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Gastkolumne: Curt Flood und die Millionen

 
Autor: Hans Weisse Mittwoch, 31. Dezember 2008
 

MLBI.de-Leser Hans Weisse berichtet in einer Gastkolumne über die Zeit vor 1975, in der es noch keine Free Agents gab und die Teambesitzer die Oberhand über den Spielern hatten.

Wenn Curt Flood wüsste... wie viel die heutigen Spieler verdienen - und gemeint sind nicht nur die Top Stars.

Oder wenn er wüsste... dass keiner der aktiven Top Verdiener der MLB bei seiner Beerdigung am 20. Januar 1997 es für nötig hielt, anwesend zu sein.

Wenn er wüsste... wie wenig Aufmerksamkeit sein einsamer Kampf gegen die "Reserve Clause" heute erzeugt, wäre er zumindest "not amused".

Spätestens wenn er wüsste... dass er immer noch nicht in die Hall of Fame aufgenommen wurde, obwohl er sicherlich einer der Top Fielder aller Zeiten war, würde er vielleicht denken... "Wie undankbar, das nennt ihr Anerkennung?"

Aber um die Geschichte von Curt Flood zu verstehen, muss man die Arbeitsbedingungen der professionellen Baseballspieler kennen, die ziemlich genau 100 Jahre, von 1876 bis 1975 herrschten. Die sogenannte Reserve Clause hatte die Spieler an Ihre Clubs gebunden, lebenslänglich. Es gab zwar Verträge, aber die Besitzer konnten den Spielern bezahlen was sie wollten, und wenn es ihnen passte, konnten sie die Verträge gegen andere tauschen. Und gleich mit die "Reserve", denn dann gehörten die Verträge dem neuen Club.

Diese Vertragsbindung oder Klausel im Vertrag hatte ein industrieller Raubritterbaron des späten 19. Jahrhundert, der außer Kohle-Minen auch einen Baseball-Club besaß, 1876 für seine Spieler ausgedacht, damit sich die Macht des Managements festigte und nicht die der Spieler.

Als Albert Spalding - ja genau, der Gründer des Sportartikelherstellers - kurz darauf, so um das Jahr 1910, noch einen draufsetzte und einen Salary Cap verlangte, wurde es den Spielern zu bunt und sie gründeten die erste Spielergewerkschaft. Der Ruf nach einer Salary Cap ist nicht neu, wie ihr seht.

Aber die Gewerkschafft mit dem blumigen Namen "The Brotherhood of Professional Base Ball Players" (BPBBP), verlor Ihren Kampf gegen die Reserve Clause und die Besitzer gingen aus dem Kampf gestärkt hervor.

Die Klausel hatte sich also noch stärker etabliert. Sie überlebte sogar einige Gerichtsauseinandersetzungen von Spielern, die es gewagt hatten vor Gericht zu gehen: einmal 1922 und dann nochmal in 1946. In den späten 50ern und Anfang der 60er Jahre mussten die meisten Spieler sogar noch einen Zweitjob ausüben, um über die Runden zu kommen. Die Teambesitzer hingegen profitierten von den vielen neuen und aufregenden Neuerungen der Ligen, wie zum Beispiel der Öffnung für farbige Spieler und die Expansion von Teams in den Westen, da immer mehr Zuschauer in diesem goldenen Zeitalter die „National Pastime“ verfolgten.

Es war zu dieser Zeit, als Curt Flood die Major Leagues erreichte. 1958 begann er bei den St. Louis Cardinals, bei denen er bis 1969 spielte. Zwischen ´63 und ´69 wurde er siebenmal hintereinander Golden-Glove-Gewinner, fünf Saisons hintereinander hatte er einen Schlagdurchschnitt von über .300. Er stellte einen Major League Rekord von 223 Innings in Folge ohne Error auf und war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Der dreimalige All-Star nahm dreimal mit seinem Club an der World Series teil.

Aber die Cardinals entschieden sich 1970, Flood an die Philadelphia Phillies abzugeben. Was war passiert? Nach der 1968er Saison wollte Flood mehr Geld und verlangte $90.000 (Tausend nicht Millionen) nach einer kurzen hold-out Phase. Diese Möglichkeit nutzten die Spieler inzwischen um die Verhandlungen zu verzögern. St. Louis hatte nur ca. $77,000 geboten. Nach kurzer Bedenkzeit lenkten die Cardinals ein. Was folgte war ein, für Floods Verhältnisse, schwaches Jahr 1969, in dem er nur .285 schlug. 1970 entschied sich daraufhin Cardinals-Besitzer August Busch Jr. (Ein Schelm wer an George W. denkt, der auch einmal ein Baseball-Team besaß), Flood mit ein paar seiner Teamkollegen im Tausch für andere Spieler zu den Phillies zu schicken.

Doch Curt Flood sagte Nein, nach Philadelphia wolle er nicht. Die Zeit war reif. Es rumorte schon seit einigen Jahren in den Clubs und eine neue Spielergewerkschafft hatte sich schon 1966 gegründet. Er wollte nicht nach Philadelphia, die er die nördlichste Südstaaten-Stadt nannte, weil dort die rabiaten Fans den schwarzen Spielern gerne die Hölle heiß machten. Aber was er vorhatte war illegal, er war ja laut seines Vertrags gebunden zu gehen. Er schrieb einen Brief an Bowie Kuhn, dem damaligen Commissioner, dass er nicht wie Vieh oder ein Sklave behandelt werden wolle und er verlangte auf dem freien Markt als Free Agent aufzutreten, denn er wolle für eine anderes Team spielen als die Phillies. Kuhn lehnte ab und Flood war kurz davor, seine Baseball-Karriere an den Nagel zu hängen.

Einer von Floods Freunden bei den Cardinals, Tim McCarver und ein paar Andere, überredeten ihn zu kämpfen und den Profi- Baseball zu verklagen. Der neue Spielergewerkschaftschef Marvin Miller übernahm den Fall. Leider hatten die Fans wenig Verständnis für Floods Vorhaben. Sie sahen ihn in der Position des unglaublich Glücklichen, der froh sein sollte, dass er überhaupt spielen durfte. Er griff die "perfekte" Institution Baseball an und zog den Zorn nicht nur der Besitzer auf sich.

Der Fall ging bis vor den Supreme Court, vor dem Flood schließlich unterlag. Aber der Fall machte den Weg frei für die Messersmith/McNalley Entscheidung 1975. Die beiden gingen nicht vor Gericht, sondern erkämpften mit einem Schlichter und der erstarkten Spielergewerkschafft Free Agency. Jetzt konnten die Spieler nach sechs Jahren MLB-Spielpraxis ihre Dienste an den Höchstbietenden versteigern. Ein neues Zeitalter brach an. Es wurde mehr Ausgeglichenheit erreicht, das Interesse an den zunehmenden Spielerwanderungen erfasste die Fans und die Spielergehälter stiegen in ungeahnte Dimensionen.

Kommentare
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Erich
(Publisher) 31-12-2008 18:04
Hallo,



ein sehr schöner und informativer Artikel.



Den lieben Curt Flood gehts wohl so wie den Mr. Bosman, der Vorreiter für Fussballprofis war selber
jedoch nichts davon hatte.



Die jetzige Regelung mit der 6-Jahre Bindung finde ich schon i.O. wäre auch mal ein Ansatz für
europ. Ligen.
 
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