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Der Wert des Wins

 
Autor: Thomas Kuhnert Samstag, 17. Januar 2009
 

Eine gerne herangezogene Statistik wenn es um die Beurteilung der Leistung eines Starting Pitchers geht sind Wins. Besonders bei der alljährlichen Wahl der Cy Young Awards und der Abstimmung über mögliche neue Mitglieder der Hall of Fame wird dies ein ums andere Mal überdeutlich. Auf den ersten Blick erscheint diese Vorgehensweise auch nachvollziehbar, denn was sollte schließlich aussagekräftiger sein als der Einfluss eines Pitchers auf die Ergebnisse seiner Mannschaft?

 

Bei einem näheren Blick wird jedoch klar, dass der statistische Win diesen Einfluss nur bedingt erfassen kann. Drei Bedingungen müssen für einen Win erfüllt werden: Erstens muss das Team des Pitchers das Spiel logischerweise gewinnen, zweitens muss der Starting Pitcher mindestens fünf Innings absolvieren (Ausnahme sind Spielabbrüche wegen Regens nach sechs Innings; hier reichen bereits vier Innings) und drittens muss der Pitcher – wenn er nicht das gesamte Spiel auf dem Mound bleibt - das Spiel mit einer Führung verlassen, die bis zum Ende des Spiels nicht mehr abgegeben wird.

Verlässt der Starter das Spiel bei einem Rück- oder Gleichstand oder wird die Führung nach seiner Auswechslung nochmal abgegeben, geht der Win der offiziellen Formulierung nach an den Relief Pitcher mit dem größten Anteil am Sieg. In aller Regel ist das derjenige, während dessen Einsatzzeit die Mannschaft letztmals in Führung geht. Für einen Loss gelten in umgekehrter Weise die gleichen Regeln (natürlich muss das Spiel verloren werden und der Pitcher das Spiel bei Rückstand verlassen), jedoch entfällt die Mindestanforderung von fünf Innings.

 

In dieser Definition eines Wins liegen bereits die ersten Ungereimtheiten dieser Statistik. Warum muss ein Starting Pitcher mindestens fünf Innings absolvieren, wenn ein Reliever den Sieg mit einem Inning oder gar weniger erhalten kann? Oder warum muss der Starting Pitcher das Spiel zwingend mit einer Führung verlassen bzw. warum wird er dafür bestraft, wenn nach ihm der Bullpen die Führung verspielt? An seiner Leistung bzw. seinem Anteil am Sieg ändert das überhaupt nichts. Die gleichen Fragen muss man sich selbstverständlich auch beim Loss stellen. Das größte Problem dieser Statistik liegt also darin, dass sie nicht den tatsächlichen Anteil eines Pitchers an einem Sieg oder einer Niederlage ausdrückt, sondern von zu vielen Faktoren abhängig ist, die außerhalb der Kontrolle des Pitchers liegen.

 

Zur Verdeutlichung: Kann man beispielsweise sagen, dass ein Pitcher A das Spiel gewonnen hat, wenner in fünf Innings sechs Runs abgegeben hat und nur davon profitiert, dass seine Offensive noch mehr Punkte erzielt hat? Vielmehr ist es doch so, dass der gegnerische Pitcher B den Loss, nicht aber Pitcher A den Win bekommen sollte. Gleiches gilt selbstverständlich auch im entgegengesetzten Fall zweier guter Pitcher: Zwei Pitcher liefern sich ein Duell über die volle Länge des Spiels und am Ende gewinnt die Mannschaft von Pitcher A mit 1:0. Hier kann man doch nicht davon sprechen, dass Pitcher B das Spiel verloren hat – der Verdienst des Pitchers A steht jedoch außer Frage. Es ist einfach Teil des Spiels, dass auch die Offensive Runs erzielt und diese nicht zwangsläufig die Konsequenz aus Fehlleistungen des Pitchers sind. Aber genau diese Annahme liegt der bestehenden Win-Statistik zu Grunde. Ebenso absurd ist es im erstgenannten Fall davon auszugehen, dass Pitcher A mit der Führung im Rücken bewusst so pitcht, dass er mehr Runs abgibt als er eigentlich müsste. Natürlich wird manche Situation mit einer Führung im Rücken anders gespielt, z.B. ein sicheres Aus an der ersten Base einem riskanten Play an Home vorgezogen, aber diese Situationen sind eher die Ausnahme. Die alte Redensart vom Pferd, das immer nur so hoch springt wie es muss, trifft hier sicherlich nicht zu.

