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FIP und Pitching-Prognosen
Die Kritik am Win stellte keine große Neuigkeit dar. Es ist gemeinhin bekannt, dass der Win zu stark von Faktoren außerhalb der Einflusssphäre des Pitchers abhängt, allen voran von der Run-Unterstützung durch die eigene Offensive. Das größere Problem liegt jedoch wie so oft nicht in der Statistik an sich, sondern in ihrer falschen Deutung. So werden die Losses generell vernachlässigt und Wins fast schon als die alles überstrahlende Statistik behandelt. Natürlich geht es im Endeffekt immer nur darum zu gewinnen. Das aber allein an der Leistung des Pitchers festmachen zu wollen ist allerdings unsinnig. Viele Wins (und wenig Losses) deuten im Allgemeinen auf gute Leistungen eines Pitchers hin, vor allem aber sprechen sie für dessen Fähigkeit konstant viele Innings zu pitchen. Wins als eine der wichtigsten Bewertungsgrundlagen für Pitcherleistungen heranzuziehen ist allerdings schlichtweg falsch.
Ähnlich, wenn auch in schwächerer Form, verhält es sich beim ERA. Sowohl die genaue Definition dieser Statistik als auch die allgemeinen Kriterien für einen Error, rauben dieser Statistik vieles dessen, was sie aussagen zu können vorgibt. Zur Verteidigung des ERA muss man jedoch sagen, dass es in der Regel nicht weit von der Gesamtzahl der über neun Innings durchschnittlich zugelassenen Runs eines Pitchers abweicht. Somit kann der ERA (noch besser der ERA+) schon aussagen, was ein Pitcher in einer Saison oder einer Karriere unter dem Strich geleistet hat, denn immerhin sind zugelassene Runs wohl der wichtigste Aspekt der Leistung eines Pitchers, noch weit vor Win oder Loss.
Dennoch sind Aussagen wie “Pitcher A war 2008 sehr gut, weil er ein ERA von 3.15 hatte” nicht haltbar, da selbst der ERA von sehr vielen Faktoren abhängig ist, die der Pitcher nur unwesentlich oder gar nicht beeinflussen kann. Ebenso wenig wie Errors der Defensive die Schuld des Pitchers sind, sind herausragende Defensivleistungen sein Verdienst. Auch kann ein Pitcher einfach das Glück haben, dass hartgeschlagene Bälle fast immer auf einen Mitspieler gehen, während andere Pitcher oftmals das Pech haben, dass Roller den Weg in die Lücken finden oder im Infield vereenden und nicht schnell genug zur ersten Base geworfen werden können. Nur selten wird ein Pitcher ein derart guter ERA wie im oben genannten Beispiel haben ohne tatsächlich gut gepitcht zu haben. Die Aussage bleibt dennoch falsch. Vielmehr müsste es heißen: “Pitcher A hatte 2008 ein ERA von 3.15, weil er sehr gut war.” Man muss sich im Klaren über Ursache und Wirkung sein.
Meine Absicht ihnter dieser Henne-Ei-Geschichte ist es zu zeigen, dass es eine Vielzahl von Statistiken gibt, die guten Leistungen und einem guten ERA zu Grunde liegen, die weitaus mehr in der Kontrolle des Pitchers liegen. Im Grunde genommen ist es die Gesamtheit dieser Statistiken, die das auszusagen vermag, was ursprünglich mit dem ERA zum Ausdruck gebracht werden sollte: Die Messung der Leistung des Pitchers unabhängig von der der Defensive hinter ihm.
Vor allem wenn es um Leistungsprognosen geht, darf der ERA keine Rolle spielen. So müssen (oder sollten) sich General Manager an tiefergehenden und vor allem konstanteren Statsitiken orientieren, wenn es um die Beimessung eines Wertes für einen bestimmten Pitcher geht. Aber auch für den Durchschnittsfan, der jedes Jahr aufs neue versucht, seine Fantasy-Liga zu gewinnen, ist es ratsam, sich an anderen Statistiken zu orientieren, wenn er versucht eine möglichst erfolgreiche Pitching Staff zusammenzustellen.
