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Home Run Queen

 
Autor: Thomas Kuhnert Montag, 14. Juli 2008
 

Zudem sagte auch Titelverteidiger Vladimir Guerrero seine Teilnahme ab und auch Jason Giambi wird sich zu seinem Heimspiel nicht die Ehre geben. Jedoch muss man dazu sagen, dass alle Teilnehmer des Derbys auch am All-Star-Game selbst teilnehmen werden - die von mir genannten Spieler alle nicht. Da kann man es  verstehen, dass Spieler, die seit Angfang April beinahe jeden Tag spielen müssen, nicht auch noch wegen einer Spaßveranstaltung wie dem Home Run Derby auf drei freie Tage verzichten, die sie mit ihren Familien verbringen können.

Doch halt! Einer der erwähnten Nicht-Teilnehmer ist ja sogar im All-Star-Team. Er ist sogar von den Fans in die Startaufstellung gewählt worden, ist der Home-Run-König und MVP der Vorsaison und wird von vielen als der Spieler betrachtet, der eines Tages Barry Bonds’ Home-Run-Gesamtrekord brechen wird. Praktischerweise wohnt er auch noch in New York und absolviert die Hälfte seiner Saisonspiele ohnehin in dem Stadion, in dem auch die All-Stars auflaufen werden. Die Rede ist natürlich von Alex Rodriguez.

Welches Gejammer musste man sich in den letzten Wochen überwiegend von Yankees-Fans anhören: Pedroia und Youkilis seien nur von der Red-Sox-Lobby in die Startaufstellung gewählt worden, Jason Varitek dürfte gar nicht dabei sein und Jason Giambi hätte eigentlich nominiert werden müssen, weil das Spiel ja schließlich im Yankee Stadium stattfindet. Auch wenn einige der Einwände sicherlich berechtigt sind, muss dennoch die Frage erlaubt sein, wo die ganzen Nörgler und Kritiker sind, wenn es um A-Rod geht. Warum wird es hingenommen, dass der Superstar des Sports beim Home Run Derby im Mekka des Sports nicht teilnimmt?

Giambi hat immerhin geäußert, dass er dabei gewesen wäre, wenn er ins Team gewählt worden wäre. Doch wie kann es sein, dass der wohl größte Home-Run-Hitter seiner Zeit – weder nicht nominiert noch verletzt - nicht am diesjährigen Home Run Derby teilnimmt? In seinem, ihm mit 300 Millionen Dollar schmackhaft gemachten Heimstadion, das sich in seiner letzten Saison befindet? In dem Stadion, in dem der Home Run durch Babe Ruth quasi „erfunden“ wurde? Klare Antwort: Um sich seinen Schwung nicht kaputt zu machen!

Und genau das ist der Grund für diesen Beitrag, denn zu diesem Thema hat Jayson Stark von ESPN einen interessanten Artikel veröffentlicht. Ich hatte mich schon seit längerem gefragt, was es mit diesem absurden „Schwungkaputtmachen“ auf sich hat. Wie kann es sein, dass ein Baseballprofi, der über Jahre hinweg zehntausende von Schwüngen pro Jahr ausführt, sich an einem Abend seinen Schwung ruiniert, nur weil er bewusst versucht Home Runs zu schlagen? In seinem Artikel hat Stark sich mit eben diesem von A-Rod angeführten Grund seiner Absage beschäftigt. Im Folgenden werde ich die wichtigsten Punkte dieser Untersuchung darstellen.

Im Detail hatte Rodriguez gesagt, dass das Derby einen in seinem Schwung um ungefähr drei Wochen zurückwerfen würde. Doch 2002, als er das letzte Mal teilnahm, gelangen ihm vier Home Runs in den ersten vier Spielen danach. In der zweiten Saisonhälfte allein erzielte er sogar 30 Home Runs! Es kann also beim besten Willen keine Rede von einem spürbaren Leistungsabfall sein. Es gibt noch detailliertere Statistiken, die belegen, dass in den drei Jahren, in denen A-Rod am Derby teilnahm, keinesfalls einen Leistungsabfall zu beklagen hatte. 

Doch vielleicht ist es ja gar nicht die Teilnahme am Home Run Derby, die einem Probleme bereitet, sondern der Sieg, da man mit den anschließenden Erwartungen nicht umgehen kann. Seit 1985 wurden 22 Home Run Derbys ausgetragen: Drei der Sieger wurden noch im selben Jahr  MVP, weitere zwölf kamen bei der Wahl immerhin unter die ersten Fünf. Der Sieger von 2005, Bobby Abreu, erzielt seit seinem überragenden Auftritt mit 41 Home Runs durchschnittlich nur noch 16 Home Runs pro Jahr – jedoch erzielte er auch davor „nur“ 22 im Schnitt. Er war einfach nie der klassische Home-Run-Hitter und die Gründe für seinen leichten Abfall sind wohl eher im zunehmenden Alter und im Wechsel von Philadelphia nach New York zu suchen.

