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Los Angeles Dodgers – Vom Contender zum Gesweepten?

 
Autor: Remo Gebert Sonntag, 04. Oktober 2009
 

Los Angeles Dodgers – Vom Contender zum Gesweepten? | Remo Gebert - Baseballinsider.de - Das Baseball-Portal

13 Siege in den ersten 13 Heimspielen – die Los Angeles Dodgers setzten zu Beginn der Saison 2009 gleich mal ein Ausrufezeichen. Auch die 50-Spiele-Sperre von Manny Ramirez vermochte man unbeeindruckt wegzustecken und es schien, als sei die NL West schon früh entschieden. Doch vom einst größten Vorsprung eines Divisionleaders in dieser Saison war vor der letzten Regular Season-Serie nicht mehr viel übrig: Die Rockies waren so nah herangerückt, dass sie den Dodgers im direkten Duell den NL West-Titel sogar noch hätten streitig machen können. Zum Vergleich: Nach der sensationellen Heimserie mit 13 Auftaktsiegen spielte das Team von Joe Torre auch im Dodger Stadium nur noch mittelmäßig: 36-31-Bilanz vor dem letzten Heimspiel der Regular Season.

 

Doch was sind die Gründe für diesen deutlichen Leistungsabfall? Und wie stehen die Chancen in den Playoffs?


Die Dodgers waren nach dem starken Saisonstart und der bei Weitem besten Win-Loss-Bilanz in der MLB gegen Mitte der Saison durchaus ein heißer Anwärter auf die World Series: Sie hatten ein vielversprechndes Starting Pitching um die jungen Chad Billingsley und Clayton Kershaw sowie dem erfahrenen Randy Wolf, einen sehr soliden Bullpen inklusive Top-Closer und vor allem: ein sehr starkes Line-Up. Auch – oder erst recht – während der Sperre von Manny Ramirez. Denn für ihn spielte Juan Pierre, der wohl bei mindestens zwei Drittel der anderen MLB-Clubs Starting Left Fielder (oder Center Fielder) wäre. Doch nicht nur, dass er im Outfield um Längen besser spielte als Ramirez, er schlug als Lead-Off-Hitter während Manny`s Abwesenheit auch entsprechend seinem Karriere-Schlagdurchschnitt von .300 gewohnt stark. Zugegeben, er ist soweit von einem Home Run entfernt wie Manny im Outfield von jedem zweiten Flyball, doch während er für knapp 2 Monate im Starting Line-Up für Ramirez war, schlug er starke .317. Zudem stahl er noch 20 Bases. Sowohl an den Schlagdurchschnitt als auch – völlig überraschend – an den Stolen Bases kam Ramirez nach seiner Rückkehr nicht im Geringsten ran. Gut, er hatte weitaus mehr Home Runs, doch sind diese wirklich mehr wert als ein schneller, konstant über .300-Hitter und mehr Bälle im Outfield abfangener Juan Pierre?


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Schlägt seit seiner Sperre nur .269: Manny Ramirez CC-BY-SA - Foto von pvsbond

Da Pierre zu  der Z eit Lead-Off-Batter war, konnte man Shortstop Rafael Furcal auch an 7 schlagen lassen mit Matt Kemp folgend. Somit hatte man also selbst am Ende des Line-Ups noch einen schnellen und guten Kontakthitter und an 8 mit Kemp sogar einen über .300-Hitter. Diese Ausgeglichenheit auch in der zweiten Hälfte des Line-Ups fand man in der ganzen National League nicht!