 

Schließlich gibt es noch die Fälle,in denen Sieg oder Niederlage nicht dem Starting Pitcher, sondern einem der Reliever zugewiesen werden. Ein weiteres Beispiel: Pitcher A verlässt das Spiel nach acht Innings bei einer Führung von 3:1.Der Closer lässt im neunten den Ausleich zu, ehe die Mannschaft von Pitcher A das Spiel doch noch gewinnt. Der aktuellen Regel nach geht der Win an den Closer, der in einem Inning zwei Runs zugelassen hat. Doch anstatt den Closer für seine schlechte Leistung auch noch zu belohnen, sollte der Win dennoch dem Starting Pitcher zugerechnet werden, denn der Grundstein für den Sieg lag eindeutig in seinen acht hervorragenden Innings und nicht im Auftritt des Closers. Und auch hier gilt umgekehrt das Gleiche. Verlässt ein Pitcher bei einer 7:6 Führung nach sechs Innings das Spiel und sein Team verliert doch noch mit 7:8, sollte dann nicht auch der Starting Pitcher für die sechs zugelassenen Runs mit dem Loss bestraft und ihm nicht die gute Leistung seiner Offensive zu Gute gehalten werden?

 

Neben diesen unbefriedigenden Kriterienfür einen Win, ist das andere große Problem schlichtweg die falsche Interpretation der Statistik, vor allem von der eher älteren Generation der Baseballjournalisten, die sich noch an die Zeit vor vielen Jahrzehnten erinnern, als es noch üblich war, dass ein Pitcher das ganze Spiel durchpitcht. Obgleich das den Win durch das Wegfallen der Reliever etwas aussagekräftiger machte, waren die Pitcher damals wie heute extrem abhängig von der Offensive der Teamkollegen. Darüber hinaus missfällt mir besonders die scheinbare Nichtbeachtung der Losses. Da wird betont, dass Nolan Ryan 324 und Bert Blyleven 287 Wins in ihrer Karriere erzielt haben, die Tatsache, dass sie auch 292 (Ryan) bzw. 250 (Blyleven) Losses hatten wird aber nicht einmal erwähnt und das, obwohl ein Loss meist weitaus eindeutiger als Verschulden des Pitchers nachgewiesen werden kann als ein Win als sein Verdienst. Wenn man also schon mit dieser Statistik arbeiten muss, dann sollte man an Stelle der totalen Zahlen eher das Verhältnis von Wins zu Losses heranziehen.

 

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass Wins keinerlei Bedeutung haben – sie müssen eben nur richtig gedeutet werden. Generell kann man an vielen Wins erkennen, dass ein Pitcher regelmäßig viele Innings absolviert, denn ein Pitcher, der meistens nach fünf bis sechs Innings vom Feld muss, wird in vielen Fällen an der Entscheidung (statistisch gesehen) nicht beteiligt sein. Selbstverständlich deuten viele Wins in der Regel auch gute Leistung hin, aber eben nicht zwangsläufig und schon gar nich in einzelnen Spielen.

 

Daher habe ich mir mal Gedanken gemacht, wie man den tatsächlichen Anteil eines Pitchers am Sieg oder der Niederlage seines Teams besser erfassen könnte und habe dabei den “Earned Win” und den “Deserved Loss” entwickelt. Im Vordergrund steht dabei, dem gerecht zu werden, was der Name der Statistik für sich beansprucht, nämlich auszudrücken, wieviele Spiele ein Pitcher tatsächlich gewonnen und verloren hat. Das heißt schonmal, dass Wins und Losses grundsätzlich nur an die Starting Pitcher (oder den Pitcher mit den meisten Innings) vergeben werden sollten, da die ein bis zwei Innings, die ein Reliever pitcht meiner Meinung nach nie wichtiger sein können als die fünf bis neun Innings, die der Starter absolviert. Dieses Prinzip würde aber lediglich einer bereits existiernden Kategorie entsprechen, nämlich dem “Record in Games Started In”, also schlicht und einfach der Bilanz der Mannschaft in den Spielen, in denen ein bestimmter Starting Pitcher beginnt.

