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Schilling und Cooperstown
Zunächst mal muss man sagen, dass die Diskussion nicht unbedingt von außen gestartet wurde, sondern dass Schilling es sich nicht nehmen ließ, selbst seinen Anspruch auf einen Platz in Cooperstown zu bekunden, indem er darauf aufmerksam machte, dass er so viele Playoff-Erfolge gefeiert und World Series-Titel gewonnen habe wie es vielen derer, die bereits in der Hall of Fame sind, nicht gelungen ist. Dass man über seine Aufnahme in die Hall diskutieren kann ist klar, dass Schilling große Erfolge in der Postseason hatte unbestritten, dass er aber das Thema bereits während der Bekanntgabe seines Rücktritts anspricht, ist meiner Meinung nach unangemessen. In die Hall of Fame zu wollen ist verständlich und kann niemandem vorgeworfen werden, es selbst fast schon einzufordern allerdings schon und ein Ausdruck all dessen, weshalb ihn viele Fans in Amerika nicht mögen.
Bevor ich zu meiner ganz persönlichen Haltung zur Hall of Fame und Curt Schilling komme, werde ich erstmal auf meine Einschätzung seiner Chancen eingehen. Ich denke, dass er, wenn er in vier Jahren das erste Mal zur Wahl steht, nicht die nötigen 75 Prozent aller Stimmen erhalten wird. Die vergleichsweise geringe Zahl von 216 Siegen, ein eher unspektakulärer ERA von 3.46 und die Tatsache, dass er nie einen Cy Young-Award gewann werden ihm diese Ehre verweigern. Zu viele vergleichbare Fälle von Spielern mit mehr Wins wurden bereits abgelehnt. Auch dass er einer der besten Postseason-Pitcher der letzten Jahrzehnte ist, wird daran nichts ändern. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Schilling es sich durch seine mitunter zu direkte und selbstgefällige Art mit vielen Journalisten verscherzt hat, auf deren Stimmen er in vier Jahren angewiesen sein wird. Deshalb denke ich, dass er frühestens nach acht bis zehn Jahren aufgenommen werden wird, wäre aber auch nicht überrascht, wenn er nie in die Hall of Fame gelangen würde. Am unwahrscheinlichsten scheint aber eine Aufnahme im ersten Anlauf.
Hätte ich eine Stimme bei der Abstimmung, würde ich die Aufnahme Schillings ablehnen, im ersten Jahr und auch im letzten. Der Grund hierfür ist in erster Linie meine generelle Einstellung zur Hall of Fame und wer darin vertreten sein sollte. Ebenso wie ich Spielern, die des Dopings überführt sind, jeden Anspruch abspreche, sehe ich im rein sportlichen Bereich “nur sehr gute" Leistungen als nicht genug an. Die 216 Wins spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle, da Wins generell überbewertet und heutzutage mit Fünf-Mann-Rotations und stärkerer Verwendung des Bullpen viel schwieriger zu erreichen sind. Jede Bedeutung sollte man ihnen aber gerade über eine gesamte Karriere hinweg nicht absprechen. Ein ERA von 3.46 ist keine herausragende, wenn auch eine sehr gute Leistung und 3116 Strikeouts über 20 Jahre gesehen auch kein sensationeller Wert.
Es gibt einige Pitcher wie z.B. Bert Blyleven, die deutlich mehr Siege (287) und ein niedrigeren ERA (3.31) haben, aber nicht in der Hall of Fame sind – und das völlig zu Recht. Für mich bedeutet das Wort “Fame” – also Ruhm – mehr als nur über 20 Jahre gut bis sehr gut gewesen zu sein. Für mich bedeutet es über Jahre der Beste gewesen zu sein oder zumindest einer der besten seiner Zeit. Curt Schilling? - Er war keines von beiden. In keiner einzelnen Saison war er der beste Pitcher, was auch daran zu erkennen ist, dass er nur drei mal Zweiter in der Cy Young-Abstimmung wurde und sonst nie unter den ersten Dreien landete. Die besten Pitcher der letzen 20 Jahre: Greg Maddux, Pedro Martinez, Randy Johnson, John Smoltz (und von den Zahlen her Roger Clemens, der allerdings aus anderen Gründen nicht nach Cooperstown kommen sollte und wird).
Daher ist für mich auch ein Spieler wie Sandy Koufax ein klarerer Hall of Famer als viele Pitcher, die 300 Wins erreicht haben, obwohl er nur 165 erreichte. Die ersten sieben Jahre seiner nur zwölf Jahre andauernden Karriere hatte er ein ERA von deutlich über 3.50 und nur zweimal mehr als elf Wins – in den letzten fünf Jahren war er aber so dominant, dass er drei Cy Youngs und sogar einen MVP-Award erhielt und zwei mal Vize-MVP wurde. Koufax mag nicht langlebig gewesen sein, aber er war zu seinen Glanzzeiten so dominant, dass er noch heute von einigen als der beste Pitcher aller Zeiten betrachter wird. Das ist wahre sportliche Größe. Mal ehrlich: Wer denkt bei Tommy John zuerst an den zweifellos guten Pitcher (288 Wins, 3.34 ERA) und nicht an die nach ihm benannte Operation?