Tatsächlich handelt es sich bei dem „Fluch des Derbys“ wie bei so vielen Sportflüchen und –gesetzen um eine total haltlose Behauptung, die sich aber in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. Man kann den Leuten noch so häufig aufzeigen, dass im Fußball der Gefoulte den Elfmeter prozentual gesehen genauso oft verwandelt wie irgendein anderer Spieler – der (Aber-)Glaube daran, dass er nicht schießen sollte, wird aber bestehen bleiben.

Nur gut für A-Rod, dass das auch beim Derby-Fluch so ist, denn sonst müsste er wohlmöglich noch seine wahren Gründe nennen: Nämlich dass er nicht Angst davor hat sich seinen Schwung zu zerstören, sondern davor, dass im Falle eines erneuten Misserfolgs im Home Run Derby sein „Was-auch-immer“ mit Madonna verantwortlich gemacht würde. Angesichts von bisher gerade mal neun Home Runs in drei Derbys wäre das aber wohl eher unwahrscheinlich gewesen. Doch im Grunde genommen wären die beiden eigentlich ein echtes Traumpaar: Die Queen of Pop und die Königin der Home Runs! Schade nur, dass das Spiel im Yankee Stadium und nicht in Fenway stattfindet, wo bestimmt zu jedem At Bat „Material Girl“ durchs Stadion schallen würde. Aber zum Glück gibt es ja noch die Regular Season.  
 

Kommentare
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Thomas
(Registered) 14-07-2008 16:59
So und jetzt überleg mal, warum er nur neun Home Runs in solchen Derbys geschlagen hat - weil er
eben nicht seinen Schwung veränderte!

Er ist kein Pull Hitter und wollte das da wohl auch nicht sein - sonst hätte er mehr Home Runs
geschlagen! Und schon sind wir wieder beim Schwung kaputt machen!



Und deine Attacke bezüglich Madonna ist einfach nur billig, denn das Privatleben eines jeden
Sportlers geht niemanden etwas an!
 
Thomas
(Registered) 14-07-2008 16:47
Ich denke, dass da schon ein gewisser Unterschied zu einer "normalen" Privatperson besteht:
Er bekommt die 30 Mio pro Jahr schließlich nicht nur für den Sport...was auch für Schauspieler,
Musiker, etc. gilt, die von ihrer Öffentlichkeit mehr profitieren als dass sie darunter leiden. Das
gilt in den USA noch mehr als in Europa. Außerdem: Welche "Attacke"? Das wird in den
US-Massenmedien so dargestellt und ich garantiere dir, dass wir diese Saison noch "Material
Girl" oder "Like a Virgin" hören werden.

Zum eigentlichen Thema: Erzähl mir bitte nicht, dass ein Profi, besonders A-Rod, nicht seinen
Schwung für eine halbe Stunde umstellen kann, ohne das nicht mehr rückgängig ma...
 
Sonne
(195.145.160.xxx) 14-07-2008 17:50
Ich wünsche A-Rod ein dickeres Fett, denn er wird sich zwangsläufig darauf einstellen müssen.



...aber ich bin mir auch sicher, dass er das überstehen wird. ;)
 
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Johannes
(Publisher) 15-07-2008 01:17
Also lieber "Anonym": Personen des öffentlichen Interesses, die ein Schweinegeld kassieren
und Madonna in ihre Loge im Yankee-Stadion einladen, müssen damit rechnen und tun das anscheinend
auch, dass auch über ihre sonstigen Aktivitäten fernab des Platzes berichtet wird. Und eine
wirkliche Attacke aufs Privatleben sieht ja nun wohl anders aus.
 
Thomas
(Registered) 15-07-2008 02:25
Nur zu seiner/ihrer und meiner Verteidigung: "Anonym" wurde von Phil so genannt, da da
ursprünglich "Thomas" stand. Der Link führt noch immer zu mir. Der Kommentar ist also
(natürlich) nicht von mir, der Autor wollte aber nicht anonym bleiben.
 
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Johannes
(Publisher) 15-07-2008 08:32
Äh..ok :grin
 
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Thomas Kuhnert

 
thomas65x90 Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report.
Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.