 

Das wäre aber aus den zu Beginn genannten Gründen noch lange nicht ausreichend, um die tatsächlich erbrachte Leistung des Pitchers genauer zu erfassen. Deshalb habe ich als weitere Komponente etwas ähnliches wie ein Quality Start (QS) zur Voraussetzung für einen Win gemacht. Ein Quality Start erfordert mindestens sechs Innings bei maximal drei zugelassenen Runs, was in der Hinsicht fehlerhaft ist, dass sechs Innings mit drei Runs (4.50 Runs /9 IP) als QS zählen, neun Innings mit vier Runs (4.00 Runs/9IP) aber nicht. Diese Kriterien habe ich etwas angepasst, sodass nicht mehr eine feste Anzahl von Innings und Runs ausschlaggebend ist, sondern immer ein auf ein neun Innings hochgerechneter Wert, der nicht überschritten werden darf, um noch einen Win erhalten zukönnen. Dieser Wert ist gleichzeitig ausschlaggebend für Losses: Bleibt ein Pitcher unter diesem Wert, kann er keinen Loss angehaftet bekommen. Diesen Wert habe ich auf 4.00 Runs pro neun Innings festgelegt - darüber ist kein Win, darunter kein Loss möglich.

 

Dieser Wert ist keineswegs willkürlich gewählt, sondern beruht auf den Statistiken der letzten Jahre und Jahrzehnte. In dem Zeitraum seit der Saison 2000 erzielte im Durchschnitt eine Mannschaft der National League 4.65 Runs pro Spiel. In der American League lag dieser Wert erwartungsgemäß ein wenig höher, nämlich bei 4.92. Während dieser neun Jahre lagen die Jahreshöchst- und die Jahrestiefstwerte in der NL 0.55 auseinander, in der AL 0.54. Auch in den letzten Jahrzehnen lag die durchschnittliche Anzahl von Runs pro Mannschat in einem Spiel immer zwischen vier und fünf: Seit 1940 betrug der niedrigste Wert in beiden Ligen jeweils 4.05 in den Sechziger Jahren. Die Höchstwerte lagen ebenfalls für beide Ligen im selben Jahrzehnt, den Neunzigern - 4.48 in der NL und 4.86 in der AL. Bis auf einen eher starken Anstieg seit 1990 – auf dessen Ursache ich an dieser Stelle nicht näher eingehen werde (Stichwort: Steroide) - ist dieser Wert schon seit längerer Zeit recht konstant. Deshalb die Festlegung der Win/Loss-Grenze auf 4.00 Runs.

 

Auf den ersten Blick erscheint der von mir angelegte Maßstab sehr streng, schließlich verlange ich von einem Pitcher, dass er deutlich weniger Runs erlaubt, als es im Durchschnitt üblich ist. Doch bei genauerem Hinsehen ist der Grund dafür sehr einleuchtend. Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem Durchschnitt und der Verteilung der Runs, was eine Studie des Zeitraums von 2000 bis 2004 verdeutlicht. Der Durchschnitt der gesamten Major League lag in dieser Zeit bei 4.82 Runs pro Spiel und Mannschaft. Da weniger als null Runs pro Spiel nicht möglich sind, nach oben aber keine Grenzen gesetzt sind, entspricht der Durchschnittswert nicht automatisch dem häufigsten Ergebnis. Drei, vier und zwei Runs sind daher die häufigsten Endergebnisse, nicht etwa fünf, wie man bei einem Schnitt von 4.82 vielleicht vermuten könnte. Daraus ergibt sich für den betrachteten Zeitraum das interessante Ergebnis, dass vier Runs in 47,1 Prozent aller Spiele zum Sieg reichen, fünf Runs bedeuten bereits eine 59,3-prozentige Siegeswahrscheinlichkeit. In der Theorie bedeutet das, dass eine Mannschaft, die immer vier Runs erzielt am Ende der Saison eine Bilanz von 76-86 hätte, bereits bei fünf Runs würde sich das auf 96-66 erhöhen.

