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ERA vs ERA+
Gemeinhin gilt der ERA als die Pitching-Statistik anhand der sich die Leistungen verschiedener Pitcher am besten vergleichen lassen, weil dabei anders als beim Win die Offensivleistung der Mitspieler des Pitchers keine Rolle spielt. Wie bei jeder Statistik ist aber auch hier zunächst zu klären, was diese Statistik überhaupt aussagt. Am Beispiel des Wins habe ich in meinem letzten Blogeintrag ausführlich erörtert, inwiefern diese Statistik nicht nur häufig falsch gedeutet und zu stark berücksichtigt wird, sondern allein aufgrund ihrer Definition ihrem Namen nicht gerecht werden kann.
Beim ERA verhält es sich ähnlich, wenn auch in deutlich geringerem Maße als beim Win. Die ursprüngliche Überlegung, die hinter dem Earned Run Average (ERA) steckt, ist, dass ausgedrückt werden soll wie gut ein Pitcher unabhängig von der Leistung seiner Mitspieler in der Defensive ist - das Pitching soll also vom Fielding losgelöst werden. Zu diesem Zweck werden Errors so behandelt, dass sie der Statistik des Pitchers nicht schaden können, indem rekonstruiert wird, wie ein Inning verlaufen wäre, wenn nie ein Error passiert wäre. Beim ERA werden dem Pitcher also nur die Runs zur Last gelegt, die auch bei fehlerfreier Defensivleistung zustande gekommen wären und auf neun Innings hochgerechnet.
An dieser Stelle liegt der erste große Fehler, wenn es darum geht, die Pitcher-Leistung unabhängig von der Defensive auszudrücken, denn Errors werden rein subjektiv vergeben und haben in vielen Fällen keinerlei Aussagekraft. So kann eine besonders große Reichweite einem Feldspieler in der Error-Statistik sogar zum Nachteil geraten. Wenn zum Beispiel ein sehr guter Outfielder es aufgrund seiner Schnelligkeit schafft, einen Ball zu erreichen, der außerhalb der Reichweite der meisten anderen läge, der Ball ihm aber aus dem Handschuh fällt, erhält er einen Error. Joggt nun ein eher unterdurchschnittlicher Outfielder – nennen wir ihn Manny R. - bei dem selben Ball in Richtung des erwarteten Landepunktes des Balls und kommt viel zu spät, wird ihm das statistisch nicht zur Last gelegt. Für sehr gute Infielder gilt das Gleiche. In diesen Fällen wird ein eigentlich guter Einsatz zum Nachteil ausgelegt, während der schlechte Defensivspieler keinerlei Bestrafung erfährt. Ein schlechte Defensive zeichnet sich häufig weniger durch viele Errors aus, als durch langame, reaktionsschwache Spieler, die sich erst gar nicht in die Situation bringen, einen Error begehen zu können.
Der aber wohl noch gravierendere Schwachpunkt der ERA-Regel ist, dass sie ein Inning als beendet ansieht, wenn ohne einen begangenen Error bereits drei Outs erzielt worden wären. Selbst wenn die Error-Statistik fehlerfrei wäre, bliebe der ERA also noch immer fehlerhaft, da in diesem Fall sogar die Leistung des Pitchers unerheblich wird. Folgende Situation: Bei zwei Outs und Runnern auf der ersten und zweiten Base führt ein Error des Shortstops dazu, dass alle Bases besetzt sind. Da ohne den Error das dritte Aus erfolgt wäre, kann ab diesem Zeitpunkt der ERA in diesem Inning nicht mehr beeinflusst werden. Selbst wenn der Pitcher nun einen Grand Slam Home Run abgäbe, würde ihm kein Earned Run angerechnet werden – selbst wenn er selbst den Error begangen hätte!
Sollte ein guter Pitcher nicht auch in solchen Fällen noch das beste aus der Situation machen können? Natürlich muss er durch den Error länger auf dem Mound bleiben, aber ein paar Pitches mehr dürfen dem Pitcher keine Immunität gegen die negative Beeinflussung seiner Statistik geben. In gewisser Hinsicht werden gute Pitcher durch die ERA-Statistik sogar bestraft, weil sie einen wichtigen Teil der Pitcherleistung aus der Statistik ausklammert. Gerade die Leistung in solchen Drucksitutionen, sollte einen guten Pitcher doch vom Rest abheben. Daher sollte man damit leben, dass Errors geschehen und glechzeitig von einem guten Pitcher erwarten, dass er vor und auch nach dem Error weniger Walks und Hits abgibt, als ein schlechter Pitcher. Insgesamt wäre die durchschnittliche Zahl der zugelassenen Runs pro neun Innings bei den besten Pitchern auch niedriger als bei der Masse. Man zählt schließlich auch überragende Defensivspielzüge, die zu einem Out führen, nicht als Hit – genau das müsste man aber machen, wenn man die Pitchingleistung unabhängig von der Defensiv bewerten wollte. Es wäre also sinnvoller an Stelle des sehr subjektiv und fehlerhaft zustande gekommenen Durchschnitts der Earned Runs pro neun Innings, einfach den aller Runs pro neun Innings anzugeben – unabhängig davon, wie sie zustande kamen.