Dabei handelt es sich vor allem um Strikeouts, Bases on Balls, Home Runs und der Relation zueinander und der Anzahl der Innings. Diese drei Kategorien sind nämlich die einzigen, deren Ausgang alleine in der Hand des Pitchers liegt, mit kleinen Abstrichen, was die Abhängigkeit der Home Runs vom Stadion betrifft. Die Überlegung, die dieser Nichtbeachtung ins Feld geschlagener Bälle zu Grunde liegt, ist, dass Pitcher auf Major League-Niveau nahezu keinen Einfluss auf den Effekt geschlagener Bälle haben. Dieser hängt fast vollständig vom Zufall und der Leistung der Defensivspieler ab. Auf den ersten Blick mag dies verwundern, jedoch zeigen Studien, dass ein Pitcher in der Tat sehr wenig Einfluss auf die Qualität der Schläge hat, die aus seinen Pitches resultieren (auch BABIP genannt: Batting Average on Balls in Play). Natürlich gibt es hier seltene Ausnahmen, wie z.B. Greg Maddux, der es wie kein Zweiter verstand, das Timing des Hitters so durcheinander zu bringen, dass auffallend viele leichte Outs von der Defensive verbucht werden konnten. Auch wenn es theoretisch möglich wäre, kann man auf Major League-Niveau eigentlich ausschließen, dass ein Pitcher einerseits gute Strikeout-, Walk- und Home Run-Bilanzen vorweisen kann, andererseits aber konstant qualitativ gute Schläge zulässt. Generell sind hier echte Unterschiede zwischen Pitchern – wenn überhaupt – nur über den Zeitraum von mehreren Jahren zu erkennen. Vor allem aber sind die jährlichen Schwankungen extrem hoch und können nicht für Vorhersagen herangezogen werden.
Anders verhält sich dies bei den drei erwähnten reinen Pitcherstatistiken, die in aller Regel recht konstant sind und sich oftmals in Trends entwickeln. Eine Statistik, die diese drei in einer Formel verbindet ist das sogenannte FIP (Fielding Independent Pitching). Es berechnet sich wie folgt: 13xHR + 3x(BB+HBP-IBB) – 2xK / IP. Zum Ergebnis dieser Formel wird ein ligaabhängiger Wert (ca. 3,2) addiert, damit der Wert leichter mit dem ERA zu vergleichen ist. Betrachtet man diesen Wert, erkennt man beispielsweise, dass Josh Beckett 2008 nur unwesentlich schwächer als 2007 war. Sein FIP betrug 2007 3.22 , vergangene Saison 3.32. Sein ERA allerdings stieg von 3.27 auf 4.03, was vor allem den Schluss zulässt, dass Beckett letzte Saison viel Pech hatte. Noch deutlicher wird dies, wenn man das Line Drive Percentage zu Rate zieht. Es gibt an, wieviele zugelassene Kontakte eines Pitchers in Line Drives resultieren, unabhängig davon, ob sie zu einem Out oder einem Hit führen. Beckett war in dieser Statistik 2007 der viertbeste Starting Pitcher der Liga (15,8 % Line Drives), 2008 der zweitschlechteste (25,2 %) von allen.
Bei einem Vergleich des eigentlichen ERA und des FIP kann man erkennen, welche Pitcher 2008 ohne eigenes Verschulden schlechter abschnitten und welche besser zu sein schienen, als sie tatsächlich waren. Verwundern kann das Ergebnis nicht: Am glücklichsten durfte sich Armando Galarraga schätzen (ERA: 3.73, FIP: 4.95), gefolgt von Daisuke Matsuzaka (2.90, 4.11) und Joe Saunders (3.41, 4.43). 2007 waren übrigens die namhaftesten Glückspilze Fausto Carmona (3.06, 4.05) an Nummer eins, Livan Hernandez (4.93, 5.78) als Dritter und Oliver Perez (3.56, 4.36) als Fünfter. Der ERA aller war im Folgejahr deutlich näher am FIP des Vorjahres, in Carmonas sogar deutlich darüber. Bei den drei erstgenannten sollte man also die Erwartungen für 2009 etwas zurückschrauben. Die größten Pechvögel waren übrigens der noch immer schlechte Nate Robertson (6.35, 4.97), Kevin Millwood (5.07, 4.06), Javier Vazquez (4.67, 3.81) und Andy Pettitte (4.54, 3.74) - hier kann man sich berechtigte Hoffnung auf Besserung machen.