 

Gerade diese Gewinnwahrscheinlichkeiten sind ausschlaggebend für die von mir festgelegte Grenze von 4.00 zugelassenen Runs pro Spiel. Man kann zudem davon ausgehen, dass diese Wahrscheinlichkeiten weiter ansteigen werden, wenn in den kommenden Jahren die Anzahl der durchschnittlich erzielten Runsangesichts der verbesserten (oder überhaupt erstmals betriebenen) Anti-Doping-Politik der Liga wieder sinkt. Man kann also sagen, dass ein Pitcher, der dem Gegner vier Runs erlaubt, diesem eine Siegchance von fast 50 Prozent gibt. Alles was darüber liegt, sollte dem Pitcher nicht noch in Form eines Wins als besonders positive Leistung angerechnet werden. Ähnlich lässt sich in die andere Richtung argumentieren: Wenn man weniger als 4.00 Runs erlaubt und dem eigenen Team damit eine Siegwahrscheinlichkeit von über 50 Prozent gibt, sollte man nicht für eine Niederlage verantwortlich gemacht werden können.

 

Die Voraussetzungen für einen Earned Win sind also:

1. ein Sieg der Mannschaft des Pitchers, der den Win erhält,

2. mindestens fünf absolvierte Innings (über die Hälfte des Spiels) des Starting Pitchers,

3. maximal 4.00 Runs/9 IP erlaubt,

4. Das Ergebnis zum Zeitpunkt der Auswechslung ist unerheblich.

 

Die Voraussetzungen für einen Deserved Loss wären:

1. Eine Niederlage der Mannschaft des Pitchers, der den Loss erhält,

2. minimal 4.00 Runs/9 IP erlaubt,

3. Die Anzahl der Innings und das Ergebnis bei Auswechslung sind unerheblich.

 

Damit ist auch klar, dass in meinem System nicht immer ein Win und ein Loss vergeben werden, jedoch immer mindestens eines von beiden. Manch einen mag das irritieren, wenn man aber der eigentlichen Bedeutung von Win und Loss wirklich gerecht werden will, lässt sich das nicht vermeiden. Wenn zum Beispiel ein Spiel 15-12 endet (und die Starter ihren Anteil an diesen Runs hatten), kann man zwar sagen, dass das Pitching des unterlegenen Teams das Spiel verloren hat, wohl aber nicht das das gegnerische Pitching das Spiel gewonnen hat. In diesem Fall war es wohl vielmehr so, dass die Offensive durch ihre 15 erzielten Runs das Spiel gewonnen hat und eine schwache Pitcherleistung ausgleichen konnte.

 

Unter Berücksichtigung dieser Kriterien habe ich mal einen Blick auf einige konkrete Beispiele aus der Saison 2008 geworfen, bei denen die W-L-Bilanz in klarem Missverhältnis zum ERA standen, um zu sehen, wie tauglich der Earned Win zum besseren Leistungsnachweis für Starting Pitcher ist.

Im Folgenden sind die vermeintlichen Glückspilze und Pechvögel der vergangenen Saison aufgelistet:

 

B. Webb: 22-7, 3.30 ERA, 75,86 % (123 Siege)

J. Santana: 16-7, 2.53 ERA, 69,56 %(113 Siege)

 

A.J. Burnett: 18-10, 4.07 ERA, 64,28 %(104 Siege)

C.Hamels: 14-10, 3.09 ERA, 58,33 % (94 Siege)

 

B. Arroyo: 15-11, 4.77 ERA, 57,69 % (93 Siege)

M.Cain: 8-14, 3.76 ERA, 36,36 % (59 Siege)

 

Durch diese Auflistung habe ich schon ein Manko der bestehenden Win-Regel behoben, indem ich nicht die Anzahl der Wins, sondern deren prozentualen Anteil von Siegen an den Entscheidungen eines Pitchers als Kriterium genommen habe. Ansonsten wäre Burnett sogar vor Santana und Arroyo vor Hamels gelandet. In Klammern ist die Anzahl von Siegen aufgeführt, die eine Mannschaft theoretisch erreichen würde, wenn dieser Pitcher jedes Spiel beginnen würde. Wendet man nun die Earned Win-Regel auf die vergangene Saison dieser Pitcher an, so ergibt sich folgendes Bild:

 

B. Webb: 20-7, 74,07 % (120 Siege)

J. Santana: 18-5, 78,26 % (127 Siege)

 

A.J. Burnett: 12-8, 60,00 % (97 Siege)

C. Hamels: 14-6, 70,00 % (113 Siege)

 