Bliebe das Postseason-Argument für Curt Schilling. Er hat eine Bilanz von 11-2 in den Playoffs und einen ERA von 2.23, was das niedrigste unter allen Pitchern mit mindestens 15 Postseason-Starts ist. Während das unbestritten beeindruckende Statistiken sind, muss man sagen, das 19 Spiele nunmal eine zu geringe Stichprobe bleiben, um daraus eine derartige Größe des Spielers abzuleiten, dass die übrigen 436 Starts in den Hintergrund treten. Und auch drei World Series-Titel ändern das nicht. Es gibt viele Spieler (vor allem Yankees), die mindestens drei Titel haben, aber nicht in der Hall of Fame sind. Niemand schreit nach David Cones (übrigens: 194 Wins, 2668 Strikeouts, 3.46 ERA, einen Cy Young-Award und ein Perfect Game in 17 Jahren) Aufnahme in Cooperstown, obwohl er ein wesentlicher Bestandteil von fünf World Series-Teams bei den Yankees ('96, '98, '99, '00) und Blue Jays ('92) war. Er bekam bei der letzten Wahl nur vier Prozent der Stimmen und wird damit definitiv nie aufgenommen werden.
Außerdem muss man an dieser Stelle auch sagen, dass in der heutigen Zeit nicht nur schwieriger als früher ist, viele Wins zu erzielen, sondern auch deutlich einfacher, viele Postseason-Wins anzuhäufen. Früher gab es keine Divisional Series, davor nicht einmal eine Championship Series, sondern nur die World Series. Für Spieler war es also viel schwieriger überhaupt in der Postseason dabei zu sein und dort viele Spiele zu machen. Hinzu kommt noch, dass im heutigen Playoff-Modus häufig Mannschaften dabei sind, die nicht das Niveau haben, das echte Playoff-Teams haben sollten. Dadurch ist neben Wins auch ein niedriger ERA leichter zu erlange. Schilling hätte ohne die Divisional Series eine Postseason-Bilanz von 7-2 und einen ERA von 2.75 - immer noch sehr gute Werte, aber bei Weitem nicht mehr so sensationell wie seine gesamten Postseason-Statistiken insgesamt anscheinend sind.
Und zu guter Letzt: Eine blutige Socke in einem Playoff-Spiel ist auch kein Grund für die Aufnahme eines Spielers, nicht einmal dann wenn es im Trikot der Red Sox gegen die Yankees ist! Ich bin überzeugt davon, dass Schilling, ähnlich wie Cone, untergegangen wäre, wenn er zwei seiner Titel nicht mit den Red Sox, sondern – sagen wir mal – mit den Astros gewonnen hätte. Curt Schilling war ohne jeden Zweifel ein sehr guter Pitcher und hatte eine sehr gute Karriere, aber in die Hall of Fame sollte er nicht gewählt werden. Nur ein Pitcher in der Geschichte der Major League hatte über seine Karriere ein besseres Verhältnis von Strikeouts zu Walks als Schillings 4.38 K/BB - nämlich Bond, Tommy Bond, der letzmals 1882 in der National League pitchte. Doch das macht Schilling zu keinem Hall of Famer, denn schließlich sind viele Strikeouts und wenige Walks an sich nicht besonders wichtig, sondern nur ein Mittel zum Zweck, nämlich Wins und ein niedriger ERA.
Schilling ist in einer Kategorie mit Pitchern wie Bert Blyleven, David Cone, Orel Hershiser oder Tommy John, die alle zu Recht nicht in Cooperstown sind. Selbst wenn dort Pitcher sind, die es weniger verdient haben als Schilling und die anderen, würde seine Aufnahme diese Fehlentscheidungen nicht korrigieren, sondern eine weitere Fehlentscheidung bedeuten. Es sollte nicht zu einer weiteren Verwässerung der Aufnahmekriterien kommen. Die Hall of Fame erhält ihre Bedeutung und Größe doch gerade durch die Klasse der Spieler, die es nicht schaffen. Erst dadurch wird einem der Unterschied zwischen einem sehr guten Spieler und einem wahren Hall of Famer richtig bewusst gemacht.
Beide waren in den Playoffs sehr, sehr gut. Doch obwohl Cone fünf WS-Titel gewann plus einen Cy
Young plus Perfect Game, käme wohl nie jemand wirklich auf die Idee, ihn in die Hall of Fame zu
wählen.
