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Hall of Shame?
Mark McGwire wurde bereits im vergangenen Jahr mit 23,5 Prozent abgestraft. Auch er steht im dringenden Verdacht systematisch gedopt zu haben, was durch Aussagen ehemaliger Mitspieler und Teamverantwortlicher als nahezu sicher gilt. McGwire selbst schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Es mag auch Stimmen geben, die McGwire auch ohne seine Verbindung zu Dopingmitteln nicht als legitimes Hall-of-Fame-Mitglied gesehen hätten, dennoch wäre er sicherlich niemals so deutlich an der nötigen Stimmzahl gescheitert. Wahrscheinlich scheint aber vielmehr, dass McGwire alleine aufgrund seiner 70 Home Runs im Jahre 1998 und der insgesamt 583 in seiner Karriere den Einzug in die Ruhmeshalle geschafft hätte. McGwire mag ein sehr eindimensionaler Spieler gewesen sein, aber wenn man die relativen Zahlen betrachtet, war er sogar der beste Home-Run-Hitter aller Zeiten: Fast bei jedem zehnten At Bat landete der Ball in den Zuschauerrängen - nicht einmal Babe Ruth erreichte diese Quote. Und dennoch reichte es nicht einmal annähernd. Es fällt schwer zu glauben, dass Palmeiro anders beurteilt werden wird. Und das sollte er auch nicht, denn weder Mark McGwire noch Rafael Palmeiro haben den Einzug in die Hall of Fame verdient!
In diese Reihe von Spielern gehört auch Barry Bonds, der aus den gleichen Gründen nicht in die Hall of Fame aufgenommen werden sollte. Ich höre schon wieder die Einwände: Er ist doch mit 762 Home Runs der erfolgreichste Hitter aller Zeiten; hinzu hat er 2935 Hits, 2558 Bases on Balls, 2227 Runs, 1996 Runs Batted In und 514 gestohlene Bases. Das bedeutet folgende durchschnittliche Saisonstatistik: 38 HR, 25 SB, 110 RBI, 100 R ; und das über 20 Saisons, Jahr für Jahr. Unglaubliche Zahlen, bei deren Anblick man keine Sekunde darüber nachdenken muss, ob dieser Spieler in die Hall of Fame gehört. Richtig? - Falsch! Wenn die Major League ein wirkliches Interesse daran hat den Sport zu säubern, dann darf Bonds unter keinen Umständen in die Hall of Fame. Zahlen spielen dabei keine Rolle. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, ob man als Liga für einen sauberen Sport eintritt oder ob man Betrug - denn nichts anderes ist Doping - auch noch belohnt. Denn nicht zuletzt das Verhalten der Liga hat das Dopingproblem zumindest ermöglicht, indem weder Kontrollen durchgeführt noch ernsthafte Strafen verhängt wurden. Und in den Jahren nach dem Streik 1994 stellte man lieber keine Fragen, als sich Mark McGwire und Sammy Sosa 1998 ein packendes und medienwirksames Rennen um Roger Maris' Home-Run-Rekord lieferten.
Viele Leute sagen, dass Barry Bonds auch ohne Doping einer der besten Spieler aller Zeiten gewesen wäre - und sie haben recht. Das ist das eigentlich Traurige am Fall Bonds. Im Gegensatz zu Palmeiro und McGwire, die wohl ohne illegale Mittel weitaus weniger Home Runs geschlagen hätten und so gar nicht erst den Status erreicht hätten, den sie am Höhepunkt ihrer Karrieren hatten, war Bonds schon vor der Einnahme unerlaubter Mittel ein kompletter Spieler. Zwischen 1990 und 1999 schlug er nur einmal weniger als 30 Home Runs, stahl nur einmal weniger als 28 Bases, und hatte nur einmal ein OBP unter .400. Insgesamt schlug er in diesem Jahrzehnt 361 Home Runs und stahl 343 Bases. Zudem war er zu dieser Zeit noch einer der besten Left Fielder in der Major League. Bonds hätte seine Karriere ohne Zweifel als einer der besten Spieler aller Zeiten und wahrscheinlich als der beste seiner Generation beendet. Vermutlich ist er das sogar auch jetzt noch.
