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Rosterküche

 
Autor: Daniel Kroiss Donnerstag, 04. März 2010
 

birdsbatsNach einer eher unfreiwilligen Pause ist Birds & Bats nun mit seiner bereits siebten Ausgabe zurück. Was dieses Mal auf euch zukommt ist leicht erklärt: Ein genauerer Blick auf den Roster der Cardinals und John Mozeliaks Strategie, einen schlagkräftigen Kader zusammen zu stellen.

Jede Off Season in der Major League gleicht einem Kochduell unter renommierten Küchenchefs (General Manager): alle Kochen das gleiche Gericht (Roster), für einen Bewerb (die Major League), jedoch jeder von ihnen mit einem anderen Rezept (Kaderzusammenstellung).

Geschäftiges Treiben in der Cardinals-Küche (CC-BY-SA - Bild von eschipul)

Der Anfang sieht bei allen noch ziemlich ähnlich, die Köche gehen zuerst mal in ihre eigene Küche und sehen sich dort um, was sie von ihrem letzten Gericht recyceln können (Überbleibsel aus dem Vorjahreskader). Da fast alle Küchenchefs bereits vor ihren letzten Gerichten an die Zukunft gedacht haben (außer vielleicht ein gewisser O. Minaya) ist hier noch so einiges zum verwerten. Nach der kurzen Inventur der Küche und deren Vorräten schreiben die Küchenchefs ihren Lehrlingen (Scouts) eine Liste von all jenen Dingen und Zutaten die sie noch brauchen, um ihre Speise anzurichten. Mit dieser Liste machen sich dann die Lakaien auf in das eigene Gewächs- bzw. Schlachthaus  oder auch in die angeschlossene Konditorei (Minor Leagues) und in den Supermarkt (Free-Agent-Markt). Hier kommt es nun zur ersten großen Trennung zwischen den Philosophien der Küchenchefs: die Einen wollen etwas komplett Neues ausprobieren und setzten deswegen fast ausschließlich auf einige wenige bewährte (Veteranen) und viele noch nicht erprobte Zutaten (Rookies), die Anderen dagegen wollen die, an sie gestellten Herausforderungen, mit ihren bereits etablierten und bereits preisgekrönten, somit auch viel teureren Ingredienzien (Stars) meistern.

Hin und wieder kommt es auch vor, dass ein Chefkoch komplett außer Kontrolle gerät und plötzlich um seine preisgekrönten Zutaten (Santana, Reyes, Wright) einfach nur qualitativ minderwertiges Fleisch wickelt (unzählige Backup-Catcher sowie einigen AAAA-Spielern  und glaubt er könne damit dann allen zeigen, dass ihre Quantität über die Qualität manch anderer Menüs (Philly, St. Lou,...) erhaben ist.

Wer dann am Ende das beste Essen gekocht hat, zeigen die jeweiligen Wertungen nach dem Grunddurchgang (Regular Season). Hier ist aber jedoch noch keine eindeutige Entscheidung getroffen, wer das absolut beste Gericht gekocht hat, denn bis dahin gab es unterschiedliche Aufgabenstellungen für die Köche, wie zum Beispiel: Mehlspeise, Suppe, Fischgericht und so weiter (Divisionen).

Ab diesem Punkt wird es dann wirklich schwierig für alle Teilnehmer, weil nun eine neue Aufgabe auf sie zukommt (Playoffs). Hier geht es nicht nur darum eine einzelne Speise, sondern ein ganzes Menü. Der Haken an der Sache? Es dürfen nur noch Zutaten verwendet werden, die auch schon im Grunddurchgang verbraucht wurden, und nur wer hier die richtige Mischung hat, gewinnt am Ende mit seinem gesamten Team das ultimative Kochduell (World Series).

Wie im Vorjahr: Verlässlich-guter Knödelteller (CC-BY - Bild von saschapohflepp)

Genug der ausschweifenden Anekdoten, nun schauen wir uns das Rezept, dass John Mozeliak gewählt hat, ein Mal genauer an. Moes Vorgänger und auch er hatten in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet, was die Nachhaltigkeit seiner Ressourcen betraf. Von Anfang an konnte er mit drei der wertvollsten Bausteine des gesamten Bewerbs planen (Pujols, Carpenter, Wainwright). Als nächstes verstärkte er die Knödl-Fraktion (Pitcher), aus dem Supermarkt mit einer Packung Fleichknödel (Penny), zu einem moderaten Preis. Einer seiner Einkäufer schlug ihm außerdem vor doch mal bei einem Diskounter eine Packung Billigtopfenknödel zu kaufen (Hill), da diese vor einiger Zeit ganz gut geschmeckt haben sollen. Mozeliak wußte jedoch aus Erfahrung, dass diesem Diskounter-Futter nicht unbedingt zu vertrauen ist, und rief bei seinem guten Freund, dem Chef-Verkoster (Jeff Lunhow, Scouting-Direktor) an, welcher ihm sagte er solle doch auch heimische Produkte aus dem Hause McClellan und Garcia testen.

Nun wurde es Zeit zur Fleischbeschau, dem wohl größten Brocken auf dem Einkaufszettel der Red Birds in diesem Jahr. Hier hielt man sich gar nicht lange in der eigenen Zucht auf, sondern stellte sehr bald Fallen auf, um das entführte Kobe-Rind (Holliday) wieder in den eigenen Stall zurück zu bringen. Obwohl dieses Rind eigentlich ausschließlich zur Fleischproduktion bestimmt war (Offensivproduktion), wurde es von einem altbekannten Rinderdieb (Scott Boras) noch anständig gemolken, bevor es zurück in den Stall nach Missouri geführt werden konnte. Weiter ging es für Jonny Moe mit dem Füllen der Vorratskammern für kommende Jahre (Vertragsverlängerung für Ludwick und Schumaker), sowie einem kleinen Unterberg-Verdauungschnaps (Lopez), den man noch mit einpackte, als man bereits an der Kassa stand.

St. Louis vertraut auf selbstgemachte Palatschinken (CC-BY-SA - Bild von ingmar.greil)

Warum sich das Küchenteam (Front Office) bis zum heutigen Tag noch nicht wirklich gekümmert hat ist die Nachspeise (Bullpen). Hier verlässt man sich vollkommen auf Omas Apfelstrudel vom Vorjahr (Franklin), bei dem man sich aber nicht wirklich sicher sein kann, ob alle Äpfel sich gut gehalten haben, nach Monaten im Kühlschrank. Was wenn dieser nicht mehr essbar ist? Welches Gericht will man dann in den Bewerb schicken? Den noch unausgereiften ehemaligen Gemüsestrudel „Motte“ (Catcher) aus dem dann doch kurzfristig ein Topfenstrudel (Pitcher) gemacht wurde oder vielleicht einem noch komplett unbekannten Nutella- (Boggs) oder Marmelade-Palatschinken (Hawkesworth)?

Kommentare
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Daniel
(Publisher) 03-03-2010 23:54
Mich würde nun eure Meinung intressieren wie euch dieses Gericht schmeckt? Hättet ihr andere Zutaten
genommen? Würdet ihr noch das eine oder andere fehlende Teil hinzufügen? Eure geschätzten Kochkünste
sind nun gefragt!
 
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Willitouch
(Registered) 05-03-2010 20:27
Schöne Idee mit dem Vergleich, aber sei mir nicht böse, wenn's mir nicht gefällt. :unsure: Ich
fands ein wenig überstrapaziert, auch wenn das österreichsich Urlaubsgefühle weckt.

Johannes macht das um Welten besser.
 
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Kolumnen - Birds & Bats