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Das Einmaleins des Fantasy Baseball
Baseball – der perfekte Fantasy Sport
Es gibt einfach keinen Sport, der annähernd so gut für Fantasy geeigenet ist wie Baseball. In keinem Sport kann man die Leistungen der Spieler so gut in Zahlen ausdrücken und so realistische Teams draften. Im Fußball oder Eishockey können einfach zu viele Aspekte des Spiels nicht in Zahlen erfasst werden. Im Fantasy Football hat das Team so gut wie nichts mit einem echten NFL-Kader gemein, da in den ersten Runden fast ausschließlich Running Backs, vereinzelt Quarterbacks und Wide Receivers gedraftet werden und die Defensive so gut wie keine Rolle spielt.
Die Leistungen im Baseball kann man – mit Ausnahme der Defensive – sehr gut in Zahlen ausdrücken, was natürlich auch von den gewählten statistischen Kategorien abhängt, worauf ich später noch ausführlicher eingehen werde. Auf Deutsch würde man Fantasy Baseball wohl als Managerspiel bezeichnen. Tatsächlich wird Fantasy Baseball diesem Namen so gerecht wie kein anderer Sport, indem man in der Regel eine Kadergestaltung hat, die den Originalvorbildern sehr nahe kommt. Doch bevor man sich in die neue Saison stürzt, müssen einige Fragen geklärt werden.
Kategorien oder Punkte?
Zu Beginn muss man sich zunächst für eine der zahlreichen Varianten entscheiden, in denen Fantasy Baseball gespielt werden kann. Im ersten Schritt muss man das Wertungssystem festlegen. Der übliche Modus sind Katgorien. Hierbei wählt man beliebige Statistiken, in denen die Spieler der einzelnen Teilnehmer gegeneinander antreten. Die klassischen 5x5-Statistiken sind in der Offensive HR, R, RBI, AVG und SB, im Pitching W, K, SV, ERA und WHIP. Die Alternative zu dieser Wertungsweise ist das Punktesystem, bei dem jeder Leistung ein bestimmter Punktewert zugeteilt wird (z.B.: HR = 4 Punkte, 2B = 2, K = 1 Punkt, BB = -1 Punkt). Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Versionen besteht darin, dass man seinen Kader entsprechend der Kategorien ausgeglichen gestalten muss. Es bringt einem nichts, in zwei Kategorien zu dominieren, die anderen aber klar zu verlieren, da das Ziel sein muss, in möglichst vielen Kategorien möglichst gut zu sein. Bei Punkten hingegen kann man nie genug von einer Statistik haben. Wenn man beispielsweise extrem viele Home Runs schlägt, kann man damit Schwächen im Schlagdurchschnitt oder bei den Stolen Bases ausgleichen.
Rotisserie oder Head-to-Head?
Die nächste Wahl betrifft den Saisonmodus, bei dem man sich zwischen dem klassischen Modus, der sogenannten Rotisserie, und dem Head-to-Head-Modus entscheiden kann. Rotisserie ist der Name des Restaurants (La Rotisserie Francaise) in New York City, in dem sich die Fantasy-Pioniere in den frühen Achtzigern trafen, um ihre Transaktionen durchzuführen, lange bevor es das Internet gab. Es bezeichnet die Speilweise, in der die Kategorien oder Punkte über die ganze Saison angehäuft werden (bei Kategorien bekommt der letzte in jeder Kategorie einen Punkt, der Vorletzte zwei, usw.). Am Ende gewinnt derjenige, der die meisten Punkte sammeln konnte.
Im Head-to-Head-Modus beginnt man jede Woche bei null. Man spielt nicht um die Statistiken allein, sondern immer nur gegen einen Gegner pro Woche. Wer mehr Punkte holt gewinnt das Duell. Beim Kategorien-System hat man die Wahl: Entweder gewinnt derjenige, der mehr Kategorien für sich entschiedet das Duell für sich (also 1-0) oder jede Kategorie wird als ein “Spiel” gewertet. Ein typisches 5x5 Duell endet also beispielsweise 5-3-2 (Siege – Niederlagen – Unentschieden). Letzterer Modus ist insofern gerechter, als dass er einseitige oder knappe Duelle berücksichtigt und nicht nur auf- oder abrundet. Am Ende der Saison gibt es im Head-to-Head Playoffs. In diesem Modus ist es aufgrund der kurzfristigen Schwankungen auch wichtig, bei der Spielerwahl darauf zu achten, dass die Spieler möglichst konstant sind und im Laufe einer Saison nicht zu viele Schwächephasen haben.