Doch selbst das und alles, was vor der Einnahme von Steroiden war, ist für die Beurteilung von Bonds' Karriere hinsichtlich der Aufnahme in die Ruhmeshalle irrelevant. Ein Spieler, der sich über Jahre hinweg mit illegalen Mitteln einen Vorteil verschafft, disqualifiziert sich selbst. Schon der Name "Hall of Fame" impliziert, dass nicht alleine Statistiken, Titel und persönliche Auszeichnungen zählen, sondern auch sportliches Verhalten, Fairness und der Verdienst für den Sport. Er impliziert höhere Werte als ein On-Base-Percentage von .400 und 500 Home Runs. Bei aller Zahlenverliebtheit der amerikanischen Baseballexperten und Fans, waren überragende Statistiken allein nie genug für die Aufnahme in die Hall of Fame. Pete Rose wurde ausgeschlossen, weil er als Manager auf Spiele der eigenen Mannschaft gewettet haben soll, jedoch nie nachweislich gegen das eigene Team. Bis heute ist er mit 4256 Hits der Spitzenreiter der ewigen Bestenliste, wurde aber dennoch nicht in die Ruhmeshalle zugelassen, da die MLB seit dem Skandal um die "Black Sox" 1919 mit aller Konsequenz gegen jede Art von Wetten von Spielern, Managern und Funktionären vorgeht. Damals verloren die Chicago White Sox absichtlich in der World Series, woraufhin 8 Spieler lebenslänglich gesperrt wurden - darunter auch Joe Jackson. Jackson gilt unumstritten als einer der besten Spieler aller Zeiten, von dem Babe Ruth sich nach eigener Aussage den Schlagstil abgeschaut hat. Auch Jackson wurde nie in die Hall of Fame aufgenommen. Und auch in diesen beiden Fällen geschah dies völlig zu recht. Wie soll eine Aufnahme in die Ruhmeshalle des Sports, die eben nicht nur sportliche Leistungen sondern auch die Verdienste für den Sport honoriert, bei Spielern gerechtfertigt werden, die die Regeln der Liga brechen, absichtlich Spiele verlieren, oder sich eben durch Doping einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschaffen?
Umso schlimmer ist das alles, wenn diese Spieler - allen voran Barry Bonds - nicht einmal zu ihren Fehlern stehen und diese zugeben, und somit auch nicht zur Aufklärung beitragen. Barry Bonds war der Spieler seiner Ära und wurde durch eigene Fehler und übertriebenen Ehrgeiz zum Gesicht der "Steroid Era". Die verfälschten Statistiken sind dabei nicht einmal das Problem. Barry Bonds könnte 1000 Home Runs schlagen - er wäre trotzdem nie der größte Home-Run-Hitter aller Zeiten. Generell wird man in den nächsten Jahren lernen müssen, die Zahlen der vergangenen 20 Jahre richtig zu bewerten. Viel schlimmer ist, dass durch Bonds' unnatürliche Leistungssteigerung Spielergebnisse über Jahre hinweg in gewisser Weise manipuliert wurden. Sehr deutlich wird dies anhand der World Series 2002, die die San Francisco Giants ohne Bonds wohl nie erreicht hätten. Vielleicht wären nicht die Anaheim Angels Meister geworden und ein anderes Team wurde um den verdienten Erfolg betrogen.
All diese Dinge müssen berücksichtigt werden, wenn man darüber diskutiert, ob Barry Bonds in die Hall of Fame gewählt werden sollte. Wenn Spieler wie Joe Jackson und Pete Rose wegen Fehlern in einzelnen Spielen völlig zurecht bis heute ausgeschlossen bleiben, dann darf man für Dopingsünder, die wie im Fall Bonds über Jahre hinweg betrogen haben keine Ausnahme machen. Selbst wenn die Enthüllungen weitergehen, so wie jüngst im Fall Clemens, wird man im Interesse des Sports harte Strafen aussprechen müssen. Denn wenn sich in Zukunft etwas ändern soll, muss einfach deutlich gemacht werden, dass solch ein Verhalten ernsthafte und unwiderrufliche Konsequenzen hat. Dabei darf es keine Rolle spielen, wie viele Hits ein Spieler geschlagen hat oder wie viele Wins er erreicht hat, ebenso wenig welche Leistungen er „sauber“ erbracht hat. Ein Spieler, der auf solch dreiste Weise seine Leistung und den Ausgang ganzer Meisterschaften beeinflusst und verfälscht, hat jeden Anspruch auf eine Würdigung als großer Sportsmann verwirkt. Wenn die Liga den entstandenen Schaden wieder gutmachen will, dann darf dabei auch nicht vor großen Namen wie Barry Bonds und Roger Clemens Halt gemacht werden.
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.
Kann man doch nicht vergleichen, oder?! Nen Helm wegwerfen und einen Ball mit über 150 km/h auf
Da geht's sowieso nur um heurige Saison, da der Terminplan mit dem alten Playoffmodus gemacht wur...
(18-05-2012 17:35)Rene
Nee Joey das ist falsch, Hamels hat bewusst auf den Rücken gezielt. Da muss es schon mit dem Teuf...
(18-05-2012 13:30)Basti
Hallo Ihr Beiden, mal wieder ein sehr gelungener Podcast. Zu den Yankees. Da stimme ich euch zu,<...
(18-05-2012 11:36)Erich
Richtig. Und 5 Spiele bei einem Starter bedeutet eigentlich nur, dass sein nächster Start um eine...
(18-05-2012 11:35)Erich