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Potentielle Dopingsünder suchen die Exit-Strategie

 
Autor: Philipp Würfel Dienstag, 04. August 2009
 

Genau pünktlich zur Trade-Deadline (PR-technisch vielleicht nicht gerade der günstigste Zeitpunkt aus Sicht der Times, da die Trades an sich eigentlich die Schlagzeilen bestimmten) veröffentlichte die New York Times mit Manny Ramirez und David Ortiz zwei weitere Namen der ominösen 104-Spieler-Liste, die während des anonymen Tests im Jahr 2003 positiv auffielen. Es war nun das dritte Mal nach Alex Rodriguez im Februar und Sammy Sosa vor ein paar Wochen, dass nun Dopingsünder der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Zudem ist es auch zu erwarten, dass sie nicht die letzten waren, womit die Aussagen von Bronson Arroyo und Randy Johnson in den letzten Tagen etwas merkwürdig und wie eine Art „Exit-Strategie“ herüberkommen. Beide sagten, dass sie vor der Einführung von Dopingtests diverse Dinge zu sich genommen haben könnten, die eventuell positive Tests hervorrufen können. Wenn nun ihre Namen in ähnlicher Manier wie Ortiz, A-Rod oder Manny in den Medien auftauchen, haben sie nun schon die Entschuldigung parat.

Die Sache hat nicht nur einen Haken. Zum einen wissen wir seit Alex Rodriguez‘ vermeintlichen Dopinggeständnissen im Februar, dass die Spielergewerkschaft die Spieler darüber informiert hat, wer 2003 positiv bei besagtem Dopingtest auffiel. Zum anderen, und ich wiederhole mich zum x-ten Male, nur weil vor 2004 keine offiziellen Dopingtests durch die MLB durchgeführt wurden, heißt das noch lange nicht, dass man Medikamente zur Leistungssteigerung einnehmen durfte. Denn dies ist schon seit über 50 Jahren in der MLB verboten, ganz zu schweigen, dass die meisten Mittelchen auf illegalem Wege beschafft wurden.

Zurück zu der Liste. Diese sollte unter keinen Umständen komplett veröffentlicht werden. Denn das wäre noch schlimmer, als das Doping der Spieler an sich. Baseball wird nun für seine Verfehlungen der letzten Ära bestraft und muss es einfach herunterschlucken. Spieler haben die gleichen Rechte, wie auch jeder anderer Bürger. Und wer auch noch Sportler für Doping ins Gefängnis stecken will, dem ist erst recht nicht mehr zu helfen. Es ist immer noch Sport und sie schaden sich in erster Linie nur selbst. Und bitte, in den letzten 20, 30 Jahren findet man sicherlich kein Team, was nicht in irgendeiner Weise Dopingsünder an Bord hatte. Von daher sind Aussagen, dass die Red Sox 2004 nur wegen den gedopten Manny Ramirez und David Ortiz gewonnen haben, nicht wirklich originell.

Kommentare
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Basti
(Administrator) 04-08-2009 14:39
Wegen der Liste: Seit A-Rod wird von Fall zu Fall, wenn jeder neue Spieler genannt wird das Gesetz
gebrochen: Ich hab eigentlich keine Luste, dass dies jetzt noch ca. 50mal geschieht und immer wieder
1-2 neue Namen auftauchen, nur weil irgendwelche Anwälte zur NYTimes laufen, viel Geld kassieren und
illegal Daten weitergeben.

Irgendwie wird die ganze Doping-Geschichte diese Saison dadurch pervertiert, dass immer genau zu
wichtigen Zeitpunkten neue Namen rauskommen.

Ergo: Am Ende der Regular Season platzt die nächste Bombe und einen Tag vor der World Series gehts
nochmal heftig zur Sache...
 
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Johannes
(Publisher) 04-08-2009 16:20
Die Rechte der Spieler, das ist natürlich ein wichtiger Punkt. Dann muss halt ein Kompromiss her.
Alle Spieler, die bereit sind, genannt zu werden, müssen sich gemeinsam outen. Teilweise tun sie das
ja schon von sich aus, wie die Überschrift dieses Blog-Eintrags andeutet. So kann der
Langzeitschaden durch häppchenhafte Nennungen von Sündern eventuell minimiert werden.