Mit Manny im Line-Up ist dies nicht möglich, denn da muss Furcal für den dann auf der Bank sitzenden Pierre Lead-Off-Hitter spielen, und Kemp rückt auch entsprechend vor auf 5. Somit ist mit Manny der zweite Teil des Line-Ups bei Weitem nicht mehr so gefährlich wie noch ohne ihn, denn nunmehr lautet die Schlagorder von 6 bis 8: Blake, Martin, Hudson. Das wäre sicherlich auch zuletzt kein Hindernis gewesen, wenn Ramirez seine Leistungen gebracht hätte. Doch mit einem Schlagdurchschnitt von .229 im September an Position 3 des Line-Ups mit nur 4 Home Runs ist nicht viel an Runs zu erwarten. Entsprechend abgeflacht sind auch die Ergebnisse der Dodgers – zumal ein Andre Ethier, der zweite wichtige Power Hitter, gegen linkshändige Pitcher nahezu wirkungslos ist.


Neben dieser Umstruktierung des Line-Ups mit Manny Ramirez, die nicht gerade positiv verlief, kam dann auch noch das Starting Pitcher-Problem dazu. Während Randy Wolf stetig gut pitchte und zum No.1-Starter anvancierte, pitchen die beiden jungen Kershaw und Billingsley vor allem bis Juni stark – danach eher unkonstant. Gerade bei Billingsley nahmen die Walk-Probleme Überhand, sodass er kurz vor Saisonende sogar nur noch aus dem Bullpen heraus pitchte. Schließlich holten die Dodgers Jon Garland von den Diamondbacks und Vicente Padilla, der kurz vorher von den Texas Rangers entlassen wurde. Beide pitchten von den Zahlen her für die Dodgers nicht überaus schlecht, doch auch nicht wirklich überzeugend. Was will man aber erwarten, wenn man sich Pitcher mit einem Karriere-ERA um 4.50 holt?

Sicherlich, der zunächst vielversprechende Knuckleballer Charlie Haeger sowie der Langzeitverletzte Jason Schmidt brachten nicht die erhofften Leistungen, doch ob dies Garland und Padilla in den Playoffs tun?


 

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36 Saves: Closer Jonathan Broxton CC-BY-SA
Foto von julieverive

 

Ohne Frage ist zumindest der Bullpen weiterhin herausragend. Der Punch für das achte (Sherrill) und neunte  (Broxton) Inning ist sicher so stark besetzt wie bei keinem anderen National League-Team, doch  was hilft es, wenn der Starting Pitcher das Spiel wie in den letzten Wochen bereits zu Ungunsten der Dodgers vorentschieden hat bzw. die Offense keine Runs aufs Scoreboard bringt? Zu allem Überfluss fällt nun auch Hiroki Kuroda für mindestens die NLDS aus, sodass man Billingsley nun trotz seiner zum Teil wackligen Auftritte in der Rotation behält und einer der beiden erwähnten  Neuzugänge Spiel 4 pitchen wird – sollten die Dodgers bis dahin noch im Renne n sein.


Angesichts des Gegners St.Louis Cardinals scheint das Weiterkommen jedoch in weiter Ferne. Denn: Wie wollen die „Big Bats“ um Manny Ramirez plötzlich wieder zu alter Form finden? Ramirez kassierte zuletzt durchschnittlich 2 Strikeouts pro Partie, und nun soll er gegen Carpenter und Wainwright diverse Home Runs und RBI aus dem Nichts liefern? Und wie will ein unbeständiges Starting Pitching mit Randy Wolf als Ace ernsthaft den Pujols-Holliday-Punch über eine Serie hinweg in Schach halten? Nicht zuletzt gewannen die Cardinals gegen die Dodgers 5 von 7 Spielen in der abgelaufenen Regular Season.


Um es kurz zu machen: Die Dodgers dominierten und brillierten in der ersten Saisonhälfte, haben aber ungefähr zeitgleich mit der Rückkehr von Manny Ramirez viele offene Baustellen bekommen. Bullpen hin oder her – die Probleme im Starting Pitching und im Line-Up lassen sehr daran zweifeln, dass die im Sommer 2009 sehr verheißungsvollen Dodgers mehr als ein Spiel in der NLDS gegen die Cardinals gewinnen.

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