Übrigens, es gibt noch einen zweiten Namen, der nie im Zusammenhang mit der World Series genannt
werden würde, sonst aber dieselben Stats (lässt man die durchschnittlichen Werte in den Playoffs
außen vor) hat wie Curt Schilling: Kevin Brown. Baseball-Reference
ein ähnlicher Fall wie Mussina werden - der ist auch ziemlich borderline Hall of Fame und hat in
etwa dieselben Zahlen. Vielleicht kriegen die beiden ja einen "Bonus" weil sie in der sog.
steroid era sauber gegen gedoptes hitting antreten mußten.
Zu den größten Pitchern der letzten 20 Jahre muß man mMn ganz klar - auch wenn ich's durch die
Yankees Brille sehe - Mariano Rivera dazuzählen.
gesprochen, obwohl Rivera wohl der Closer sein wird, der ohne jeden Widerspruch in die HoF
einzieht.
Über Kevin Brown war ich auch irgendwo gestolpert. Es ist einfach nur bezeichnend, wie viele Pitcher
sehr ähnliche Karrieren wie Schilling hatten und ohne große Diskussionen nicht in die HoF kamen (für
mich v.a. Cone und Hershiser); außerdem gibt es eingige, die statistisch besser waren (Blyleven, T.
John, J. Morris), die auch nicht drin sind.
Oder noch einer: 215 W, 3.89 ERA (etwas hoch), 2 x 21 Wins, 18 (!) Postseason-Wins, 4 World Series
Titel und in 3 weiteren WS gespielt...aber s...
Ich wollte mich allerdings auch noch in die Diskussion einbringen:
Die Tatsache, dass Schilling seinen Rücktritt bekannt gibt, und gleichzeitig sich in das Gespräch
bringt in die Hall of Fame einzuziehen, halte ich für äusserst bedenklich.
Ich denke es ist für jeden Spieler eine Ehre in die Ruhmeshalle gewählt zu werden. Allerdings
verbittet es sich doch von selbst, einen Platz dort zu fordern oder zumindest auf sich aufmerksam zu
machen. Das haben anderen zu entscheiden...Curt disqualifiziert sich mit so einer Äusserung selber
meiner Meinung nach.
Seit dem Jahre 1950 wurde genau ein Pitcher nach Cooperstown gewählt, der we...
Leute gleichzeitig in die HoF lässt...
Bonds, Clemens und Sosa sollten kein Thema sein...vielleicht schaffen es Andre Dawson oder Bert
Blyleven doch noch...Biggio ist sicher auf Anhieb drin, vielleicht auch noch Piazza.
David Wells ist ja so etwas wie der schlechtere (ERA über 4) Schilling und sollte keine Rolle
spielen.
Ich denke aber ohnehin, dass man über Schilling im ersten Jahr nicht diskutieren muss. 30% wären da
schon ein Erfolg,
Andere erste Jahre:
D. Cone: 3.9% und keine Chance mehr
B. Blyleven: 17.5% (12. Jahr: 62.7)
T. John: 21.3% (15. und letztes Jah...
Ein sehr guter Spieler das reicht nicht, das waren ja viele.
Sondern in seiner Zeit der beste und das über mehrere Jahre.
Maddux, Martinez oder Johnson haben z.B. über Jahre ihre Ligen dominiert, was ein Schilling nie
tat.
Bei den derzeit aktiven Pitchern sehe ich auch keinen zukünftigen HoF (Smoltz, Glavine und evtl.
Rivera ausgenommen), da zwar viele sehr gut sind, aber keiner so richtig rausragt.
sein ERA von 3.26 deutlich besser (in diesen Sphären sind 0.2 viel) als das von Schilling und hat
einen Cy Young.
Glavine hat 300+ Wins, fünf 20-Win-Saisons und zwei Cy Youngs, aber sein ERA von 3.54 relativiert
das schon ein bisschen. Ich persönlich finde ihn zweifelhafter als Smoltz, denke aber, dass er
allein über die Zahlen sicher reinkommen wird.
Rivera sehe ich als sicher an.
Schilling ist für mich ein sehr guter Starter, aber keine Extraklasse...ähnlich wie Mussina, der
zwar mehr Wins, dafür aber ein schlechteren ERA hat.
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.
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Dann mal gute Nacht Mets, sollten die es wirklich so doll treiben. Aber selbst die werden kein Ge...
(09-02-2012 18:28)Nico
Solche "Bad contract swaps" a la Milton Bradley gegen Carlos Silva gibt's normalerweise n...
(09-02-2012 16:24)Rene
Es branden immer mal wieder Spekulationen auf, wonach die METS Jason Bay für Burnett traden könnt...
(09-02-2012 15:54)USSFSteeler
Ich glaub so einfach geht das gar nicht
(09-02-2012 09:09)Basti
wegen mir kann er nach japan
(09-02-2012 08:59)wordass