Der Rotisserie-Modus ist dabei eigentlich der leistungsgerechtere, da in aller Regel das beste Team gewinnt. Allerdings hat es den großen Nachteil, dass es – wenn man erstmal abgeschlagen ist – schnell langweilig werden kann. Das wöchentliche Duell gegen einen Mitspieler ist um einiges unterhaltsamer und tröstet darüber hinweg, dass in den Playoffs eventuell ein Team gewinnt, das nur zur richtigen Zeit einen Lauf hat. So ist es ja auch im wahren Baseball und schließlich geht es bei dem Ganzen ja vor allem um den Spaß.
Draft oder Auktion?
Nun muss man sich noch für die Form der Mannschaftszusammenstellung entscheiden. Da wäre zum einen der Draft bei dem man – ähnlich wie früher im Sportunterricht – der Reihe nach wählt. Wer in der ersten Runde die erste Wahl hat, hat in der zweiten die letzte und umgekehrt. Nach diesem Prinzip wird dann verfahren bis alle Kader gefüllt sind. Die Alternative dazu sind Auktionen, bei denen jeder Teilnehmer einen bestimmten Geldbetrag erhält und jeder Spieler nacheinander versteigert wird. Die Kriterien, nach denen man einen Spieler draftet oder nicht, sind auch davon abhängig, ob man mit sogenannten Keepern spielt. Keeper bedeutet, dass man eine festgelegte Anzahl von Spielern auch in die Folgesaison mitnehmen kann. Ein großes Talent, dass mittel- bis langfristig zum Star werden könnte, ist in diesem Modus natürlich viel wertvoller, auch wenn es kurzfristig nur von begrenztem Nutzen sein mag.
Wieviele Mitspieler?
Ich persönlich bevorzuge aus den oben geschilderten Gründen Kategorien, Head-to-Head und Draft als die Grundeinstellungen. Für Einsteiger sind Ligen mit zehn oder zwölf Teilnehmern sicherlich empfehlenswert, allerdings geht dadurch viel Spieltiefe verloren. Denn zu viele Spieler bleiben auch nach den Draft auf der Free-Agent-Liste, was einerseits den Draft abwertet, andererseits Trades unwahrscheinlicher macht, da man auch so häufig gute Spieler finden kann. Außerdem macht es mehr Spaß, wenn nicht alle Kader wie All-Star-Teams aussehen, sondern auch mit etwas tieferrangigen Spielern besetzt sind. Daher spielen wir auch in den diesjährigen mlbi-ESPN-Ligen mit 16 bzw. 14 Mitspielern.
Welche Kategorien?
Bei den Kategorien nehme ich nur kleine Ergänzungen vor. Die klassischen 5x5 lasse ich dabei unberührt und ergänze sie durch OBP und SLG (oder nur OPS) in der Offensive und durch QS und Winning Percentage (oder nur QS) im Pitching. Für welche konkreten Kategorien man sich auch entscheidet, sollten es immer gleich viele Offensiv- wie Pitchingstatistiken sein, damit sich der Wert eines Hitters und eines Pitchers ungefähr die Waage halten. Außerdem sollten es nicht zu viele Statistiken sein, schon gar keine, die sich entweder einander bedingen oder ausschließen. Wenn man also in der Offensive Hits, Schlagdurchschnitt und Strikeouts (selbstverständlich so wenig wie möglich) wählt, wird ein Spielertyp zu sehr bevorzugt. Auch sind zu viele Kategorien meiner Meinung nach eher dem Spielspaß abträglich, weil das Spielgeschehen immer unübersichtlicher wird, indem fast alles, was im wahren Baseball passiert, Auswirkungen auf eine Vielzahl von Kategorien hat. Das Maximum sollte wohl bei 8x8 liegen.
Die Erweiterung der Pitching-Statistken um QS (und evtl. W%) finde ich deshalb gut, weil sie eine realistischere Kadergestaltung erfordern. Bei den klassischen fünf Pitching-Kategorien kann man theoretisch nur Reliever draften und trotzdem drei (SV, ERA, WHIP) von fünf Kategorien gewinnen. Quality Starts verleihen Starting Pitchern einen höheren Wert und sorgen zudem für eine gewisse (angemessene) Entwertung des W, da beim QS die Pitcherleistung, nicht aber die Teamleistung im Vordergrund steht. Ein angenehmer Nebeneffekt der Abweichung von den Standard-Kategorien ist, dass die diversen von ESPN, Yahoo und mlb.com vorgegebenen Draftreihenfolgen in ihrer Form nicht mehr gültig sind und etwas mehr Recherche von Seiten des Fantasy-Managers erfordern.