Natürlich ist auch das FIP kein hundertprozentig zuverlässiger Indikator für den zukünftigen ERA eines Pitchers, dennoch dient es als eine weitaus bessere Orientierung als der ERA selbst. Der ERA mag einem einen guten Eindruck von der erbrachten Leistung eines Pitchers verschaffen, da er in der Regel das Resultat guten Pitchings ist. Da es aber einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Glück gibt ist er zu Prognosezwecken allerdings nur von geringem Wert.
Zum Abschluss habe ich nochmal die best- und niedrigstpaltzierten Pitcher des Jahres 2008 in den Kategorien aufgelistet, die eine Aussage über die zu erwartenden guten Leistungen von Pitchern oder das Pech, dass sie im vergangenen Jahr hatten, erlauben. Das ist zum einen das FIP selbst, das DER (Defense Efficiency Ratio) und das LOB% (Left on Base Percentage). Für mehr Informationen könnt ihr hier nachschauen .
FIP:
T. Lincecum 2.67
C. Lee 2.92
D. Haren 3.02
R. Halladay 3.09
D. Lowe 3.23
B. Webb 3.29
J. Beckett 3.32
C. Billingsley 3.33
E. Santana 3.37
R. Dempster 3.46
DER:
Das DER drückt aus wieviel Prozent der geschlagenen Bälle die Defense in Outs umwandeln konnte. Ein besonders niedriger DER spricht im Allgemeinen für eine schlechte Defense, also das Pech des Pitchers.
K. Millwood .645
I. Snell .649
N. Robertson .659
A. Pettitte .667
M. Parra .673
B. Backe .676
J. Vazquez .684
Z. Duke .685
J. Beckett .685
B. Arroyo .686
LOB%:
Das LOB% drückt aus wieviel Prozent der Baserunner ein Pitcher auf den Bases stranden lässt, also nicht punkten lässt. Die Interpretation ist jedoch incht ganz eindeutig: Manche sehen darin ein Zeichen für Glück, andere die Qualität, in den wichtigen Momenten am Besten zu sein. Die Namen auf der Liste sprechen eher für Letzteres.
J. Santana 82.6 %
J. Peavy 82.2 %
D. Matsuzaka 80.6 %
J. Lackey 80.2 %
S. Baker 78.6 %
C. Lee 78.3 %
C. Billingsley 78.0 %
T. Lincecum 77.9 %
J. Lester 77.4 %
T. Wellemeyer 76.9 %
Allerdings wundert es mich, dass gerade bei Arbitration-Anhörungen so Faktoren wie der ERA eines
Pitchers richtig viel Geld für seinen Marktwert darstellt.
Sicherlich kann man nicht alle Einzel-Statistiken zu Rate ziehen (das Schiedsgericht tagt ja nicht
ewig und man möchte schnell zu einer Entscheidung kommen), allerdings würde ich mir hier ein wenig
mehr Transparenz vorstellen.
Arbitration ist ein Thema für sich. Da wird mienes Wissens mehr auf die klassischen Stats geschaut.
Also HR, AVG., RBI, R, evtl. noch OBP...oder eben W, ERA, SV.
Da schaut niemand auf K/BB, BABIP oder ähnliches. In gewisser Weise ja auch vertretbar: Die
Arbitration macht ja keine Zukunftsprognose, sondern bewertet das Erreichte, obwohl Werte wie RBI, R
und W sehr stark von den Mitspielern abhängen.
Deshalb verdient Ryan Howard auch 18 Mio, obwohl es sicherlich einige bessere First Basemen
gibt...auch in der Offensive.
Statistiken zur Hand, die ihre Position am besten darstehen lassen.
Ryan Howard verdient deswegen soviel, da die Phillies ihm im letzten Winter so wenig angeboten
hatten und das Schiedsgericht keine andere Wahl hatte, als für Howard zu entscheiden.
Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass ein GM in der MLB immer noch nur nach ERA, Saves, HR, AVG
oder RBI, etc. Spieler verpflichtet. Wenn sie sich nicht selbst bei den modernen Stats auskennen,
dann haben sie Leute in der Organisation, die sich damit beschäftigen.
einen daran zweifeln. Ansonsten wollte ich das nicht in Frage stellen.
Bei dem Arbitration-Thema habe ich mich unklar ausgedrückt: Ich meinte den Arbitrator selbst und
keine der beiden Parteien. Ich habe vor kurzem mal gelesen, dass der Arbitrator den reinen
Leistungssttistiken kaum Beachtung schenkt, sondern v.a. anhand AVG, HR, RBI, W und ERA entscheidet.
