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Closer-Vergleich – Zählt wirklich die Saveanzahl?

 
Autor: Remo Gebert Montag, 24. August 2009
 
Closer-Vergleich – Zählt wirklich die Saveanzahl? | Remo Gebert - Baseballinsider.de - Das Baseball-Portal

Der Save soll im Baseball grundsätzlich eine Pitcherleistung würdigen, mit welcher ein knapper Vorsprung gesichert wird. Dabei ist die Interpretation von „knapper Vorsprung“ jedoch sehr weitläufig, schließlich gibt es viele Möglichleiten, sich das „S“ für die Statistik zu sichern.

 

Am Häufigisten sorgt der Closer bei einen Save mit 1 bis 3 Runs Vorsprung seines Teams für die letzten 3 Outs im 9.Inning. Nun, 1 bis 3 Runs Vorsprung – hier beginnt eigentlich schon die Wertigkeit des Saves zu schwanken. Theroetisch gesehen kann sich der Closer somit bei Einwechslung in einem 2- oder 3-Run-Game (hier: 2:0 bzw. 3:0) einen Pitchingfehler erlauben, der dann im Härtefall zum Home Run führt – das 2:1 oder 3:1 wäre die Folge, aber den Save erhält er dennoch, sofern es beim Sieg seines Teams bleibt. Bei einem Spielstand von 1:0 würde er durch den angesprochenen Home Run und das folgende 1:1 jedoch einen Blown Save erhalten!

 

Ein einfaches Beispiel, dass Save nicht gleich Save ist. Ob der Closer für den späteren Save nur einen oder vier Runner Aus machen musste wird nicht berücksichtigt, genauso wenig ob dies bei einer 7:4-Führung oder 1:0-Führung geschah. Daher im Folgenden der Versuch, die derzeitig wichtigsten Closer der MLB-Teams etwas genauer zu betrachten – vor allem in Hinsicht auf die Wertigkeit ihrer Saves.


Um zunächst einen groben Überblick zu bekommen, an dieser Stelle die bekannte Savestatistik: Wer die meisten Saves hat, steht ganz oben! Alle genannten Daten beziehen sich dabei auf Statistiken der letzten knapp 3 Jahre (Beginn der Saison 2007 bis Ende Juli 2009). Ferner wurden nur Closer berücksichtigt, die mind. 50 Savemöglichkeiten während dieses Zeitraums hatten.

Francisco Rodriguez (Angels, Mets)                125

Jonathan Papelbon (Red Sox)                       103

Joe Nathan (Twins)                                102

Jose Valverde (Diamondbacks, Astros)              102

Francisco Cordero (Brewers, Reds)                 100

 

Nun, die beiden All-Time-Saveleader sucht man hier schon vergebens, denn sowohl Mariano Rivera (98) als auch Trevor Hoffmann (94) waren von der reinen Saveanzahl her deutlich hinter dem Führenden Francisco Rodriguez. Der Venezulaner setzte sich vom Rest des Feldes vor allem durch seine Rekordsaison 2008 mit 62 Saves ab.

Dennoch kann man den Wert der Saves der letzten Jahre anhand der absoluten Statistik nur sehr oberflächig betrachten: 100 Saves in drei Jahren sind schön und gut, aber wenn – um es mal zu übertreiben – der Closer 150 Savemöglichkeiten hatte, sind 50 Saves bei 60 Versuchen deutlich höher anzusehen. Zu selten wird jedoch ein Closer nach der prozentualen Save-Statistik bewertet. Dies soll daher in der folgenden Auflistung zum Ausdruck kommen, in welcher die Saves seit 2007 in Relation zu den Savechancen gesetzt werden:


Mariano Rivera (Yankees)                          94,2 %

Jonathan Papelbon (Red Sox)                       91,2 %

Joakim Soria (Royals)                             89,2 %

Joe Nathan (Twins)                                88,7 %

Francisco Rodriguez (Angels, Mets)                88,7 %

 

Und schon sehen wir den Closer Nr. 1 (Trevor Hoffmann hört mal kurz nicht hin!) auch auf Platz 1: Mariano Rivera musste seit 2007 nur sechs Mal einen Blown Save hinnehmen – und das bei 104 Savemöglichkeiten! Ein gutes Beispiel ist sein Wert der letzten Saison (2008): 39 Saves, 1 Blown Save (97,5 %) – dagegen sind die 62 Saves von Francisco Rodriguez bei 7 Blown Saves (89,8 %) im Vehältnis gesehen doch schwächer einzuschätzen.