B. Arroyo: 15-14, 51,72 % (84 Siege)

M. Cain: 11-11, 50,00 % (81 Siege)

 

Auch wenn diese Statistik den Faktor der Offensivunterstützung, die ein Pitcher erhält, nicht komplett beseitigen kann, gibt die Earned Win-Bilanz deutlich mehr Aufschluss über die wahre Leistung eines Pitchers. Johan Santana ist hier, wie es eigentlich auch sein sollte, der prozentual gesehen beste dieser sechs Pitcher der vergangenen Saison. A.J Burnett ist nach wie vor gut, aber eben nicht so gut, wie uns die traditionelle Statistik glauben macht, vor allem aber ist Cole Hamels nun sichtbar stärker als er, was er unter Einbeziehung anderer Statistiken auch zweifelsfrei war. Bronson Arroyo kommt mit einem ERA von 4.77 zwar noch immer viel zu gut davon, liegt aber nur noch hauchdünn vor Matt Cain, dessen Bilanz seinerseits stark verbessert dasteht. Zu Arroyos Verteidigung muss man allerdings sagen, dass er sein ERA vor allem durch wenige katastrophale Auftritte runiert hat, nicht etwa durch konstant schlechte Leistungen. Bei den Earned Wins liegt nach wie vor ein großes Gewicht auf der Offensive, da ohne einen Sieg der eigenen Mannschaft eben auch kein Win möglich ist. Bei den Deserved Losses jedoch ist - Defensive ausgeklammert - nur noch der Pitcher verantwortlich. Erlaubt er weniger als 4.00 Runs über neun Innings, kann ihm auch mangelnde Unterstützung durch die Offensive zumindest nicht schaden.

 

Natürlich kann auch diese Statistik niemals alle Faktoren berücksichtigen, die Einfluss auf das Ergebnis eines Spiels haben. Defensivleistung wird wie bisher nicht beachtet,da nicht die Earned Runs, sondern alle zugelassenen Runs ausschlaggebend sind. Auch die kleinen Unterschiede der beidenLeagues und die Besonderheiten, der einzelnen Stadien werden nicht berücksichtigt. Jedoch lag die Runausbeute der durchschnittlichen AL-Offensive in den letzten sieben Jahren nie mehr als 0,25 Runs über der in der NL. Und auch der Stadionfaktor wirkt sich nur auf circa die Hälfte der Spiele eines Pitchers aus und betrifft während eines einzelnen Spiels beide Pitcher gleich. Im Endeffekt würden Stadioneigenarten dafür sorgen, dass in hitterfreundlichen Parks (z.B. Colorado, Cincinnati, Texas, Philadelphia) tendentiell Wins schwieriger und Losses häufiger wären, wohingegen in pitcherfreundlichen Stadien (San Diego, Los Angeles Dodgers, Oakland) das Gegenteil der Fall wäre. Schließlich wird es immer Einzelfälle besonderer Spielverläufe geben, die die Verteilung von Win und Loss fragwürdig erscheinen lassen. All diese Einflüsse würden die Bilanz eines Pitcher allerdings weitaus weniger verfälschen als es bisher mit der traditionellen Regel der Fall ist.

 

Ich gebe mich auch nicht der Illusion hin, dass die Win-Statistik jemals geändert oder gar abgeschafft werden wird, was auch - allein der Tradition wegen – gut so ist. Jedoch sollte diese Statistik nicht mehr als Hauptargument für die Leistung eines Pitchers angeführt werden. Genau aus diesem Grund soll die Spielerei mit dem Earned Win nur einen möglichen Ansatz zur Schaffung einer aussagekräftigeren Statistik zu Bestimmung des wahren Erfolgs darstellen. In nächster Zeit werde ich weitere Pitcherbilanzen des vergangenen Jahres untersuchen und auch in der kommenden Saison ein Auge darauf haben, um die Effektivität dieser Statistik in einem größeren Rahmen weiter zu untersuchen.

 

 

 

 

 

Kommentare
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Erich
(Publisher) 17-01-2009 20:56
Alleine bei Matt Cain sieht man eigentlich wie unsinnig die W-L Statistik ist. Dem ERA zufolge
eigentlich einer der besten Pitcher in der MLB hat er eine neg. W-L Bilanz.