Denn ich denke nach den wahren Leistungsstatistiken wäre Howard im Vorjahr auch eher "nur" 7
als 10 Mio wert gewesen.
Panel damals am Gehalt eines anderen Spielers und da die Phillies mit ihrem Angebot unter dem des
anderen blieben, waren sie quasi dazu gezwungen für Howard zu entscheiden. Hätte Philadelphia damals
etwas mehr geboten, wäre die Entscheidung zu ihren Gunsten ausgefallen.
Und das nicht jeder GM auf der Höhe des Geschehens ist, merkt man ja bei einigen Clubs, die seit
Jahren nicht in Schwung kommen.
Nichtbeachtung der ins Feld geschlagenen Bälle nicht zu sehr verzerrt. Ich habe zugegebenermaßen nie
selbst Baseball gespielt, höre in den Übertragungen aber immer so viel von "Movement" etc.
Wie soll man z.B. einen Knuckleball-Pitcher, der viele Outs über leichte Pop-Ups usw. macht, über
die FIP-Statistik bewerten?
Was mich jedoch völlig wegbläst, ist die LOB%-Liste. Da findet man ja die absolute Elite des
Starting Pitching.
anderen (früheren) Knuckleballern oder anderen Trick-Pitchern, wie z.B. Junk-Baller haben ergeben,
dass hier tatsächlich ein erkennbar höherer Antei lder geschlagenen Bällen zu Outs führen.
Ich wollte das ganze auch nicht zu verallgemeinernd darstellen. Wie eben Maddux gibt es sicherlich
Pitcher, die über ihre Karriere hinweg bessere Werte haben als andere. Zu Prognosezwecken ist aber
zu berücksichtigen, dass diese Werte auch bei den Lowes und Wangs von Jahr zu Jahr starke
Schwankungen durchlaufen, anders als die Walk- und Strikeout-Raten. Die Home Run-Raten sind nicht so
stabil, aber deutlich stabiler als...
der Artikel ist echt gut.
So 100% neutral ist der FIP aber auch nicht, da HR eben auch Stadionabhängig sind.
Was mir persönlich am ERA gut gefällt, ist die Tatsache, daß es eine griffige Größe ist.
Wenn jemand z.B. 6 Innings gepitcht hat und dabei 2 Runs zugelassen hat, was einen ERA von 3,0
entspricht, weiss ich daß er einen vernünftigen Job gemacht hat.
Eine Frage nebenbei, Pitcher wie Brandon Webb gelten ja als ausgesprochene Groundballspezialisten.
Dies würde im FIP gar nicht berücksichtigt.
Der Theorie nach hat ein Pitcher wenig Einfluss auf die Qualität der Schläge, die aus seinen Pitches
resultieren. Widerspricht sich das nicht?
bezeichnet habe, ist das Endergebnis, sprich Out oder kein Out.
Denn du hast völlig Recht: Webb führte 2008 alle Starter der Major League mit einem GB% (Antei von
Groundballs an geschlagenen Bällen, nicht Ground Outs) von 64,2 an. Nebenbei: In den letzten fünf
Jahren waren Webb und Lowe hier immer in den Top 3.
Webb mag beeinflussen können, dass ein Groundball anstatt eines Flyballs geschlagen wird, ob daraus
dann auch ein Out wird aber nicht. Der Ball kann hart in die Lücke oder auf den Mann geschlagen
werden; er kann rollen, aber von der Defense nicht mehr rechtzeitig verarbeitet werden; er kann
ge...
Webb hatte im genannten Zeitraum folgendes Verhältnis von Groundouts zu Flyouts (GO/AO):
März/April 2.76, Mai 4.59, Juni 3.77, Juli 2.87. In seinem besten Monat in ERA und BABIP hatte er
also den geringsten Anteil an Groundouts!
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.
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Und wieder einmal geben die Indians einen Key-Player ab.
(29-07-2010 10:14)Amanic
au mann :-D
(28-07-2010 16:53)Johannes
re: - Video? Nur das hier...sieht schon ungesund aus wie er da reinspringt...AUA. image:htt...
(28-07-2010 15:03)Basti
Video?
(28-07-2010 14:12)Johannes
Du hast Chris Coughlan vergessen
(28-07-2010 09:46)Basti