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FIP vs ERA

 
Autor: Thomas Kuhnert Donnerstag, 19. Februar 2009
 

In meiner Auswahl bin ich keinem festen Kriterium gefolgt, außer dass ich versucht habe, verschiedene Typen von Pitchern (Groundball- Strikeout-, Control-Pitcher) zu überprüfen. Außerdem habe ich nicht nur Top-Pitcher untersucht, sondern auch solche, die sich wohl eher zwischen dem oberen und dem unteren Durchschnitt bewegen. Schließlich habe ich im Folgenden jeden der von mir überprüften Pitcher aufgelistet, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob seine Statistik die Genauigkeit des FIP bestätigt oder nicht.

Aufgelister sind der Name des Pitchers, sein Karriere-FIP, der Karriere-ERA, die Differenz und die Abweichung in Prozent.

Strikeout-Pitcher:
Nolan Ryan: 3.45, 3.19, +0.26, 8.1%
Randy Johnson: 3.29, 3.26, +0.03, 0.9%
Pedro Martinez: 2.97, 2.91, +0.06, 2.0%
John Smoltz: 3.33, 3.26, +0.07, 2.1%

Grounball-Pitcher:
Brandon Webb: 3.49, 3.24, +0.25, 7.7%
Derek Lowe: 3.80, 3.75, +0.05, 1.3%
Chien-Ming Wang: 3.90, 3.79, +0.11, 2.9%
Aaron Cook: 4.29, 4.36, -0.07, 1.6%

Control-Pitcher:
Greg Maddux: 3.34, 3.16, +0.18, 5.7%
Mike Mussina: 3.67, 3.68, -0.01, 0.3%
Tom Glavine: 4.03, 3.54, +0.49, 13.8%
Roy Halladay: 3.59, 3.52, +0.07, 2.0%

gemischte aktuelle Pitcher:
Roy Oswalt: 3.37, 3.13, +0.24, 7.6%
Josh Beckett: 3.68, 3.78, -0.10, 2.6%
A.J. Burnett: 3.81, 3.81, 0.00, 0.0%
Javier Vazquez: 3.98, 4.32, -0.34, 7.9%
Andy Pettitte: 3.76, 3.89, -0.13, 3.3%
Barry Zito: 4.37, 3.82, +0.55, 14.4%
Ted Lilly: 4.61, 4.40, +0.21, 4.7%
Kenny Rogers: 4.47, 4.27, +0.20, 4.7%
Tim Wakefield: 4.80, 4.32, +0.48, 11.1%
Jon Garland: 4.82, 4.47, +0.35, 7.8%
Kyle Lohse: 4.60, 4.67, -0.07, 1.5%
Jeff Suppan: 4.83, 4.63, +0.20, 4.3%
Livan Hernandez: 4.47, 4.37, +0.10, 2.3%

Die einzigen erwähnenswerten Abweichungen sind bei Barry Zito, Tom Glavine und Tim Wakefield festzustellen, wobei man Wakefield insofern vernachlässigen kann, als dass das FIP auf Knuckleballer nachgewiesenermaßen nicht so angewendet werden kann wie auf “normale” Pitcher.  Auffallend ist auch, dass mit Ausnahme eines Pitchers (J. Vazquez) kein ERA nennenswert unter dem FIP liegt. Es schneiden also nur sehr wenige Pitcher schlechter ab, als es ihre Strikeout-, Walk- und Home Run-Raten erwarten lassen.

Im Durchschnitt weicht das FIP der genannten Pitcher nur um 0.18 von deren ERA ab - egal ob nach oben oder nach unten. Noch beeindruckender ist die prozentuale Abweichung, die  durchschnittlich gerade mal 4.8 Prozent beträgt und die Tatsache, dass kein wirklicher Unterschied zwischen den verscheidenen Pitchertypen zu erkennen ist.

An dieser Stelle sei nochmal daran erinnert, dass diese zu über 95 Prozent zutreffende Aussage über das ERA eines Pitchers unter vollständiger Missachtung aller ins Feld geschlagenen Bälle erfolgt, da das FIP alleine anhand der Strikeouts, Walks und Home Runs, die gegen einen Pitcher erzielt werden, berechnet wird. Im Umkehrschluss deutet alles darauf hin, dass das Resultat eines Schlages (BABIP) nur zu einem sehr geringen Maße in der Hand des Pitchers liegt.

Diese geringe Abweichung von FIP und ERA könnte auch darin begründet sein, dass ein Pitcher der eine gutes K/BB-Verhältnis, also gute Kontrolle hat, nur selten in die Mitte der Strikezone wirft, wo der Schlagmann die besten Chancen auf einen Hit hat. Selbst wenn also ein Pitcher einen Einfluss auf die Qualität der zugelassenen Schläge haben sollte, kann diese Fähigkeit größtenteils anhand der Strikeout- und Walk-Zahlen dieses Pitchers bestimmt werden.