Theoretisch gesehen hätten die Giants nur 59 Spiele gewonnen, wenn Cain alle 162 Spiele
durchgepitcht hätte also wesentlich schlechter als es tatsächlich war.



Bei den Pitchern gibt es halt leider nur eine aussagekräftige Statistik und das ist der ERA, oder
der verwandte WHIP.



Batter hingegen haben 3 wichtige Statistiken, der AVG welcher die Treffsicherheit erfasst, die HR
welcher die Schlagkraft erfasst und die stolen Bases die die Schnelligkeit erfassen.

Auch diese 3 Statistiken sind ausschliesslich von den indi...
 
avatar
freshprince85
(Registered) 18-01-2009 11:11
Ich sehe es ganz genau so. Die W-L-Stat ist der reinste Müll und sagt GAR NICHTS aus!

Auf jeden Fall ist es eine sehr gute Blog-Idee, da sie auch Einsteigern helfen wird ;)
 
Thomas
(Registered) 18-01-2009 14:10
@Lois:



Darüber werde ich auch noch was schreiben, deswegen fasse ich mich kurz: Im Vehältnis zur
Wichtigkeit, die ihr beigemessen wird, ist die schlimmste Statistik der Save. Aber Avg., HR und SB
sind alles andere als aussagekräftige Statistiken. Über Runs und RBI müssen wir gar nicht reden.
Aber Slugging und On-Base-Percentage sagen viel mehr aus als Avg und HR. Un Stolen Bases müssen
immer im Verhältnis zu den Caught Steals gesehen werden.

Selbst ERA finde ich mittlerweile nicht mehr so aussagekräftig. WHIP ist da schon besser. Ich
persönlich finde, dass man die beste Orientierung durch FIP (Fielding Independent Pitching), dass
den Faktor Defensive komplett ausklammert.
 
Thomas
(Registered) 18-01-2009 14:17
Ergänzung:

Wenn schon ERA, dann sollte es schon das ERA+ sein, dass schonmal die Unregelmäßigkeiten zwischen
den beiden Leagues und den einzelnen Stadien rausrechnet. Das Gleiche gilt in der Offensive für
OPS+, wohl die aussagekräftigste einzelne Statistik in der Offensive, vielleicht sogar im ganzen
Baseball.
 
Stats
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Basti
(Publisher) 18-01-2009 14:26
Pitcher: Hier finde ich sollte man den WHIP und ERA an erster Stelle erstmal betrachten...

Wins und Losses sagen nicht viel aus bzw. sehr oft überbewerten sie einen Pitcher, oder sie
unterwerten die Leistung des Pitchers, wenn er im Laufe der Saison einfach keinen Run-Support
bekommt (Run-Support ist auch ne gute Statistik für Pitcher btw...), ist dann Glück oder Pech, wenn
man 8mal in der Saison 1-2 unterliegt, aber ein anderer Pitcher der selben Liga immer beim Stande
von 5-3 ausgewechselt wird und das Bullpen die Führung halten kann.

Zur Save-Statistik sollte man zusätzliche Punkte verteilen wie hoch die Führung war, die es zu
sichern galt. Des weiteren sind WHIP und ERA eines Closers viel wichtige...
 
leeroy kincaid
(Registered) 19-01-2009 00:30
was wäre baseball ohne statistik?

und es wird immer so sein, dass die statistik nie der wahrheit zu 100% entspricht.

hut ab vor deinen bemühen, die aussage von win/loss der wahrheit anzunähern, aber läuft es nicht
darauf hinaus, oder wäre es nicht einfacher, den pitcher dahingehend zu bewerten, indem ich das
verhältnis von starts unter 4 runs/9IP zu absoluten starts betrachte? würde vielleicht auch bei
reliefern funktionieren.
 
Thomas
(Registered) 19-01-2009 01:10
Dein Vorschlag entspräche ja ungefähr dem bereits bestehenden Quality Start, nur mit etwas höheren
Anforderungen, denn 6 IP mit max. 3 Runs ist nicht ausreichend. Dennoch finde ich den QS
aussagekräftiger als Wins.

Mir ging es eben nur darum eine bessere Variante der Win-Loss-Bilanz zu finden.

Die meiste Aussagekraft über die Leistung eines Pitchers hat wohl ohnehin ERA+, für Vorherdagen wohl
FIP.
 
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Thomas Kuhnert

 
thomas65x90 Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report.
Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.