht gedopt, also können es nur 49% sein.

redsox_smallJames Edward Rice wurde am 8. März 1953 in Anderson, South Carolina geboren. Der kräftige Athlet war beim Draft 1971 der Erstrundenpick der Red Sox. Den Rotsocken sollte er dann auch bis zu seinen Karriereende treu bleiben. Bevor er in die Majors gelangte, sorgte Jim erst mal in der Minor League für Furore, indem er 1974 das Triple-Crown mit .337, 25 Home Runs und 95 RBI gewann. Mehrere Auszeichnungen unter anderen zum Nachwuchsspieler des Jahres waren die logische Folge der überragenden Saison. Im August des gleichen Jahres sollte er dann auch sein Debüt in der MLB geben.
Jim Rice konnte bereits in seiner ersten vollen Saison 1975 zeigen, welches Schlagpotential sich die Red Sox mit ihm geangelt haben. Ein Schlagdurchschnitt von .309, 102 Runs und 22 Home Runs waren seine Ausbeute. Der Lohn war ein zweiter Platz bei der Wahl zum Rookie of the Year, sowie ein dritter bei der MVP-Wahl. Die beiden Auszeichnungen sicherte sich jeweils sein Teamkollege Fred Lynn. Die Red Sox erreichten dann auch Dank der beiden Neulinge im Outfield die World Series. Diese wurde jedoch gegen die „Big-Red-Maschine" aus Cincinnati mit 3:4 verloren, wobei Rice wegen einer Verletzung nicht daran teilnehmen konnte. Hochmotiviert versuchte er jedoch vorher seine Genesung vorzutäuschen um mitspielen zu können. Das Red Sox Management durchschaute jedoch den Plan und bewahrte Rice damit vor womöglich irreparablen Verletzungen.
1977 wurde Jim Rice zum ersten Mal in das American League All-Star-Team gewählt, vor allem da er seine Schlagleistungen nochmals steigern konnte. So schlug er in der Saison 39 Home Runs, welche die meisten in der AL waren, dazu hatte er einen AVG von .320.
Ein Jahr später folgte dann das beste Jahr seiner Karriere. Rice schlug bei einen Schlagdurchschnitt von .315, 46 Home Runs, 15 Triples und 139 RBI. Dies bedeutete nicht nur Ligabestleistung für die letztgenannten drei Kategorien, er war der bisher einzige Spieler der diese Statistiken im gleichen Jahr für sich entscheiden konnte. Dazu schaffte er es in dieser Saison 406 mal auf Base zu kommen, lediglich der legendäre Joe DiMaggio konnte 1937 mit 418 Bases in der AL mehr erzielen.
Der Lohn für diese Leistungen waren seine Wahl zum Most Value Player der American League, die Auszeichnung sollte Jim Rice 1978 zum ersten und einzigen Mal gewinnen.
Dennoch war er ein Jahr später nur unwesentlich schlechter, 39 HR, 130 RBI und ein AVG von .320 waren immer noch Marken die ihn zu einen der gefürchtesten Hitter der MLB werden ließen.
In den folgenden drei Jahren fiel seine Leistung ein wenig ab, nur gut 20 Home Runs, ein AVG der an der .300er Marke kratzte und unter 100 RBIs waren seine Ausbeute. Konsequenterweise wurde er 1981 und 1982 nicht zum A-S-G eingeladen, bei dem er zuvor vier Mal in Folge teilnahm.
Unvergessen ist jedoch ein Spiel vom August 1982, bei dem Rice als Lebensretter auftrat, als ein kleiner Junge durch einen verunglückten Ball am Kopf getroffen wurde. Jim erfasste die Situation blitzschnell und stürmte aus dem Dugout zu dem Jungen. Mit diesen in den Armen lief er dann zu den Sanitätern, die die Blutung rechtzeitig stoppen konnten.
1983 schlug er dann wieder wie zu besten Zeiten, 39 Home Runs, und 126 RBIs standen am Saisonende auf seinen Konto. Rice konnte in den folgenden Jahren jedoch nie wieder die Marke von 30 Home Runs erreichen, dennoch wurde er von 1983-1986 zu All Star Spielen eingeladen, so dass er in seiner Karriere insgesamt acht Teilnahmen verbuchen konnte.
1986 wurde er zudem nochmals Dritter bei der MVP-Wahl. Dazu erreichten die Red Sox in diesen Jahr zum zweiten Mal in Rices Laufbahn die World Series. Diesmal war er gesund und dazu überaus erfolgreich. In 14 Postseason-Spielen schlug er zwei Home Runs und erzielte dazu 14 Runs, was die Fünftmeisten in der Postseason-Geschichte bedeuteten. Gebracht hat es dem Team nicht viel, denn die WS wurde gegen die Mets verloren.
Rice wurde in den folgenden Jahren immer wieder von Verletzungen geplagt, so dass er keine Saison mehr durchspielen konnte. Nachdem er 1989 nur noch 56 Spiele absolvieren konnte und dabei nur drei Home Runs und einen AVG von .234 erzielte, beendete er seine Karriere im Alter von 36 Jahren.
Rice gewann dreimal den Titel des Home-Run-Königs (77, 78, 83) und schlug derer insgesamt 382. Sein Karriere-AVG liegt bei .298. Dazu ist er der einzige Spieler der MLB-Geschichte der drei Saisons in Folge mindestens 200 Hits und 39 Home Runs erzielen konnte.

Von 1995 bis 2000 war Jim Rice Batting-Coach der Red Sox. Diese konnten unter seiner Regie sogleich ihre Schlagleistungen wesentlich verbessern. So kletterte der Team-AVG von .260 auf .280, die Zahl der Home Runs von 111 auf fast 200 je Saison.

Trotz seiner herausragenden Qualitäten gibt es aber einige Baseballexperten die Rices Wahl in die Hall of Fame kritisch beurteilen. Sie bemängeln vor allem, dass er eine relativ kurze Karriere hatte (nur zwölf volle Saisons), dazu gab es einen signifikanten Unterschied bei seinen Leistungen zwischen Fenway-Park und den Auswärtsspielen. Seine Defensivqualitäten waren dazu eher mittelmäßig, was vor allem daran lag, dass er nicht der schnellste Läufer war. So kam es auch, dass er nie einen Golden Glove gewonnen hat. Unbestritten ist aber die Tatsache, dass er von Mitte der 70er bis Mitte der 80er der beste Batter der gesamten Liga war und somit in diesen Zeitraum Maßstab für alle anderen. Dazu gibt es lediglich neun Spieler in der MLB-Geschichte, die einen höheren Schlagdurchschnitt erzielt haben und dabei mehr Home Runs wie er geschlagen haben.

Rickey Henderson wurde bereits beim ersten Mal mit 94,8% in die Ruhmeshalle des Baseballs gewählt. Jim Rice hingegen musste sich gedulden ehe er im 15. und damit letzten Anlauf mit 76,4% der Stimmen die notwendige 75 Prozent Hürde nahm.
Ehrerbietung bekamen die beiden auch von ihren Teams, denn die Red Sox zogen Rices Nummer 14 ein und die Athletics Hendersons Nummer 24.

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