Abschließend kann man zum ERA jedoch sagen, dass es eben in den meisten Fällen – vor allem extrem niedrige und extrem hohe ERAs – eine gute Möglichkeit zur Einschätzung der Leistung eines Pitchers gibt, auch wenn die Überlegung hinter dieser Statistik nicht besonders überzeugen kann. Doch auch wenn man den ERA so akzeptiert wie er ist, sollte wenigstens ERA+ verwendet werden, gerade wenn es darum geht, verscheiden Pitcher miteinander zu vergleichen. Dabei handelt es sich um das sogenannte Adjusted ERA, dass berücksichtigt, in welcher Liga und in welchem Stadion ein Pitcher spielt. Selbst wenn auch dadurch nicht alle Faktoren (z.B. Stärke der Gegner) berücksichtigt werden, ist es doch ein viel exakteres Instrument als der ERA.
Ein ERA+ von 100 bedeutet, dass ein Pitcher durchschnittlich ist. 90 ist ein unterdurchschnittlicher Wert, ab 80 abwärts ist es sehr schlecht. Ein ERA+ von 120 ist ziemlich gut, eines von 150 und mehr überragend. Zur Verdeutlichung:
Wäre also der durchschnittliche ERA in der National League 4.00 und Pitcher A würde exakt diesen Wert in einem pitcherfreundlichen Stadion erreichen, wäre sein ERA+ unter 100, da er gemessen an Spielort und Liga unterdurchschnittlich war.
Läge in der American League der durchschnittliche ERA bei 4.50 und Pitcher B hätte in einem hitterfreundlichen Stadion ein ERA von 4.50, wäre sein ERA+ hingegen über 100. Somit zeigt der ERA+, dass Pitcher B der bessere der beiden war, obwohl sein ERA sogar höher lag als das von Pitcher A.
Vier Beispiele aus der Saison 2008 verdeutlichen das:
B. Myers (Phillies): ERA 4.55, ERA+ 96
G. Maddux (Padres): ERA 3.99, ERA+ 96
G. Smith (Athletics): ERA 4.16, ERA+ 97
J. Vazquez (White Sox): ERA 4.67, ERA+ 98
Ich habe mich bewusst dafür entschieden je ein Beispiel aus den vier Extremen zu wählen: In der NL ist Philadelphia eines der besten Beispiele für ein hitterfreundliches Stadion, San Diego das pitcherfreundlichste überhaupt. In der AL hingegen ist Chicago sehr vorteilhaft für Hitter, während Oakland sehr pitcherfreundlich ist. Es wird deutlich, dass alle vier Pitcher eine leicht unterdurchscnittliche Saison hatten (ERA+ unter 100), tendentiell aber Vazquez noch die beste hatte, obwohl sein ERA mit 4.67 deutlich höher ist als Maddux' Wert von 3.99. Es wird also berücksichtigt, dass Vazquez in einem hitterfreundlichen Stadion in der AL andere Voraussetzungen hatte als Maddux im pitchfreundlichsten Stadion der NL.
Wenn man also die Leistung eines Pitchers anhand der Earned Runs beurteilen will, dann sollte man zumindest ERA+ heranziehen, da es über die Defensive hinaus einfach zu viele Faktoren gibt, die außerhalb der Gewalt des Pitchers liegen und einen fairen Vergleich unmöglich machen. Zudem sollte man sich immer vorher bewusst machen, was man anhand der Statistik erfahren will. ERA+ bietet mit leichten Einschränkungen die beste Möglichkeit zur Beurteilung der erbrachten Leistungen, ist jedoch nicht dazu geeignet Prognosen über zukünftige Leistungen zu treffen.
Deshalb werde ich mich beim nächsten Mal mit den Statistiken beschäftigen, die für Prognosen von Pitcherleistungen herangezogen werden können und werde eine Statistik vorstellen, die die Absicht, die hinter dem ERA steht, weitaus besser zum Ausdruck bringt.
Hast Du da jemand Bestimmten gemeint? :grin
Wieder einmal eine sehr detailierte Beschreibung von der ich noch nicht alle Aspekte kannte. Daß
Errors nicht dem Pitcher angelastet werden wusste ich, aber daß er danach vogelfrei werfen kann, da
das Inning theoretisch beendet ist war mir neu.
Einige denken ja, daß der WHIP aussagekräftiger als der ERA (ERA+) ist. Daß mag Statistik gesehen
zwar stimmen. Aber Spiele werden durch Earned Runs und nicht durch Earned Hits/Walks verloren.
Und solange es einen gewissen Herrn M. aus Japan Spass macht sich die Bases zu loaden um dann alle
aus zu machen, kann es ihm und dem Team egal sein.
Beim Fussball z...
beste Seite für Statistiken.
Auch bei den Hittern ist da immer OPS+ dabei, das league- und stadionangepasste OPS. Werde ich aber
auch nochmal drüber schreiben...zu WHIP schon beim nächsten Mal.
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.
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First Baseman ja, aberr schon wieder ein Lefty!!! Versteh das wirklich nicht, die Indians brauche...
(04-02-2012 18:58)Amanic
Ganz meine Meinung, da kann sich Dan Duquette auch das "zweite-Chance" Gelaber schenken.<...
(04-02-2012 18:56)Nico
Manny wird hoffentlich da bleiben wo er ist...der wird keinem Klub mehr weiterhelfen. Gerade die ...
(04-02-2012 17:20)Basti
Schön zu hören... wäre mehr als traurig, wenn er sich von der Verletzung nicht mehr richtig erhol...
(03-02-2012 09:32)Joey Hollow
Mit Owings im Team hat man quasi einen 26. Mann im Kader...wenn er denn den Opening Day Pitching<...
(02-02-2012 12:48)Basti