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Die 1908er Chicago Cubs
In dieser Ausgabe von Baseball-History wollen wir Euch die Chicago Cubs des Jahres 1908 vorstellen. Eingefleischte Cubs-Fans schwelgen bei der Erwähnung dieser Jahreszahl sicher in Erinnerung, war es doch das Jahr in dem das älteste Team der MLB (zusammen mit den Braves) das letzte mal die World Series gewann. Man erreichte hinterher zwar noch siebenmal die Endspielserie, der ganz große Wurf gelang dabei aber nie.
Selbst Baseball-Ikonen wie Rogers Hornsby, Ernie Banks oder Ryne Sanberg konnten die Baseballkrone nicht nach Chicago holen. Und auch dieses Jahr sieht es nicht so aus, als ob den Jungs um Alfonso Soriano der Titelgewinn gelingt, damit endlich diese einmalige Pechsträhne im Profisport unterbrochen wird.
Die Cubs starteten als Titelverteidiger in die National League Meisterschaft von 1908, welche sich als eine der spannendsten in ihrer Geschichte entpuppen sollte. Die Pittsburgh Pirates mit ihren Star Honus Wagner und die New York Giants mit ihren Pitching-Ace Christy Mathewson lieferten sich mit den Chicago Cubs ein erbittertes Duell um den Divisionssieg. Die Entscheidung zugunsten der Cubs fiel dann einige Spiele vor Saisonschluss durch eine sehr kuriose Begebenheit.
Am 23. September standen sich die Teams aus Chicago und New York Punktgleich gegenüber. Da die Pirates schon leicht abgeschlagen waren, wäre also für den Sieger der Partie der Weg in die World Series geebnet, denn Playoffspiele gab es zur damaligen Zeit noch nicht.
Ende des neunten Inning stand es 1:1 und der 19-jährige Giants-Spieler Fred Merkle stand bei zwei Outs am Schlag. Nach einen Single rückte er auf die erste Base vor, sein Teamkollege McCormick konnte auf die dritte Base vorrücken. Al Bridwell folgte nun mit einen weiteren Single, den McCormick nach Hause lief.
Die Zuschauer jubelten über den vermeintlichen Sieg und rannten auf das Spielfeld, der junge Merkle lief daraufhin ins Clubhaus zurück ohne die zweite Base zu berühren (Damals war diese Aktion noch üblich). Der aufmerksame Second Baseman der Cubs Johnny Evers schnappte sich nun den Ball und berührte mit ihm die zweite Base und machte damit Merkle aus. Der Run von McCormick zählte also nicht.
Da es spät war und es erst eine Weile dauerte bis man die Zuschauer vom Spielfeld befördern konnte, wurde das Spiel unentschieden gewertet. Da deswegen beide Teams am Saisonende punktgleich waren, gab es ein Entscheidungsspiel welches die Cubs dann 4:2 gewannen. Merkle verpasste man später den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Bonehead" (Holzkopf). Die Cubs aber gewannen die Division mit 99-55 Siegen und zogen damit in die World Series gegen die Detroit Tigers ein.
Die Spieler der Cubs waren eine Ansammlung von teilweise seltsamen Typen aber dennoch herausragenden Spielern, die Rekorde aufstellten die noch heute Bestand haben.
First Baseman Frank Chance, der in der World Series einen Schlagdurchschnitt von .421 erzielte, war auch gleichzeitig Manager des Teams. Chance spielte von 1986-1912 bei den Cubs und wechselte dann zu den Yankees, wo er 1914 seine Karriere krankheitsbedingt beendete. Während seiner Zeit als Manager (1905-1912) hatten die Cubs die erfolgreichste Zeit ihrer Clubgeschichte, denn unter seiner Regie gewannen sie viermal den NL-Titel und zweimal die World Series.
Shortstop Joe Tinker spielte von 1902-1912 für die Cubs, ehe er aus finanziellen Gründen zu den Reds wechselte. Tinker war ein mittelmäßiger Batter, was sein Karriere-AVG von .262 belegt. In der 1908-Saison erzielte er sechs Home Runs und war damit bester Slugger der Cubs. Dazu war er extrem schnell, so dass er durchschnittlich 28 Stolen Bases pro Saison erzielte. Einmal gelang es ihm sogar die Home Base zweimal in einer Partie zu stehlen. Dazu war sein Defensivspiel äußerst gut.
Second Baseman Johnny Evers spielte von 1902 bis 1913 bei den Cubs. 1914 wurde er zu den Boston Braves getradet, mit denen er ebenfalls die World Series gewann. Er war einer der leichtesten Spieler überhaupt, so wog er zu Beginn seiner Laufbahn nur 45 kg und später max. 59 kg. Er war in der 08-Saison der beste Feldspieler der Cubs mit .300 und 36 Stolen Bases, in der World Series erreichte er einen AVG von .350. Er war es auch, der den Schiedsrichter auf das Missgeschick von Fred Merkle aufmerksam machte und so den Cubs die WS-Teilnahme 1908 ermöglichte.