Weniger ist mehr
Ein wichtiger Tipp noch zum Schluss: Man sollte in einer Saison nicht zu viele Teams übernehmen!
Ich habe diesen Fehler gerade am Anfang häufig gemacht und muss mich jede Saison aufs Neue beherrschen. Wenn man es nicht mehr abwarten kann, dass die neue Saison endlich wieder losgeht, würde man am liebsten jeden Tag ein neues Team zusammenstellen. Doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man bereits nach kurzer Zeit an vielen seiner Teams das Interesse verliert, vor allem an denen in anonymen Ligen, in denen die Teilnehmer zu passiv sind oder sich gar nicht mehr um ihr Aufstellungen kümmern. Außerdem hat man irgenwann einfach keine Lust mehr, sich jeden Tag um sieben, acht oder noch mehr Kader zu kümmern. Wer selbst keine Karteileichen als Mitspieler haben will, sollte auch selbst aktiv bleiben und nicht mehr Mannschaften anmelden als er verwalten kann.
Doch selbst wenn das alles noch kein Problem darstellt, kann einem die Vielzahl an Teams sogar den Spaß an der Saison komplett verderben. Das beste am Fantasy Baseball ist es schließlich, die Spieler der eigenen Mannschaft im wahren Ligaalltag zu beobachten und mitfiebern zu können. Dieser Reiz geht jedoch sehr schnell verloren, wenn man irgendwie mit jedem mitfiebern kann, weil man ihnin irgendeinem Team hat oder sich nicht freuen kann, weil man ihn zwar in einer Mannschaft hat, aber in drei anderen Ligen gerade gegen diesen Spieler sein muss, weil ein anderer Mitspieler ihn in seinen Reihen hat.
Zwei oder drei Teams sind genug, um die ganze Saison begeistert mitfiebern zu können.
In diesem Sinne wünsche ich allen alten Hasen und Anfängern viel Spaß in der neuen Fantasy Saison!
"Managerspiel"-Kategorie wandern und dort immer auf der Startseite bleiben. Ich möchte mich
gleich noch der Warnung anschließen. Bei zu vielen eigenen Teams leidet der Spielspaß. Letztes Jahr
ist bei mir am Ende gerade Phils MLBI-Liga auf der Strecke geblieben. Das sollte natürlich nicht
sein.
In diesem Sinne: wir sehen uns in den beiden Podcast-Ligen bei ESPN. Es gilt, den dritten Platz des
letzten Jahrs zu bestätigen oder gar zu toppen. Go, Menosgada Vikings/Red Sox!
Will diese Saison auch das erste Mal Fantasy spielen, und dein Artikel hat mir wirklich noch nen
ganzes Stück weitergeholfen!
So Thx ... :zzz
sehr gut informiert und ein paar Podcast gehört...ich will gar nicht mehr zu meiner Taktik verraten
Den Tipp mit den Relievern halte ich für eher nicht so gut, das bekommt man aber auch in den
klassischen Fantasy-Podscasts immer wieder zu hören.
Ich freu mich auf den Draft und die danach beginnende Fantasy Season.
Thomas Kuhnert
Thomas Kuhnert ist 29 Jahre alt und seit Beginn an Mitglied der Redaktion von MLBInsider.de. Zusammen mit Michael Koch moderiert er regelmäßig den seiteneigenen Podcast MLBI-Report. Seine Magisterarbeit schrieb er über die Bedeutung Jackie Robinsons für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und schloss 2008 das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und Amerikanistik an der Universität Tübingen ab. Bei den Stuttgart Reds spielte er acht Jahre lang aktiv Baseball. Ursprünglich aus Stuttgart stammend wohnt er derzeit in Tübingen.
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Und wieder einmal geben die Indians einen Key-Player ab.
(29-07-2010 10:14)Amanic
au mann :-D
(28-07-2010 16:53)Johannes
re: - Video? Nur das hier...sieht schon ungesund aus wie er da reinspringt...AUA. image:htt...
(28-07-2010 15:03)Basti
Video?
(28-07-2010 14:12)Johannes
Du hast Chris Coughlan vergessen
(28-07-2010 09:46)Basti