Mit Joakim Soria steht auch der Closer eines nicht gerade ambitionierten Teams weit oben – bei 74 Saves und 9 Blown Saves aber absolut verdient. Trevor Hoffmann im Übrigen verpasste die Top 5 mit 87,9 % nur knapp.

 

Eine Statistik unabhängig der reinen Savezählung ist der WHIP (Walk und Hits per Inning). Gerade bei Closern müsste man dieser Statistik jedoch noch mehr Aufmerksamkeit schenken, denn der Pitcher sollte im Idealfall gar nicht erst einen Runner wie auch immer auf eine Base kommen lassen. Um das Bild der derzeitigen Closer an dieser Stelle abzurunden, sollte die WHIP-Statistik seit 2007 nicht fehlen:


Mariano Rivera (Yankees)                          0,88

Joakim Soria (Royals)                             0,91

Joe Nathan (Twins)                                0,92

Jonathan Papelbon (Red Sox)                       0,98

Huston Street (Athletics, Rockies)                1,05

 

Zunächst auch hier die Anmerkung zum Saverekordhalter Hoffmann: Mit einem WHIP von 1,07 verpasste er auch in dieser Kategorie die Top 5 nur hauchdünn!

Dennoch: Mariano Rivera dominiert wieder das Geschehen, wobei vier der fünf Closer aus der prozentualen Save-Top 5 auch den besten WHIP vorweisen. Um auch hier nochmal die Rekord-Save-Saison 2008 von Francisco Rodriguez ins Verhältnis zu setzen: 62 Saves sind in der absoluten Zahl sehr beeindruckend, doch neben der vorher erwähnten mittelmäßigen prozentualen Savebilanz lag auch sein WHIP trotz der 62 Saves nur bei 1,29! Ein weiteres Beispiel ist Phillies Closer Brad Lidge, der in der letzten Saison (2008) jede seiner 41 Savechancen nutzte. Dennoch: Er hatte dabei nur einen mittelmäßigen WHIP von 1,23 und damit fast den identischen (1,25) wie in seiner Saison zuvor bei den Astros. Entsprechend abgeflacht sind auch seine bisherigen Save-Zahlen in der Saison 2009: 25 Saves bei 33 Möglichkeiten (76 %). Sein WHIP beträgt bisher im Übrigen 1,77 (!).

 

Was kann man nun als Fazit der Closerbewertung ziehen? Zunächst, dass Save nicht gleich Save ist. Die Statistik der absoluten Savenanzahl ist einfach und leicht, aber hat nicht wirklich viel spezifische Aussagekraft. Vielmehr sollte man dem WHIP mehr Aufmerksamkeit schenken, da er doch deutlich detaillierter die Leistung eines Pitchers bewertet. Gerade bei der Closerbetrachtung ist der WHIP gewichtiger zu betrachten als der ERA.

Grundsätzlich jedoch sollte jeder Save in Relation zu den Savemöglichkeiten bzw. den Blown Saves gesetzt werden. Bei den Hittern wird die Anzahl der At Bats (also Versuche) schließlich auch beim Batting Average miteinberechnet – selten spielt die reine Hit-Anzahl eine Rolle. Bei den Saves hingegen wird in der Regel nur die absoute Zahl des Erreichten angegeben, anstatt nicht auch das Erreichte immer in Relation zu den Versuchen zu setzen um somit eine aussagekräftigere Save-Statistik zu schaffen.