Kommentare
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Tulo
(Registered) 19-02-2009 15:24
Aus statistischer Sicht (was bei dieser Anzahl grundsätzlich nichts bedeutet) zeigen mir diese
Beispiele, dass keine wirkliche Signifikanz in den Unterschieden zwischen FIP und ERA vorhanden
sind. Dies würde wohl auch bestätigen, dass die Unterschiede (bei den Unsicherheiten der einzelnen
Statistiken) von Faktoren abhängig sind, die wohl kaum interpretierbar sind. Eine Systematik bei
speziellen Groundball-Pitchern ist hierbei ja auch nicht zu erkennen (gut es sind nur 4 Beispiele).
Der Unterschied ist z.B. auch bei Webb minimal. Man darf einen Pitcher mit einem ERA von 3.2 ja
sowiso nicht besser einschätzen als ein Pitcher mit einem ERA von 3.4 (dasselbe gilt natürlich auch
für das FIP), da diese Differ...
 
Thomas
(Registered) 19-02-2009 15:49
Mit dem Argument der zu geringen Anzahl für endgültige Schlüsse hast du sicherlich Recht, dennoch
hat es mich gewundert nicht ein Beispiel zu finden, dass gravierend abweicht. Die Abweichungen
zwischen FIP und ERA könnten sogar noch geringer sein, da der Formel nach ja ein ligaabhängiger Wert
hinzuaddiert wird, der ca. 3.20 beträgt. Ich habe eben diese 3.20 genommen und hatte nicht die
exakteren Werte - die Abweichung dürfte aber über eine ganze Karriere minmal sein.

Bezüglich deiner Schlussfolgerung muss ich dir aber widersprechen: Die Karrierezahlen zeigen, dass
trotz verschiedener Pitcher über große Zeiträume nur geringe Unterschiede zwischen ERA und FIP
bestehen. In meinem ursprünglichen Artikel gi...
 
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Tulo
(Registered) 19-02-2009 16:30
Ok, dann hab ich deine Interpretation vorher falsch verstanden. Die aufgeführten Zahlen von
Galarraga und Matsuzaka sprechen natürlich für sich. Ich denke auch, dass solch grossen Abweichungen
der zwei Statistiken nicht nur durch Zufall zustande kommen, was die Defensiv-Statistik bestätigt.
Nur ist Matsuzaka ein sehr junger Pitcher, dessen Entwicklung wohl noch recht schwierig
einzuschätzen ist. Du hast im anderen Artikel aufgezeigt, dass das FIP über kurze Zeit sehr stark
schwanken kann. Denkst du trotzdem, dass daraus eine fundierte Prognose für die weitere Leistung
möglich ist?
 
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Tulo
(Registered) 19-02-2009 16:38
Sorry, da war natürlich vom BABIP die Rede...
 
Thomas
(Registered) 19-02-2009 17:04
Matsuzaka würde ich auch nicht schlecht erwarten, sondern was das ERA betrifft lediglich schwächer
als 2008, vielleicht so um die 3.80.

Aber mit 28 Jahren und gerade mal zwei Jahren in der MLB ist er sicherlich unberechenbarer als manch
anderer Pitcher.

Sein FIP hat er von 4.35 auf 4.11 verbessert und muss jetzt eigentlich "nur noch" die
positiven Seiten beider Jahre zusammenbringen. 2007 hatte er 8.9 K/9, 3.5 BB/9 und sehr hohe 1.11
HR/9. 2008 waren es 8.3 K/9, sehr schlechte 5.1 BB/9 und 0.65 HR/9.

Sollte er es schaffen, die Walks zu reduzieren ohne wieder mehr HR und Hits allgemein abzugeben,
sieht es richtig gut aus. Wenn nicht, kann er sich nicht nochmal auf das Glück von 2008 verla...
 
Erich
(Publisher) 19-02-2009 19:11
Langfristig ist der ERA schon eine verlässliche Größe.

Klar gibt es viele Faktoren die die Leistung des Pitchers beeinflussen, wie eben die Defensive.

Aber wie deine Aufstellung zeigt, liegen die guten Pitcher beim FIP und beim ERA vorne.



Zur Diskussion fällt mit auch ein Spruch aus der Fussball-BL ein. „Über die Saison gleicht sich das
alles aus.“ Z.B. wenn es um Elfmeter oder Abseitstore geht.



Das sollte auch im Baseball zutreffen. Mal spielt die eigene Defensive gut, dann weniger gut.
Langfristig hat jeder Pitcher eine Vielzahl von Spielern in der eigenen Defensive, die diese
statistische Unsicherheit glätten.



Zu Brandon Webb nochmal. Bei dem ist mir letztes Jahr aufge...
 
Thomas
(Registered) 19-02-2009 22:23
Nochmal: Es ging nicht darum das FIP als eine Alternative Beurteilungsmethode vorzustellen, sondern
als ein Prognoseinstrument. Der FIP-ERA-Vergleich sollte nur die Verlässlichkeit des FIP
demonstrieren. Über eine Karriere hinweg gleicht sich Glück/Pech und Defensivleistung tatsächlich
aus (oder eben das BABIP).

Worum es eigentlich ging:

1. FIP entspricht ungefähr dem ERA.

2. K/BB ist ein viel beständigerer Wert als der BABIP, der eben großen Einfluss auf den ERA hat. Der
BABIP ist zu viel ein Zufallsprodukt.

3. Zur Prognose sollte man daher dem konstanteren Wert, also dem FIP vertrauen, anstatt das
Glück/Pech, das man sowieso nicht abschätzen kann mit in die Rechnung aufzunehmen.

An...
 
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Thomas Kuhnert

 
thomas65x90 Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report.
Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.