Was aber nicht stimmt ist die Annahme, dass Spieler sich mit Doping vornehmlich selbst schaden. Dazu
stehen sie zu sehr im öffentlichen Interesse. Sie betrügen andere Teams, Funktionäre, Sponsoren,
Zuschauer und den Nachwuchs, der zu ihnen aufschaut. Deshalb kann auch keiner sagen, die
Profisportler können mit ihren Körpern machen w...
 
Phil
(SAdministrator) 04-08-2009 17:17
Ok, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Natürlich schaden sie mit dem Doping sportlich
gesehen auch anderen. Es ging mir nur darum klar zu machen, dass sie damit anderen Leuten keinen
"körperlichen Schaden" zufügen und somit wegen Dopings ins Gefängnis geschickt werden, wie
dies von einigen Fans immer mal wieder gefordert wird.
 
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Benni
(Registered) 04-08-2009 17:31
Zitat:
Und bitte, in den letzten 20, 30 Jahren findet man sicherlich kein Team, was nicht in irgendeiner
Weise Dopingsünder an Bord hatte. Von daher sind Aussagen, dass die Red Sox 2004 nur wegen den gedopten Manny Ramirez und David Ortiz
gewonnen haben, nicht wirklich originell.




Meine Meinung!!!
 
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Tulo
(Registered) 04-08-2009 19:28
Zitat:
dass sie damit anderen Leuten keinen "körperlichen Schaden" zufügen und somit wegen Dopings
ins Gefängnis geschickt werden, wie dies von einigen Fans immer mal wieder gefordert wird

zum Glück ist in unserem Rechtssystem aber nicht nur körperliche Gewalt strafbar, sondern auch
Betrug. Entsprechend der Grösse des Vergehens dann auch eine Gefängnisstrafe. Nicht, dass ich jetzt
Gefängnisstrafen für Dopingsünder fordere. Man erkennt jedoch die Problematik, wenn man bedenkt,
dass ein Profispieler mittels Dopingmissbrauchs doch mehrere Millionen "erbeuten" kann...
 
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Johannes
(Publisher) 05-08-2009 13:51
Nur mal ein Lesetipp: Heute nochmal ein perfekter Kommentar in der SZ an alle "Halbdenker",
die "die Freigabe der künstlichen Leistungssteigerung im Sport immer noch als Lösungsansatz
gegen die Muskelmast anbieten."

http://www.sueddeutsche.de/sport/542/482992/text/?page=1#rea dcomment

Nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, neben der Liste auch gleich Doping freigeben zu müssen
;)
 
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blackone
(Registered) 09-08-2009 17:14
Pff, das ist auch wieder nur typisch deutsches Geschwätz von einem Reporter, der immer noch
Leistungssport mit Körperertüchtigung verwechselt. Leistungssport ist auch ohne Doping extrem
ungesund. Und wenn sich jemand so vollpumpen will, dass er da bei draufgeht, soll ers halt machen.
Über sein eigenes Leben ist immernoch jeder selber Herr, auch die heroischen deutschen
Nationalhelden. Ich bin immernoch dafür, jede Art von Medikament (bzw. natürlich nur diejenigen,
deren Besitz legal ist) freizugeben.
 
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Johannes
(Publisher) 10-08-2009 01:01
Viele Sportler sind überhaupt nicht in der Lage, die Langzeitschäden dieser Medikamente
abzuschätzen, weil sie nur den Erfolg im hier und jetzt wollen. Dieses Denken muss man aus dem
Spitzensport rauskriegen. Diese Mittel, die du freigegeben haben willst, sind saugefährlich.
Leistungssport ist keine Morgengymnastik aber auch keine Pharmazieschau.

Und außerdem bin ich mal gespannt, was du deinem Kind in einer Welt der Dopingfreigabe erzählst,
wenn es dir in ein paar Jahren sagt, es möchte auch so werden wie dieser Muskelberg von
"Sportler" im Fernsehen. Bist du immer noch dafür, wenn es sich entscheided, sich mit
Steroiden vollzupumpen, um dann ein Jahrzehnt später an einem Herzinfarkt zu ...
 
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