Der New Yorker Kolumnist Franklin Pierce Adams verewigte die drei Spieler 1910 in seinen berühmten Gedicht "Baseball's Sad Lexicon", bekannt auch als Tinker to Evers to Chance. Das Trio wurde 1946 gemeinsam in die Hall of Fame aufgenommen.
Pitcher Ed Reulbach gelang am 26. September 1908 Einmaliges in der Geschichte der MLB. Er absolvierte gegen die Dodgers zwei komplette Spiele an einen Tag. Auch so war dies seine erfolgreichste Saison mit 24 Siegen. Zudem ist er einer von nur fünf Spielern in der World Series Geschichte denen ein Complete Game mit nur einen erlaubten Hit gelang (1906 gegen die White Sox). Er starb 1961 als letzter Verbliebener der 1908er Cubs.
Mordecai 'Three Finger' Brown bekam als Kind seine Wurfhand in eine Arbeitsmaschine, die ihm den Zeigefinger abtrennte und weitere Finger verstümmelte. Das Unglück kam ihm jedoch beim Baseballspiel zugute, denn durch das entstandene „Loch" zwischen den Fingern konnte er den Ball einen besonderen Drall verleihen. So war er einer der besten Curveball-Werfer der damaligen Zeit. Brown debütierte 1903 als 26-jähriger bei den St. Louis Cardinals. Seine erfolgreichste Zeit verbrachte er dann jedoch bei den Cubs für die er von 1904-1912 sowie dann nochmals 1916 spielte. Brown gelangen in sechs aufeinanderfolgenden Jahren mindestens 20 Siege und sein Karriere-ERA liegt bei 2.06. Seine 29 Siege von 1908 sind noch heute Clubrekord bei den Cubs. 'Three Finger' Brown wurde 1949 in die Hall of Fame aufgenommen.
Die Starting Rotation der 1908er Cubs war überdies die beste in der Major League Geschichte. Mordecai 'Three Finger' Brown (ERA 1.47), Ed Reulbach (ERA 2.03), Orval Overall (ERA 1.92), Jack Pfiester (ERA 2.00), Chuck Frazier (ERA 2.27) und Carl Lundgren (ERA 4.22) hatten gemeinsam einen ERA von 2.13, ein Wert den bis heute keine Rotation mehr erreicht hat.
In der World Series 1908 trafen die Cubs als Titelverteidiger auf den Vorjahreskontrahenten Detroit Tigers mit ihren Superstar Ty Cobb. Vorwegnehmend sei gesagt, dass dies eine der langweiligeren Endspiel-Serien war. Das sahen auch die Fans so, denn zum letzten Spiel kamen nur 6210 Besucher in den Bennett Park nach Detroit. Dies war die niedrigste Zuschauerzahl die jemals ein World Series Spiel verfolgte.
Spiel eins war noch relativ spannend, denn die Cubs konnten erst im neunten Inning die Partie mit fünf Runs und 10:6 zu ihren Gunsten entscheiden.
In Spiel zwei gelang Joe Tinker ein für damalige Zeiten seltener Home Run (der erste in einen World Series Spiel seit 1905), die Cubs gewannen 6:1.
Spiel drei war die einzige Partie die Detroit dank eines glänzend aufgelegten Ty Cobb mit 8:3 gewinnen konnte. Ihm gelangen bei fünf At-Bats vier Hits.
In Spiel vier zeigte Mordecai Brown seine Klasse, denn in einen Complete Game fertigte er die Tigers beim 3:0 Sieg seines Teams ab.
In Spiel fünf tat es ihm sein Teamkollege Orval Overall beim 2:0-Triumph der Cubs nach. Overall gelangen im ersten Inning vier! Strikeouts, damit ist er der bisher einzige Spieler, dem dies in einen WS-Spiel gelang.
Im Herbst 1908 waren die Chicago Cubs auf den Höhepunkt ihres sportlichen Könnens. Sie gewannen als erstes MLB-Team überhaupt zweimal in Folge die World Series. Dazu verfügten sie über die beste Starting-Rotation dieser Zeit, sowie ein hervorragendes Infield („From Tinkers to Evans to Change").
Hätte damals jemand prognostiziert, dass dies der letzte World Series Titel für über 100 Jahre sein wird, so hätte man ihn sicher lauthals ausgelacht.
Klar kann bei Hamelsmehr passieren, wenn sich Harper blöd wegdreht oder der Pitch nicht ganz dort...
(19-05-2012 06:34)Rene
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich