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Der Batting Park Factor – Wenn Home Runs zu Doubles werden

 
Autor: Remo Gebert Mittwoch, 10. Juni 2009
 

Boston Red Sox gegen die Texas Rangers, erstes Inning: Die Rangers führen 1:0, Boston hat in der unteren Hälfte des ersten Inning bereits zwei Out. Kevin Youkilis kassiert zunächst einen Called Strike, hämmert den Ball aber anschließend weit und hoch Richtung Leftfield des Fenway Parks, ein pefekter Hit für einen Home Run – wenn da nicht „The Green Monster“ wäre. Der Ball prallt an der fast höchsten Stelle dieser elf Meter hohen Mauer ab und Youkilis muss sich mit dem Erreichen der zweiten Base zufrieden geben. Anschließend schafft Rangers-Pitcher Padilla mit einem Pickoff von Youkilis an der zweiten Base das dritte Out – punktloses erstes Inning für die Red Sox trotz des Paradeschlages von Youkilis. Kein Zweifel, in vielen anderen Stadien wäre der Spielstand nach dem ersten Inning (mindestens) 1:1 gewesen.

 

Bostons „Green Monster“ ist ein Paradebeispiel, dass Batter – vor allem die der jeweiligen Heimmannschaft – in vielen Stadien z.T. deutliche Vor- bzw. Nachteile haben, Home Runs zu schlagen. Eine gute Statistik, diesen postiven oder negativen Einfluss der Ballparks auf Home Runs darzustellen, ist der Batting Park Factor (BPF).

Der Batting Park Factor – Wenn Home Runs zu Doubles werden | Remo Gebert - Baseballinsider.de - Das Baseball-Portal

Dieser wird wie folgt berechnet:

 

BPF = 100*((HR in Heimspielen/Heimspiele)/(HR in Auswärtsspielen/Auswärtsspiele))

 

Dabei gilt die jeweilige Home Run-Zählung sowohl für die geschlagenen Home Runs des Heim- als auch für die des Auswärtsteams.

 

Das Ergebnis sollte einen Wert um 1,00 ausweisen, wobei die Abweichungen den Ballpark-Einfluss darstellen: Unter 1,00 bedeutet, dass verhältnismäßig wenig Home Runs geschlagen werden, also eher ein pitcher-freundlicher Ballpark. Entsprechend sind alle Werte über 1,00 hitter-freundlich und Home Runs können vergleichweise leichter erzielt werden. Der Vorteil des BPF besteht vor allem darin, dass die Werte größtenteils nicht teamabhängig sind – somit spielt die Leistung eines Teams, das aufgrund des Line Up mit wenigen oder schwachen Power Hitter grundsätzlich wenig Home Runs schlägt, in dieser Statistik kaum eine Rolle (was bei der absoluten Ballpark-/HR-Statistik meist der Fall ist).

 

Widmen wir uns an dieser Stelle zunächst den Ballparks, in denen die Fans in den letzten Jahren eher weniger Home Runs zu Gesicht bekamen. Hierfür wurden die BPF-Werte der letzten fünf Saisons (2004 bis 2008) addiert, um die „Home Run-ärmsten“ Ballparks der MLB zu ermitteln:

 

Petco Park (San Diego Padres)                     3,85

Kauffman Stadium (Kansas City Royals)             4,13

PNC Park (Pittsburgh Pirates)                     4,22

AT&T Park (San Francisco Giants)                  4,29

Fenway Park (Boston Red Sox)                      4,32

 

In dieser Übersicht wäre auch das Shea Stadium (4,25) der New York Mets erschienen, wurde aber aufgrund des diesjährigen Umzuges ins Citi Field nicht mehr berücksichtigt.

Unabhängig davon ist der Petco Park mit Abstand der Home-Run-Schreck schlechthin: In drei der letzten fünf Jahre war die Heimat der San Diego Padres ligaweit der Ballpark mit dem niedrigsten BPF-Wert.

 

Nachfolgend nun das genaue Gegenteil – also die Ballparks mit den insgesamt höchsten BPF-Werten der letzten fünf Jahre:


U.S. Cellular Field (Chicago White Sox)           6,67

Great American Ball Park (Cincinnati Reds)        6,15

Citiziens Bank Park (Philadelphia Phillies)       6,07

Coors Field (Colorado Rockies)                    6,02

Wrigley Field (Chicago Cubs)                      5,91

 

Die White Sox haben mit ihrem U.S. Cellular Field ein wahres Home Run-Mekka – mit klarem Vorsprung stellen sie den Ballpark mit den gemäß BPF meisten Home Runs der letzten fünf Jahre. Mit BPF-Saisonwerten von z.T. weit über 1,30 waren sie seit 2004 immer unter den Top 4 der Stadien, in denen die meisten Homer geschlagen wurden.

Nur knapp außerhalb dieser Statistik auf den Plätzen sechs bis acht befinden sich im Übrigen weitere als „hitter-freundlich“ bekannte Ballparks: Chase Field, Orioles Park und der Rangers Ballpark in Arlington.

In der aktuellen Saison 2009 kommt für die „Hitters-Ballparks“ jedoch ein starker Konkurrent auf: das neue Yankee Stadium. Derzeit hat es einen BPF-Wert von 1,58 – dieser würde hochgerechnet einen 5-Jahres-Wert von 7,90 (!) ergeben.

 

Nun, welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den BPF-Daten ziehen? Zunächst selbstverständlich die Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit auf Home Runs beispielweise in den beiden Ballparks in Chicago höher ist als in (fast) allen Ballparks an der Westküste. Doch auch spezifisch lassen sich Unterschiede verdeutlichen: Ein perfektes Beispiel in dieser Saison ist Yankees-Outfielder Melky Cabrera. Er schlug seine sechs Home Runs bisher ausschließlich im neuen Yankees Stadion – gehen wir mal davon aus, dass dies nicht nur an der Unterstützung der heimischen Fans lag. Überhaupt erzielten die Yankees 57 von ihren bisher 92 Home Runs (62 %) in dieser Saison daheim – ligaweiter Bestwert. Das sich ihr hitter-freundlicher Ballpark nicht nur positiv für die New Yorker auswirkt ist naheliegend, zuletzt erzielten die Philllies bei ihren ersten beiden Besuchen im neuen Yankee Stadion auf Anhieb sechs Home Runs.

 

Um von einem Extrem zum nächsten – diesmal aber im entgegensetzten Sinn – zu gelangen, braucht man nur ein Blick auf die Zahlen von Adrian Gonzalez zu werfen: Der First Baseman der San Diego Padres erzielte in gut drei Jahren bisher 112 Home Runs für San Diego. Die heimischen Fans im PETCO Park konnten davon jedoch nur 41 bestaunen, denn 71 erzielte der Kalifornier auswärts (63 %). Es ist sicherlich kein Zufall, dass Gonzalez in jedem Jahr bisher z.T. mehr als doppelt soviel Homer auswärts als daheim erzielte – so auch bei seinen bisherigen 22 in dieser Saison (7 daheim, 15 auswärts). Zum Vergleich: Bei seinen bislang 30 At Bats in dieser Saison in den hitter-freundlichen Wrigley Field und Coors Field erzielte er acht Home Runs – im PETCO Park war er mehr als dreimal so oft At Bat (103) und schlug weniger Home Runs!

 

Insgesamt kann man festhalten, dass Home Run nicht gleich Home Run ist, gerade bei Ballparks mit deutlichen Tendenzen bezüglich der Homerstatistik sollte dies bei den jeweiligen Batter-Leistungen beachtet werden. Ein Adrian Gonzalez in San Diego wird demnach – obwohl sicherlich von den Leistungen her mehr als denkbar – schlechtere Chancen haben, Home-Run-König zu werden, sofern andere Power Hitter im neuen Yankee Stadion oder Citiziens Bank Park bessere Voraussetzungen für 40 + x Home Runs in einer Saison haben. Nicht umsonst ist kein Batter, dessen Team in einem der aufgeführten Stadien mit geringen Home Run-Schnitt spielt, in den letzten Jahren bei den Home Run-Statistiken ganz vorn dabei gewesen – mit Ausnahme von Barry Bonds bei den Giants, was jedoch weniger mit dem Ballpark zu tun hatte.

 

Sicherlich darf man die zahlreichen Home Runs von einem Ryan Howard, Chase Utley und nach dem Umzug in den neuen Ballpark auch von dem ein oder anderen Yankees-Batter nicht unterbewerten, doch vielmehr sollte man die Leistungen derjenigen Hitter mehr anerkennen, die in Sachen Home Runs aufgrund des Heimstadions ihres Teams grundsätzlich schlechtere Voraussetzungen haben.

Kommentare
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Michel
(Publisher) 10-06-2009 22:05
Erneut ein toller Artikel von dir! Deine Analysen gefallen mir super!
 
Erich
(Publisher) 11-06-2009 14:51
@Remo, ein sehr schöner und interessanter Artikel.

Eine noch bessere Bewertung der Ballparks würde man wohl bekommen, wenn man den BPF nur mit den
Auswärtsteams berechnen würde. Denn diese representieren im grossen und ganzen die Liga.

Das Heimteam, dass zu 50% in die Berechnung einfliesst hat doch unterschieldich starke Lineups.
 
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RemoG
(Publisher) 12-06-2009 02:13
@Michel: Freut mich zu hören... danke :)



@Erich: sicherlich eine gute Überlegung, hab daraufhin nochmal geschaut wg. Abhängigkeit der
Team-Home Runs zum BPF für den im Artikel genannten Zeitraum (2004-08): dort waren die White Sox
zwar auch das Team mit den meisten HR (1103), aber z.B. die Rockies trotz Coors Field nur auf Rang
17 (840). Und obwohl die Red Sox gute Power Hitter haben und auf Rang 6 in der HR-Zählung von
2004-08 sind, weist der Fenway Park einen geringen BPF-Wert auf.

Klar, das neue Yankee Stadion hätte momentan keinen so extrem hohen BPF-Wert von jenseits 1,50 wenn
die Giants da in jedem Spiel auflaufen würden...



Also man kann man sicherlich festhalten, ...
 
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