Kommentare
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9o9o
(Registered) 25-08-2009 12:14
Man mus aber auch sagen das Saves nur bekommen kann wenn die Deffens mitspielt und die offensive B)
 
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Basti
(Administrator) 25-08-2009 12:34
Die MLB hat noch so ein Punkte-System für Closer eingeführt, wo die Führung, inherited Baserunners
etc. noch mit berücksichtigt werden. An Hand dieser Punkte wird dann auch immer der sogenannten
Rolaids Relief Award verliehen.

Ein kleiner Aspekt fehlt noch: Ein Relief Pitcher bekommt automatisch einen Save zugesprochen, wenn
er die letzten neun Outs eines Spiel erzielt, egal wie hoch die Führung seiner Mannschaft
beträgt...ob so eine Regelung Sinn macht oder nicht, mag dahingestellt sein. Es kommt so gut wie nie
vor. Alfredo Aceves hatte dieses Jahr glaube ich sogar einen 4-Inning-Save, aber ansonsten kommt
sowas wenn überhaupt immer nur in Spielen mal vor, die früh entschieden sind, wo der Long-R...
 
Erich
(Publisher) 25-08-2009 18:01
Der Save ist schon eine sehr fragwürdige Statisitk. Warum, dass kommt durch den Artikel sehr gut
hervor.
Echt gut ausgewertet.
Riveira, Papelbon, Nathan und Soria sind schon die Besten.

Was ich auch schade finde, durch den Save werden Middle Reliefer fast gar nicht mehr gewürdigt
(sieht man z.B. beim Fantasy). Und da gibt es auch einige sehr gute.
 
re:
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Basti
(Administrator) 25-08-2009 21:24
Erich schrieb:
...
Was ich auch schade finde, durch den Save werden Middle Reliefer fast gar nicht mehr gewürdigt
(sieht man z.B. beim Fantasy). Und da gibt es auch einige sehr gute.


Das kommt immer auf die Liga an Erich: Es gibt Ligen, wo es auch Holds gibt. Reliever produzieren ja
auch einen WHIP und KS, haben eine Win-Loss Statsitik, die man auch in Win% beim Fantasy-Baseball
messen kann usw...sicherlich ändern Reliever in einem Fantasy-Team nicht viel am Gesamtergebnis
eines Pitching-Staffs, aber sie können entscheidend innerhalb eines Spieltags oder einer Saison
sein.

LG
B
 
Erich
(Publisher) 25-08-2009 21:43
Basti,
aber alle diese Werte (WHIP, ERA. SO) produzieren auch Starter und Closer.
Speziell bei den W, QS und SV haben Middle Reliefer aber einen Nachteil. (OK meine Liga hat keine
Holds)
Aber nicht nur beim Fantasy, sondern generell, wen interessieren die Middle Reliefer, ich denke da
nur mal an die Red Sox, die dort mit Delcarmen, Ramirez, Okajima oder Saito wirklich Top-Leute
haben. Die gehen doch zwischen Beckett, Lester und Papelbon ein wenig unter.
 
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Basti
(Administrator) 26-08-2009 01:20
Leider gehen sie unter, obwohl sie ja in den Play Offs dann auf 1mal sehr wichtig werden, wenn das
Spiel mit dem Pen verkürzt wird und dann jeder Reliever seinen Einsatz bekommt...finde das auch sehr
schade.

Leute wie Brandon Lyon oder Dan Wheeler gehen die Saison total unter...dabei pitchen sie aus den Pen
wirklich sehr gut!
 
re:
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Willitouch
(Registered) 26-08-2009 10:41
Basti schrieb:
(c) He pitches effectively for at least three innings.


Soweit ich weiß, wurde die Forderung nach Effektivität zu dieser Saison gestrichen. Zumindest ist
das im Deutschen Scoring so. Es ist auch immer schwer ein solch subjektives Kriterium anhand der
Statistiken einheitlich zu bewerten.
 
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